Burgruine Windhaag

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Burgruine Windhaag
Das alte Schloss Windhaag um 1636, Kupferstich von Clemens Beuttler

Das alte Schloss Windhaag um 1636, Kupferstich von Clemens Beuttler

Alternativname(n): Altes Schloss Windhaag
Entstehungszeit: 13. Jahrhundert
Burgentyp: Höhenburg
Erhaltungszustand: Ruine
Ort: Windhaag bei Perg
Geographische Lage 48° 17′ 4″ N, 14° 41′ 5″ OKoordinaten: 48° 17′ 4″ N, 14° 41′ 5″ O
Höhe: 500 m ü. A.
Burgruine Windhaag (Oberösterreich)
Burgruine Windhaag

Die Burgruine Windhaag, auch Altes Schloss Windhaag genannt, ist die Ruine einer Höhenburg auf 500 m ü. A. etwa fünfhundert Meter östlich des Ortszentrums der Gemeinde Windhaag bei Perg im Bezirk Perg im Mühlviertel in Oberösterreich.

Im Gegensatz zu dem im 17. Jahrhundert von Joachim Enzmilner in unmittelbarer Nähe errichteten und bald darauf zur Gänze zerstörten Neuen Schloss Windhaag ist das alte Schloss als Ruine erhalten geblieben. In der alten Burg wurde 1664 das (erste) Kloster Windhaag eingerichtet, das kurz danach in das neue Dominikanerinnenkloster Windhaag im Ortszentrum übersiedelte. Die im 18. Jahrhundert verfallene Ruine wurde 1990 von der Gemeinde Windhaag erworben und wird seither für touristische Zwecke nutzbar gemacht.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Winthag im Machland scheint 1287 erstmals urkundlich auf.[1] Die Burg Windhaag wurde erstmals mit dem Jahr 1290 erwähnt, sie dürfte aber älter sein. Besitzer waren damals und noch bis 1379 die Brüder Heinrich und Freitel von Windhaag. Hans von Au folgte, Herzog Albrecht III. belehnte ihn mit der halben Herrschaft. 1380 bekam Hans die zweite Hälfte als Lehen. 1395 war Konrad Schaffer im Besitz der Burg, um 1400 folgte Leopold Drosendorfer.

1407 kaufte Thomas Tannpeck die Burg. Durch Heirat kam die Burg 1485 an Laßla Prager. 1486 folgte wieder ein Tannpeck. Die Tannpecks standen im Krieg des Kaisers Friedrich III. mit Matthias Corvinus auf der falschen Seite und die Burg wurde genauso wie Schloss Aich eingezogen. 1488 war wiederum Laßla Prager mit der Burg belehnt, er ließ 1499 die Burgkapelle errichten.

Um 1505 wurde er von Maximilian I. in den Freiherrenstand erhoben und nannte sich nun von Windhaag. Laßla starb 1515, seine Witwe und Kinder bauten die Burg zu einem Schloss aus und vergrößerten die Herrschaft. 1597 kaufte Lorenz Schütter auf Klingenberg das Schloss Windhaag, dessen Nachkommen es wegen der hohen Schulden 1636 an Joachim Enzmilner verkaufte.

Nach dem Kauf ließ Enzmilner ab 1642 neben dem eher kleinen alten Schloss ein großes, neues, dreistöckiges Bauwerk im Renaissancestil errichten, das Neue Schloss Windhaag. Als Baumaterial verwendete er Steine aus umliegenden Burgen oder Ruinen wie Burgruine Mitterberg. Der Rohbau war 1648 fertiggestellt, die Einrichtung und Gestaltung dauerte bis 1673. Burg und Schloss waren durch eine Brücke verbunden. Das neue Schloss war damals eines der schönsten und prachtvollsten Schlösser in Oberösterreich, hatte eine unter anderem eine umfangreiche Bibliothek (Bibliotheca Windhagiana) und eine wertvolle Kunstsammlung.

Das einzige Kind Enzmilners war Eva Magdalena von Windhag, die 1648 gegen den Willen der Eltern in den Dominikanerinnenorden in Tulln eintrat. 1664 kam sie als Schwester Eva Magdalena nach Windhaag zurück. Ihr Vater richtete im alten Schloss ein Kloster ein, Eva Magdalena wurde 1668 die erste Priorin. Joachim Enzmiller starb am 21. Mai 1678, seine Tochter erbte das alte und neue Schloss und die gesamte Herrschaft Windhaag.

Eva Magdalena hatte sich vom luxuriösen Leben ihres Vaters abgewandt. Das Kloster im alten Schloss war zu klein, daher ließ sie ab 1681 ein neues Kloster im heutigen Ortszentrum errichten. Für den Bau des Klosters wurde das neue Schloss nur acht Jahre nach dessen Fertigstellung komplett abgerissen und die Steine als Baumaterial verwendet, zusätzlich wurden wiederum Steine von der Ruine Pragtal herbeigeschafft.

Das Kloster war 1691 vollendet, 1693 wurde die zugehörige Kirche geweiht, die heute als Pfarrkirche dient. Eva starb 1700 und wurde im Kloster beigesetzt. Das Dominikanerinnenkloster Windhaag wurde 1765 wegen der Verschuldung dem Domkapitel Linz unterstellt und 1782 aufgehoben (Josefinismus). In der alten Burg Windhaag wohnten der Beichtvater der Nonnen, der Hofrichter und Hofschreiber. 1734 stürzte ein Teil der Burg ein und das Bauwerk wurde zur Ruine.

1990 kaufte die Gemeinde Windhaag das Areal samt Ruine vom Domkapitel Linz und seit 1992 kümmert sich eine Arbeitsgemeinschaft (unter Obmann Ing. Fritz Schmidtbauer[2]) um die Erhaltung des derzeitigen Bestands.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Burgruine Windhaag während der Restaurierungsarbeiten 2011

Die Burg Windhaag war ein gotischer Verteidigungsbau. Sie war von einem Graben umgeben und hatte einen Bergfried. Das Tor auf der Rückseite der Burg wird als Münzbachertor bezeichnet, weil es auf dem Weg nach Münzbach liegt.

2012 wurde eine Stiegenkonstruktion auf den restaurierten Bergfried errichtet, sodass die Aussichtsplattform für Besucher zur Verfügung steht und einen weiten Blick ins Machland und auf die Alpenkette freigibt.

Landgericht Windhaag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 19. Dezember 1491 wurde Windhaag zur Herrschaft erhoben und der Burgfrieden zu einem umfangreichen Landgericht erweitert. Dieses Landgericht umfasste die Gemeinden Windhaag, Münzbach und Altenburg sowie Teile von Rechberg. Der römisch-deutsche König und spätere Kaiser Maximilian I. bestätigte das Landgericht am 2. März 1494. Weitere Bestätigungen folgten 1535, 1565 und 1568.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Burgruine Windhaag – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Nachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Josef Honeder: Windhaag bei Perg, Zur Geschichte der Herrschaft und der Pfarre Windhaag, in: Pfarramt Windhaag bei Perg (Medieninhaber), Kirchenführer Windhaag bei Perg und Altenburg, o. Jahresangabe, S 1
  2. Online-Auftritt der Gemeinde Windhaag, Hinweis zur ARGE Burgruine