Burgruine Polle

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Burgruine Polle
Burgruine Polle an der Weser

Burgruine Polle an der Weser

Alternativname(n): Eversteiner Burg bei Polle, Burg Polle
Entstehungszeit: erste Erwähnung 1285
Burgentyp: Höhenburg
Erhaltungszustand: Ruine
Ort: Polle
Geographische Lage 51° 53′ 50,4″ N, 9° 24′ 25,4″ OKoordinaten: 51° 53′ 50,4″ N, 9° 24′ 25,4″ O
Burgruine Polle (Niedersachsen)
Burgruine Polle

Die Burgruine Polle ist die Ruine einer Höhenburg auf einer etwa 25 m hohen Felskuppe unmittelbar an der Weser oberhalb der Gemeinde Polle im Landkreis Holzminden in Niedersachsen.

Die 1285 erstmals urkundlich als „Eversteiner Burg“ erwähnte Anlage war Sitz der Eversteiner Grafen. Sie wurde auch als „Eversteiner Burg bei Polle“ bezeichnet, ist aber nicht zu verwechseln mit der etwa 10 km südlich gelegenen Burg Everstein im Höhenzug Burgberg.

Lage und Baubeschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Burg liegt erhaben auf einer Felserhebung östlich der Weser nahe einer markanten Flussschleife. Die Kuppe fällt an drei Seiten als Felsen steil ab. Die Burganlage bestand aus einer Oberburg und einer Unterburg, von der im Wesentlichen nur Reste der Ringmauer erhalten sind. Von der Oberburg gibt es Reste mehrerer Gebäude und Mauerreste des Torturms sowie die Außenmauern der Wohngebäude. Außerdem ist noch ein etwa 20 m hoher, besteigbarer Rundturm vorhanden, der als Wartturm und Bergfried diente. Von ihm führt ein unterirdischer Gang zum Burgbrunnen. Früher war die Burg zusätzlich mit Mauern, zum Teil mit doppelten Gräben und Zugbrücken sowie Wällen gesichert. Die Ruine kann besichtigt werden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Erbauungszeitpunkt der Burg Polle wird um das Jahr 1200 vermutet. Sie gilt als eine der Stammburgen der Eversteiner Grafen. Zum Zeitpunkt ihrer ersten urkundlichen Erwähnung 1285 war sie Sitz der Eversteiner Grafen, die als Anhänger und Verwandte der Staufer 1284 ihre Burg Everstein beim Kloster Amelungsborn an die Welfen verloren hatten. 1407 nahm Heinrich I. als Herzog von Braunschweig-Lüneburg die Burg Polle im Zuge der Eversteiner Fehde mit einer Streitmacht von 13.000 Mann ein. 1408 übergab der Eversteiner Graf Hermann VII. seine Grafschaft an die Braunschweiger Herzöge, so dass auch die Burg Polle endgültig an die Welfen fiel.

Polle und die Burgruine im 19. Jahrhundert

Im Dreißigjährigen Krieg belagerte der Feldherr Tilly die Burg Polle und plünderte sie nach der Eroberung 1623 aus. Auch der Ort Polle erlitt dabei Schaden. 1641 zerschossen schwedische Truppen mit ihren Geschützen die Burg, die dadurch ausbrannte. Eingenommen wurde die Burg von den Schweden nicht. Nach dem Ende des Krieges wurde ab 1656 die Unterburg wieder aufgebaut, während die Oberburg als Ruine belassen wurde. Dabei entstand in der Unterburg ein Amtshaus im Stile der Weserrenaissance, das bei den schweren Kämpfen um Polle am Ende des Zweiten Weltkriegs zerstört wurde. Vom Gebäude ist nur das wappengeschmückte Renaissance-Portal erhalten geblieben.

Von 1984 bis 1988 erfolgte eine umfangreiche Renovierung der Burganlage. Zwischen 2007 und 2009 fanden auf dem Burggelände archäologische Ausgrabungen statt, deren Fundstücke sich im Burgmuseum befinden. Mehrmals jährlich finden kulturelle Veranstaltungen im Burghof statt, darunter Aufführungen des Märchens Aschenputtel, da Polle die angedichtete „Heimat“ des Aschenputtels ist.[1]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ernst Andreas Friedrich: Die Burgruine Polle, S. 152, in: Wenn Steine reden könnten. Band IV, Landbuch-Verlag, Hannover 1998, ISBN 3-7842-0558-5.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Burg Polle

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Burg Polle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien