Blloku

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Blick auf das Viertel vom Sky Tower mit dem noch immer unveränderten Garten und Haus von Enver Hoxha

Blloku (albanisch auch Bllok) ist ein Stadtteil im Zentrum der albanischen Hauptstadt Tirana.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blloku (Tirana)
Blloku (41° 19′ 15″ N, 19° 48′ 59″O)
Blloku
Blloku innerhalb Tiranas

Der Stadtteil liegt gleich südlich der Lana und westlich der Hauptstraße Bulevardi Dëshmorët e Kombit. Der ursprüngliche Teil wurde im Westen von Rruga Sami Frashëri und im Süden von der Rruga Abdyl Frashri begrenzt. Heute werden auch noch kleine Gebiete weiter südlich und westlich bis zum Selman-Stërmasi-Stadion dem Blloku zugerechnet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebiet südlich der Lana wurde erst in den 1930er Jahren, als sich die junge Hauptstadt rasch entwickelte, in die Stadtplanung einbezogen und allmählich durch den Bau des Boulevards und einiger Regierungsgebäude erschlossen.[1] Im Gebiet des Blloku wurden vor allem Villen errichtet.[2] Noch um das Jahr 1940 standen hier nur einzelne Häuser.[3]

Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Machtübernahme durch die Kommunisten wurden die Besitzer der Häuser im Blloku enteignet. Das Gebiet wurde zum abgesperrten Wohngebiet für die Staatsführung Albaniens – ähnlich zu Wandlitz bei Berlin. Die Öffentlichkeit hatte keinen Zutritt zu diesem von Soldaten abgeschirmten Stadtteil im Herzen Tiranas. Einzig die Nomenklatura der Sozialistischen Volksrepublik verkehrte hier. Zu den Bewohnern des Viertels gehörten unter anderen Enver Hoxha, Hysni Kapo, Mehmet Shehu, Manush Myftiu, Beqir Balluku, Koço Theodhosi, Ramiz Alia, Rita Marko, Haki Toska, Xhafer Spahiu und Spiro Koleka.[2]

Nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Systems wurden die nun leerstehenden Häuser zum Teil von internationalen Organisationen übernommen. Auf den Freiflächen im Viertel wurden bald erste Cafés errichtet, später hohe Häuser gebaut.

Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Immer mehr Neubauten prägen heute das Viertel
Hoxha-Villa und Umgebung aus der Luft

Das Viertel ist heute ein Vergnügungsviertel mit zahlreichen Bars, Restaurants, Cafés, Hotels und Läden.[4] Der Sky Tower mitten im Viertel war einst das höchste Gebäude Albaniens. Gleich daneben befinden sich die Schweizer und die Russische Botschaft. Am Boulevard Dëshmort e Kombit liegen am Eingang zum Viertel Regierungsgebäude, Parlamentsbüros und Parkanlagen, darunter das Postbllok-Monument, das an die Verbrechen der kommunistischen Herrschaft erinnert.

Die Villa von Enver Hoxha steht noch immer leer und wird von Soldaten bewacht. Die Villa von Mehmet Shehu ist heute ein Gästehaus der Regierung.

„Die albanische Jugend hat Blloku zurückerobert. Das Block-Viertel, in dem sich einst die kommunistischen Funktionäre vor dem Volk versteckten, ist laut und frech. Verschüchtert duckt sich die Villa des Ex-Diktators Enver Hodscha in diesem Trubel, ein kleinlautes Denkmal kommunistischer Tyrannei.“

Susanne Stiefel[5]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Blloku – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Besnik Aliaj, Keida Lulo, Genc Myftiu: Tirana - The Challenge of Urban Development. Tirana 2003, ISBN 99927-880-0-3.
  2. a b ABC Story (ABC News): Si u grabiten villat e bllokut auf YouTube, 27. Januar 2016, abgerufen am 25. November 2018.
  3. Vgl. den Stadtplan von 1938 in Pirro Marconi, Sestilio Montanelli et al.: Albania. Hrsg.: Consociazione Turistica Italiana (= Guida d’Italia. Nr. 25). Unione tipografica, Mailand 1940, S. nach 152 (Online-Version in der Google-Buchsuche [abgerufen am 25. November 2018])., den Stadtplan m von 1943 in Adolph Stiller (Hrsg.): Tirana (= Architektur im Ringturm. Band XXII). Müry Salzmann Verlag, Salzburg/Wien 2010, ISBN 978-3-99014-030-7, S. 42. und das Luftbild ebd., S. 27.
  4. Sean Williams: Albania’s Block party: Dancing away the dictator's legacy. In: CNN. 12. September 2014, abgerufen am 25. November 2018 (englisch).
  5. Susanne Stiefel: Tirana. In: Süddeutsche Zeitung Magazin. Nr. 35, 2007 (sueddeutsche.de [abgerufen am 25. November 2018]).

Koordinaten: 41° 19′ 15″ N, 19° 48′ 59″ O