Bochumer Maiabendgesellschaft

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Die Maischützen ziehen nach Harpen aus.
Der Junggesellenhauptmann reitet durch Harpen, dahinter sein Gefolge.
Der Darsteller des Grafen Engelbert III. zieht zusammen mit den Bochumer Junggesellen und der Eiche an dem Denkmal des Grafen Engelbert III. vorbei.

Die Bochumer Maiabendgesellschaft 1388 ist ein Brauchtumsverein in Bochum, der 1948 gegründet wurde. Sie organisiert das alljährliche Bochumer Maiabendfest, das angeblich im Mittelalter von Graf Engelbert III. von der Mark gestiftet wurde, weil die Bochumer Bürger ihn bei der Großen Dortmunder Fehde (1388 bis 1389) unterstützt hatten.

Bochumer Maiabendfest[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Maiabendfest findet am letzten Wochenende im April statt, am ´Vorabend zum Mai´. Der Auszug nach Harpen erfolgt am Samstag.

Dieser Hauptteil des Festes erfolgt so (Stand 2013): Nach der Sammlung auf dem Rathausvorplatz erfolgt der Auszug durch die Beckporte in Richtung Harpen. Hier, im Bockholt findet ein Festakt sowie das Ausgraben der Eiche durch den Junggesellenhauptmann und die Junggesellen statt. Diese Eiche wird auf den Schultern der Junggesellen zurück getragen. Auf dem Hin- und Rückweg kommen weitere Festgruppen zu dem Zug, eine komplette Sammlung aller Beteiligten erfolgt auf dem Kirmesplatz an der Castroper Straße. Danach zieht der gesammelte Festzug durch die Beckporte wieder in die Stadt ein und über die Kortumstraße zum Denkmal des Grafen Engelbert III. Von dort erfolgt der Abschluss auf dem Boulevard mit einem Festakt und dem Verkauf des Baumes.

Geschichte des Maiabendfestes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Legende brachten die Bochumer das von den Dortmundern gestohlene Harpener Vieh zurück, da sie den Harpener Bauern im Falle eines Angriffes Hilfe versprochen hatten. „Junge, do kass di drop verloten!“ (Junge, darauf kannst du dich verlassen) soll der Schultheiß der Bochumer zum Sprecher der Harpener gesagt und daraufhin ein Dutzend Männer auf die Jagd nach den Dortmundern geschickt haben, die das Vieh zurückholen sollten. Dies gelang ihnen angeblich durch eine List, und zwar dadurch, dass sie mit lautem Pfeifen die in einer Hütte rastenden Dortmunder in den Glauben versetzten, sie würden angegriffen, woraufhin die Dortmunder panisch aus der Hütte flüchteten und das Vieh zurückließen. Aus dieser Legende stammen sowohl der Zusatz „Junge, da kannst dich drop verloten“ aus dem „Bochumer Jungenlied“, als auch der Pfiff am Ende des Liedes. Angetan von dem Mut der Bochumer erlaubte er daraufhin den Bochumer Junggesellen am Vorabend des 1. Mai aus den gräflichen Waldungen im Bockholt im Stadtteil Harpen eine ausgewachsene Eiche abholzen zu dürfen. Diese wurde daraufhin jeweils von einem reichen Bochumer ersteigert und die Bürger sollten davon ein Fest ausrichten.

Diese Legende ist historisch jedoch nicht haltbar, wie die Stadt Bochum auf ihrer Internetseite darstellt.[1] Demnach stammt diese Theorie aus dem 19. Jahrhundert, während es keinerlei Belege gibt, dass das Maiabendfest tatsächlich so alt ist wie behauptet. Es könnte seinen Ursprung auch in einer anderen Zeit haben.

Das Maiabendfest wurde erstmals 1790 von Carl Arnold Kortum beschrieben, auch wenn damals bereits die Geldrente eingeführt worden war. Ältere Bochumer erzählten ihm, dass früher ein Baum geholt und verkauft werden durfte und dass dieser Brauch seinen Ursprung in der Dortmunder Fehde hatte.

1769 war der Anspruch auf den Maibaum vom inzwischen preußischen Landesherren gestrichen und durch eine Geldrente ersetzt worden. 1888 wurde der „uralte Brauch“ jedoch wieder eingeführt und besteht trotz einiger Unterbrechungen bis heute. Die Bäume die aus Harpen ins Stadtgebiet gebraucht wurde, sind bis 1995 im Bochumer Stadtpark eingepflanzt worden. Seit 1996 erwerben Bochumer Firmen den Baum. Dieser wird dann in der Regel in der Innenstadt gepflanzt und die Baumscheibe mit einer Plakette des Spenders versehen.[2]

1928 fand die erstmalige Kranzniederlegung in der Stiftskirche Fröndenberg statt.

In den 1950er Jahren war das Maiabendfest als Stadtfest sehr populär und gut besucht. Dieses wurde von der Stadt Bochum in dem Jahresfilm festgehalten.[3] Zum 600. Jubiläum 1988 wurde ein großes Stadtfest mit den Partnerstädten Bochums veranstaltet. Vertreter von Rat und Parteien sowie teilweise von den Partnerstädten beteiligen sich regelmäßig an dem Festzug. Seit einer Neuausrichtung des Festes 2010 findet auf dem Boulevard ein Jahrmarkt statt. Zum 625. Jubiläum 2013 wurden zwei Stahltafeln eingeweiht, die das alte Stadttor "Becktor" symbolisieren sollen. Diese sogenannte Beckporte hat in der Tradition die Bedeutung, dass die Maischützen vor Sonnenuntergang hier wieder nach Bochum eingezogen sein müssen. Ebenfalls 2013 wurde ein kleines stadtgeschichtliches Museum an der Großen Beckstraße eingeweiht.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Im Bochumer Stadtgebiet gibt es neben der Statue des Grafen Engelbert einige Bezüge zu dem Stadtfest: Zum 600. Jubiläum des Maiabendfest im Jahr 1988 wurde ein Teil der Diekampstraße in der Bochumer Innenstadt in Junggesellenstraße umbenannt.[4]
  • In Harpen (Bochum) existiert eine Grundschule mit dem Namen Maischützenschule.[5]
  • Als Weg der Maischützen zum Bockholt wurde die Hiltroper Straße 1929 in Maischützenstraße umbenannt.[6] Im Bockholt selber erinnert ein kleines Denkmal an die Tradition des Festes.
  • Seit Mitte der 1950er Jahre bestehen zwischen der Cochemer Bürgerwehr und der Maiabendgesellschaft Bochum freundschaftliche Beziehungen.[7]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.bochum.de/cms/bochumbase.nsf/vwContentByKey/W277NBDB134BOLDDE
  2. 'Text dazu auf der Homepage der Maiabendgesellschaft'
  3. Bochumer Jahresschau Inhaltsangabe
  4. Erklärungstafel an den Straßennamenschild
  5. Webseite der Schule
  6. Stadt Bochum: Bochumer Straßennamen - Herkunft und Deutung, Bochum 1992, ISBN 3-80930176-0.
  7. Cochem und Bochum: Die Bürgerwehr knüpft Städtefreundschaften

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]