Bramble-Cay-Mosaikschwanzratte

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Bramble-Cay-Mosaikschwanzratte
Bramble-cay-melomys.jpg

Bramble-Cay-Mosaikschwanzratte (Melomys rubicola)

Systematik
Familie: Langschwanzmäuse (Muridae)
Unterfamilie: Altweltmäuse (Murinae)
Tribus: Hydromyini
Uromys-Gruppe
Gattung: Mosaikschwanzratten (Melomys)
Art: Bramble-Cay-Mosaikschwanzratte
Wissenschaftlicher Name
Melomys rubicola
Thomas, 1924

Die Bramble-Cay-Mosaikschwanzratte (Melomys rubicola) ist ein seit 2016 für ausgestorben erklärtes Nagetier aus der Gattung der Mosaikschwanzratten (Melomys). Sie gehörte zu den am stärksten isolierten Säugetierarten der Welt und war auf der kleinen Insel Bramble Cay in der Torres Strait im äußersten Norden des Great Barrier Reef endemisch.

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bramble-Cay-Mosaikschwanzratte erreichte eine Kopf-Rumpf-Länge von 140 bis 160 mm, eine Schwanzlänge von 145 bis 180 mm und Gewicht von 100 g. Die Zitzenformel betrug 2/0 = 4. Die Oberseite war einfarbig kastanienbraun oder hell graubraun und geht an den Flanken in ein Gelbbraun über. Die Unterseite war weiß, einschließlich der Füße, der Wangen und des Unterkiefers. Der Schwanz war lang und dünn, die Ohren waren klein. Die Bramble-Cay-Mosaikschwanzratte ähnelte der Cape-York-Mosaikschwanzratte (Melomys capensis). Sie unterschied sich von dieser durch unterschiedliche Blutproteine und morphologisch durch den beträchtlich raueren Schwanz, der durch erhabene Schuppen gekennzeichnet war.

Verbreitung und Lebensraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Verbreitung der Bramble-Cay-Mosaikschwanzratte war auf Bramble Cay beschränkt, eine Koralleninsel mit 5 ha Gesamtfläche, wovon etwa 2,2 ha mit Vegetation bedeckt sind. Trotz intensiver Suche wurde sie nie auf anderen Inseln entdeckt. Sie war die einzige Säugetierart auf der Insel und lebte im dichten Gras in Gesellschaft von zahlreichen Seevögeln und Meeresschildkröten.

Lebensweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über ihre Lebensweise ist kaum etwas bekannt. Sie war nachtaktiv und suchte tagsüber Schutz in Bauten. Sie ernährte sich vegetarisch und ging in der Kraut- und Strandvegetation auf Nahrungssuche.

Status[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die IUCN klassifizierte die Bramble-Cay-Mosaikschwarzratte in die Kategorie „vom Aussterben bedroht“ (critically endangered) und ging 2008 von einem Bestand von weniger als hundert Exemplaren aus, wovon etwa 50 geschlechtsreife Alttiere waren. Diese Schätzung basierte auf einer Suchexpedition zwischen den Jahren 2002 und 2004, wo die letzten Exemplare beobachtet wurden.

Bei einer Suchexpedition im Jahr 2011 konnte kein Exemplar mehr nachgewiesen werden. 2012 wurde die Bramble-Cay-Mosaikschwanzratte in die Kategorie „vom Aussterben bedroht“ mit dem Zusatz „möglicherweise ausgestorben“ in den Environment Protection and Biodiversity Conservation Act aufgenommen. Als Hauptgefährdung wurde die Erosion der Insel angenommen. Eine mögliche Naturkatastrophe, wie ein heftiger Sturm, könnte den gesamten geeigneten Lebensraum der Art zerstören. Invasive Pflanzen, die Einfuhr von Beutegreifern sowie die Ausbreitung von Seuchen stellen ebenfalls eine beträchtliche Gefährdung dar. Da die Untersuchung während der Hauptbrutsaison der Meeresschildkröten stattfand, wurde im Frühjahr 2014 eine weitere Suchaktion unternommen, die erneut erfolglos blieb.

Im Juni 2016 wurde die Bramble-Cay-Mosaikschwarzratte als ausgestorbene Säugetierart eingestuft. Sie wäre damit die wahrscheinlich erste Säugetierart, die als durch den anthropogenen Klimawandel derart eingestuft wurde. Ein besonders hoher Anstieg des Meeresspiegels im Bereich der Torres Strait um 6 mm pro Jahr seit 1993, insgesamt 10,2 cm allein in der Zeit von 1993 bis 2010, und veränderte Wetterverhältnisse, etwa verstärkte zyklonischer Aktivität, vernichteten 97 % des Lebensraums der Tiere innerhalb von nur 10 Jahren und führte zu einer wiederholten Überflutung der Insel. Die Vegetation ging dramatisch zurück, nur zwei von vorher mehr als elf Pflanzenarten wurden 2014 noch auf der Insel aufgefunden. Die Regierung von Queensland hat dazu aufgefordert, andere Orte auf eine mögliche Population zu untersuchen, sieht diese Suche aber als nahezu aussichtslos an.[1][2][3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Menkhorst: A Field Guide to the Mammals of Australia. Illustrated by Frank Knight. Oxford University Press, South Melbourne u. a. 2001, ISBN 0-19-550870-X, S. 176.
  • Ronald Strahan (Hrsg.): The Mammals of Australia. Revised edition. Smithsonian Institution Press, Washington 1995, ISBN 1-56098-673-5, S. 637–638.
  • Andrew Burbidge, John Woinarski, Peter Harrison: The Action Plan for Australian Mammals 2012 Csiro Publishing, 2014. ISBN 978-064-310-873-8

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Michael Slezak, Revealed: first mammal species wiped out by human-induced climate change in: The Guardian, 14. Juni 2016, abgerufen am 14. Juni 2016
  2. Ian Gynther, Natalie Waller, Luke K.P. Leung, Confirmation of the extinction of the Bramble Cay melomys Melomys rubicola on Bramble Cay, Torres Strait : results and conclusions from a comprehensive survey in August – September 2014, Government of Queensland, Queensland University, Juni 2016 (pdf)
  3. Queensland Government, Department of Environment and Heritage Protection, Bramble Cay melomys Stand 7. Juni 2016