Burg Kakesbeck

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Burg Kakesbeck
Die Wasserburg Kakesbeck

Die Wasserburg Kakesbeck

Entstehungszeit: Anfang des 14. Jh.
Burgentyp: Niederungsburg
Erhaltungszustand: Erhalten
Bauweise: u. a. Backstein
Ort: Lüdinghausen-Elvert
Geographische Lage 51° 48′ 43″ N, 7° 27′ 6″ OKoordinaten: 51° 48′ 43″ N, 7° 27′ 6″ O
Burg Kakesbeck (Nordrhein-Westfalen)
Burg Kakesbeck
Haus Kakesbeck

Die Burg Kakesbeck ist die älteste von drei erhaltenen Wasserburgen in Lüdinghausen im Kreis Coesfeld. Sie liegt fünf Kilometer nördlich des Stadtzentrums in der Bauernschaft Bechtrup östlich der L 835 an der Stever. Die Adresse ist Bechtrup 63. Eine Außenbesichtigung ist jederzeit möglich, eine Besichtigung der Burganlage von innen muss jedoch vorher unter der Telefonnummer 02591/4643 angemeldet werden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ursprünglichen Besitzer nannten sich „von Kakaresbeki“ und waren Ministeriale des Klosters Werden an der Ruhr. Kakesbeck wird im 9. Jahrhundert erstmals in den sogenannten Urbaren des Klosters Werden erwähnt. Um 1100 kam der Hof durch Tausch in den Besitz der Grafen von Dale, deren umfangreicher Besitz bis in die heutigen Niederlande reichte. Um 1120 wurde eine Motte errichtet, deren Hügel und Wall noch heute erkennbar sind. Mit dem Tod von Wilhelm Graf von Dale starb das Geschlecht im Mannesstamm aus. Graf Otto von Tecklenburg heiratete 1316 Kunigunde von Dale und wurde neuer Besitzer der Burg. Diese verkaufte er 1322 an Bernhard de Droste von der Burg Vischering. Der bewehrte Hof wurde durch den neuen Besitzer zu einer „Zwei-Insel-Burg“ ausgebaut. Nachdem die Familie Droste zu Kakesbeck 1384 im Mannesstamm erloschen war, kam die Burg durch Heirat der Gödeke de Droste mit Heidenreich von Oer in den Besitz seiner Familie. Der Grundstein der heutigen Anlage wurde wohl Anfang des 14. Jahrhunderts gelegt.[1] Anschließend ließen ihre Besitzer das Anwesen nach und nach erweitern. Es erfolgte der Bau einer zweiten und dritten Vorburg mit dem Hildegardisturm, einer Ölmühle, einem 30 Meter hohen Bergfried, Ökonomiegebäude, Marstall, zwei weiteren Türmen und einer Zugbrücke. In ihrer Blütezeit umfasste die Anlage fast einen Quadratkilometer Fläche und bestand neben der Kernburg aus fünf Vorburgen, die durch Wälle und Gräften gesichert waren.

Aus der Familie von Oer ist besonders der Ritter Lambert bekannt. Als er Burgherr auf Kakesbeck war, lag er mit Gottfried von Harmen zu Horne, genannt Goddert, im Streit um die Besitzrechte an den Mechelnschen Gütern, einem Streubesitz um Ahlen. Goddart ließ Lambert 1520 gefangen nehmen und ihm ein eisernes Halsband mit innenseitigen Dornen anlegen, um ihn zum Einlenken zu zwingen. Der damals 80-jährige Lambert ritt nach Münster zu dem Waffenschmied Thiele Schwoll am Hörstertor. Dieser befreite ihn von dem Halsband, indem er es aufmeißelte. Das originale Halsband wird heute im Münsterlandmuseum in der Burg Vischering ausgestellt, eine originalgetreue Replik befindet sich auf Burg Kakesbeck.

