Königreich Preußen

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Königreich Preußen
Wappen Flagge
Wappen Preußens Flagge Preußens
Lage im Deutschen Reich
Das Königreich
Preußen 1866–1918 (blau),
Deutsches Reich 1871–1918 (blau und gelb)
Landeshauptstadt Berlin
Regierungsform absolute Monarchie (1701–1848), konstitutionelle Monarchie (1848–1918)
Staatsoberhaupt König (1701–1918)
Dynastie Hohenzollern (1415–1918)
Bestehen 1701–1918
Fläche 348.780 km² (1910)
Einwohner 40.016.000 (1910)
Bevölkerungsdichte 115 Einwohner pro km²
Entstanden aus Brandenburg-Preußen
Aufgegangen in Freistaat Preußen, Saargebiet, Freie Stadt Danzig
Stimmen im Reichsrat 26
Stimmen im Bundesrat 17
Kfz-Kennzeichen IA, IB … IZ

Königreich Preußen bezeichnet den preußischen Staat zur Zeit der Herrschaft der preußischen Könige zwischen 1701 und 1918.

Das Königreich Preußen entstand aus den brandenburgisch-preußischen Gebieten, nachdem sich Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg zum König in Preußen gekrönt hatte (→ Königskrönung Friedrichs III. von Brandenburg). Durch diesen Vorgang wurde das von Friedrich beherrschte, aber im Gegensatz zu Brandenburg nicht zum Heiligen Römischen Reich gehörende Herzogtum Preußen zum Königreich erhoben. Der Name dieses Königreichs Preußen im engeren Sinne wurde in der Folgezeit zunehmend auf die Gesamtheit der Gebiete angewandt, die von den preußischen Königen beherrscht wurden, während das ursprüngliche Königreich nun Ostpreußen genannt wurde.[1]

Im 18. Jahrhundert stieg Preußen zu einer der fünf europäischen Großmächte auf und wurde die zweite deutsche Großmacht nach Österreich. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts trieb es die Schaffung eines deutschen Nationalstaates entscheidend voran und war ab 1867 der dominierende Gliedstaat des Norddeutschen Bundes. 1871 wurde dieser Bund zum Deutschen Kaiserreich umgestaltet und die Könige von Preußen übernahmen das Amt des Deutschen Kaisers. Mit der Abdankung des letzten Kaisers und Königs, Wilhelms II., infolge der Novemberrevolution 1918 wurde die Monarchie abgeschafft. Das Königreich ging im neu geschaffenen Freistaat Preußen auf.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte des Königreichs Preußen und seiner preußischen Staaten zerfällt in zwei markante Abschnitte. Die erste Hälfte des Bestehenszeitraums des Königreichs (1701-1918) von 1701 bis 1806 wird in der Historiographie auch als die Zeit der altpreußischen Monarchie oder auch des altpreußischen Staats bezeichnet. Die Umbrüche von 1806-1809 bedeuteten einen nahezu vollständigen Neuanfang aller Staatsinstituionen einschließlich eines veränderten Staatsterritoriums. Die neupreußischen Institutionen setzten nicht die Traditionslinien und Strukturen der altpreußischen Monarchie fort, sondern begannen eine neue Zeitrechnung. Um die markanten Brüche des preußischen Staats vor den preußischen Reformen und danach zu verdeutlichen, wird die Zeit von 1807 bis 1918 daher auch als „Neupreußische Monarchie“ oder äquivalent der „Neupreußische Staat“ bezeichnet.

Rangerhöhung unter König Friedrich I. (1701–1713)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das seit 1525 bestehende Herzogtum Preußen wurde 1701 zum Königreich erhoben.
Krönung Kurfürst Friedrichs III. von Brandenburg zum König Friedrich I. in Preußen, Königsberg 1701
Die Flagge des neugegründeten Königreichs 1701

Die zusammengefassten Länder der Hohenzollerndynastie mit ihrem herrschaftlichen Schwerpunkt in der Mark Brandenburg bildeten 1700 eine nach europäischen Maßstäben mittlere Macht. Als Kurfürsten von Brandenburg hatten die Hohenzollern seit dem 15. Jahrhundert eine herausgehobene Stellung als Reichsstand im Heiligen Römischen Reich inne. Das Reich konnte sich nach 1648 noch einmal konsolidieren, doch war die politische Stellung der Reichsfürsten durch die Bestimmungen des Westfälischen Friedens erheblich gestärkt worden. Die bedeutenden Hohenzollerngebiete lagen mehrheitlich im kaiserfernen Nordosten des Reiches. Die Reichsbindungen und -Strukturen waren dort lockerer ausgebildet als in den zentralen Gebieten des Reiches am Rhein und in Süddeutschland.[2] In den vorangegangenen Jahrhunderten hatten die brandenburgischen Kurfürsten im Zuge der Reformationsauswirkungen und Glaubenskriege, im innenpolitischen Ringen zwischen unitarischer Kaisermacht und polyzentrischer Fürstenmacht im Reich, teils im Zusammengehen mit den sächsischen Kurfürsten zeitweise einen fürstlichen Gegenpol zur Kaisermacht gebildet.

Rang, Reputation und Prestige eines Fürsten waren um 1700 wichtige politische Faktoren im außenpolitischen Gefüge. Die gestiegenen Souveränitätsrechte nutzend, versuchten die Reichsfürsten nach 1648 für sich den Status als uneingeschränkte Souveränen über ihre Territorien zu erhalten. Die Stammdynastien der mittelgroßen Territorien des Reiches wie die Wittelsbacher in Bayern, die Welfen in Hannover, die Wettiner in Sachsen und die Hohenzollern in Brandenburg hatten dabei die besten Aussichten auf Erfolg. Deren dynastische Unabhängigkeitsbestrebungen führten zu einer Zunahme der zentrifugal auf das Reich wirkenden Kräfte und verringerten somit den inneren Zusammenhalt des politischen Verbundstaates. Um 1700 folgte eine Reihe von Rangerhöhungen europäischer Fürsten, von denen die Aufwertung des Großherzogs von Toskana 1691 den Auftakt bildete.[3] Kurfürst Friedrich III. nutzte daher seine Souveränität im Herzogtum Preußen, um dort für sich den Königstitel anzustreben. Damit versuchte er vor allem, die Ranggleichheit mit dem Kurfürsten von Sachsen, der zugleich König von Polen war, und mit dem Kurfürsten von Hannover, der Anwärter auf den englischen Thron war, zu wahren. Kaiser Leopold I. sicherte Friedrich schließlich zu, ihn inner- und außerhalb des Reichs als König anerkennen zu wollen. So krönte sich der Kurfürst am 18. Januar 1701 als Friedrich I. in Königsberg eigenhändig zum „König in Preußen“. Der Preis der Königswürde war die Teilnahme der nun Königlich-Preußischen Armee am Spanischen Erbfolgekrieg auf Seiten des Kaisers gegen Frankreich. Zeitgleich vollzog sich im Norden Europas der Große Nordische Krieg. Dem König gelang es trotz der Teilnahme preußischer Truppen auf auswärtigen Kriegsschauplätzen seine Landen von den Kriegszügen frei zu halten.

Die einschränkende Titulatur „in Preußen“ blieb erhalten, weil die Bezeichnung als „König von Preußen“ als Herrschaftsanspruch auf ganz Preußen, also den seit 1466 geteilten Deutschordensstaat, verstanden worden wäre. Dessen westlicher Teil, das Preußen königlichen Anteils, gehörte zu Polen. Mit der Titelbezeichnung „in“, die in der damaligen europäischen Diplomatie für eine geringer Schätzung des Titelstatus führte, wurden etwaige polnische Ansprüche auf Ostpreußen verhindert.[4] Der Hohenzollernstaat basierte aber weiterhin auf den ständischen Verfassungen der einzelnen Landesteile, von denen die Mark Brandenburg gefolgt von der Provinz Ostpreußen die herausragenden waren. Das Herzogtum Magdeburg, Hinterpommern und das Fürstentum Halberstadt bildeten mit der Mark Brandenburg die bestimmenden mittleren Provinzen des Gesamtstaats. Die kleineren westlichen Landesteile erhielten zunächst in der staatlichen Integration und Staatswerdung des Gesamtkönigreichs Preußen eine nachgeordnete Rolle. Unabhängig von der formellen geografischen Reichweite des Königstitels, trugen die Namen der Behörden und staatlichen Institutionen aber auch Amtsträger seit 1701 auch in Berlin und anderswo schon die preußisch-königliche Titulatur. Die Realpraxis wich damit von der verfassungsrechtlichen Perspektive ab. Hauptstadt des Königreichs Preußen blieb weiterhin Berlin und wurde nicht Königsberg.[5]

Die Jahrhundertwende markiert die beginnende Hochzeit des europäischen Absolutismus, in der die Landesfürsten nach den bereits im 16. Jahrhundert erfolgten Säkularisierungen der kirchlichen Herrschaften auch die imediaten Städte und den Landsässigen Adel erheblich im politischen Prozess zurückdrängen konnten. Die Machtzunahme der Hohenzollerndynastie erfolgte bereits in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Im Zusammenspiel mit dem Landadel und auf Kosten der untertänigen Bauern und einer anhaltenden Depression der einst politisch autonomen Städte im Land setzte ein politischer Zentralisierungsprozess mit dem politischen Zentrum im Berliner Stadtschloss ein, in deren Folge neu gegründete landesherrliche Institutionen begannen, sich über die überkommenen Ständestrukturen zulegen und diese Schritt für Schritt zu überformen. Im Prozess des Ausbaus der feudalstaatlichen Landesstrukturen nahm die stark erweiterte Kurbrandenburgische Armee eine zentrale und für den Kurfürsten eine machtsichernde Rolle ein.[6]

In den östlichen Gebieten des Königreichs hatte sich im 17. Jahrhundert die Gutsherrschaft des Landadels durchgesetzt, die aus freien Bauern Hörige Bauern gemacht hat. Die westlichen Provinzen waren davon nicht betroffen. Auch hatten diese Gebiete eine entwickelte Gewerbelandschaft aufzuweisen. Die Besiedlungsdichte nahm zum Osten hin ab. Das preußische Städtewesen war insgesamt nicht sehr stark. Die größten städtischen Zentren waren Berlin und Königsberg, die mit mehr als 10.000 Einwohnern zu den 30 größten Städten des Heiligen Römischen Reichs dieser Zeit gehörten. Hauptwirtschaftsfeld war die Landwirtschaft und darin vor allem der Getreideanbau, deren Überschüsse über die Ostseehäfen Stettin, Königsberg oder über Hamburg Richtung Niederlande exportiert wurde.

Der König regierte im Kabinett und es bildete sich durch das häufige indirekt agierende Regierungshandeln ein Günstlingsystem mit Seilschaften um den König. Es gab über ihn hinaus weitere einflussreiche Amtsträger am Hofe, die die Regierung maßgeblich gestalteten. In den 1700er Jahren war es vor allem das Drei-Grafen-Kabinett, das die eigentliche Staatspolitik Preußens bestimmte. Dadurch entstand ein erhebliches Maß an Korruption, die von den höchsten Staatsämtern ausging. Die Staatsfinanzen wurden dadurch erheblich belastet.[7] Dies vollzog sich in einer Krisenzeit, als die Große Pest von 1708 bis 1714 das Königreich Preußen heimsuchte, wo viele Tausend Menschen umkamen. Zusätzlich führte der Jahrtausendwinter von 1708/09 zu einer Hungersnot.

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Das Berliner Stadtschloss erhielt um 1700 einen großformatigen Umbau in eines der größten Barockschlösser Europas unter Leitung von Andreas Schlüter
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Modellansicht des Berliner Stadtschlosses


Friedrich I. konzentrierte sich auf eine aufwändige Hofhaltung nach französischem Vorbild. Dies und die allgemeine staatliche Misswirtschaft brachte den preußischen Feudalstaat an den Rand des finanziellen Ruins. Nur durch Vermietung weiterer preußischer Soldaten an die Allianz im Spanischen Erbfolgekrieg konnte der König die kostspieligen Aufwendungen für den Prunk am Hof bestreiten. So erhielt Preußen während seiner Amtszeit 14 Millionen Taler an Subsidienzahlungen von den Alliierten. Der Staatshaushalt betrug 1712 rund vier Millionen Taler, von denen allein 561.000 ausschließlich der Hofhaltung zugeführt wurden. Die Einnahmen bestanden nur zum Teil aus Steuern. Die Subsidienzahlungen der Alliierten hingen vom Kriegsverlauf ab, bildeten also keine verlässlichen Einnahmen. Ein bedeutender Anstieg der reinen Steuereinnahmen in der Amtszeit Friedrichs I. fand nicht statt.

Andererseits führte die Fokussierung des Königs auf eine aufwendige barocke Hofhaltung zur Errichtung neuer Strukturen wie Schlösser (Schloss Charlottenburg, Schloss Monbijou) und Jagdhäuser im Umland von Berlin. Friedrich I. versuchte durch ein ambitioniertes höfisches Ausbauprogramm in wenigen Jahren den traditionellen brandenburgischen Rückstand zu den anderen Reichsfürsten auf diesem Gebiet abzubauen. Der Zivilisationsstandard des bis vor wenigen Jahrzehnten noch als rückständig geltenden Agrarstaats wurde durch die Vergabe von Aufträgen an das Kunstgewerbe gefördert. Erstmals in der Geschichte Brandenburg-Preußens wirkten auch international bedeutende Künstler und Architekten wie Andreas Schlüter zu dieser Zeit in Preußen. Der gesamte Hofstaat Friedrichs befand sich fortwährend innerhalb der Berliner Residenzenlandschaft in Bewegung. Durch deren gehobene Bedürfnisse und gleichzeitig auch vorhandene Solvenz wurden Bauprojekte und Infrastrukturmaßnahmen angeschoben, wodurch die Mark Brandenburg von Berlin aus eingebunden und erschlossen wurde.[8] Ein glänzender Höhepunkt der königlichen Regierung war das Dreikönigstreffen 1709 im Caputher Schloss, mit der Friedrich I. auf Augenhöhe zu zwei anderen Monarchen stehend, die seit 1701 gestiegene Bedeutung des preußischen Staates darstellen konnte. Durch die Einwanderung der Hugenotten wenige Jahre zuvor gab es inzwischen in den preußischen Landen mit primären Fokus auf den Berliner Raum eine gebildete und wirtschaftlich aktive Bürgerschicht, die die Basis für die sich nun vergrößernde gesellschaftliche Differenzierung bildete. Die Nachfrage des Berliner Hofstaats führte zur Gründung völlig neuer Gewerbebranchen mit Manufakturen. Auch in der Landwirtschaft brachten die Hugenotten Innovationen ein wie den Tabakanbau in der Uckermark. Auch die Residenz Berlin wurde erheblich ausgebaut und durch Vorstädte (Friedrichstadt, Dorotheenstadt) erweitert. Die Zahl der Einwohner der preußischen Hauptstadt stieg beträchtlich.[9] Die Gründung der Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin aber auch die neu gegründete Universität Halle verbesserten das höhere Bildungsangebot in dem Staat.

Innere Konsolidierung unter König Friedrich Wilhelm I. (1713–1740)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tabakskollegium Friedrich Wilhelms I. in Königs Wusterhausen, um 1737
Konstantin Cretius: Empfang der Salzburger Protestanten durch König Friedrich Wilhelm I. in Berlin am Leipziger Tor am 30. April 1732, Ölgemälde um 1860

Der Sohn Friedrichs I., Friedrich Wilhelm I., war nicht prunkliebend wie sein Vater, sondern vielmehr sparsam und praktisch veranlagt. Folglich kürzte er, eben aus dem Sterbezimmer des Vaters kommend, die Ausgaben für die Hofhaltung und entließ nach der Beerdigung die meisten Höflinge. Alles, was dem höfischen Luxus diente, wurde entweder abgeschafft oder anderen Nutzungen zugeführt. Alle Sparmaßnahmen des Königs zielten auf den Ausbau eines starken stehenden Heeres, in dem der König die Grundlage seiner Macht nach innen und außen sah. Von den jährlichen Staatseinnahmen verwendete er 73 % für die laufenden Militärkosten, während Hof und Verwaltung mit 14 % auskommen mussten. In seiner Amtszeit baute er die preußische Armee zu einer der schlagkräftigsten Armeen in ganz Europa aus, was ihm den Beinamen „der Soldatenkönig“ verschaffte. Angesichts der Größe der preußischen Armee im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung, 83.000 Soldaten zu 2,5 Millionen Einwohnern im Jahre 1740, schrieb Georg Heinrich von Berenhorst später: „Die preußische Monarchie bleibt immer – nicht ein Land, das eine Armee, sondern eine Armee, die ein Land hat, in welchem sie gleichsam nur einquarti[e]rt steht.“[10] Trotz seines Beinamens führte Friedrich Wilhelm I. nur einmal in seiner Amtszeit einen kurzen Feldzug, im Großen Nordischen Krieg während der Belagerung von Stralsund. Dieser Feldzug brachte Preußen den Gewinn eines Teils Vorpommerns von den Schweden. Friedrich Wilhelm gelang es in seiner Regierungszeit, diese im Verhältnis zu den Ressourcen des Staates überdimensionierte Armee über Jahrzehnte hinweg zu finanzieren und einsatzbereit zu halten. Der König schuf die Grundlagen des preußischen Militärstaats ohne dabei außenpolitische Ziele allzu nachdrücklich zu verfolgen. Die Grundlagen des Militärstaates waren vor allem das Vorhandensein einer effektiven Administration und die Einbindung und Unterwerfung aller gesellschaftlichen Kräfte, vor allem des Adels unter die Ziele des Königs.[11]

Der vom Großvater Kurfürst Friedrich Wilhelm begonnene Staatsumbau zugunsten der Ausweitung der fürstlichen Herrschaftsorganisation und zulasten der Stände und Städteautonomie, wurde unter dem Enkel König Friedrich Wilhelm I. im Wesentlichen bis 1740 vollendet. Die staatspolitische Transformation des staatlichen Überbaus vollzog sich vor dem Hintergrund des gesamteuropäisch einwirkenden Gedankenguts des Absolutismus, der zur Mitte des 18. Jahrhunderts seinen Höhepunkt in Preußen erreichen sollte. Insbesondere König Friedrich Wilhelm I. und sein Sohn und Nachfolger Friedrich II. „regierten durch“ mittes Einzelverfügungen selbst in Nebenangelegenheiten.[12] Daraus ergab sich in der älteren Geschichtsschreibung eine starke personifizierte Darstellung der Geschichte des preußischen Staats, bis hin zu einer Legenden- und Mythenbildung die sich um die großen preußischen Herrscher dieser Epoche bildete.

Die territoriale Entwicklung Brandenburg-Preußens im 18. Jahrhundert: Gebietszuwächse während der Herrschaft Friedrichs I. in violetter, Friedrich Wilhelms I. in roter, Friedrichs II. in grüner, Friedrich Wilhelms II. in blauer Darstellung.

Der König revolutionierte die Verwaltung, unter anderem mit der Gründung des Generaldirektoriums, flankiert durch die Schaffung einer verbreiterten Besteuerungsgrundlage entstanden enorme Einnahmesteigerungen. Allem voran ging eine spezielle auf Ertragszuwächse ausgerichtete Reform der königlichen Domänenbewirtschaftung, deren jährliche Erlöse sich zwischen 1714 mit 1,9 Millionen Taler und 1740 3,5 Millionen Taler fast verdoppeln.[13] Hinzu kam die zwischen 1714 und 1720 erfolgte Einführung einer einheitlichen Grundsteuer, die Bauern- und Adelsgüter gleichermaßen umfassten. Durch eine merkantilistische Wirtschaftspolitik,[14] die Förderung von Handel und Gewerbe sowie eine Steuerreform gelang es dem König, die jährlichen Staatseinnahmen von 3,4 auf 7 Millionen Taler zu verdoppeln.

Mit der auf die Person des Monarchen ausgerichteten Zentralisierung der Verwaltung, mit der Schaffung eines einheitlichen königlichen Beamtentums[15] und mit dem forcierten Ausbau des stehenden Heeres wurden zentralstaatliche Institutionen geschaffen, die die verschiedenen Landesteile miteinander verschmelzen ließ und das Land, das weiterhin geografisch zersplittert war, vereinte.[16]

Der König förderte in seiner Regierungszeit den Halleschen Pietismus, der zur staatsbestimmenden Philosophie in Preußen wurde. Erste Ansätze einer Sozialpolitik entstanden. Einzelne Einrichtungen wie das Potsdamer Militärwaisenhaus oder die Franckeschen Stiftungen in Halle wurden gegründet. Diese konnten zeitgemäß das allgemeine Sozialniveau der Gesellschaft aber nicht heben. Um die nötigen Fachkräfte zu gewinnen, führte er die allgemeine Schulpflicht ein und errichtete volkswirtschaftliche Lehrstühle an preußischen Universitäten; sie waren die ersten ihrer Art in Europa. Gab es zu Beginn der Regentschaft des Soldatenkönigs im Jahre 1717 erst 320 Dorfschulen so waren es im Jahre 1740 schon 1480 Schulen.

Im Zuge einer massiv betriebenen Peuplierungspolitik ließ er Menschen aus ganz Europa ansiedeln; so holte er mehr als 17.000 protestantische Salzburger und andere Glaubensflüchtlinge ins dünn besiedelte Ostpreußen.

Als Friedrich Wilhelm I. 1740 starb, hinterließ er ein wirtschaftlich und finanziell gefestigtes Land. Er hatte Preußens Fläche um 8000 km² auf 119.000 km² vergrößert, und es gilt als sein Verdienst, dass die Bevölkerung, die 1688 noch 1,5 Mio. Einwohner betragen hatte, sich bis 1740 auf 2,4 Mio. erhöhte. Eine Schattenseite seiner Amtszeit war allerdings die starke Militarisierung des Lebens in Preußen.[17]

Aufstieg zur europäischen Großmacht unter König Friedrich II. (1740–1786)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Adolph von Menzel: König Friedrichs II. Tafelrunde in Sanssouci mit Voltaire (links) und den führenden Köpfen der Berliner Akademie, Ölgemälde von 1850

Am 31. Mai 1740 bestieg sein Sohn Friedrich II. – später auch „Friedrich der Große“ genannt – den Thron.[18] Anders als sein Vater, dachte er daran das aufgebaute militärische und finanzielle Potential zur eigenen Machtausdehnung einzusetzen. Zwar war der König als Kronprinz der Philosophie und den schönen Künsten zugeneigt, doch die pazifistisch anmutende Grundhaltung wirkte sich nicht spürbar auf sein Regierungshandeln aus. Noch in seinem ersten Regierungsjahr ließ er die preußische Armee in Schlesien einmarschieren, auf das die Hohenzollern umstrittene Ansprüche erhoben. Dabei setzte sich Preußen gegen seinen südlichen Nachbarn, das Kurfürstentum Sachsen durch, das ebenso Ansprüche auf Schlesien angemeldet hatte, wodurch die beiderseitigen Beziehungen nachhaltig belastet wurden. Der Erwerb Schlesiens stärkte die kriegswirtschaftliche Infrastruktur Preußens erheblich. In den drei Schlesischen Kriegen (1740–1763) gelang es ihm, die Eroberung gegen Österreich zu behaupten, im letzten, dem Siebenjährigen Krieg (1756–1763), sogar gegen eine Koalition aus Österreich, Frankreich und Russland. Dies war der Beginn der preußischen Großmachtstellung in Europa und des preußisch-österreichischen Dualismus im Reich. Bereits 1744 war die Grafschaft Ostfriesland nach Aussterben des dortigen Fürstengeschlechts der Cirksena an Preußen gefallen, das sich die seit 1683 bestehenden Handelsbeziehungen zu Ostfriesland zunutze machte.

Robert Warthmüller: Der König überall, Ölgemälde von 1886. – König Friedrich II. begutachtet den Kartoffelanbau in Preußen.

In den letzten 23 Jahren seiner bis 1786 währenden Herrschaft förderte Friedrich II., der sich als „erster Diener des Staates“ verstand,[19] den Landesausbau und die weitere Besiedelung brandenburgisch-preußischer Gebiete, etwa des Oderbruchs. Die Peuplierung der dünn besiedelten Gebiete östlich der Elbe stand auf der politischen Agenda an erster Stelle. Als Vertreter des aufgeklärten Absolutismus schaffte er die Folter ab, verminderte die Zensur, legte den Grundstein für das Allgemeine preußische Landrecht und holte mit der Gewährung völliger Glaubensfreiheit weitere Exulanten ins Land. Nach seiner Auffassung sollte in Preußen „jeder nach seiner Façon selig werden“. Bekannt wurde in diesem Zusammenhang auch sein Ausspruch: „Alle Religionen seindt gleich und gut, wan nuhr die leute, so sie profesieren, Ehrlige leute seindt, und wenn Türken und Heiden kämen und wollten das Land pöplieren, so wollten wir sie Mosqueen und Kirchen bauen.“

Gemeinsam mit Österreich und Russland betrieb Friedrich die Teilung Polens. Bei der ersten Teilung 1772 fielen Polnisch-Preußen, der Netzedistrikt und das Fürstbistum Ermland an Brandenburg-Preußen. Somit war die für Friedrich II. wichtige Landverbindung zwischen Pommern und dem außerhalb des Reiches liegenden Königreich Preußen hergestellt. Da sich nun „beide Preußen“, Polnisch-Preußen und das Königreich Preußen, im Besitz der Hohenzollernmonarchie befanden, konnte Friedrich II. sich König „von Preußen“ nennen. Verwaltungstechnisch bestand das Königreich aus den Provinzen Westpreußen und Ostpreußen sowie dem Netzedistrikt.

Der König vergrößerte sein Territorium während seiner Herrschaft um 76.000 km² auf 195.000 km² (1786). Während dieser Zeit stieg die Bevölkerung Preußens von etwa 2,4 Millionen auf 5,629 Millionen Einwohner an, trotz des Verlustes von etwa 500.000 Menschen während des Siebenjährigen Krieges. Die Zahl der Einwanderer nach Preußen wird in der Zeit von 1740 bis 1786 auf 284.500 geschätzt.[20] Trotz zeitweiliger Zerrüttung der Wirtschaft durch die langandauernden Kriege in seiner Herrschaftszeit stiegen die Staatseinnahmen von 7 Millionen Taler im Jahr 1740 auf 20 Millionen im Jahr 1786 an. Friedrich der Große starb am 17. August 1786 im Schloss Sanssouci.

Hybris und Nemesis (1786–1807)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1786 wurde Friedrichs Neffe, Friedrich Wilhelm II. (1786–1797) neuer preußischer König. Am Hof etablierte sich zum ersten Mal in der preußischen Geschichte ein Hofstaat mit Mätressen und Günstlingen. Die berühmteste Mätresse war Wilhelmine Enke, die von Friedrich Wilhelm den Titel einer Gräfin Lichtenau erhielt. Er hatte sie bereits vor seinem Machtantritt kennengelernt. Berlin wuchs in den 1790er Jahren zu einer ansehnlichen Stadt heran. Im Jahr 1791 wurde das Brandenburger Tor vom Architekten Carl Gotthard Langhans fertiggestellt. Andere klassizistische Bauten folgten.

Der König stand schon früh unter dem Einfluss gegenaufklärerischer Bestrebungen, namentlich Johann Christoph Wöllners und Johann Rudolf von Bischoffwerders, die die preußische Politik dieser Zeit stark mitbestimmten. Die vielgerühmte Toleranzpolitik Preußens ist zumindest zu dieser Zeit nicht besonders ausgeprägt. In der Hauptstadt existierte zwar die aufklärerische Berliner Mittwochsgesellschaft. Sie musste aber auf Grund der antiaufklärerischen Regierung im Geheimen tagen. Mitglieder waren unter anderem die Verfasser des Allgemeinen Landrechts Carl Gottlieb Svarez und Ernst Ferdinand Klein, die Herausgeber der Berlinischen Monatsschrift Gedike und Biester, der Verleger Friedrich Nicolai und als Ehrenmitglied Moses Mendelssohn. Die Französische Revolution wurde auch hier, wie im ganzen Reich, vom Bildungsbürgertum meist positiv aufgenommen. Allerdings wurden Personen, die sich revolutionär und abfällig über die preußische Regierung äußerten, seit 1790 entweder für mehrere Wochen festgesetzt oder ausgewiesen; andere emigrierten freiwillig. Im Jahre 1794 wurde das Allgemeines Landrecht für die Preußischen Staaten eingeführt. Das umfassende Gesetzeswerk war bereits unter Friedrich II. begonnen worden. Während der Herrschaft Friedrich Wilhelm II. verlor es zwar seinen aufgeklärten Charakter, stellte aber immer noch eine allgemeingültige Rechtsgrundlage für alle preußischen Provinzen dar.[21]

Die Teilungspolitik gegenüber Polen wurde von Friedrich Wilhelm II. sowie von Russland und Österreich fortgesetzt. Bei der zweiten und der dritten Teilung Polens (1793 und 1795) sicherte sich Preußen weitere Gebiete bis nach Warschau. Durch diese Gebietszuwächse vergrößerte sich auch die Bevölkerung um 2,5 Millionen Polen und man stand vor der schwierigen Aufgabe, diese in den Staat zu integrieren. Ob dies letztendlich gelungen wäre, lässt sich nicht abschließend sagen, da die Gebiete der beiden letzten Teilungen Polens zunächst unter der Herrschaft Napoléons für Preußen wieder verloren gingen.

Anzeichen von Hybris vor dem Fall, preußische Offiziere schärfen ihre Säbel vor der französischen Botschaft in Berlin
Gebietsverluste (violett, grün) und -gewinne (rot, gelb) des preußischen Staates in der Zeit des Untergangs des Heiligen Römischen Reichs bis 1806. Infolge der Verluste durch den Frieden von Tilsit 1807 verblieb das braun dargestellte Territorium bei Preußen.

Österreich und Preußen näherten sich während der Französischen Revolution an. Ein erstes Zusammentreffen zwischen Leopold II. und Friedrich Wilhelm II. am 27. August 1791 mündete auf Einwirken des Grafen von Artois, des späteren französischen Königs Karl X., in der Pillnitzer Deklaration. Darin erklärten sie ihre Solidarität mit dem französischen Königtum und drohten mit militärischen Aktionen, allerdings unter dem Vorbehalt, dass die anderen europäischen Mächte einem solchen Schritt zustimmen würden. Weitergehend wurde am 7. Februar 1792 ein Verteidigungsbündnis, der Berliner Vertrag, zwischen Österreich und Preußen geschlossen. Frankreich erklärte kurze Zeit später, am 20. April 1792, Österreich und somit auch Preußen den Krieg. Am 20. September 1792 kam es zur Kanonade von Valmy, bei der preußische und französische Truppen zwar keine direkten Kampfhandlungen eingingen und es nur wenige Opfer gab. Die preußischen Truppen mussten sich aber auf Grund von andauerndem Regenwetter, Krankheiten und Hunger unter den Soldaten zurückziehen. In der Folge konnten französische Truppen bis in das Rheinland vorstoßen. Preußens Beteiligung am Ersten Koalitionskrieg gegen das revolutionäre Frankreich dauerte noch bis zum Frieden von Basel 1795, danach schied es für mehr als ein Jahrzehnt aus der antifranzösischen Allianz aus. Am 16. November 1797 starb Friedrich Wilhelm II., sein Nachfolger wurde sein Sohn Friedrich Wilhelm III. (1797–1840).

