Projekt 955

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Projekt 955/955A
K-535 während der Erprobung 2010
K-535 während der Erprobung 2010
Schiffsdaten
Land RusslandRussland (Seekriegsflagge) Russland
Bauwerft Sewmasch in Sewerodwinsk
Bauzeitraum Seit 1996
Stapellauf des Typschiffes 2007
Gebaute Einheiten 8 geplant
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
170 m (Lüa)
Breite 13,5 m
Tiefgang max. 10 m
Verdrängung aufgetaucht: 14.720 t
getaucht: 24.000 t
 
Besatzung 107 Mann
Maschinenanlage
Maschine 1 × OK-650W-Druckwasserreaktor

1 × Dampfturbine GT3A

Propeller 1 Düsenringpropeller
Einsatzdaten U-Boot
Tauchtiefe, normal 400 m
Tauchtiefe, max. 480 m
Höchst-
geschwindigkeit
getaucht
29,0 kn
Höchst-
geschwindigkeit
aufgetaucht
15,0 kn
Bewaffnung

Das Projekt 955/955A Borei (russisch Борей, nach dem griechischen Windgott Boreas, NATO-Bezeichnung: Borei-Klasse oder auch Borej-Klasse) ist eine Klasse von Atom-U-Booten der russischen Marine. Die Borei ist SSBN-Trägersystem für seegestützte Interkontinentalraketen. Die Klasse stellt innerhalb der russischen Flotte die 4. Generation von strategischen atomgetriebenen Unterseebooten dar und wird von russischer Seite als derzeit modernste SSBN-Einheit weltweit angesehen.

Entwicklungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alexander Newski, 2015

Die Entwicklung wurde wahrscheinlich noch vor dem Zerfall der Sowjetunion 1991, gleichzeitig mit den Projekten 667BDRM und 941, gestartet. Die grundsätzliche Entwicklung lief bis 1996 und wurde dem Westen bekannt, als das erste Boot dieses neuen Typs in der Sewmasch-Werft in Sewerodwinsk auf Kiel gelegt wurde. 1998 wurde das Projekt erneut geringfügig abgeändert.

Der Bau der Boote verzögerte sich immer wieder; die Gründe dafür waren vielschichtig. Neben finanziellen Problemen war auch der Zerfall der Sowjetunion eine Ursache, da sich Zulieferer nunmehr außerhalb Russlands befanden; beispielsweise der bisherige Stahllieferant Asowstal in der Ukraine. Die Bauzeit der ersten vier Einheiten zog sich schließlich von 1996 (Kiellegung der Juri Dolgoruki) bis 2020 (Indienststellung der Knjas Wladimir) hin. Die vier folgenden Einheiten wurden in den Jahren 2014 bis 2016 auf Kiel gelegt.

Die Boote sind mit einer Rettungskapsel für die gesamte Besatzung im Turm ausgerüstet.[1] Eine Russia-Today-Dokumentation stellt das Innenleben und die Funktionsweise der Kapsel vor.[2]

Bewaffnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zeichnung der Steuerbordansicht von Projekt 955

Für Projekt 955 war zunächst die Rakete R-39UTTCh Grom vorgesehen, die im Makejew-Raketenkonstruktionsbüro entwickelt wurde. Makejew konnte die vorgeschriebenen Abmessungen der Rakete nicht einhalten, weshalb das Atom-U-Boot selbst umgebaut werden musste. Bei den Tests dieser Rakete wurden auch andere Mängel festgestellt. Als die Rakete 1998 schließlich zu 80 Prozent fertig war, wurde das Projekt beendet.

Die Hauptbewaffnung der Juri Dolgoruki sind 16 Interkontinentalraketen vom Typ Bulawa (SS-N-32) mit Feststoffantrieb. Jede dieser Raketen kann 6–10 nukleare Gefechtsköpfe mit einer Sprengkraft von je 100–150 kt tragen. Auch bei der Entwicklung der Bulawa gab es Schwierigkeiten. Bis Dezember 2011 wurden achtzehn Starttests durchgeführt, von denen sieben fehlschlugen.[3]

Neben der Raketenbewaffnung verfügen die Boote der Klasse über 6 Torpedorohre im Kaliber 533 mm. Über eine mögliche zusätzliche Bewaffnung mit aus den Torpedorohren abfeuerbaren S-10-„Granat“-Marschflugkörpern (SS-N-21 Sampson) wird spekuliert.[4]

Alle bisherigen SSBN der Projekt-667A-Boote bis zu 667BDRM mussten zum Start der Raketen entweder stoppen oder langsamer als 3 Knoten fahren. Die Boote des Projektes 667BDRM und 941 können vier Raketen gleichzeitig starten. Bei den neuen Booten sind die Silos in einem Winkel von 25 bis 35 Grad – analog den SSGN – eingebaut. So kann das Boot beim Ausstoßen der Raketen in 65 Metern Tiefe bis zu 15 Knoten Fahrt machen.

Am 12. Dezember 2020 wurde die Mehrfach-Startfähigkeit erfolgreich von der Wladimir Monomach demonstriert, die 4 Bulawa-Interkontinentalraketen im Ochotskischen Meer zu 5500 km entfernten Zielen auf einem Schießplatz in Russland startete. Dies war der erste Mehrfach-Test und auch der erste in Ost-West-Richtung der Bulawa.[5]

Einheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Projekt 955
takt. Nummer Name Projekt Kiellegung Stapellauf In Dienst außer Dienst Anmerkungen
K-535 Juri Dolgoruki 955 2. November 1996 12. Februar 2008 10. Januar 2013[6] aktiv, Nordflotte
K-550 Alexander Newski 955 19. März 2004 13. Dezember 2010 23. Dezember 2013[7] aktiv, Pazifikflotte[8]
K-551 Wladimir Monomach 955 19. März 2006 30. Dezember 2012 19. Dezember 2014[9] aktiv, Pazifikflotte[10]
K-549 (geplant als Swjatitel Nikolai) Knjas Wladimir 955A 30. Juli 2012 17. November 2017 12. Juni 2020[11] aktiv, Nordflotte
Knjas Oleg[12] 955A 27. Juli 2014 16. Juli 2020[13] im Bau
Generalissimus Suworow[14][15] 955A 26. Dezember 2014[15] im Bau
Imperator Alexander III.[16] 955A 18. Dezember 2015[17] 2022[18] im Bau
Knjas Poscharski 955A 23. Dezember 2016[19] 2023[18]
955A 2021[20]
955A 2021[20]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Projekt 955 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. If a submarine gets sunk is there any way at all possible for the people on board to escape? If so, how? Quora.com, 6. Mai 2019, abgerufen am 31. Januar 2020 (englisch).
  2. Submarines of the Northern Fleet: The Beast Division – Part 1. Russia Today, 27. Januar 2019, abgerufen am 31. Januar 2020 (englisch, Rettungskapsel ab 13:30 min).
  3. Gleich zwei Bulawa-Raketen erfolgreich getestet. In: de.sputniknews.com. Sputnik Deutschland, abgerufen am 31. März 2015.
  4. Project 955 submarines to carry long-range cruise missiles. Russianforces.org, 11. Januar 2013, abgerufen am 17. Januar 2013 (englisch).
  5. Russisches U-Boot testet Interkontinentalraketen. orf.at, 12. Dezember 2020, abgerufen am 18. Dezember 2020.
  6. First Borei Submarine Enters Service (10. Januar 2013). Abgerufen am 9. März 2013.
  7. ВМФ России пополнился новейшим атомным подводным ракетным крейсером «Александр Невский». (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive) In: TVZvezda.ru, 23. Dezember 2013. Abgerufen am 23. Dezember 2013. (russisch: „Die russische Marine erhielt den neuesten atomgetriebenen U-Raketenkreuzer ‚Aleksandr Nevski‘.“)
  8. Neues Atom-U-Boot auf Kamtschatka stationiert. In: de.sputniknews.com. 1. Oktober 2015, abgerufen am 1. Oktober 2015.
  9. „Владимир Мономах“ поднял Андреевский флаг. In: Flot.ru:, 19. Dezember 2014. Abgerufen am 20. Dezember 2014. (russisch: „Auf der ‚Wladimir Monomach‘ wurde die Andreasflagge gehisst“.)
  10. Advanced Russian Nuclear Sub Takes Up Station In Pacific. In: Radio Free Europe/Liberty. 26. September 2016, abgerufen am 26. September 2016.
  11. ORF at/Agenturen satt: Auftritt ohne Maske und Abstand: Putin ignoriert CoV-Regeln. 12. Juni 2020, abgerufen am 12. Juni 2020.
  12. Пятый „Борей“ назовут „Князь Олег“ In: flotprom.ru, 29. Mai 2014. Abgerufen am 3. Juni 2014. (russisch: „Das fünfte Borei heißt ‚Knjas Oleg‘“.)
  13. https://tass.ru/armiya-i-opk/8986283
  14. Werft Sewmasch beginnt im Dezember mit Bau von sechstem U-Boot der Borej-A-Klasse. RIA Novosti, 19. September 2014, abgerufen am 19. September 2014.
  15. a b Sechstes Atom-U-Boot der Borej-Klasse auf Kiel gelegt. Sputnik Deutschland, 26. Dezember 2014, abgerufen am 4. Januar 2015.
  16. Das siebente „Borey“ erhält den Namen Imperator Alexander III. - Sewmasch. TASS, 30. November 2015, abgerufen am 1. Dezember 2015.
  17. Military & Defense - Construction of Russia's seventh Borei class sub due to start on Friday. In: TASS. tass.ru, abgerufen am 18. Dezember 2015 (englisch).
  18. a b Восьмой ракетоносец серии "Борей" "Князь Пожарский" заложат в июле 2016 года. www.interfax.ru, 3. Juli 2015, abgerufen am 18. Dezember 2020 (russisch).
  19. In der Sewmasch-Werft wird das letzte strategische Atom-U-Boot der Borej-Klasse auf Kiel gelegt. Flotprom, 21. Dezember 2016, abgerufen am 21. Dezember 2016.
  20. a b Названы сроки сдачи первого серийного модернизированного "Борея". flotprom.ru, 20. Juli 2020, abgerufen am 18. Dezember 2020 (russisch).