Carl David Weber

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Carl David Weber (* 17. April 1824 in Bielefeld; † 21. Juli 1907 in Oerlinghausen) war ein deutscher Textilunternehmer.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das 1895–97 erbaute Wohnhaus von Carl David Weber in Oerlinghausen

Weber stammte aus dem Bielefelder Handelspatriziat. Er war der Bruder des Juristen Max Weber senior und damit der Onkel des Soziologen Max Weber. Gleichzeitig war er der Großvater der Frauenrechtlerin Marianne Weber (geb. Schnitger).

Er machte eine Lehre in einem Bremer Handelshaus und wurde später Mitinhaber des Familienbetriebs Weber, Laer & Niermann. Zeitweilig arbeitete er für den Betrieb auch in Spanien. Die Wiedereinreise nach Preußen wurde ihm einige Zeit später verweigert. Über die Gründe gibt es unterschiedliche Angaben. Eine Version geht davon aus, dass sein Versäumnis, sich 1849 dem preußischen Militär zu stellen, der Grund war. Andere Angaben sprechen davon, dass Weber bereits bei seiner Abreise nach Spanien die preußische Staatsbürgerschaft aufgegeben hätte.

Stattdessen zog er in das Fürstentum Lippe. In Oerlinghausen wurde er 1850 Gründer der Firma Carl Weber & Co. Dazu kaufte er ein 1838 erbautes Gebäude an der Detmolder Straße. Im Gegensatz zum Übergang zur mechanischen Leinenherstellung etwa in Bielefeld hielt Weber am Verlagssystem fest. Dieses Leinengeschäft übertraf bald den Familienbetrieb in Bielefeld an Bedeutung, es wurde einer der größten Feinleinenhersteller Deutschlands. In Lippe gab es damals zahlreiche billige Arbeitskräfte, von denen tausende im Verlagssystem Webers beschäftigt waren. Damit führte er die Leineweberei in Oerlinghausen ein. Weber meinte, das handgearbeitete Leinen sei qualitativ hochwertiger als das Fabrikleinen und es gebe daher dafür weiterhin einen Markt. Die Garne bezog er nicht mehr aus der Region, das beste Garn bezog er aus Irland. Die in der Bielefelder Bleiche behandelten Stoffe wurden anschließend zu hochwertigen Produkten wie Tischdecken, Bettwäsche und ähnlichem verarbeitet und zu einem beträchtlichen Teil bis nach Amerika exportiert. Weber wehrte sich bis zuletzt gegen die Einführung einer mechanischen Weberei. Eine solche wurde erst von den Enkeln Georg und Richard Müller 1902 eröffnet.

Max Weber schildert in seinem Werk Protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus seinen Onkel trotz seines Festhaltens am Verlagssystem als Beispiel für den Typus des kapitalistischen Unternehmers.

Carl David Weber förderte stark die Entwicklung von Oerlinghausen, er stiftete ein Krankenhaus und 1890 den Bau der Synagoge. Im Jahr 1900 war er an der Gründung eines Elektrizitätswerks führend beteiligt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Horst Baier u. a. (Hrsg.): Max Weber Gesamtausgabe. Abteilung II. Briefe Bd. 8. Tübingen, 2003 S. 865
  • Markus Ringhofer: Die stolzen Weber aus Bielefeld und Oerlinghausen. Norderstedt, 2007
  • Guenther Roth: Max Webers deutsch-englische Familiengeschichte 1800–1950 mit Briefen und Dokumenten. Tübingen, 2001 S. 252ff
  • Marianne Weber: Lebenserinnerungen. Hildesheim, 2004 S. 7f.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das ehemalige Wohnhaus von Carl Weber, die Villa Weber, ist ein offizieller Trauort des Standesamtes Oerlinghausen.[2]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Historie. Carl Weber & Co. GmbH, abgerufen am 24. Mai 2015.
  2. Heiraten in Oerlinghausen. Stadt Oerlinghausen, abgerufen am 24. Mai 2015 (PDF (0,2 MB)).