Mit dem Reichsdeputationshauptschluss konnte Preußen 1802/1803 im Westen die im Frieden von Basel avisierten erheblichen Zugewinne an Land und Menschen erzielen. Im Zuge der dabei geregelten Säkularisation verleibte es sich vormals geistliche Herrschaftsgebiete des Hochstifts Hildesheim, des Hochstifts Paderborn (Fürstentum Paderborn), des Hochstifts Münster (Erbfürstentum Münster), kurmainzische Besitzungen in Thüringen sowie die Reichsstifte Quedlinburg, Elten, Essen, Werden und Cappenberg ein, außerdem die vormaligen Reichsstädte Mühlhausen, Nordhausen und Goslar.

Preußen stand Anfang des 19. Jahrhunderts am Ende einer über hundert Jahre anhaltenden Wachstums- und Expansionsphase. Ausgehend von einem Staat der im europäischen Kontext allenfalls mittelgroße Ausprägungen aufwies, hatte Preußen bis 1800 im europäischen Vergleich zu den vorderen Ränge aufgeschlossen. Unter den fünf Großmächten des zur damaligen Zeit wirtschaftlich, gesellschaftlich, technologisch und militärisch fortschrittlichsten Kontinents der Erde, war Preußen mit Abstand die kleinste der größeren Mächte. Seine Wirtschaftskraft war pro Kopf bezogen allenfalls mittelmäßig. Selbst die scheinbar übergroße Armee von 240.000 Mann nimmt sich im Vergleich zu den Armeegrößen der anderen Großmächte eher klein aus. Die Bevölkerungsdichte war ebenso allenfalls mittelmäßig ausgeprägt. Der eigene Großmachtstatus im politischen Geschehen unter den Großmächten gründete daher nicht auf die (nicht vorhandene) ökonomische oder militärische hard Power, sondern auf ideelle und symbolisches politisches Kapital, das um 1800 noch immer von den vergangenen Ruhmeszeiten aus den Schlesischen Kriegen zehrte. Dies führte unter den damaligen preußischen Zeitgenossen zu Fehlwahrnehmungen bezüglich der realen eigenen relativen Kräfte.

Statistischer Kennzahlenvergleich der größten europäischen Staaten 1804[22]
Rang nach EW Staat Einwohner Fläche in Km² Einwohner je Km² Armeegröße Staatseinkommen in Gulden Staatseinkommen in Gulden pro Kopf
1 (europäisches) Russisches Kaiserreich 36.385.000 4.356.336 8,4 510.000 110.000.000 25
2 Erstes Kaiserreich 32.359.000 642.365 50,4 600.949 252.300.000 393
3 Kaisertum Österreich 25.588.000 670.513 38,2 356.000 120.000.000 179
4 Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland 15.024.000 315.093 47,7 200.000 260.000.000 825
5 (europäisches) Osmanisches Reich 11.040.000 670.208 16,5 100.000 54.000.000 81
6 Spanien 10.730.000 506.996 21,2 76.000 75.000.000 148
7 Königreich Preußen 9.851.000 316.287 31,1 240.000 60.000.000 190
Europa 182.599.000 9.598.225 19,0 2.549.686 1.173.730.000 122


Napoleons Einzug in Berlin durch das Brandenburger Tor, 1806

Als 1806 Verhandlungen mit Frankreich über die Aufteilung der Machtsphären in Deutschland scheiterten, flammte der Krieg wieder auf. In der Schlacht bei Jena und Auerstedt erlitt Preußen eine vernichtende Niederlage gegen die Truppen Napoleons I.; König Friedrich Wilhelm III. und seine Familie mussten vorübergehend nach Memel fliehen, und unter dem französischen Einfluss begann die sogenannte „Franzosenzeit“. Der Staat verlor 1807 im Frieden von Tilsit etwa die Hälfte seines Gebietes, darunter waren alle Gebiete westlich der Elbe sowie die Gebiete aus der zweiten und dritten Teilung Polens, die nun an das neue, von Napoléon etablierte Herzogtum Warschau fielen.

Staatsreformen und Befreiungskriege (1807–1815)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Preußen war 1807 nur noch ein in Größe und Funktion zusammengeschrumpfter Pufferstaat. Es musste die französische Besatzung erdulden, die fremden Truppen versorgen und große Kontributionszahlungen an Frankreich leisten. Diese einschränkenden Friedensbedingungen bewirkten aber auch eine Erneuerung des Staates mit dem Ziel, seine Handlungsfähigkeit zu verbessern, um wieder eine Macht ersten Ranges zu werden. Dazu musste sich der preußische Staat grundlegend reformieren, um einen zukünftigen Befreiungskampf führen und gewinnen zu können. Mit den Stein-Hardenbergschen Reformen unter Leitung von Freiherr vom Stein, Scharnhorst und Hardenberg wurde das Bildungswesen neu gestaltet,[23] 1807 die Leibeigenschaft der Bauern aufgehoben und 1808 die Selbstverwaltung der Städte eingeführt. 1810 wurde die Gewerbefreiheit eingeführt. Die begonnene Heeresreform wurde 1813 mit der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht abgeschlossen.[24]

Beginn des Aufrufs An Mein Volk
Die Rückkehr der Quadriga des Brandenburger Tores 1814

Nach der Niederlage der „Grande Armee“ in Russland wurde am 30. Dezember 1812 bei Tauroggen der Waffenstillstand zwischen Preußen und dem Russischen Kaiserreich vom preußischen Generalleutnant Graf Yorck und vom General der russischen Armee Hans von Diebitsch unterzeichnet. Yorck handelte dabei aus eigener Initiative ohne Befehl seines Königs. Sein auch im nach hinein verteidigtes Vorpreschen trug Züge einer Usurpation und untergrub die Autorität des Königs, der aufgrund der entstehenden Sachzwangslage diesem Vorgehen nachträglich zustimmen musste, um seinen angegriffenen Status nicht weiter zu untergraben. Die Konvention von Tauroggen besagte, dass Yorck seine preußischen Truppen aus der Allianz mit der französischen Armee herauslösen sollte. In Preußen wurde dies als Beginn des Aufstandes gegen die französische Fremdherrschaft verstanden. Bereits Anfang Februar 1813 war die gesamte Provinz Ostpreußen dem Zugriff der Berliner Regierung entzogen. Autorität übte nun Stein als Bevollmächtigter der russischen Regierung aus. Der Aufstand weitete sich aus und die Berliner Regierung begann langsam auf Distanz zum Bündnis mit Frankreich zu gehen. Mitte Februar hatte sich die aufrührerische Stimmung bereits über die Oder bis in die Neumark ausgeweitet und es gab erste Anzeichen einer Revolution. Berater des Königs verdeutlichten ihm, das der Krieg gegen Frankreich mit ihm an der Spitze oder notfalls auch ohne ihn stattfinden werde. Nach einer Phase der Unentschlossenheit beschloss der König schließlich Ende Februar mit Russland zusammenzugehen. Im Vertrag von Kalisch wurde mit dem Land ein antinapoleonischer Bündnisvertrag abgeschlossen. Bedeutende Absprachen über die Zuschlagung von Territorien der Nachbarländer wurden für die Nachkriegszeit getroffen.[25]

Als am 17. März 1813 mit dem Aufruf „An Mein Volk“ der Befreiungskampf aufgerufen wurde, standen 300.000 preußische Soldaten (6 Prozent der Gesamtbevölkerung) bereit. Für die Dauer der Auseinandersetzung wurde die Allgemeine Wehrpflicht eingeführt. Das Preußische Gebiet wurde im Befreiungskrieg erneut zum Kriegsgebiet. Huntertausende Soldaten beider Seiten durchzogen Preußen im Jahr 1813, während die Hauptkämpfe entlang der preußisch-sächsischen Grenzzone stattfanden und mit einem siegreichem Ende für Preußen und seine Alliierten endeten. Nach der entscheidenden Völkerschlacht bei Leipzig, bei der 16.033 Preußen getötet oder verwundet wurden, war das Ende der Vorherrschaft Napoleons über Deutschland in greifbare Nähe gerückt. Die Preußen spielten bei dem Feldzug von 1813 eine entscheidende Rolle. Die Armeespitze trieben sich und die Alliierten immer wieder zum Vormarsch an, so dass auch beim Feldzug 1814 Napoleons Truppen stetig in die Defensive gedrückt wurden und letztlich als Kriegsmacht ausgeschaltet wurden. Preußen war damit nach seiner erlittenen Demütigung von 1807 wiederauferstanden und untermauerte mit seinem konsequenten, ehrgeizigen und zielstrebigen Vorgehen, auf einer Stufe mit dem Kaisertum Österreich zu stehen.[26] Preußische Truppen unter Marschall Blücher trugen in der Schlacht von Waterloo 1815 entscheidend zum endgültigen Sieg über Napoleon bei.

Restauration und Reaktion, Vormärz und Märzrevolution (1815–1848)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebiet Preußens nach dem Wiener Kongress 1815 (dunkelblau)

Wiener Kongress, Metternichsches System, Deutscher Bund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Russisch-preußische Militärparade 1835 in Kalisch

Nach dem Ende des Revolutionszeitalters setzten unter den Siegergroßmächten die Verhandlungen einer stabilen Nachkriegsordnung in Europa ein. Es folgte eine konservative Wende und die Etablierung des Metternichschen Systems, das durch die Heilige Allianz gesichert wurde. Das Bündnis, das Friedrich Wilhelm III. gemeinsam mit dem Kaiser von Russland und dem Kaiser von Österreich ins Leben rief, sollte die Demokratiebestrebungen in ganz Europa unterdrücken und das absolute monarchische System wiederherstellen.

Beim Wiener Kongress 1815 erhielt Preußen einen Teil seines alten Staatsgebietes zurück. Neu hinzu kamen Schwedisch-Pommern, der nördliche Teil des Königreichs Sachsen, die Provinz Westfalen und die Rheinprovinz. Preußen erhielt zwar die zuvor polnische Provinz Posen zurück, nicht jedoch die Gebiete der zweiten und der dritten polnischen Teilung, die an Russland gingen. Preußen bestand seitdem aus zwei großen, aber räumlich getrennten Länderblöcken in Ost- und Westdeutschland. Die neugewonnenen Provinzen besaßen tradierte Raumstrukturen und Bindungen, die nun wegfielen. Der Begriff Musspreuße bezeichnet den schwierigen und emotional belastenden Übergang der damaligen Bewohner in den neuen Staat. Für Preußen bedeuteten die territorialen Verschiebungen einen Neuanfang. Die Bevölkerung der Neupreußischen Provinzen, vornehmlich die der Rheinprovinz brachte mit ihrer großen und selbstbewussten städtischen Mittelschicht eine konstante Unruhe in das Königreich, wodurch die preußische Politik während der folgenden Jahrzehnte konstant belebt wurde.[27]

Preußen konnte bei den Verhandlungen auf dem Wiener Kongress nicht den eigenen Willen durchsetzen. Einmal blieb Sachsen als Staat erhalten, das andere Mal konnte es die zukünftige Gestaltung der deutschen Staaten nicht entscheidend beeinflussen. Die preußische Delegation wünschte sich ein Deutschland mit starken und zentralen Regierungsfunktionen, kurzum eine starke dualistische Hegemoniallösung mit Österreich. Das was am 8. Juni 1815 als Schlussakte der deutschen Bundesakte unterzeichnet wurde, galt als österreichische Konzeption.[28] Preußen wurde Mitglied des Deutschen Bundes, des losen Verbandes der deutschen Staaten unter österreichischer Führung, der von 1815 bis 1866 existierte. Zwar konnte Preußen keine starke Exekutive im Deutschen Bund ausüben, die es benötigt hätte, um formell Norddeutschland zu dominieren, doch die Bundesakte ließ Preußen genügend Spielraum, um eine informelle und begrenzte Hegemonialstellung anzustreben ohne das ganze System in Gefahr zu bringen.[29]

Die neue außenpolitische Ordnung in Europa veränderte die staatlichen Sicherheitskonzeptionen hin zu einer Defensivdoktrin. Dies führte zu einem Aufleben des Festungsbaus nach 1815. In den neuen Provinzen im Westen entstanden in Koblenz, Köln und Minden mächtige Festungen, gebaut nach der neupreußischen Befestigungsmanier, zur Sicherung der preußischen Vormachtstellung. Preußen blieb nach 1815 eher Gegenstand als unabhängig handelnder Akteur in der internationalen Politik. Es war von den europäischen Großmächten mit Abstand die Kleinste. Aufgrund seines begrenzten Spielraums für autonome Inititativen selbst innerhalb Deutschlands war Preußen streng genommen weder Großmacht, noch gehörte es zu den kleineren europäischen Kontinentalstaaten, sondern lag zwischen diesen beiden Ebenen.[30] Preußens Führer fanden sich mit diesem Zustand ab und das Königreich trat in eine lange Phase außenpolitischer Passivität ein. Das Königreich versuchte sich aus allen Konflikten herauszuhalten und sich möglichst mit allen Mächten gut zu stellen und strebte wo immer möglich einen Konsens an. Schlichtungsdiplomatie wurde zum primären außenpolitischen Mittel Preußens. Einen Konflikt mit Österreich wich Preußen aus. Auch zu Russland versuchte Preußen stetig gute Beziehungen aufrechtzuerhalten und akzeptierte die russische Hegemonialstellung über größere Teile Europas.[31]

Konservative Wende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Mord an den Theaterdichters August von Kotzebue in Mannheim durch den Patrioten Karl Ludwig Sand führte den Machthabenden die Radikalität der nationalen Einigungsbewegungen vor Augen.[32] In den Karlsbader Beschlüssen vom August 1819, die als Reaktion auf die Ereignisse um die Ermordung von Kotzebue entstanden, wurden schärfere und neue Zensur- und Überwachungsmaßnahmen erlassen. Am 20. September 1819 wurden diese in Frankfurt am Main vom Bundestag einstimmig angenommen. Die konservative Kamarilla, darunter der wichtigste königliche Ratgeber, der Hugenotte Jean Pierre Frédéric Ancillon, die sich unter der französischen Besatzung um den König Friedrich Wilhelm III. gebildet hatte, ließen eine Verhaftungswelle unter dem Schlagwort Demagogenverfolgung durchführen.[33] Die königliche Kabinettsregierung bestand vornehmlich aus einem Trio, eine alternde Gräfin, Sophie Marie von Voß, Wilhelm zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein und genannter Ancillon. Diese bildeten die Gegenkräfte gegen den gewachsenen Einfluss des Kanzlers Hardenberg, von dem der König gänzlich abhängig geworden war.[34] Durch Intrigen der konservativen Fraktion, einem insgesamt günstiger werdenden politischen Klima für die konservative Fraktion in Europa, gelang die konservative Wende in Preußen. Die politische Atmosphäre wurde vergiftet und jeder der sich nicht streng linientreu gab, wurde verdächtigt. Bedeutende Reformer wie Humboldt, Beyme und von Boyen wurden Ende 1819 entlassen. Zuletzt gingen auch Grolman und Gneisenau.[35] Das während der Freiheitskriege seinem Volk gegebene Versprechen, dem Land eine Verfassung zu geben, löste Friedrich Wilhelm III. nie ein.[36] Anders als in den meisten übrigen deutschen Staaten wurde in Preußen auch keine Volksvertretung für den Gesamtstaat geschaffen. Stattdessen gab es ab 1823 nur Provinzialstände (ab 1875 Provinziallandtage), die nach ständischen Gesichtspunkten gewählt und organisiert wurden und langjähriger Grundbesitz die Voraussetzung für die Wählbarkeit waren. Durch die Quoten für jeden Stand war gewährleistet, dass der einheimische Adel ein Übergewicht hatte. Allerdings nahm die Bedeutung des Adels als Grundbesitzende Schicht spürbar ab. Der preußische Landadel befand sich in einer strukturellen wirtschaftlichen Krise und veräußerte zunehmend seinen Grundbesitz an bürgerliche Schichten. Der Anteil des Adels am Grundbesitz sank beispielsweise in der ospreußischen Provinz von 75,6 Prozent im Jahr 1806 auf 48,3 Prozent im Jahr 1829.[37] Folglich waren die Provinzialstände insgesamt plutokratisch ausgerichtet.

