Blaffert

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Blaffert, auch Blafferd, oberdeutsch Plappart, Plappert oder Blaphart, von französisch blafard »bleich, hell«, ist die Bezeichnung zweier unterschiedlicher Münzarten.

Süddeutschland, Elsass, Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Plappart war als Groschenmünze des Spätmittelalters insbesondere im oberdeutschen Raum verbreitet. Er hatte sich um 1420 aus dem leicht geringwertigeren Schilling entwickelt. Auf einen Gulden gingen 20, 24 oder 26 Plappert, auf einen Plappert 9, 10, 12, 13, 15 oder 17 Stäbler beziehungsweise 15, 16, 18, 19 oder 22 Haller.[1] Der süddeutsche Blaffert war zweiseitig geprägt.

Vermutlich wurde er zuerst in Konstanz geprägt, später auch in anderen schwäbischen Städten (beispielsweise in Ulm 1429) und in der Schweiz (ab 1384/88 in Bern, 1417 in Zürich, 1424 in St. Gallen, 1425 in Basel). In der Schweiz war er in dieser Zeit bis zur Einführung des Dickens 1482 die größte Silbermünze und wurde ab Anfang des 16. Jahrhunderts vom Batzen verdrängt. In der Schweiz scheint die Münze aber noch bis ins 18. Jahrhundert im Umlauf gewesen zu sein.

Norddeutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hohlblaffert aus Hamburg, geprägt im 15. Jh.

Der Blaffert war im norddeutschen Raum eine Münze im Wert von zwei Pfennigen (urkundlich: „penninghen von tween penninghen“). Sie wurden von den Städten Lübeck, Hamburg und Lüneburg geprägt. Die Städte einigten sich in Rezessen des Wendischen Münzvereins über Aussehen und Gewicht der Blafferte. Es wurden dabei zwei Arten unterschieden. Die erste war zweiseitig gestaltet und wurde im 14. und 16. Jahrhundert geprägt. Sie war in ihrer Gestaltung eine verkleinerte Ausgaben der gleichzeitig geprägten Witten. Die zweite wurde im 15. Jahrhundert geprägt. Sie hatte wie die Hohlpfennige einen gebogenen Rand und war nur einseitig geprägt, diese Art wird daher auch Hohlblaffert genannt.

Niederrhein, Mittelrhein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einer Münztabelle von Jülich-Berg ist zu entnehmen, dass es im Bergischen Land vom 18. Jahrhundert bis 1824 eine kölnische Silbermünze gab, die ebenfalls diesen Namen trug. Gemäß der Stadt Düsseldorffischen Policey- und Tax-Ordnung vom 7. Juli 1706, aufgerichtet durch Herzog Johann Wilhelm, entsprach 1 ReichstalerSchilling oder 60 Stüber oder 20 Blaffert. 1733 wurden Blafferte in Linz am Rhein als Zahlungsmittel genutzt und hatten dort einen Wert von vier Räderalbus.[2] Auch in Daniel Schürmanns „Practischem Schulbuch zur allgemeinen Rechenkunst und Geometrie“ hat der Verfasser aus Lüttringhausen diese Bezeichnung erwähnt.

Am 1. Dezember 1738 wurde durch Kaiserliches Kommissionsdekret von Kaiser Karl VI. im Zusammenhang mit der Anerkennung des Leipziger Münzfußes als neuen Reichsmünzfuß der niederrheinische Blaffert als im Reich zulässiges Talerteilstück genannt und war als Kurantmünze im Wert von 9 Kreuzer auszuprägen. Weiter wurden im Kommissionsdekret als Scheidemünzen folgende Landesmünzen für die niederrheinischen Lande aufgeführt: 4½ Kreuzer = halbe Blaffert, 2¼ Kreuzer, 1½ Kreuzer, cöllnische Albus, viertel Blaffert, halbe Stüber, ¾ Kreuzer.[3]

Skandinavien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausgehend von Norddeutschland, wurden unter Erzbischof Erik Valkendorf (1510–1522) in Nidaros (dem heutigen Trondheim) einseitig geprägte Blafferte im Wert von 2 Pfennig oder 16 norwegischem Schilling geschlagen. Zweiseitig geprägte kupferne Blafferte wurden in Dänemark ab 1602 emittiert.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nach Angaben im Badischen und Schwäbischen Wörterbuch und im Schweizerischen Idiotikon, je s. v. sowie unter Haller II und Stäbler; Weiteres zur Münzgeschichte siehe im Idiotikon.
  2. Bruno Krings nach: Landeshauptarchiv Koblenz, Abt. 162 Nr. 1235.
  3. Johann Christoph Stößel: Versuch einer Chur-Sächsischen Münzgeschichte. Chemnitz 1780, S. 676, 802 ff.