Bomben auf Engelland

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Das Lied Bomben auf Engelland ist ein deutsches nationalsozialistisches Propagandalied anlässlich der Luftschlacht um England während des Zweiten Weltkriegs. Der Text stammt von Wilhelm Stöppler, vertont wurde es von Norbert Schultze.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich schrieb Wilhelm Stöppler das Lied für den „Polenfeldzug“ 1939 (Refrain: Bomben auf Polenland). Damals besaß es nur die Strophen 1 und 3. Als nach Abschluss des Polenfeldzuges der Krieg gegen Frankreich und England weiterging, wurde Bomben auf Polenland zu Bomben auf Engelland, und es wurden zwei weitere Strophen hinzugedichtet. Die vierte Strophe nimmt nun Bezug auf den Einsatz der Luftwaffe im Polenfeldzug und auf deren Verlegung an die Westgrenze zum Westfeldzug gegen England und Frankreich. Das Lied enthält aggressive Kriegsideologie.[1]

Das Lied war Teil des Soundtracks des NS-Propagandafilms bzw. Dokumentarfilms Feuertaufe. Der Film vom Einsatz unserer Luftwaffe im polnischen Feldzug. (Deutschland 1939/1940), der Teil der nationalsozialistischen Filmpolitik war. Stöppler war Produzent des Films und einer der beiden Drehbuchautoren, der andere Drehbuchautor und Regisseur des Film war Hans Bertram, Musik: Norbert Schultze.[2][3]

Als Marschlied aus dem Film Feuertaufe wurde das Lied auf Schellackplatte publiziert, eingespielt vom Musikkorps des Luftnachrichten-Regiments des Oberbefehlshabers der Luftwaffe unter Leitung von Obermusikmeister E. Kiesant mit Quartettgesang[4] – auf der Rückseite der Platte Das Frankreichlied. Kamerad, wir marschieren im Westen.[5] Eine weitere Schellack-Produktion erschien im Label Odeon, eingespielt vom Musikkorps der Fliegerhorstkommandantur Berlin-Gatow mit Chor unter Leitung des Stabsmusikmeisters Arno Kühn.[6]

Verbot[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1951 wies der Hessische Minister des Innern in einem öffentlichen Schreiben die Regierungspräsidenten des Landes an, das öffentliche Singen und Spielen von Bomben auf Engelland „mit allen polizeilichen Mitteln zu verhindern“, da „gewissenlose Elemente öffentlich Lieder und Musikstücke aus der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft singen und spielen und dadurch die öffentliche Sicherheit und Ordnung insofern gefährden, als sie die Erinnerung an die nationalsozialistische Gewaltherrschaft wachrufen oder gegen den im Grundgesetz und in der Hessischen Verfassung verankerten Gedanken der Völkerverständigung verstoßen und damit die verfassungstreue Bevölkerung politisch provozieren“. In dem Verbot wurden neben Bomben auf Engelland weitere Titel genannt: das Horst-Wessel-Lied, der Badenweiler-Marsch, das Engelland-Lied, Siegreich wollen wir Frankreich schlagen und Volk ans Gewehr.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Norbert Schultze: Mit dir, Lili Marleen. Die Lebenserinnerungen des Komponisten Norbert Schultze. Atlantis Musikbuch, Zürich/Mainz 1995, ISBN 3-254-00206-7, S. 68 f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Heinz Schreckenberg: Ideologie und Alltag im Dritten Reich. Lang, Frankfurt am Main/Berlin/Bern/Bruxelles/New York/Oxford/Wien 2003, ISBN 3-631-51325-9, S. 419.
  2. Feuertaufe. Der Film vom Einsatz unserer Luftwaffe im polnischen Feldzug. In: filmportal.de.
  3. Feuertaufe in der Internet Movie Database (englisch)
  4. DNB 38096953X
  5. DNB 380969521
  6. Foto auf ytimg.com, der YouTube-Bilder-Website
  7. Der Hessische Minister des Innern: Verbot von nationalsozialistischen Liedern und Märschen. In: Staats-Anzeiger für das Land Hessen. 1951, Amtsblatt Nr. 36, Seite 518, 24. August 1951.