Die Provinzialstände wurden nur alle drei Jahre berufen und hatten keine legislative oder steuerliche Vollmachten sondern waren vor allem beratende Gremien.[38] Die Konservativen hatten sich durchgesetzt ohne dadurch echte politische Stabilität zu erzeugen. Der Weg zurück war nicht mehr möglich. Einerseits hatten die Reformer bleibende Veränderungen im Denken der politischen Klasse bewirkt, andererseits waren die Veränderungen der Napoleonischen Ära ebenso zu tiefgreifend gewesen und die Übergänge waren viel zu fließend, das Spektrum zu breit und zu offen, als dass eine umfassende Restauration des Status Quo vor der Reformära denkbar gewesen wäre. Die Konservativen selbst hatten viele der Reformideen bereits selbst aufgenommen. Dazu gehörte die gewandelte Auffassung vom preußischen Staat, der nun eine gesamthafte, alle Bewohner einbeziehende und organisch verwachsene Nation darstellte, statt nur wie bisher, die Summe der privilegierten ständischen Versammlungen zu repräsentieren. Beträchtliche bedeutende fortschrittliche Machtzentren blieben innerhalb der Regierung, vor allem in den Ressorts Finanzen, Außenpolitik, Bildung, Religion und Gesundheit.[39]

Das politische Leben ging weiter und letztlich entwickelten sich die Provinzialstände zu wichtigen Brennpunkten des politischen Wandels, auch wenn sie nach außen hin wie traditionelle Ständevertretungen aussahen, waren sie dennoch neuartige repräsentative Einrichtungen. Von Anfang an trachteten die Landtage danach, die ihnen zugewiesene Rolle auszuweiten und sie übten in den Provinzen allmählich liberalen politischen Druck aus.[40] In allen Provinzen dienten die Landtage als politische Foren, auf denen von der Regierung eine Generalständeversammlung und die Erfüllung des Verfassungsversprechens eingefordert wurde. Die Einbettung in die provinzelle Öffentlichkeit zum Beispiel über die Provinzpresse oder politischen Kreisen der städtischen Gesellschaft (zum Beispiel Club Aachener Casino) sorgten dafür, das die geheimen Debatten des Landtages verbreitet wurden und nicht wie von der Regierung versucht, von ihrem politischen Hinterland abgeschottet wurden. Dadurch stiegen die Anforderungen der öffentlichen Meinung an die Rolle der Landtage und über viele Petitionen, vorgetragen durch breite Bevölkerungsschichten an die Berliner Regierung wurden Beschlussrechte gefordert.[41]

Zollverein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dem Bestreben der königlichen Regierung, Liberalismus, Demokratie und die Idee der Einigung Deutschlands zu bekämpfen, standen jedoch starke ökonomische Zwänge entgegen.[42] Wirtschaftliche Deregulierung und Zollharmonisierung wurden nach 1815 in einem Zollgesetz vom 26. Mai 1818 fortgesetzt. Mit dem Gesetz entstand das erste homogene und landesweite Zollsystem in Preußen. Aufgrund der Zweiteilung seines Staatsgebiets lag die wirtschaftliche Einigung Deutschlands nach 1815 in Preußens ureigenem Interesse. Seit Ende der Zwanziger Jahr reichte der Prozess der Harmonisierung über die Grenzen des Königreichs hinaus, als Minister und Beamte an der Gründung eines deutschen Zollvereins unter preußischer Schirmherrschaft arbeiteten.[43] Preußen gehörte 1834 zu den Gründungsmitgliedern des Deutschen Zollvereins.[44]

Infolgedessen setzten auch außerhalb des Landes immer mehr Befürworter der deutschen Einigung, insbesondere die Protestanten, ihre Hoffnungen darauf, dass Preußen Österreich als Führungsmacht des Bundes ablösen werde. Es war von „Preußens deutscher Sendung“ die Rede und davon, dass das Land immer mehr nach Deutschland hinein und Österreich aus Deutschland heraus wachse. Die preußische Regierung wollte von dieser „Sendung“ nichts wissen. Weit davon entfernt, sich für die politische Einigung Deutschlands zu engagieren, widersetzte sie sich sogar dem immer lauter werdenden Ruf nach einer Verfassung und einem Landtag für ganz Preußen.

In der polnisch geprägten Provinz Posen, zunächst ein Großherzogtum, begann eine Germanisierungspolitik, nachdem durch den polnischen Aufstand von 1830 eine nationale polnische Begeisterungswelle ausgelöst wurde, in deren Folge Tausende Posener die Grenze überschritten um für die polnische Nation zu kämpfen.[45]

Konflikt um den Vereinigten Landtag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hoffnungen, die der Regierungsantritt Friedrich Wilhelm IV. (1840–1861) bei Liberalen und Anhängern der deutschen Einigung zunächst geweckt hatte, wurden bald enttäuscht. Auch der neue König machte aus seiner Abneigung gegen eine Verfassung und einen gesamtpreußischen Landtag keinen Hehl.

Der große Finanzbedarf für den Bau der von den Militärs geforderten Ostbahn erforderte jedoch die Bewilligung von Etatmitteln aller Provinzen. Der König ließ daher einen ständischen Ausschuss zusammentreten, dem Vertreter aller Provinziallandtage angehörten. Dieser Ausschuss erklärte aber, er sei für die ihm zugedachte Aufgabe nicht zuständig. Daher und aufgrund des wachsenden öffentlichen Drucks fand sich Friedrich Wilhelm IV. im Frühjahr 1847 schließlich bereit, den von den Liberalen seit langem geforderten Vereinigten Landtag einzuberufen.

Der König machte schon in seiner Eröffnungsrede unmissverständlich deutlich, dass er den Landtag nur als Instrument der Geldbewilligung ansehe und dass er mit Blick auf sein monarchisches Gottesgnadentum keine Verfassungsfragen erörtert sehen wolle. Er werde nicht zulassen, „daß sich zwischen unseren Herr Gott im Himmel und dieses Land ein beschriebenes Blatt gleichsam als zweite Vorsehung eindränge“. Da die Mehrheit des Landtags aber von Beginn an nicht nur das Etatbewilligungsrecht, sondern auch eine parlamentarische Kontrolle der Staatsfinanzen und eine Verfassung forderte, wurde das Gremium schon nach kurzer Zeit wieder aufgelöst. Preußen stand damit schon vor dem Ausbruch der Märzrevolution vor einem Verfassungskonflikt.

Deutsche Revolution von 1848/1849[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jubelnde Revolutionäre nach Barrikadenkämpfen am 18. März 1848, Breite Straße in Berlin, im Hintergrund das Stadtschloss

Nach den Volkserhebungen in Südwestdeutschland erreichte die Revolution am 18. März 1848 schließlich auch Berlin. Friedrich Wilhelm IV., der zunächst noch auf die Aufständischen hatte schießen lassen, ließ die Truppen aus der Stadt zurückziehen und schien sich nun den Forderungen der Revolutionäre zu beugen. Der Vereinigte Landtag trat noch einmal zusammen, um die Einberufung einer preußischen Nationalversammlung zu beschließen. Gleichzeitig mit den Wahlen zur preußischen fanden die zur gesamtdeutschen Nationalversammlung statt, die in Frankfurt am Main zusammentreten sollte.

Gewaltsame Auflösung der preußischen Nationalversammlung

Der preußischen Nationalversammlung war von der Krone die Aufgabe zugedacht worden, mit ihr gemeinsam eine Verfassung auszuarbeiten. Die Versammlung, in der weniger gemäßigte Kräfte saßen als noch im Vereinigten Landtag, stimmte dem Regierungsentwurf für eine Verfassung jedoch nicht zu, sondern arbeitete mit der „Charte Waldeck“ einen eigenen Entwurf aus. Nicht zuletzt die Verfassungspolitik der preußischen Nationalversammlung führte zur Gegenrevolution, zur Auflösung der Versammlung und zur Einführung einer oktroyierten Verfassung. Die oktroyierte Verfassung Preußens behielt zwar einige Punkte der Charte bei, stellte aber andererseits zentrale Vorrechte der Krone wieder her. Im Jahr 1850 wurde sie noch einmal revidiert. Vor allem das in dieser eingeführte Dreiklassenwahlrecht hat die politische Kultur Preußens bis 1918 entscheidend geprägt. Österreichisches Gegenstück zur oktroyierten Verfassung Preußens war die kurzlebige, 1849 von Kaiser Franz Joseph I. oktroyierte Märzverfassung, die mit dem Silvesterpatent von 1851 wieder abgeschafft wurde.

Karikatur zur Ablehnung der Kaiserkrone der Frankfurter Nationalversammlung durch König Friedrich Wilhelm IV.

In der Frankfurter Nationalversammlung ging man zunächst von einer großdeutschen Lösung aus: Zum entstehenden Deutschen Reich sollte wie selbstverständlich derjenige Teil Österreichs gehören, der bereits dem Bund angehört hatte. Da Österreich aber nicht bereit war, in seinen nichtdeutschen Landesteilen eine getrennte Verwaltung und Verfassung einzurichten, wurde schließlich die so genannte kleindeutsche Lösung beschlossen, d. h. eine Einigung unter Preußens Führung. Demokratie und deutsche Einheit scheiterten aber im April 1849, als Friedrich Wilhelm IV. die Kaiserkrone ablehnte, die ihm die Nationalversammlung angetragen hatte. Die Revolution wurde in Südwestdeutschland mit Hilfe preußischer Truppen endgültig niedergeschlagen.

Nach Preußens gescheiterter Politik, mit der Erfurter Union (1849/1850) einen konservativeren aber konstitutionellen Nationalstaat zu gründen, erzwang Österreich in der Olmützer Punktation die Wiederherstellung der vorrevolutionären Verhältnisse im Deutschen Bund. Während der folgenden Reaktionsära arbeitete Preußen eng mit Österreich zusammen, um die liberale und nationale Bewegung und vor allem die Demokraten zu bekämpfen.

Nach der Revolution bis zum Kaiserreich (1849–1871)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wilhelm I., der schon 1858 die Regentschaft für seinen nach mehreren Schlaganfällen regierungsunfähigen Bruder Friedrich Wilhelm IV. übernommen hatte, bestieg 1861 den preußischen Thron. Mit Kriegsminister Roon strebte er eine Heeresreform an, die längere Dienstzeiten und eine Aufrüstung der preußischen Armee vorsah. Die liberale Mehrheit des Preußischen Landtags, dem das Budgetrecht zustand, wollte die dafür nötigen Gelder jedoch nicht bewilligen. Es kam zu einem Verfassungskonflikt, in dessen Verlauf der König die Abdankung in Erwägung zog. Als letzten Ausweg entschloss er sich 1862, Otto von Bismarck als Ministerpräsidenten zu berufen. Dieser war ein vehementer Befürworter des königlichen Alleinherrschaftsanspruchs und regierte jahrelang gegen Verfassung und Parlament und ohne gesetzlichen Haushalt. Das liberale Parlament und auch Bismarck machten sich gegenseitig mehrere Vorschläge des Ausgleichs, lehnten diese aber beide immer wieder ab. So kam es, dass Bismarck 1866, nach dem gewonnenen Krieg gegen Österreich, als Schadloserklärung das Indemnitätsgesetz vorlegte, in der die unbewilligten Budgets nachträglich bewilligt wurden.

Aus der Erkenntnis heraus, dass die preußische Krone nur dann Rückhalt im Volk gewinnen könne, wenn sie sich an die Spitze der deutschen Einigungsbewegung setzte, führte Bismarck Preußen in drei Kriege, die König Wilhelm die deutsche Kaiserkrone einbrachten.

Erster Einigungskrieg: Deutsch-Dänischer Krieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der König von Dänemark war in Personalunion Herzog der Herzogtümer Schleswig und Holstein, über die es im Vertrag von Ripen 1460 heißt, dass diese „op ewig ungedeelt“ („auf ewig ungeteilt“) bleiben sollten. Obschon es in Folge mehrmals zu Landesteilungen innerhalb der Herzogtümer kam, beriefen sich die deutschen Nationalliberalen im 19. Jahrhundert auf ebendiese Aussage des Ripener Vertrages, um ihre Forderung nach einer Anbindung Schleswigs an Holstein und den Deutschen Bund zu rechtfertigen. Staatsrechtlich gehörte nur das Herzogtum Holstein als früheres römisch-deutsches Lehen zum Deutschen Bund, während Schleswig ein dänisches Lehen war (siehe auch: Dänischer Gesamtstaat). Der Beschluss der Kopenhagener Regierung nach der Ablehnung der vorherigen Gesamtstaatsverfassung durch den Dt. Bund mit der Novemberverfassung eine Verfassung allein für Schleswig und Dänemark zu verabschieden, führte im Dezember 1863 zunächst zu einer Bundesexekution gegen das bundesangehörige Holstein und ab Februar 1864 schließlich unter Protest des Deutschen Bundes[46] zum Deutsch-Dänischen Krieg und der Besetzung Schleswigs und weiter Teile Norderjütlands durch Preußen und Österreich. Nach dem preußisch-österreichischen Sieg musste die dänische Krone im Frieden von Wien auf die Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg verzichten. Die Herzogtümer wurden zunächst gemeinsam in einem preußisch-österreichischen Kondominium verwaltet. Nach der Gasteiner Konvention von 1865 fiel Schleswig unter preußische, Holstein unter österreichische Verwaltung, während Österreich seine Rechte am Herzogtum Lauenburg an die preußische Krone verkaufte. 1866 wurden Schleswig, Holstein und Lauenburg zu der neuen preußischen Provinz Schleswig-Holstein vereinigt.

