Bilder von Hieronymus Bosch

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Bildnis des Hieronymus Bosch (um 1550, Jacques Le Boucq zugeschrieben)

Hieronymus Bosch war ein Maler des ausgehenden Mittelalters an der Schwelle zur Neuzeit. Dieser Artikel listet die wichtigsten Bilder von Hieronymus Bosch auf und beschreibt ausgewählte Bilder näher.

Eine Auswahl der wichtigsten Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Steinschneiden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hinter dem Begriff „Steinschneiden“, das im Mittelalter praktiziert wurde, verbarg sich ein Gaunerstück: Fahrende Quacksalber boten reichen Leuten an, ihnen gegen ein hohes Entgelt „den Stein“ aus dem Kopf zu operieren und sie damit von Dummheit und Narretei zu befreien. Wie das vonstattenging – zumal ohne Narkose –, ist nicht überliefert. Es gibt außer dem Bild von Bosch weitere (teilweise ziemlich blutig ausgemalte), die diesen Vorgang zum Inhalt haben. Bis heute erhalten hat sich die Redensart, „jemandem [etwas] aus den Rippen schneiden“.

Das Steinschneiden

Boschs Darstellung des Steinschneidens, die im Museo del Prado in Madrid zu besichtigen ist, ist von einem Text umrandet: „Meester snyt die Keye ras – Myne name Is lubbert Das“. - „Meister, schneid den Stein rasch (heraus) - Mein Name ist dummer Dachs“ (in manchen Übersetzungen „kastrierter Dachs“).

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vier Personen befinden sich auf dem Gemälde: Der „Patient“ wirft einen gequälten, mitleidheischenden Blick auf den Betrachter. Der hinter ihm stehende Quacksalber ist mitten in der „Operation“. Er trägt einen umgestülpten Trichter auf den Kopf, das von Bosch geprägte Symbol für „betrügerische Absicht“. Der Quacksalber schirmt sich gegen den Himmel und damit gegen den Segen Gottes ab. Auch zieht er keine Steine aus dem Kopf des Mannes, es sind Blüten, genauer: Sumpftulpen. Der Begriff „Sumpftulpe“ stand herkömmlich für „Seerose“, in der Gaunersprache allerdings wurde er als Bezeichnung für Geld verwendet. Dass der reiche Mann dieser Behandlung nur unterzogen wurde, um ihm das Geld aus der Tasche zu ziehen, wird zusätzlich augenscheinlich gemacht durch die Tatsache, dass seine lederne Geldbörse von einem Dolch durchstoßen ist.

Unerfindlich sind die Darstellungen der Nonne und des Mönchs, die der Szene beiwohnen. Die Nonne schaut ungerührt, geradezu kalt der Operation zu und balanciert dabei ein Buch auf dem Kopf. Die Annahme liegt nahe, dass sie sich mit dem Buch ebenfalls gegen den Himmel abschirmen will, eine solche Deutung würde dem Bild eine innere Ausgewogenheit verleihen. Möglicherweise ist das Buch am Kopf der Nonne die Bibel, das würde die damalige Stellung der Frau wiedergeben. Es könnte auch sein, dass dem reichen Patienten keine Blüten aus dem Kopf gezogen werden, sondern ihm symbolisch „Flausen“ (eingeredete Ängste) in den Kopf gesetzt wurden, die nun gegen Entgelt, das für drei genügt, wieder „herausoperiert“ werden (Der Arzt könnte die symbolische Darstellung für „Manipulation des Denkens“ stehen). Die Darstellung des „Steinschneiders“ könnte man als Seitenhieb auf die Kirche interpretieren.

Tod eines Geizhalses[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tod eines Geizhalses

Hieronymus Boschs Bild „Tod eines Geizhalses“ ist in der National Gallery of Art in Washington, D.C. ausgestellt. Seine Maße – 30 cm breit, knapp 1 Meter hoch – legen die Vermutung nahe, dass es ursprünglich der rechte Flügel eines verschollenen Triptychons gewesen ist.

Mit der Darstellung des Todes eines Geizhalses widmet Bosch sich der Todsünde „avaritia“ (Habgier). Die Raffgier und Geldscheffelei des Klerus und einiger privilegierter Personen, die die Bedürftigkeit des einfachen Volkes ausnutzten und sich auf Kosten der Armen immer weiter bereicherten, waren Bosch stets ein Dorn im Auge gewesen. Sein Bild ist Ermahnung, sich im Angesicht des Todes nicht für den falschen Weg zu entscheiden. Die sieben Todsünden und insbesondere die Fixierung auf weltlichen Besitz sind auch Thema des Triptychons Der Heuwagen.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Geizhals ist auf dem Bild zwei Mal zu sehen: Im Vordergrund, der eine Rückblende auf sein Leben darstellt, als alter Mann, der Münzen in einen prall gefüllten Geldsack wirft. Teile einer Ritterrüstung, die achtlos am Boden liegen, weisen darauf hin, dass er sein Vermögen im Kampf und mit dem Blut anderer errungen hat, sowie auf seine privilegierte Herkunft aus dem Adelsstand. Rattenähnliche Wesen sind ihm beim Geldscheffeln behilflich. Die Truhe ist überdies gefüllt mit Silbergut sowie versiegelten Briefen, die auf Schuldverschreibungen und Verpfändungen hinweisen.

