Bleikorrosion

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Bleikorrosion (oder auch Bleifraß) ist ein Korrosionsprozess von Blei, der an der Oberfläche gefährdeter Gegenstände mit der Bildung hellgrauer Krusten beginnt, dann bei fortschreitendem Verfall zur Abrundung der scharfen Krustenkanten führt und schließlich bei Lochfraß mit Kavernenbildung und einer immer tiefgreifenderen Zerstörung endet.[1] Der Bleifraß ist zu unterscheiden von der Zinnpest und von der Zerstörung durch Bleizucker.

An der Luft läuft Blei infolge des Oxidationsprozesses grau an. Dabei bilden sich Blei(II)-oxid (PbO) und Bleihydroxid (Pb(OH)2). Letzteres reagiert mit dem Kohlenstoffdioxid der Luft und bildet basisches Blei(II)-carbonat Pb(OH)2 · 2 PbCO3, wodurch das darunterliegende Metall vor weiterer Korrosion geschützt wird.

Mit Chlor reagiert Blei zu Blei(II)-chlorid, mit Schwefel zu Blei(II)-sulfid:

Mit Phosphorsäure, Flusssäure, Schwefelsäure und Salzsäure bildet sich ein dünner Schutzüberzug aus den gebildeten Salzen, so dass die Säuren nicht weiter mit dem Metall reagieren können. Konzentrierte Salpetersäure, aber auch heiße konzentrierte Schwefelsäure lösen Blei jedoch unter Bildung der entsprechenden Salze rasch auf. In heißen Laugen löst sich Blei unter Bildung von Plumbaten.[2]

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Korrodierte Pfeifen der Orgel von St. Kiliani (Höxter)

Bleifraß kann sowohl in denkmalpflegerischen Bereichen (historische Orgelpfeifen, Druckletter, Bleiglasfenster) als auch z. B. im Maschinenbau (Bleigleitlager) ein massives Problem darstellen.

An verschiedenen historisch bedeutsamen Orgeln sind durch Bleikorrosion immense Schäden am Pfeifenwerk entstanden. Nach neuesten Erkenntnissen[3] geht man heute davon aus, dass fortschreitende Bleikorrosion vor allem auf Säuren zurückgeht, zum Beispiel Essigsäure im Eichenholz, das häufig im Orgelbau verwendet wird. Als positive Nachricht lässt sich aus der Forschungsarbeit entnehmen, dass Bleilegierungen mit einem Anteil von mehr als drei Prozent Zinn besonders gut gegen Bleikorrosion geschützt sind.[4]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zitiert nach: Julia Voigt, Mila Schrader:Bauhistorisches Lexikon: Baustoffe, Bauweisen, Architekturdetails. Edition Anderweit. ISBN 3-931824-29-2.
  2. Bleikorrosion – wenn Schriften zu Staub zerfallen. Archiviert vom Original am 9. Juni 2012, abgerufen am 17. Mai 2012.
  3. „Collapse“, Untersuchung der EU zum Bleifraß. Archiviert vom Original am 31. Dezember 2013, abgerufen am 31. Dezember 2013.
  4. The COLLAPSE project Corrosion of organ pipes - causes and recommandations. Archiviert vom Original am 31. Dezember 2013, abgerufen am 31. Dezember 2013.