Zweiter Einigungskrieg: Krieg gegen Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berliner Stadtschloss und die Lange Brücke mit dem Reiterstandbild des Großen Kurfürsten, Stich von Johann Heinrich Hintze, um 1850

Bald nach Ende des Kriegs mit Dänemark brach zwischen Österreich und Preußen Streit um die Verwaltung und die Zukunft Schleswig-Holsteins aus. Dessen tiefere Ursache war jedoch das Ringen um die Vorherrschaft im Deutschen Bund. Es gelang Bismarck, den aus Gründen der Loyalität gegenüber Österreich lange zögernden König Wilhelm zu einer kriegerischen Lösung zu überreden. Preußen hatte zuvor bereits ein geheimes Militärbündnis mit dem Königreich Sardinien-Piemont abgeschlossen, das u. a. Gebietsabtretungen Österreichs vorsah. Österreich wiederum hatte Frankreich in einem Geheimvertrag die Errichtung eines „Rheinstaates“ auf Kosten Preußens zugesichert. Dies waren klare Rechtsbrüche, da die Bundesakte von 1815 Mitgliedern des Deutschen Bundes untersagte, Bündnisse gegen andere Mitgliedsstaaten einzugehen.

Nach dem preußischen Einmarsch in das unter österreichischer Verwaltung stehende Holstein beschloss der Frankfurter Bundestag die Bundesexekution gegen Preußen. Preußen erklärte seinerseits den Deutschen Bund als erloschen und besetzte die Königreiche Sachsen und Hannover sowie Kurhessen. Auf der Seite Österreichs standen auch die übrigen deutschen Königreiche und weitere, vor allem südwest- und mitteldeutsche Staaten. Die Freie Stadt Frankfurt als Sitz des Bundestages neigte der österreichischen Seite zu, verhielt sich aber offiziell neutral. Auf Seiten Preußens trat neben einigen norddeutschen und thüringischen Kleinstaaten auch das Königreich Italien in den Krieg ein (→ Schlacht bei Custozza und Seeschlacht von Lissa).

Im Deutschen Krieg errang Preußens Armee unter General Helmuth von Moltke am 3. Juli 1866 in der Schlacht von Königgrätz den entscheidenden Sieg. Mit dem Prager Frieden vom 23. August 1866 wurde der Deutsche Bund, der faktisch schon durch den Krieg zerfallen war, auch formell aufgelöst und Österreich musste aus der deutschen Politik ausscheiden. Durch die Annexionen der gegnerischen Staaten Königreich Hannover, des Kurfürstentum Hessen, Herzogtum Nassau und der Freien Stadt Frankfurt konnte Preußen fast alle seine Territorien miteinander verbinden. Aus den gewonnenen Gebieten bildete es die Provinzen Hannover, Hessen-Nassau und Schleswig-Holstein.

Otto von Bismarck, seit 1862 preußischer Ministerpräsident, seit 1867 norddeutscher Bundeskanzler

Bereits fünf Tage vor dem Friedensschluss hatte Preußen zusammen mit den Ländern nördlich der Mainlinie den Norddeutschen Bund gegründet. Anfangs ein Militärbündnis, gaben ihm die Vertragsparteien 1867 eine Verfassung, die ihn zu einem von Preußen dominierten, aber dem Föderalismus in Deutschland gerecht gewordenen Bundesstaat machte. Dessen von Bismarck entworfene Verfassung nahm in wesentlichen Punkten die des Deutschen Kaiserreiches vorweg. Der König von Preußen war Inhaber des Bundespräsidiums und ernannte den preußischen Ministerpräsidenten Bismarck zum Bundeskanzler. Die süddeutschen Staaten blieben außerhalb des Norddeutschen Bundes, gingen aber „Schutz- und Trutzbündnisse“ mit Preußen ein.

Die durch den militärischen Erfolg gestiegene Popularität Bismarcks hatte diesen im Vorfeld der Gründung des Norddeutschen Bundes dazu bewogen, den preußischen Landtag nachträglich um Straffreiheit für die budgetlose Regierungszeit zu ersuchen. Die Annahme dieser Indemnitätsvorlage führte zur Spaltung des Liberalismus in einen obrigkeitshörigen (Nationalliberale Partei) und einen weiterhin oppositionellen Teil (Deutsche Fortschrittspartei als Rumpfpartei). Das 1867 durch Bismarcks zähe Verhandlungsführung und auf Druck der Wirtschaft eingerichtete Deutsche Zollparlament brachte die Einbeziehung süddeutscher Vertreter in eine preußisch bzw. norddeutsch dominierte Institution mit sich. Mehrheitsbeschlüsse ersetzten das im Deutschen Zollverein bisher bestehende Vetorecht der Einzelstaaten. Bayerische und württembergische Patrioten reagierten ebenso besorgt wie der französische Kaiser Napoléon III. Als dieser jedoch als Gegenleistung für Frankreichs Stillhaltepolitik gegenüber Preußen einen territorialen Ausgleich verlangte, schürte er damit ungewollt das Misstrauen der Öffentlichkeit in den süddeutschen Staaten. Dies wiederum stärkte deren Bindungen an Preußen.

Dritter Einigungskrieg: Deutsch-Französischer Krieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Proklamation des Deutschen Kaiserreiches (18. Januar 1871), zweite Fassung des Gemäldes für das Berliner Zeughaus von Anton von Werner, 1882

Mit vagen Versprechungen, Luxemburg eventuell Frankreich zu überlassen, hatte Bismarck Napoléon III. dazu gebracht, seine Politik gegenüber Österreich zu dulden. Nun sah sich Frankreich einem erstarkten Preußen gegenüber, das von den früheren territorialen Zusagen nichts mehr wissen wollte. Die Beziehungen zwischen beiden Ländern verschlechterten sich zusehends. Schließlich spitzte Bismarck den Streit um die spanische Thronkandidatur des katholischen Hohenzollernprinzen Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen in der Affäre der Emser Depesche bewusst so weit zu, dass die französische Regierung Preußen den Krieg erklärte. Dies stellte für die süddeutschen Staaten Bayern, Württemberg, Baden und das südlich der Mainlinie noch unabhängige Hessen-Darmstadt den Bündnisfall dar.

Nach dem raschen deutschen Sieg im Deutsch-Französischen Krieg und der darauf folgenden nationalen Begeisterung in ganz Deutschland sahen sich nun auch die süddeutschen Fürsten gedrängt, dem Norddeutschen Bund beizutreten. Bismarck kaufte König Ludwig II. von Bayern mit Geldern aus dem so genannten Welfenfonds die Bereitschaft ab, König Wilhelm die deutsche Kaiserkrone anzutragen. Das Deutsche Reich wurde als kleindeutscher einheitlicher Nationalstaat gegründet, was schon als Einigungsmodell von der Nationalversammlung 1848/49 vorgesehen war. Im Spiegelsaal von Versailles wurde Wilhelm I. am 18. Januar 1871 – am 170. Jahrestag der Königskrönung Friedrichs I. – zum Deutschen Kaiser proklamiert.

Im Deutschen Kaiserreich (1871–1918)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Preußen im Deutschen Reich 1871 (dunkelblau)

Von 1871 an ging Preußen ebenso sehr im deutschen Reich auf, wie das deutsche Reich preußischen Charakter annahm.[47] Der König von Preußen war auch Deutscher Kaiser und der preußische Ministerpräsident fast immer zugleich Reichskanzler. Der Ministerpräsident und Kanzler musste aber nicht unbedingt Preuße sein, wie die Ernennung von Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst zeigt.

Zwischen 1871 und 1887 führte Bismarck in Preußen den sogenannten Kulturkampf, der den Einfluss des politischen Katholizismus zurückdrängen sollte. Widerstände der katholischen Bevölkerungsteile und des Klerus, insbesondere im Rheinland und in den ehemals polnischen Gebieten, zwangen Bismarck aber dazu, die Auseinandersetzung ergebnislos zu beenden.[48] In den mehrheitlich von Polen bewohnten Landesteilen ging der Kulturkampf mit dem Versuch einer Germanisierungspolitik einher. Die preußische Ansiedlungskommission etwa versuchte mit beschränktem Erfolg polnisches Land für deutsche Neusiedler zu erwerben. Nach Bismarcks Entlassung wurde die Germanisierungspolitik vom Deutschen Ostmarkenverein fortgeführt, der 1894 in Posen gegründet wurde.

Auf Wilhelm I. folgte im März 1888 der bereits schwer kranke Friedrich III., der nach einer Regierungszeit von nur 99 Tagen verstarb. Im Juni des „Drei-Kaiser-Jahres“ bestieg Wilhelm II. den Thron. Er entließ 1890 Bismarck und bestimmte die Politik des Landes von da an weitgehend selbst. Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs (1914–1918) blieben preußische und Reichspolitik aufs engste miteinander verbunden.

Ende der Monarchie in Preußen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neue Sozialformen mit Massenhang (Gewerkschaften, Parteien) hatten sich seit der Hochindustrialisierung gebildet und forderten auf breiter Linie Partizipation. Den alten Eliten Preußens, die aus einer Kombination aus junkeradelig dominierten Militär, die preußische Beamtenschaft als Agenten der inneren Staatbsildung und die Königsfamilie bestanden, gelang es in den letzten Dekaden der Monarchie nicht mehr, die mobilisierte Gesellschaft integrativ zu steuern und zu einer gesamten Nation zu formen. Staat und Gesellschaft gerieten bis 1918 in ungelöste Gegensätze. Die preußischen Leitmaximen die in einem immateriellen Gesellschaftsvertrag mündeten, den die damaligen bürgerlichen, monarchischen und adeligen Eliten miteinander geschlossen hatten und die den Aufstieg Preußens im 17. und 18. Jahrhundert ebneten, wirkten unter den grundlegend gewandelten Bedingungen des späten 19. und frühen 20. Jahrhundert nicht mehr.

Aufgrund der Unfähigkeit zur Absorption und Integration der außenstehenden gesellschaftlichen Kräfte in das eigene politisch-administrative System durch die staatlichen Kräfte, vertiefte sich die politisch-strukturelle Rückständigkeit soweit,[49] dass sich neben einem gesellschaftspolitischen Reformstau auch bedeutende sozialpolitische Kräfte außerhalb des staalich gesteuerten politischen Prozesses kumulierten, die in der Krisensituation des Ersten Weltkriegs dann explosionsartig in Preußen und anderen ebenso politisch-rückständigen Staaten in Mittel- Ost- und Südeuropa entluden wurden.

Am 9. November 1918 kam es in Berlin zur Ausrufung der Republik in Deutschland. Wilhelm II. dankte als König von Preußen und damit als Deutscher Kaiser ab. Im Ergebnis der Novemberrevolution wurde das Deutsche Reich zur Republik. Der preußische Staat blieb mit einer republikanischen Verfassung als Freistaat Preußen ein Land des Deutschen Reiches. Die preußische Königskrone befindet sich heute auf der Burg Hohenzollern bei Hechingen.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nationaleinkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach zeitgenössischen Schätzungen lag das Nationaleinkommen Preußens 1804 bei 248 Millionen RT. Davon wurden 41 Millionen RT. im manufakturgeprägten Gewerbesektor (unter Ausschluss des Handwerks) erwirtschaftet und weitere 43 Millionen RT in der zunftgeprägten Bierbrauerei und Branntweinbrennerei.[50]

Wirtschaftssektoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landwirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Preußens Wirtschaftsstruktur wies um 1800 typische Charakteristiken eines Agrarstaats auf. Es dominierte der Anbau von Getreide, besonders Weizen, Roggen, Gerste und Hafer. Ebenso wurden um 1800 Hülsenfrüchte, Flachs, Färberkrapp und Tabak angebaut. Auch eine intensive Holzwirtschaft wurde betrieben. Daneben betrieb die Landbevölkerung ausgedehnte Viehwirtschaft. 10,2 Millionen Schafe der Schafzucht generierte im Jahr 1.000 Tonnen Wolle, die zur Textilherstellung weiterverarbeitet wurde.[51] Der Gesamtbestand von 5,06 Millionen Rindtieren, 2,48 Millionen Schweinen nebst Kleinvieh diente unter anderem der Fleischproduktion. 1,6 Millionen Pferde wurden für die Wirtschaft und die Armee gehalten. Es gab insgesamt drei königliche Gestüte in Trakehnen, Neustadt an der Dosse und Triesdorf.

Die 1769 gegründete Emder Heringsfischerei-Gesellschaft betrieb Loggerfischerei und setzte um 1800 über 50 Büsen nebst zwei Jagdschiffen ein.

Produktion von Getreidesorten 1804[52]
Sorte Ernte in t Eigenverbrauch in t
Weizen 400.000 280.000
Roggen 2.000.000 1.900.000
Gerste 1.100.000 1.020.000
Hafer 1.300.000 1.200.000

Die Getreideüberschüsse wurden zumeist nach Westeuropa exportiert. Zusammengenommen produzierte Preußen um 1800 eine Gesamtmenge von rund 4,8 Millionen Tonnen Getreide. Das rund neun mal bevölkerungsreichere Deutschland produzierte 2016 45,3 Millionen Tonnen an Getreide auf einer ähnlich großen Staatsfläche.[53]

Die Umstände der Durchsetzung des Kartoffelanbaus in Preußen wurde zu einer historischen Legende stilisiert und hält im kollektiven Erinnerungsgedächtnis der heutigen Bewohner an.

An natürlichen Ressourcen verfügte Preußen über Salz, das 1800 in 14 Salzbergwerken gefördert wurde. Daneben wurde Alaun gefördert. Steinkohle wurde um 1800 hauptsächlich in Westfalen (50 Prozent der Gesamterzeugung) in 135 Zechen und in Schlesien (33 Prozent der Gesamterzeugung) gewonnen.[54]

An Baumaterialien wurden Ummendorfer Sandstein, Bebertaler Sandstein, Rüdersdorfer Kalkstein, Prieborner Marmor, Groß-Kunzendorfer Marmor und weitere gefördert.

Tertiärer Sektor: Handel, Banken und Dienstleistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den ersten Jahrzehnten des Königreichs stand der preußische Handel auf einem niedrigen Entwicklungsniveau. Einen überregional bedeutenden Großhandel gab es nur in den wenigen Kapitalen des Königreichs, vornehmlich Berlin, Königsberg und Magdeburg. Der Landtransit zwischen Westen und Osten war bedeutender als der Austausch über Seehäfen. Eine eigene Seeschiffahrt von übergeordneter Bedeutung existierte noch nicht. Die staatliche Handelspolitik begann eine Schutzzoll- und Privieligienpolitik (Monopolrechte) zur Förderung des einheimischen Gewerbes.[55]

Die „König von Preußen“, das erste Schiff der Königlich Preußisch-Asiatischen Compagnie von Emden

Die Geldwirtschaft entwickelte sich erst langsam. Weite Teile des ländlichen Königreichs waren im 18. Jahrhundert noch nicht an die wenigen geldwirtschaftlichen großstädtischen Zentren angeschlossen, sondern betrieben weiterhin ihre eigene extensive naturalwirtschaftliche Ackerbau-, Weide- und Waldwirtschaften.[56]

Bereits in den 1670er und 1680er Jahren hatte Brandenburg-Preußen mit der Brandenburgisch-Afrikanischen Kompanie versucht am Dreieckshandel mit Sklaven im Atlantik teilzunehmen, war aber auf Dauer dem europäischen Konkurrenzdruck nicht gewachsen. Friedrich II. versuchte in den 1740ern Handelsverträge mit Spanien und Frankreich zur Förderung des schlesischen Leinenexports zu schließen, hatte damit aber keinen Erfolg. In dieser Situation ließ er die Asiatische Kompanie in Emden gründen, die den Handel mit China aufnahm. Vier nach Kanton entsendete Schiffe kehrten mit Ladungen an Seide, Tee und Porzellan zurück. Der 1755 ausbrechende Seekrieg beendete aber nach wenigen Jahren die Aktivitäten der Überhandelsgesellschaft aus Mangel am Schutz durch eine eigene Seekriegsflotte, die sich die Landmacht Preußen nicht leisten konnte.[57]

Die Hofbankiers das Bank- und Handelshaus Splitgerber & Daum und die (Berliner) Juden beherrschten die Finanzgeschäfte Preußens im 18. Jahrhundert. Die jüdische Gemeinde zu Berlin bestand um 1750 aus 2200 Personen in 320 Familienhaushalten. 78 Prozent der meist reichen jüdischen Haushaltsvorstände Berlins waren im Handelsgeschäft aktiv. 119 Vorstände arbeitete im Großhandel als Geldverleiher, Geldhändler, Wechsler, Münzlieferanten, Bankiers, 42 arbeiteten als Pfandleiher und 28 als Kommissionswaren-, Messe- und Weinhändler. Bedeutender Finanzier war Veitel Heine Ephraim und Daniel Itzig.[58] Staatliche Aktivitäten im öffentlichen Finanzwesen fanden zunächst überhaupt nicht statt.

Wirtschaftsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaftliche Expansion unter König Friedrich-Wilhelm I. (1713–1740)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Regierungszeit des Soldatenkönigs stand das „Plusmachen“, also das Streben nach dauerndem wirtschaftlichen Gewinn, im Mittelpunkt der Wirtschaftspolitik. In seiner Herrschaftszeit erreichte Preußen ökonomische Stabilität und Prosperität. Erst die Grundlage eines geordneten Staatshaushalts ermöglichte den Aufstieg zu einer der Wirtschaftsmächte Deutschlands im 18. Jahrhundert und ließ die militärische Expansion seines Sohnes, Friedrich II., in den darauffolgenden Jahrzehnten denkbar werden.

Königliches Verbot, im Ausland hergestellte Textilien zu tragen, Berlin 1719

Ein Motor der positiven Entwicklung der zentralisierten Wirtschaft war die preußische Armee, welche versorgt werden musste. 1713 gründete Friedrich Wilhelm I. in Berlin mit dem Königlichen Lagerhaus eine Tuchmanufaktur, die 1738 4.730 Menschen beschäftigte. 1717 wurde durch die Ansiedlung von Webern in Luckenwalde der Grundstein für die dortige Textilindustrie gesetzt. Mit einem Ausfuhrverbot für die heimische Wolle im Jahre 1718 sicherte der König die Weiterverarbeitung in seinen Landen.

In Spandau und Potsdam entstand ab 1722 eine Gewehrmanufaktur. Die benötigten Facharbeiter wurden vor allem in Lüttich, einem Zentrum der Waffenherstellung, angeworben. Für den Nachwuchs sorgte unter anderem das im selben Jahr gegründete Große Militärwaisenhaus in Potsdam.[59] Betreiber der Gewehrfabrik war das mit königlichen Privilegien ausgestattete Handelshaus Splitgerber & Daum, das weitere metallverarbeitende Manufakturen pachtete und zum größten Waffenproduzenten Preußens wurde. Abnehmer der Waffen war überwiegend die preußische Armee. Für den zivilen Bedarf produzierte das Handelshaus Kupferbleche (Dacheindeckung), Kupferkessel (Brauereien, Siedereien), Messingteile (Behälter, Beschläge, Scharniere) und Eisen- und Stahlerzeugnisse (Bohrer, Scheren, Messer).

Ab 1716 nahm die königliche Deichkommission für die Oder ihre Arbeit auf. Die Entwässerung von Havelländischem und Rhinluch (nordwestlich von Nauen) brachte guten Gewinn an relativ ertragreichem Boden. Glaubensflüchtlingen aus dem Franken- und Schwabenland wurden Siedlungsplätze in menschenarmen Gegenden in der Uckermark zugewiesen, um diese urbar zu machen.

Um die Gewerbetätigkeit zu kontrollieren, wurde 1733 seitens des Königs eine Handwerksordnung erlassen, die alle Zünfte der Staatsaufsicht unterstellte, ihre Rechte stutzte, die Verbindung zu Nachbarstaaten untersagte und das Wandern der Gesellen kontrollierte.

Der wirtschaftliche Aufschwung war anhaltend, denn die Förderung beschränkte sich nicht mehr in erster Linie auf die hofzentrierten Wirtschaftszweige – wie unter Friedrich I. –, sondern weit über den Radius der Residenzen hinaus, und konzentrierte sich im militärischen Bereich, der fast überall im altpreußischen Staat vorhanden war.

Kriegswirtschaft, Krisen und wirtschaftliche Genesung (1740–1806)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts unter Friedrich II. erfuhr die Wirtschaft des Landes durch die mehrjährigen und auch kostspieligen Kriege (1740–1742, 1744–1745, 1756–1763) eine ziemliche Zerrüttung. Andererseits gelangten durch die Eroberung Schlesiens auch neue, wirtschaftlich bedeutsame Regionen (Textilgewerbe, Bodenschätze) in das preußische Herrschaftsgebiet.[60] Im Bereich der landeskulturellen Arbeiten wurden unter Friedrich II. große wirtschaftliche Fortschritte erreicht. Insbesondere gelang dies durch die Trockenlegung und Urbarmachung des Oderbruchs, des Netzebruchs und des Warthebruchs und die Kolonisation dieser Gebiete durch die Ansiedlung einer großen Zahl von Bauern und Handwerkern.[61]

Der König förderte auch den Ausbau von Wasserstraßen, Beispiele sind die Verbindung Berlins mit Stettin durch den Finowkanal, der Bromberger Kanal, die Regulierung der Netze und im Westen die Ruhrkanalisierung. Das Straßennetz allerdings wurde nicht gefördert und blieb somit in einem schlechten Zustand. Dies lag an den hohen Kosten, sodass der Bau von festen Straßen erst nach dem Tod Friedrich des Großen vorgenommen wurde. Durch eine intensiv betriebene Getreideversorgungspolitik und die systematische Anlegung von Getreidemagazinen gelang es dem preußischen Staat, die Getreidepreise auch in Notzeiten zu kontrollieren.

In der Gewerbepolitik förderte Friedrich der Große besonders die Seidenindustrie. Dazu wurden zahlreiche Fabrikanten, Facharbeiter und Spezialisten nach Preußen geholt und inländische Arbeiter und Hilfskräfte ausgebildet. Die dabei angewendeten Mittel waren: Geschenke, Vorschüsse, Privilegien, Stuhlprämien, Exportprämien, Lehrlingsgelder, Abgabenfreiheit für Rohmaterialien, Hochimposten, Einfuhrverbot ausländischer Produkte. Durch diese intensive Wirtschaftspolitik gelang es, die Seidenindustrie so hoch zu bringen, dass sie den eigenen Landesbedarf deckte und eine ansehnliche Ausfuhr erreichte. Daneben wurde vor allem die Baumwollindustrie gefördert, die noch unter König Friedrich Wilhelm (1713–1740) verboten war, um die eigene Wollweberei nicht zu gefährden. 1742 entstand die erste Baumwollfabrik, 1763 gab es in Berlin bereits zehn Baumwollfabriken. Im Gegensatz zur Seidenindustrie kam dieser Wirtschaftszweig fast ohne staatliche Unterstützung aus. 1763 wurde die Berliner Porzellanmanufaktur KPM vom preußischen Staat gekauft. Der König ließ auch mehrere Fabrikanlagen, für die private Unternehmer das Wagnis nicht eingehen wollten, auf eigene Kosten errichten:

  • Uhrenfabrik zu Berlin und Friedrichsthal (1781 für 141.235 Taler)
  • Papierfabrik in Spechthausen (1781 für 56.000 Taler)
  • Berliner Lackierfabrik (56.000 Taler)
  • Garnfärberei in Caputh (1765 für 30.000 Taler)

Mit den im Land hergestellten Manufaktur- und Handwerkswaren konnte nahezu die gesamte inländische Nachfrage befriedigt und außerdem ein größerer Export erzielt werden, womit die notwendige Rohstoffeinfuhr fiskalisch mehr als ausgeglichen werden konnte. Die Handelsbilanz – 1740 noch mit einer halben Million Talern im Defizit, 1786 mit drei Mio. Talern im Überschuss – wurde unter Friedrich dem Großen erstmals positiv gestaltet.

In der Zeit nach dem Tod von Friedrich II., von 1786 bis 1806, gab es Auseinandersetzungen in Preußen zwischen den Befürwortern des herrschenden Merkantilsystems und den Verfechtern der neu aufkommenden liberalen Strömungen. Unter Friedrich Wilhelm II. begnügte man sich damit, einige der protektionistischen Schranken und Verbote abzubauen:

  • Beseitigung von Monopolen (Tabaksadministration, Kaffeebrenn-Monopol, Zuckersiederei-Monopol) und gleichzeitiges Verbot neuer Monopole
  • Aufhebung von Zöllen und Akzisen (Seide, Baumwolle, Garn, Häute)
  • Beseitigung der verhassten französischen Regie (eine mit französischen Beamten besetzte Behörde der Finanzverwaltung, die in der Bevölkerung sehr unbeliebt war)

Unter diesem gemilderten Protektionismus erlebte die preußische Wirtschaft einen, im Zuge einer guten äußeren Konjunktur, bedeutenden Aufschwung. Preußen hatte in den eineinhalb Jahrhunderten zwischen dem Ende des Dreißigjährigen Krieges 1648 und dem Beginn der Napoleonischen Kriege 1806 deutliche wirtschaftliche Fortschritte erreicht. Der modernste Staat des 17. und 18. Jahrhunderts gehörte um 1800 auch ökonomisch zu den am stärksten entwickelten Staaten Europas. Gleichwohl arbeitete um 1800 immer noch die Mehrheit der erwerbstätigen Menschen in Preußen in der Landwirtschaft.

Wirtschaftsreformen, Technisierung, industrielle Revolution (1807–1871)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Eisenwalzwerk in Deutschland während der Hochindustrialisierung, um 1875

Die Katastrophe der napoleonischen Besetzung 1807 brachte Preußen auch wirtschaftlich an den Rand des Zusammenbruchs. Insofern waren die Reformgesetze der Zeit nach 1806, was ihre wirtschaftlichen Bereiche und Folgen betraf notwendig, um den Staat wirtschaftlich und finanziell am Leben zu erhalten und um einen späteren Befreiungskrieg möglich zu machen. Die preußische Wirtschaftsreform nach 1806 gehörten zu den erfolgreicheren Neuerungsmaßnahmen der preußischen Reformen zu Beginn des 19. Jahrhunderts.

Die nominelle Bauernbefreiung war die Voraussetzung für den wirtschaftlichen Aufschwungs der nächsten Jahrzehnte in Preußen. Gleiches galt für die Gewährung der vollständigen Gewerbefreiheit, da diese überhaupt erst die Mobilität großer Menschenmassen, die Bewegung der ländlichen Bewohner Preußens in die wachsenden Industriestädte des Landes möglich gemacht hatte. Die preußische Staatsverwaltung ihrerseits erreichte mit einigen wichtigen Maßnahmen, der zu diesem Zeitpunkt darniederliegenden Wirtschaft des Landes auf die Beine zu helfen. Preußen verwirklichte mit dem Handels- und Zollgesetz vom 26. Mai 1818 ein eigenes einheitliches Zollgebiet ohne Binnenzölle.[62]

Nachdem alle innerstaatlichen Handelsschranken in Preußen gefallen waren, wurde auf Initiative Preußens 1834 der Deutsche Zollverein gegründet. Preußen hatte – unter anderem wegen seines zersplitterten Staatsgebiets – ein Eigeninteresse daran, die Zollgrenzen im Deutschen Bund abzuschaffen. Diese Maßnahme beflügelte den innerdeutschen Handel und trug zum Wirtschaftswachstum der folgenden Dekaden maßgeblich bei.

Im Zuge der Industrialisierung wurde eine Anzahl von Land-, Wasserwegen und Kanälen gebaut, welche quer durch Deutschland den Westen mit dem Osten verbanden. Im Oberland West- und Ostpreußens entstand der Oberländische Kanal, der die Ostsee und Elbing im Norden mit Masuren im Süden verband. Mit der 1865 erfolgten Gründung der Königlich Preußischen Elbstrom-Bauverwaltung wurde die Elbe in sechs Kreise eingeteilt, die den Brücken- und Kanalbau, die Fähren, Mühlen, Hafenanlagen und Deiche zu überwachen hatten. Vormals unbedeutende Regionen (Ruhrgebiet, Saargebiet und Oberschlesisches Industriegebiet) entwickelten sich in der Zeit nach 1815, durch die Ausbeutung von Kohlevorkommen und den späteren Eisenbahnbau zu prosperierenden Zentren von Montanindustrie und Maschinenbau. Damit wuchs das wirtschaftliche Gewicht Preußens gegenüber Österreich im Deutschen Bund.

Im Eisenbahnbau hinkte Preußen lange Zeit international hinterher. Dies hatte auch für seine Wirtschaft Folgen. So kam es, dass amerikanisches Getreide, englische und belgische Kohle und Roheisen und andere Artikel preiswerter als die heimischen Erzeugnisse waren. Dies lag daran, dass es in England, Belgien und in den USA bereits effiziente Eisenbahnnetze für den Massengütertransport gab. Erste größere private Eisenbahnen wurden daher 1837 mit der Rheinischen Eisenbahn-Gesellschaft (Köln – Aachen – belgische Grenze) und 1843 mit der Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft vom Rheinland bis zu den schiffbaren Häfen in Minden (mit Zugang zu den bremischen Häfen) angelegt. Der Staat Preußen selbst wurde im Eisenbahnbau 1850 mit der Königlich-Westfälischen Eisenbahn-Gesellschaft und der Preußischen Ostbahn sowie 1875 mit der Berliner Nordbahn tätig. In der Folge wurden zunehmend private Eisenbahnen durch finanzielle Unterstützung, durch Aufkauf oder durch Enteignung (nach dem Preußisch-Österreichischen Krieg 1866) der staatlichen Regie unterworfen.

Obwohl Preußen in wirtschaftlicher Hinsicht in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einer Großmacht aufstieg, war der Hohenzollernstaat bis weit in das 19. Jahrhundert hinein agrarisch geprägt.

Produktionszahlen wichtiger Industriegüter und Entwicklung des Eisenbahnstreckennetzes in Preußen (1815–1913)[63]
Jahr Steinkohle Roheisen Stahl Eisenbahnnetz
1815 998.000 t
1825 1.292.000 t 40.837 t
1835 1.709.000 t 65.591 t
1845 3.564.000 t 85.100 t 845 km
1850 4.419.000 t 135.000 t 149.300 t 3.144 km
1855 8.670.000 t 301.400 t 317.400 t 4.353 km
1865 18.592.000 t 772.000 t 611.000 t 7.647 km
1875 33.520.000 t 1.393.000 t 1.346.000 t 13.703 km
1885 52.977.000 t 2.664.000 t 2.348.000 t 22.201 km
1895 72.751.000 t 3.778.000 t 4.346.000 t 26.700 km
1905 113.188.000 t 7.106.000 t 8.557.000 t 32.367 km
1913 180.057.000 t 12.260.000 t 11.860.000 t 36.032 km

Wirtschaft im Deutschen Kaiserreich (1871–1918)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obwohl die politische Bedeutung Preußens im neugegründeten Deutschen Kaiserreich seit 1871 sank, stellte Preußen immer noch das wirtschaftlich mächtigste Land des Kaiserreiches dar. Das in Preußen gelegene Rheinland, Berlin sowie Schlesien, die Provinz Sachsen und die Rhein-Main-Region waren denn auch die wichtigsten Wirtschaftszentren des Reiches. Die Industrialisierung in Preußen nahm auch im Kaiserreich nach 1871 stetig zu. Dies zeigte der Anstieg des Erwerbstätigenanteils, die in der Industrie, Handwerk und Bergbau beschäftigt waren. So stieg dieser Erwerbstätigenanteil im Sekundärsektor und Bergbau zwischen 1871 und 1907 von 30,4 % auf 42,8 % an.