Im oberen Teil des Bildes liegt der Geizhals als Sterbender im Bett. Er wirkt im Gesicht etwas jünger - man ging im Mittelalter davon aus, man werde das Jenseits in einer körperlich verbesserten Verfassung betreten. Der Tod, bewaffnet mit einem Pfeil, steht im Türrahmen. Ein Engel, der dem Sterbenden zur Seite steht, versucht vergeblich, seine Aufmerksamkeit auf den Lichtstrahl, den das Kruzifix im Fenster aussendet, zu lenken. Der Geizige hat jedoch den Vorhang vorgezogen, sich somit selbst vor dem „rettenden Licht Gottes“ abgeschnitten und ist vielmehr fasziniert von dem Geldbeutel, den ein sich hinter einem Vorhang verbergender Dämon ihm herüberreicht. Über dem Bett hockt der Teufel, der darauf wartet, mit seinem Kescher die Seele des Todgeweihten auffangen zu können.

Die Sieben Todsünden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bild „Die Sieben Todsünden“ und „Die vier letzten Dinge“, im Museo del Prado in Madrid aufbewahrt, ist die Oberfläche einer Tischplatte.

‚Lemma’ und ‚Epigramm’ enthalten lateinische Stellen aus Deuteronomium: „gens absque consilio est et sine prudentia utinam saperent et intellegerent ac novissima providerent“ (32:28f., Übersetzung nach Luther: „Denn es ist ein Volk, darin kein Rat ist, und ist kein Verstand in ihnen. O, daß sie weise wären und vernähmen solches, daß sie verstünden, was ihnen hernach begegnen wird!“).[2] „abscondam faciem meam ab eis et considerabo novissima eorum“ (32:20): „Ich will mein Antlitz vor ihnen verbergen, will sehen, was ihnen zuletzt widerfahren wird.“.[2]

Die Sieben Todsünden

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Hauptbild, die Todsünden, bildet den größeren Mittelteil des Tisches. Um dieses Rundbild (Tondo) herum sind in den Ecken des Tischs vier weitere Tonden angeordnet, die „Die vier letzten Dinge“, nämlich das „Sterben“, das „Jüngste Gericht“, den „Himmel“ und die „Hölle“ abbilden. Sie sind in ihrer Darstellung eher starr und konservativ, es ist auch nicht sicher, ob Hieronymus Bosch diese Bilder angefertigt hat.

„Die Sieben Todsünden“ ranken sich um „Das Auge Gottes“, in dessen Pupille Jesus Christus zu sehen ist, der seine Wundmale zeigt. Untertitelt ist diese Abbildung mit dem lateinischen Text: „Cave cave dominus videt“ („Hüte dich, hüte dich, der Herr sieht [es]“). Den einzelnen Darstellungen der Todsünden hat Bosch eine Richtung zugewiesen: Der kompositorische Schwerpunkt der Bilder neigt sich – durch eine angedeutete Bewegung, durch Blicke der Figuren – nach rechts. Ein Betrachter, der sich von den Abbildungen leiten lässt, würde daher automatisch gegen den Uhrzeigersinn um den Tisch herumlaufen.

Die Bilder sind mit den lateinischen Begriffen der Todsünden untertitelt: Beginnend mit der am Fuße der Jesusdarstellung sind dies „ira“ (Zorn), „superbia“ (Hochmut), „luxuria“ (Wollust), „acedia“ (das einzige griechische Wort: Gleichgültigkeit, hier als Trägheit verstanden), „gula“ (wörtlich: Kehle, gemeint: Völlerei), „avaritia“ (Habgier) und „invidia“ (Neid). Im Gegensatz zu den Figuren in den Tonden „Die vier letzten Dinge“ sind die dargestellten Personen der „Sieben Todsünden“ bis zur Fratze verzerrt.

