Binnenreim

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Ein Binnenreim ist in der Verslehre eine Form des Reims, bei der die Reimworte ganz oder teilweise im Versinneren stehen. Beim Binnenreim im engeren Sinn stehen die Reimworte im Inneren desselben Verses:

Die Welt versöhnt und übertönt der Geist
Theodor Däubler: Nordlicht

Nach der jeweiligen Stellung der Reimworte werden mehrere Formen des Binnenreims unterschieden:

Innenreim oder Inreim: Reimworte am Versende und im Versinneren desselben Verses:

Eine starke, schwarze Barke
Segelt trauervoll dahin.
Die verstummten und vermummten
Leichenhüter sitzen drin.
Heinrich Heine: Childe Harold

Mittelreim: Reimwörter im Inneren aufeinanderfolgender Verse:

Und lehret die Mädchen
und wehret den Knaben
Friedrich Schiller: Das Lied von der Glocke

Eine Sonderform des Mittelreims ist der Zäsurreim, bei dem die Reimworte die Zäsur zweier Verse markieren:

Uns ist in alten mæren wunders vil geseit
von helden lobebæren, von grôzer arebeit
Nibelungenlied

Mittenreim: ein Wort am Versende reimt mit einem Wort im Inneren des folgenden oder vorangehenden Verses:

Sei allem Abschied voran, als wäre er hinter
dir, wie der Winter, der eben geht.
Rainer Maria Rilke: Die Sonette an Orpheus

Mittenreim und Mittelreim sollten unterschieden werden, werden allerdings häufig verwechselt.

Schlagreim: Reimwörter folgen unmittelbar aufeinander:

Als ob es tausend Stäbe gäbe
Rainer Maria Rilke: Der Panther

Der Schlagreim findet sich häufiger im späteren Minnesang, etwa bei Walther von der Vogelweide und bei Konrad von Würzburg. Weitere Beispiele im Barock und bis in die Gegenwart in humoristischer Lyrik.

Eine Sonderform des Schlagreims ist der Echoreim, bei dem die Wiederholung der Reimsilben ein Echo nachbildet:

Ach, was bleibt mir nun noch offen? Hoffen!

Ein Schlagreim, bei dem die Reimworte durch ein Versende getrennt sind, also das letzte Wort eines Verses mit dem ersten des folgenden Verses reimt, wird als übergehender oder überschlagender Reim[1] bezeichnet:

Mensch wilt du volgen meiner ler
ker dich vor arger tat,
rat ich dir hie mit trew
rew hab uber dein schuld
huld macht du dort erlangen wol.
– J. Schiller: Marienpreis

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Otto Knörrich: Lexikon lyrischer Formen. 2. Auflage. Kröner, Stuttgart 2005, ISBN 3-520-47902-8, s.v. Binnenreim, Inreim, Mittelreim, Mittenreim, Schlagreim, Übergehender Reim, Überschlagender Reim.
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Kröner, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-520-84601-3, s.v. Binnenreim, Inreim, Schlagreim, Übergehender Reim.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Als überschlagender Reim wird gelegentlich auch der Kreuzreim bezeichnet.