Allerdings verlief dieser Prozess regional unterschiedlich: In der Provinz Ostpreußen nahm der Anteil des Sekundärsektors und des Bergbaus von 1871 bis 1907 nur von 16,1 % auf 20,4 %, in der Rheinprovinz dagegen von 41,3 % auf 54,5 % zu. Allerdings lag der Industrialisierungsgrad Gesamt-Preußens lange Zeit noch unter dem Reichsdurchschnitt.

Im Jahre 1913 wurde in Preußen 62 % des Nettonationaleinkommens des Deutschen Reiches erwirtschaftet. Die Zahl entsprach genau dem Anteil der preußischen Bevölkerung an der gesamten Reichsbevölkerung.

Ab 1880 bis 1888 erfolgte die Verstaatlichung der meisten Privatbahnen. Am Ende des Ersten Weltkrieges bildeten die staatlichen preußischen Eisenbahnen ein 37.500 km großes Eisenbahnnetz. Die regelmäßigen Mehreinnahmen der Preußischen Staatseisenbahnen dienten auch dazu, den Staatshaushalt auszubalancieren.[64]

Gesellschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gesellschaft als Gesamtheit aller Individuen und Gruppen auf dem Territorium des preußischen Staats bildete keine einheitliche in sich abgeschlossene oberste Leitkategorie aus, wie sie seit dem 19. Jahrhundert unter dem Begriff Nation zusammengefasst wurde. Es bildete sich weder eine homogene gesellschaftliche Einheit oder eine Kulturnation aus. Auf dem Gebiet Preußens bestanden dagegen stets unterschiedliche regionale, kulturelle und soziale Welten. Die Nationswerdung unter der Titulatur Preußen vollzog sich nach 1815 lediglich rudimentär und hauptsächlich auf die Altpreußischen Provinzen beschränkt, unter Ausschluss der Neupreußischen Gebiete am Rhein und in Westfalen.[65]

Repräsentative (feudale) und bürgerliche Öffentlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Noch in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts bestanden in Preußen und anderen europäischen Staaten nahezu ausschließlich repräsentative Öffentlichkeiten. Deren systemimanente Merkmale trennten nicht ausreichend zwischen Privaten und Öffentlichen Charakter, sondern nur zwischen Gemeinen und Besonderen. Träger der repräsentativen Öffentlichkeit war das Hofzeremoniell, also der preußische Hofstaat, das höfische Leben im Allgemeinen. Dies bedeutete den Ausschluss des Volkes von der Öffentlichkeit. Alles nichhöfische war demnach Kulisse und in einer passiven zuschauenden Rolle eingezwängt, während das Höfische die Bühne repräsentierte, auf die sich die Untertanen auszurichten hatten.[66]

Nach dem in der Fachliteratur zu dem Thema häufig wiedergegebenen Urteil des angesehenen Sozialwissenschaftlers Jürgen Habermas zersetzten sich aber im weiteren Verlauf des 18. Jahrhunderts die feudalen Gewalten, Kirche, Fürstentum und Herrenstand, an denen die repräsentative Öffentlichkeit haftete, in eine öffentliche und private Sphäre, nachdem seit dem Ende des 17. Jahrhunderts der Nachrichtenverkehr in Mitteleuropa allgemein zugänglich wurde und damit einen öffentlichen Charakter gewann. Die Printmedien erhielten damit die Rolle von Türöffnern für die eingezwängte bürgerliche Schicht auf ihrem Weg zur eigenen Mündigkeit. Zu den bedeutenden Periodika der Aufklärung zählte die Berlinische Monatsschrift. Der publizistische Stil enthielt in der Mehrzahl der Beiträge einen diskursiven, dialogähnlichen Charakter.[67] Weitere namhafte Zeitungen waren die Schlesische Zeitung, Schlesische Provinzialblätter, Spenersche Zeitung, die Vossische Zeitung (seit 1785: Königlich Privilegirte Berlinische Zeitung von Staats- und gelehrten Sachen).

Aus der neu gewonnenen privaten Sphäre, die neben der staatlich-repräsentativen Öffentlichkeit entstanden war, entwickelte sich die Vorform der bürgerlichen Öffentlichkeit. Dies war zunächst die literarische Öffentlichkeit. Die Grundlagen hierfür bildete die im 18. Jahrhundert in Europa und den Amerikas wirkende Geistesströmung der Aufklärung. Diese förderte die Entstehung einer mündigen Schicht von Bewohnern, die sich nicht mehr nur als folgsame Untertanen mit dinglichen, automatenhaften Grundzügen verstanden, sondern als selbstbewusste Individuen mit angeborenen Naturrechten. Da die Leserschaft eine genuine Gruppe aus der sozialen Elite war, die sich selbstaufklärerisch fotbildete, entstand so eine neue soziale Kategorisierung, gemeinhin als das spätere Bildungsbürgertum charakterisiert.

Die damit einhergehende wachsende Selbständigkeit dieser „Staatsbürger“ förderte die Bildung von autonomen gesellschaftlichen Netzwerken, die nicht mehr durch monarchisch-staatliche Regelungen beeinflusst wurden. Die Netzwerke aus Vereinen und Gesellschaften funktionierten wie Foren als gedachte Volksversammlungen mit freiem Rederecht. Sie sollten der privaten Öffentlichkeit die Möglichkeit bieten, über sich selbst und die wichtigsten Fragen der Zeit nachzudenken. Dies förderte die Entstehung von Lesegesellschaften. Einige Zirkel und Kreise trafen sich informell. Auch Buchhandlungen waren wichtige Treffpunkte für die neugebildete Öffentlichkeit. Neben Lesegesellschaften, Logen und patriotisch-gemeinnützigen Gesellschaften gab es noch zahlreiche literarische und philosophische Vereinigungen und Gruppen von Gelehrten, die sich auf Naturwissenschaft, Medizin oder Sprachen spezialisierten. Zu den Praktikern dieser entstehenden Zivilgesellschaft gehörten in Preußen zur Mitte des 18. Jahrhunderts Schriftsteller, Dichter, Verleger, Club-, Gesellschafts- und Logenmitglieder, Leser und Abonnenten. Diese intellektuellen Gruppen beschäftigten sich mit den großen Fragen der Zeit, literarischen ebenso wie wissenschaftlichen und politischen. Bedeutende Persönlichkeiten der Zeit in Preußen waren beispielsweise Karl Wilhelm Ramler oder der Verleger Friedrich Nicolai.

Im Ergebnis entstand aus der einstmals sehr stillen und lethargisch wirkenden preußischen Gesellschaft des 17. Jahrhunderts eine laute, lebendige und vielfältige Öffentlichkeit mit offenen Diskursen.[68]

Die literarische Öffentlichkeit wandelte sich später weiter zu einer politischen Öffentlichkeit, die sich ausgehend von der obrigkeitlich reglementierten Öffentlichkeit als Kritik an der öffentlichen Gewalt insgesamt etablierte. Förderlich war die, in Europa einmalige, zunächst aufgehobene Zensur nach Herrschaftsantritt Friedrichs II. 1740. Kritik am politischen System und an den Monarchen war damit erstmals möglich geworden.

Dieser fundamentale Formierungsprozess wird auch als Berliner Aufklärung bezeichnet.

Grundsätzlich bestanden die feudalen und bürgerlichen Öffentlichkeiten bis zum Ende der Monarchie 1918 nebeneinander stehend fort, wenn auch ein stetiger Substanz- und Bedeutungsverlust der monarchischen, adeligen Öffentichkeitskultur erkennbar war.

Von der Ständegesellschaft zur Klassengesellschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der späte Schlafbursche von Heinrich Zille

In den letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts erlebte die ständisch geprägte Gesellschaft tiefgreifende Veränderungen. Diese waren in den Städten stärker als auf dem Land. Die städtische Lebenswelt wurde vom Bürgertum geprägt. Diese soziale Klasse bestand traditionell aus dem Zunftgeprägten Handwerkertum und einigen Patriziern, die gleichzeitig die städtische Oberschicht in den Stadträten stellten. Durch das Aufkommen der Aufklärung und dem Merkantilismus um 1700 erfuhr diese soziale Schicht eine Zergliederung und Differenzierung, in deren Folge die kleinbürgerlichen Handwerker an den Rand gedrückt wurden. Stattdessen formte eine kleine aber einflussreiche Schicht von Großbürgern, bestehend aus Manufakturbesitzern, Großkaufleuten und Geldwechselbankiers die bürgerliche Oberschicht. Sie existierte in den größten Städten des Königreichs und besaßen Geschäfts- und Wohnhäuser.[69] Bedeutende Vertreter der preußischen Oberschicht im 18. Jahrhundert wurden Johann Ernst Gotzkowsky, Wilhelm Kaspar Wegely, Johann Jacob Schickler, Friedrich Heinrich Berendes. Auch die Beamtenschaft des preußischen Staates bildete eine zunehmende prägnante städtische Gruppierung aus. Die im 18. Jahrhundert häufig noch einquartierte Militärbevölkerung bestehend aus dienenden Soldaten, Invaliden und Soldatenfrauen samt Kindern formten im 18. Jahrhundert eine rechtlich gesonderte Zwischenschicht zur Zivilgesellschaft.[70]

Auf dem Land existierte in den ostelbischen Gebieten eine ausgeprägte Junkergeprägte Gutsherrschaft fort. Die dortige Gesellschaftskultur wurde in der Geschichtsschreibung oft mit „ökonomische Rückständigkeit“, „Junkerwillkür“ und Untertanengeist plakatiert. Beispielsweise gehörte Prügel zu einem verbreiteten Disziplinierungsmittel der Gutsherren. Die einfache Landbevölkerung gab sich königstreu und glaubte an die Legende vom „gerechten König“. Der Staat selbst untersagte gröbere Bauernmisshandlungen stützte aber auch gleichzeitig die Gutsbesitzerschicht, da Frondienste und Schollenpflicht lange Zeit durch den Staat geduldet waren. Gegen Bauernrevolten, die es mehrfach in Schlesien von 1765 bis 1793, 1811 und 1848 gegeben hat, setzte der Staat Militär ein. Bauernbefreiung, Ablösung, Landflucht und die langsame Durchsetzung der Lohnarbeit führten zu einer langsamen Veränderung der ländlichen Verhältnisse.[71]

Im 19. Jahrhundert veränderten sich die Segregationskriterien der Gesellschaft von den bis dahin üblichen Geburtsständen zu Erwerbsklassen, definiert durch die Position in der sich nach Adam Smith geprägten formierenden Wirtschaftsordnung des Manchesterkapitalismus. Übriggeblieben ständische Überreste und staatliche Eingriffe prägten die Gesellschaftsentwicklung im 19. Jahrhundert mit. Aufgrund der hohen sozialen Ungleichheit in den gesellschaftlichen Strukturen mit starken Einkommensunterschieden, formte sich in den Städten eine prägnante ökonomische Unterschicht aus. Diese bestand aus Manufakturarbeitern, die erst im Verlauf des 19. Jahrhunderts als eigene soziale Schicht eine selbstbewusste Ausformung erfuhr. Tagelöhner, Bettler formten erhebliche Anteile an der Zivilgesellschaft Preußens im 18. und 19. Jahrhundert. Die unteren (groß)städtischen Schichten lebten häufig als Schlafgänger an der Grenze zur Obdachlosigkeit.

Die Klassengesellschaft erodierte nur langsam durch Bildungsentwicklung und berufliche Ausdifferenzierung, Wohlstandszunahme und Interventionen des Staates.

Gesellschaftspolitische Bewegungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Differenzierung der sich ausprägenden staatsfernen Zivilgesellschaft nahm im 19. Jahrhundert an Fahrt auf. Sowohl die bürgerliche Klasse als auch die Arbeiterklasse bildeten weitere eigene Unterschichten aus, die sich ebenso in verschiedene gesellschaftliche Richtungen heterogenisierten und entfalteten.

Nationalliberalismus, Preußischer Patriotismus, Deutscher Nationalismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus den Erschütterungen der französischen Revolution ergaben sich in Deutschland Einigungsbestrebungen, die vor allem von der aufgeklärten, städtisch geprägten bürgerlichen Klasse getragen wurde. Nach Jena gründete sich der Tugendbund in Königsberg 1808. Dieser galt dem König als die erste revolutionäre Zelle, einer Bewegung, die es in Wirklichkeit als geschlossene Formation gar nicht gab.[72] Als intellektuelle Anführer galten Ernst Moritz Arndt, Friedrich Schleiermacher und Johann Gottlieb Fichte.

Die Anhänger der deutschen Einigungsbestrebungen gehörten in den Befreiungskriegen überproportional oft zu den Kriegsfreiwilligen in Preußen. Bürgerwehren und Freiwiligenverbände waren Ergebnisse der Patrotismuswelle. Insgesamt 30.000 Mann der preußischen Streitkräfte, rund 12,5 Prozent der Gesamtstärke machten diese Freikorps aus, von denen die Lützowschen Jäger die Berühmtesten waren. Es handelte sich hier um eigenständige, zudem bewaffnete Gruppierungen außerhalb der monarchischen Strukturen. Der emotionale Patriotismus der auch mit potenziell subversiven Visionen versehenen Freiwilligen war, von der Vorstellung einer idealen politischen Ordnung für Deutschland und Preußen durchdrungen. Sie leisteten ihren Eid nicht auf den König sondern nur auf das deutsche Vaterland. Sie begriffen den Krieg gegen Frankreich als Aufstand des Volkes.[73] Die gemeinsame Schnittmenge politischer Inhalte zum monarchischen System war damit denkbar klein.

Die deutsche Nationalbewegung war in dieser Phase eng mit dem Liberalismus verbunden. Gerade dessen linker Flügel zielte auf eine nationale Demokratie ab: Die als anachronistisch und reaktionär empfundene Kleinstaaterei sollte durch einen liberalen Nationalstaat gleichberechtigter Staatsbürger abgelöst werden.

Aus der jugendlichen politischen Unzufriedenheit nach dem Ende der Befreiungskriege, die das Ende der nationalen Hoffnungen bedeuteten,[74] bildeten sich die vor allem für Preußen wichtige Turnerbewegung und die burschenschaftlichen Gemeinschaften als quasi-politische Zentren heraus. Die Bewegung breitete sich rasch auf andere Universitäten aus.[75] Nach dem Wartburgfest wurden beide Bewegungen aus Angst vor einem Wiederaufflammen des Jakobinismus verboten. Die nationale und liberale Bewegung wurde dadurch organisatorisch schwer getroffen und in ihrer Entfaltung für 20 Jahre zurückgeworfen. Die deutsche Nationalbewegung unter Führung von Barthold Georg Niebuhr, Ludwig Jahn, Karl Theodor Welcker, Joseph Görres zählte bis dahin rund 40.000 Anhänger.[76]

Der eingetretenen konservativen Wende in Preußen begegneten viele aus dem Bürgertum durch einen Rückzug ins Häusliche. Ein apolitischer, auf Behaglichkeit und Beschaulichkeit ausgerichteter Wohn- und Lebensstil mit einem ausgeprägten geselligen Leben mit starken Anleihen bei der Romantik setzte sich bei den besser gestellten bürgerlichen Kreisen durch. Der Begriff Biedermeier veranschaulicht den durch die reaktionäre Politik erzwungenen Rückzug ins private Häusliche.[77] Trotz Restauration der monarchischen Ordnung wurde vor allem im Bürgertum und an den Universitäten weiterhin für liberale und nationale Ideen geworben.

