Cameron Carpenter

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Cameron Carpenter (2011)

Taylor Cameron Carpenter (* 18. April 1981 in Meadville, Pennsylvania) ist ein US-amerikanischer Organist und Komponist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Taylor Cameron Carpenter wurde als ältester von zwei Söhnen der Eheleute Gregory und Lynn Carpenter in Meadville (Pennsylvania) geboren. Heute verzichtet Carpenter aus Marketinggründen auf seinen ersten Vornamen Taylor und nennt sich nur Cameron Carpenter. Carpenter wurde zunächst zu Hause von seiner Mutter unterrichtet, bis er mit elf Jahren in die American Boychoir School in Princeton (New Jersey) eintrat. Später besuchte Carpenter die North Carolina School of the Arts in Winston-Salem. Darüber hinaus ist es schwierig, gesicherte Fakten über seinen Karrierebeginn zu erlangen, was zu einem gewissen Teil durch Carpenters auffällige Selbststilisierung begründet ist. Carpenter beschäftigt heute Medien- und PR-Agenturen in den USA sowie in Europa, die das Image eines bereits in frühen Jahren exzentrischen und genialischen Künstlers kultivieren.[1] Carpenter studierte an der Juilliard School in New York (master degree) bei Gerre Hancock, John Weaver und Paul Jacobs. Er wirkte kurzzeitig als artist-in-residence an der Middle Collegiate Church in New York und konzertiert regelmäßig in den großen amerikanischen und europäischen Musikzentren. Sein Album Revolutionary wurde für den Grammy 2009 nominiert.[2]

Cameron Carpenter fasst die Orgelmusik säkular auf; so bedient er nicht nur das klassische Orgelrepertoire, sondern spielt auch Bearbeitungen von Klavier- und Orchestermusik. Er arrangierte nach eigenen Angaben die gesamte 5. Sinfonie von Gustav Mahler für die Orgel, zur Aufführung brachte er bislang aber nur den letzten Satz (Rondo-Finale). Seine Orgelfassungen von Chopin-Etüden stellen die Grenzen der traditionellen Spielweise in Frage. Zum Beispiel spielt er die Läufe in der „Revolutionsetüde“ (op. 10 Nr. 12) und die „Etüde auf den schwarzen Tasten“ (op. 10 Nr. 5) parallel mit Händen und Füßen. Zu Hilfe kommt ihm dabei nach eigener Aussage seine klassische Tanzausbildung.

Für Aufsehen sorgte Carpenter, als er sich im Sommer 2010 von seinem langjährigen Agenten und Impresario Richard Torrence trennte. Torrence beschuldigte Carpenter daraufhin in einem offenen Brief an Journalisten, ihn um 53.000 US-Dollar betrogen zu haben.[3] Zu einer gerichtlichen Klärung der Vorwürfe kam es nicht, da Torrence Anfang Februar 2011 unerwartet verstarb.

Carpenter lebt in Berlin und konzertiert regelmäßig auf der großen Schuke-Orgel in der Berliner Philharmonie. 2012 wurde er mit dem Leonard Bernstein Award ausgezeichnet, 2015 erhielt er den ECHO Klassik als Instrumentalist des Jahres.[4] In der Spielzeit 2017/18 ist er Artist in Residence beim Berliner Konzerthausorchester am Gendarmenmarkt, wo er auch mit seiner eigenen Orgel auftreten wird.[5]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Organist und Hochschullehrer Torsten Laux schrieb 2012 in einer CD-Rezension für das Fachblatt organ von „sinnfreier Effekthascherei“ und hörte in Carpenters Spiel von 2008 eine „penetrante Nervosität“. Zugleich müsse man „anerkennen“: „Hier setzt ein auf seine Art kompromissloser Musiker einen (mit gesampelten Orgelklängen gefütterten) Synthesizer mit unkonventionell-erfrischender Vitalität in Szene [...]. Doch lassen sich die unnatürlichen Klänge und die selbstverliebte Attitüde des Spielers in ihrer unveränderlich-monotonen Aufdringlichkeit kaum auf die gesamte Strecke von 64 1/2 Minuten Spieldauer aushalten.“[6]

International Touring Organ[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Anfang 2014 spielt Cameron Carpenter bei seinen Auftritten unter anderem auch auf seinem eigenen Instrument. Im März 2014 stellte der Künstler sein speziell für ihn nach seinen Wünschen gefertigtes Instrument bei einem Konzert im New Yorker Lincoln Center erstmals vor. In Europa wurde die Orgel erstmals im Mai 2014 im ehemaligen Stummfilmkino Delphi in Berlin vorgestellt. Die von ihm so bezeichnete „International Touring Organ“ wurde von der Firma Marshall & Ogletree gefertigt.

Ton- und Videodokumente[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2006 : Pictures of an Exhibition - CD/DVD[7]
  • 2008 : Cameron Carpenter: Revolutionary - CD/DVD , Telarc[8]
  • 2010 : Cameron Live! - CD/DVD, Telarc[9]
  • 2014 : If You Could Read My Mind - CD/DVD, Sony Classical[10]
  • 2016 : All You Need Is Bach - CD, Sony Classical [11]

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Cameron Carpenter und die Wiedergeburt der „Königin der Instrumente“. (Alternativtitel: Cameron Carpenter: The Sound of my Life.) Dokumentarfilm, OmU, Deutschland, USA, 2014, 54 Min., Buch und Regie: Thomas Grube, Produktion: Boomtown Media, Wowow, ZDF, arte, Reihe: arte in concert, Erstsendung: 21. Juli 2014 bei arte, Inhaltsangabe von ARD.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bucklesweet Media. Abgerufen am 4. Juli 2014.
  2. GRAMMY.com. Abgerufen am 21. Mai 2014.
  3. Slipped Disc. Abgerufen am 4. Juli 2014.
  4. echoklassik.de - Preisträger 2015 Abgerufen am 18. Oktober 2015.
  5. Konzerthausblog (Ankündigung und Interview) Abgerufen am 29. Juni 2017.
  6. Torsten Laux: review. Cameron Carpenter – Revolutionary. (Memento vom 17. Mai 2014 im Internet Archive) In: organ – Journal für die Orgel, 2012, Nr. 2, S. 55, archiviert von Internet Archive.
  7. Mussorgsky: Pictures at an Exhibition [Includes DVD - Cameron Carpenter | Songs, Reviews, Credits | AllMusic.] Abgerufen am 16. Februar 2017.
  8. Revolutionary. Abgerufen am 16. Februar 2017.
  9. Cameron Live! Abgerufen am 16. Februar 2017.
  10. If You Could Read My Mind. 1. April 2014, abgerufen am 16. Februar 2017.
  11. All You Need Is Bach. 3. Juni 2016, abgerufen am 16. Februar 2017.