Unter der Familie von Oer wurde das Herrenhaus ab 1601, für Bernhard von Oer und seine Frau Margaretha Quadt von Wickrath,[2] unter Verwendung alter Fundamente grundlegend umgestaltet und nach Osten erweitert. Davon zeugt noch heute eine eingemeißelte Jahreszahl. 1684 ging die Wasserburg durch Heirat in den Besitz der märkischen Uradelsfamilie von der Recke zu Reck über, ehe die Drosten zu Vischering die Burg 1738 zusammen mit 80 hörigen Höfen erwarben.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts hatte ein Feuer den Großteil des Herrenhaus-Obergeschosses zerstört. Die Schäden wurden in der Folgezeit jedoch behoben und das Obergeschoss wiederaufgebaut. Die ehemalige Burgkapelle ließ man 1868 abtragen.

Nachdem die Anlage Mitte des 20. Jahrhunderts in das Eigentum der Familie Bolte gekommen war, ist sie heute im Besitz Wilfried Grewings. Er veranlasste Ausgrabungen unter der Leitung von Alfred Zeischka in Zusammenarbeit mit dem Landeskonservator, bei denen unter anderem Teile der ehemaligen Ringmauer und Fundamente einer alten Wehrmauer etwa aus der Zeit des 13. Jahrhunderts[3] gefunden wurden. Der heutige Burgbesitzer ließ die Burg renovieren und die Geschichte der Burg durch Bildnisse an der Schildmauer darstellen.

Mit dem Wiederaufbau der Burgkapelle wurde 1988 begonnen. Der Grundriss der alten Kapelle war durch noch vorhandene Fundamente bekannt und wurde beibehalten. Der neue Bau wurde als ökumenische Kapelle 2014 eingeweiht. Die Kunstmaler Mathes Schweinberger und Andreas Raub schmückten den Innenraum mit 40 Porträts außergewöhnlicher Persönlichkeiten: Den Heiligen von Kakesbeck. Die Dargestellten sind verschiedener Konfessionen, evangelisch, katholisch und jüdisch. Die ökumenische Burgkapelle steht für Besichtigungen und Trauungen offen.

Zum 1. Januar 2016 brachten die Eigentümer die Burg in eine Stiftung ein. Die Stiftung trägt den Namen Dr. Wilfried und Hildegard Grewing-Stiftung. Die Restaurierung der Burg geht indes ungehindert voran. Der Rittersaal wurde fertiggestellt und enthält eine einzigartige Gemäldesammlung der preußischen Kurfürsten aus dem Hause Hohenzollern und der Familie vom Oer.(Sprich Ohr) Eine weitere Ausstellung zur Geschichte Lüdinghausens ist in Vorbereitung. Geplant ist ferner eine Keramikausstellung mit 6000 Exponaten.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Burg Kakesbeck ist heute eine zweiteilige Anlage, die aus einem Kern- und einem Vorburgbereich besteht und von einem umfangreichen Gräftensystem umgeben ist, das von der Stever gespeist wird. Als Baumaterial kamen vor allem Baumberger Sandstein und Backsteine zum Einsatz.

Der heutige Gebäudebestand stammt mehrheitlich aus dem 14. bis 16. Jahrhundert, so zum Beispiel das Brauhaus von 1542 und ein spätgotisches, zeitweise als Wachhaus genutztes Speicherhaus aus demselben Jahr im nördlichen Teil der Vorburg. Ein Torhaus wurde im 17. Jahrhundert errichtet, ebenso das Herrenhaus, dessen Keller wiederum aus früherer Zeit stammt. Er besitzt eine Gewölbedecke, die von kurzen Säulen mit Sockeln und Kapitellen im Stil der Romanik getragen wird.

Legende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einer Legende nach sollen in den Kellergewölben der Burg nachts drei kopflose Kälber spuken. Es sind die drei verwunschenen Söhne des Lambert von Oer, dem es nie gelang, drei Jungfrauen in den Keller zu locken, um sie zu erlösen.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Burg Kakesbeck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. G. Kalesky: Von Wasserburg zu Wasserburg, Seite 128.
  2. Burg Kakesbeck auf westfalen-adelssitze.de (Memento vom 13. Januar 2017 im Internet Archive)
  3. G. Kalesky: Von Wasserburg zu Wasserburg, Seite 130.
  4. Münsterland.de: Die kopflosen Kälber von Kakesbeck