  • Die Abbildung des „Zorns“ zeigt eine Schlägerei vor einem Wirtshaus, bei der auch das Mobiliar nicht verschont bleibt. Eine Frau versucht einzugreifen
  • „Hochmut“ (im Mittelalter oft als „Hoffart“ bezeichnet) stellt sich dar als eine Frau, die keinen Blick für ihre Umgebung und schon gar nicht für den Betrachter übrig hat, wendet sie ihm doch den Rücken zu. Der vor Ihr befindliche Hausaltar scheint sich zu schließen und statt diesem gilt ihr Blick ausschließlich einem Spiegel, den ihr ein teuflisches Wesen vorhält.
  • Die Abbildung der Todsünde „Wollust“ präsentiert ein Zeltgelage. Während Männer und Frauen sich handelseinig werden, verdrischt ein Mönch den entblößten Hintern eines Narren mit einem Kochlöffel. Die Harfe, Symbol für ein himmlisches Instrument, ist achtlos beiseite geworfen.
  • Mit „Trägheit“ ist die des Geistes gemeint. Bosch setzt sie in seinem Bild als Gleichgültigkeit gegenüber dem Glauben und Gott um. Ein Geistlicher hat es sich in seinem Lehnstuhl bequem gemacht, die Bibel liegt geschlossen neben ihm.
  • In Zeiten, als Hunger noch eine reale Gefahr nach jedem Winter war, galt die „Völlerei“ als besonders verwerflich, da zukunftsgefährdend. Im Zentrum der Szene sitzt ein dickleibiger Mann, der von einem Kind bedrängt wird, ihm von seinem reichhaltigen Mahl abzugeben.
  • Das Bild über die „Habgier“ scheint aus zwei Teilen zu bestehen: ersichtlich handelt es sich um eine Gerichtsszene. Während ein Mann seinen Geldbeutel umklammert, lässt sich der Richter von dem hinter ihm Stehenden bestechen.
  • Die letzte Abbildung, der „Neid“, ist missgünstige Blicke in vielerlei Gestalt. Auch ein Hund, dem schon zwei Knochen vorliegen, giert nach einem dritten, ein weiterer Hund neidet seinem Artgenossen diese Beute.

Das Narrenschiff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Narrenschiff

An Hieronymus Boschs Bild „Das Narrenschiff“ (zu besichtigen im Louvre in Paris), eine Darstellung der Todsünde „gula“ (Maßlosigkeit, Völlerei), sind im Nachhinein Veränderungen vorgenommen worden. So ist der im Bild zu sehende Baum mit einer größeren Fülle Laubes ausgestattet worden, ohne dass ersichtlich ist, dass Bosch selbst diese Veränderung vorgenommen hat. Außerdem ist das Bild unten abgesägt. Es wird vermutet, dass die Darstellung Allegorie auf Maßlosigkeit und Wollust (aufbewahrt in der Yale University, New Haven, Connecticut, USA) ursprünglich zu diesem Bild gehörte.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Boot, überladen mit Insassen, die sich an fetten Speisen und Wein laben, bildet den Mittelpunkt des Bildes. Es dümpelt dahin und hat sich vom Festland schon weit entfernt. Sein Mast trägt keine Segel, es ist ein Laubbaum, aus dessen Krone ein dämonisches Gesicht lugt. Ein Steuerruder sucht man vergeblich; der Kochlöffel, den einer der Bootsinsassen achtlos ins Wasser hängt, wird allenfalls dazu führen, dass, wollte man mit ihm rudern, das Schiff sich im Kreis bewegt.

Ein Narr sitzt rechts über dem Geschehen und wendet dem Treiben seinen Rücken zu. Er scheint unbeeindruckt, vielleicht angewidert, er als Narr ist weniger närrisch als das Volk, das sich im Boot lasterhaft und gotteslästernd die Zeit vertreibt. Zwei Personen machen sich einen Spaß daraus, nach einem aufgehängten Pfannkuchen mit dem Mund zu schnappen, ohne die Hände zu benutzen. Die Ähnlichkeit des Pfannkuchens mit einer übergroßen Hostie gemahnt an einen blasphemischen Hintergrund. Ein paar Nackte halten sich im Wasser auf, in das einer sich vom Boot aus übergibt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stefan Fischer: „Der Garten der Lüste“ von Hieronymus Bosch. Ansätze und Methoden der Forschung, 2001/2007, ISBN 978-3-638-70228-7 bzw. ISBN 978-3-638-28448-6.
  • Stefan Fischer: Hieronymus Bosch: Malerei als Vision, Lehrbild und Kunstwerk (ATLAS. Bonner Beiträge zur Kunstgeschichte, Bd. 6), Köln 2009 (Diss. Uni Bonn), ISBN 978-3-412-20296-5.
  • Fischer, Stefan: Hieronymus Bosch. Das vollständige Werk, Taschen Köln 2013, ISBN 978-3836526289.
  • Fischer, Stefan: Im Irrgarten der Bilder. Die Welt des Hieronymus Bosch. Reclam, Stuttgart 2016, ISBN 978-3-15-011003-4.
  • Heinrich Goertz: „Bosch“, rowohlt monographien, Hamburg 1998, ISBN 3-499-50237-2.
  • Rose-Marie und Rainer Hagen: „Bildbefragungen – Meisterwerke im Detail“, Benedikt Taschen-Verlag 1995.
  • Wilhelm Fraenger: „Bosch“, Verlag der Kunst Dresden, 1975 [veraltet]
  • Roger H. Marijnissen: Hieronymus Bosch: Das vollständige Werk, unter Mitwirkung von Peter Ruyffelaere, Köln ²1999 [noch teilweise aktuell]
  • Du – Zeitschrift für Kultur, 750, Okt. 2004: Hieronymus Bosch: Verloren im Paradies [neueste Forschung, knapp gefasst]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hieronymus Bosch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Renate Trnek, Martina Fleischer: Das Weltgerichtstriptychon Von Hieronymus Bosch. Rosenheimer Verlagshaus, 1989
  2. a b biblos.com