Die staatlichen Akteure lernten auf lange Sicht, das Mobilisationspotenzial der Idee von der Nationalen Einigung für sich nutzbar zu machen. Es entstand eine Synthese, in der populäre und dynastische Elemente als komplementäre Bestandteile angesehen wurden. trotz aller Widersprüche und Gegensätzlichkeiten wurde der preußische Krieg gegen Napoleon letztlich zu einem nationalen Befreiungskrieg umgewidmet und die Nationalliberale Bewegung wurde damit staatlicherseits eingehegt.[78]

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedrich Wilhelm I. in der Schule Gemälde von Adolph Menzel

Im Zuge der Frühaufklärung und des Wirkens des Halleschen Pietismus im preußischen Staat erfolgte 1717 durch königlichen Edikt die Einführung der allgemeinen Schulpflicht in den preußischen Staaten. Die damalige nur gering ausgeprägte Staatsverwaltung verfügte nicht über die Möglichkeiten, den Schulbesuch zu kontrollieren. Auch mangelte es an den nötigen Finanzen um ein flächendeckendes und professioneless Schulsystem zu etablieren. Die entstehenden Dorfschulen vom Niveau einfacher Klippschulen wurden weiterhin von Küstern geleitet. Das Edikt von Friedrich Wilhelm I. zeigte in der Praxis wenig Wirkung, bildete aber die Grundlage für das Generallandschulreglement, das Friedrich II. 1763 erließ. Gesetzlich wurde damit noch einmal die Schulpflicht bestätigt und vertieft. Es sah eine Schulpflicht von acht statt sechs Jahren vor. Der Unterricht sollte regelmäßig je drei Stunden vor- und nachmittags stattfinden, nach einem festen Lehrplan und mit ordentlich ausgebildeten Lehrer. Noch Anfang des 19. Jahrhunderts gingen nur knapp 60 Prozent der Kinder regelmäßig zum Unterricht. Das änderte sich erst, als die Kinderarbeit gesetzlich verboten wurde.[79]

1804 gab es auf dem Territorium des preußischen Staats acht Universitäten.[80]

Universität Studenten Stand
Universität Halle 634 1802
Universität Königsberg 300 1802
(Universität Erlangen) 300 1801
Universität Breslau 239 1803
(Talmudschule) Fürth 200 1797
Brandenburgische Universität Frankfurt 180
Alte Universität Duisburg 67 1804
(Universität Erfurt) 50

Zusätzlich gab es die Preußische Akademie der Künste und die Königlich Preußische Akademie der Wissenschaften zu Berlin, die als akademische Gelehrte Gesellschaften um 1700 in Berlin gegründet wurden und ein großes Renommee im internationalen Künstler und Wissenschaftsgefüge aufbauten.

Im Zuge der Preußischen Reformen kam es auch zur Reform des Bildungssystems, zu dem Wilhelm von Humboldt beauftragt wurde. Dieser legte ein liberales Reformprogramm vor, das die Bildung in Preußen völlig umkrempelte. Das Königreich erhielt ein einheitliches, standardisiertes öffentliches Bildungssystem, das die aktuellen pädagogischen Entwicklungen aufnahm (Pestalozzis Pädagogik). Neben der Vermittlung von Fach- und technischen Fähigkeiten sollte vor allem die geistige Selbständigkeit der Schüler gefördert werden. Es entstand eine zentrale Abteilung auf Ministerialebene, die für die Erstellung von Lehrplänen, Lehrbüchern und Lernhilfen zuständigkeit erhielt. Lehrerkollegien wurden gegründet, um für die chaotischen Grundschulen geeignetes Personal auszubilden. Es entstand ein standardisiertes System staatlicher Prüfungen und Inspektionen.[81]

1810 folgte die Gründung der heutigen Humboldt-Universität zu Berlin, als Friedrich-Wilhelms Universität. Diese erlangte bald danach eine vorherrschende Stellung unter den protestantischen deutschen Staaten.[82]

Die Ausweitung und Professionalisierung der Lehrerausbildung machte nach 1815 rasche Fortschritte. In den 1840er Jahren besuchten mehr als 80 Prozent der Kinder zwischen sechs und vierzehn Jahren eine Grundschule. Eine ähnlich hohe Quote erreichten zu der Zeit lediglich noch Sachsen und Neuengland. Entsprechend niedrig war auch die Analphabetenquote.

Preußens Bildungssystem und die Wissenschaftsförderung wurden seit dem frühen 19. Jahrhundert auch international als vorbildlich angesehen.[83] Bewundert wurden die Effektivität, die breiten Zugangsmöglichkeiten und der liberale Ton der Einrichtungen. Den Kindern wurde bereits zu dieser Zeit beigebracht, ihre geistigen Fähigkeiten selbst einzusetzen, durch Lehrer, die sich dabei nicht mehr der klassisch-autoritären Mittel (Prügel) bedienten. Bestrafungen von Fehlverhalten oder Mittel der Angsterzeugung gehörten nicht mehr zum damaligen Erziehungsrepertoir des Lehrpersonals. Im zeitgenössichen Urteil internationaler Zeugen aus fortschrittlichen Gesellschaften überwog die Verwunderung über die zeitgleiche Existenz eines so fortschrittlichen pädagogischen Systems innerhalb eines despotischen Staatswesens.[84]

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ankunft der Lustjacht „Friedrich“ am 8. März 1708 in Berlin war ein vielbeachtetes öffentlichkeitswirksames Ereignis. Die Jacht war eine von drei Lustjachten des Königs und soll 100.000 RT gekostet haben. Sie diente vor allem der Verherrlichung des preußischen Königtums, in dessen Dienste die Kulturwerke dieser Zeit gestellt wurden[85]
Gemälde eines preußischen Hofmalers: „Sauhetze während einer Jagd Friedrich Wilhelms I. im Süden von Potsdam oder bei Wusterhausen im Herbst in den 1730ern“;
Grobheit, Unbeholfenheit und Ungerichtetheit kennzeichnen das frühe Entwicklungsstadium der preußischen Kunst, in einem Staat, der seinen Klimax noch nicht erreicht hatte
Gemälde von Adolph Menzel: Kronprinz Friedrich besucht den preußischen Hofmaler Pesne
Beispiel für die dominierende höfisch betriebene Hochkultur im 18. Jahrhundert. Nachempfunden nach einem Gemälde von Adolph Menzel: Friedrich der Grosse und die Tänzerin Barbarina mit Chevalier de Chasot, Graf Algarotti und General Rothenburg (1852)

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Begriffsbestimmung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur preußischen Kultur werden die Kernbereiche Staatskultur (Gebäude, Denkmäler, Feiern), Kulturstaatlichkeit (Staatliche Förderung und Aufsicht in Schulen, Hochschulen, Museen, Theater usw.) und die staatsferne Zivilgesellschaft (Freie Kunstszene, Großstadtleben, Arbeiterbewegung) aber auch im weiteren Sinne die Bereiche Bildung, Wissenschaft sowie die christlichen Kirchen mit einbezogen.

Die Kultur im Königreich Preußen umfasste die geistigen und gesellschaftlichen Lebensformen, materiell wie immateriell. Der Kulturbereich war mehrfach untergliedert. Den Kern bildete der Hochkulturbereich, wozu die bildenden Künste (Malerei, Bildhauerei, Architektur) zählen. Ergänzend kommen Musik, Literatur sowie die Gesamtkunstgenres Theater, Oper dazu. Bildungs- und Wissenschaftsdisziplinen, Religion und Staatskultur (Gedenktage, Denkmäler, Rituale) vervollständigten den erweiterten Kulturbegriff.

Die Kultur Preußens gliederte sich in den Jahrhunderten in die europäisch dominierten Kunstepochen (Barock, Klassizismus, Sturm und Drang, Romantik, Biedermeier, Impressionismus, Historismus, Gründerzeit, Jugendstil, Expressionismus) aber auch nach regionalen Gesichtspunkten. Kultur und Kunst sollte Ausdruck und Weltdeutung schaffen und den Staat, Kirche oder soziale Gruppen repräsentieren.[86]

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das preußische Gebiet galt im 17. Jahrhundert als kulturell zurückgeblieben gegenüber den anderen Reichsterritorien. Bis die Bürgerliche Klasse formiert war, gingen vornehmlich von der kleinen Schicht des Hochadels Kulturförderungen aus.[87] Unter Friedrich Wilhelm von Brandenburg wurden bedeutende kulturelle Fortschritte erzielt, die sein Nachfolger Friedrich III./I. intensivierte. In der Bildnismalerei wirkte sich die Berufung von Antoine Pesne 1710 nach Berlin als Hofmaler entscheidend aus, da dieser in seiner 46-jährigen Wirkzeit zahlreiche Schüler ausbildete und überregional wirkte.[88] Das erste öffentliche Denkmal Berlins, das Reiterstandbild des Großen Kurfürsten wurde zu einem Hauptwerk der Barock-Plastik.

Nach der ersten kulturellen Blüte zur Anfangszeit des preußischen Königreichs unter Friedrich I. erfolgte 1713 unter dem Nachfolger Friedrich Wilhelm I. ein abrupter Einschlag allen kulturellen Lebens, der bis 1740 anhielt. Militärisches drang in das gesamte kulturelle Leben ein. Die Bildnismalerei in Preußen entwickelte sich stark zurück. Die Mittelmäßigkeit der Kunstwerke des Hofmalers Dismar Degen waren stilprägend für den gesamten Kunstsektor Preußens dieser Zeit. Mit Herrschaftsantritt Friedrichs II. entfaltete sich wieder eine höhere Kultur im preußischen Staat. Friedrich II. forcierte den Auftrag des Staates zur Hebung der Landeskultur und bediente gleichzeitig das eigene monarchische Repräsentationsbedürfnis. In den 1740er Jahren entstand die erste Oper Preußens, die Königliche Hofoper zu Berlin, später ergänzt um eine königliche Bibliothek als Bestandteil des Forum Fridericianum in Berlin. Die Pläne für den Platz wurden bereits Bestandteil umfangreicher Diskussionen in der sich formierenden preußischen Öffentlichkeit über Publikationen in den Berliner Zeitungen und Gesprächen der Salons. Der zentralste Platz Preußens wurde ein Residenzplatz ohne eine Residenz, wodurch es sich von allen anderen europäischen Schlossplätzen unterschied. Mit dieser heraugehobenen stadtplanerischen Anlage verdeutlichten die Macher, das die Repräsentation des Staates von der der preußischen Dynastie entkoppelt war.[89]

In der Herrschaftszeit Friedrichs II. entstand eine regionale Ausprägung der übergeordneten Bau- und Kunstform des Rokokos, das als Friderizianisches Rokoko bezeichnet wird. Der Dekorationsstil ist im Vergleich zu anderen Ausprägungen dieser Zeit meist zurückhaltender, zierlicher und eleganter. Der Stil ist eng mit den Arbeiten des Stuckateurs und Bildhauers Johann August Nahl der Ältere und des Baumeister Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff verbunden.[90]

Der Staat Preußen unterhielt fortan eine Hofkapelle auf dem finanziellen Niveau einer mittelgroßen Macht. Der Residenzenausbau im Berliner Raum wurde intensiviert. Es entstanden dutzende neue auf Repräsentation und Prachtentfaltung ausgerichtete adelige Stadtpalais in Berlin. Neue Theatergebäude wie kurzzeitig das Französisches Komödienhaus oder das Königliches Schauspielhaus in Potsdam entstanden und boten die Bühne für das sich entwickelnde Theaterwesen Preußens.

Beginnend mit den Friedensjahrzehnten die nach 1763 folgten begann in Preußen eine kulturelle Blüte. Sie setzte sich unter Förderung der folgenden Könige tendenziell verstärkend auch nach 1800 fort. Berlin wurde neben Weimar und als dessen Nachfolge wichtigstes geistig-kulturelles Zentrum Deutschlands.

Andreas Schlüter eröffnete, die Hofbaumeister Johann Friedrich Grael und Philipp Gerlach prägten, Carl Gotthard Langhans und Friedrich Gilly vollendeten den preußischen Stil.[91] Die Einflüsse des preußischen Staats durch die Regierungspolitik auf die Gesellschaft formten die Ausprägungen und Bildung kultureller Formen mit. Dementsprechend wirkte sich auch der Militarismus, das preußische Beamtentum mit seinen postulierten Tugenden und Kants Philosophie auf die Ausprägung des preußischen Stils aus. Darin drückte auch der maskuline Charakter des preußischen Staats, verstanden als Vaterland aus.

Für die Gesamtheit der kulturellen Erscheinungen in Preußen für die Zeit des Klassizismus gilt der Begriff Preußische Klassik. Das Entstehen der Preußischen Klassik hing zeitlich eng mit der politischen Expansion des Machtstaats Preußen zusammen. Diese generierte die Mittel aber auch den zunehmenden Bedarf und Anspruch auf eine angemessene kulturelle Ausdrucksform der hinzugewonnenen Möglichkeiten und des erhöhten Status. Nach der einflussreichen Programmschrift des Kunsthistorikers Arthur Moeller „Der Preußische Stil (1916)“ war für ihn die Preußische Klassik subsummierter Anspruch (der herrschenden Eliten), aus der Idee einer «vornehm-spartanischen Lebensart», künstlerische Ausdrucksformen zu entwickeln. Daraus entstanden beispielsweise die in der Kunstwelt sowohl als «geschmackvoll» aber auch «karg» (oder „edelkalte“ Formen) geltenden Landschlösser und Herrenhäuser der Mark Brandenburg.

Architekturgeschichtlich gipfelte der sowohl politisch als auch kulturell zu verstehende Anspruch der Preußischen Klassik in der Nachahmung einer neuen Dorischen Ordnung ähnlich dem Antiken Vorbild.[92] Die Nordgriechischen Dorer galten ähnlich wie der preußische Staat in ihrer zivilisatorischen Frühphase ebenso in kultureller Hinsicht der übrigen griechischen Welt unterlegen und setzten eher auf harte, kriegerische Politikmittel, die ihnen die Eroberung des Antiken Griechenlands ermöglichte. Die angenommenen historischen Parallelen zwischen Dorern und Altpreußischem Staat, die kurzgefasst nach zeitgenössischer (preußischen) Erklärungsmustern, «mit wenig mehr als unfruchtbaren Boden, Willenskraft und Organisationstalent eine Großmacht formten», führte zu spiegelbildlichen Wiedererkennungswirkungen zeitgenössischer Akteure in kulturellen Bereichen Preußens. Die so versinnbildlichte Vorbildwirkung Dorischer Kunst führte zu intensiven künstlerischen Bezugnahmen und Nachahmungen in den künstlerischen Werken in Preußen.[93]

In der Bildhauerei entstand 1785 die Strömung der Berliner Bildhauerschule. In der Literatur taucht für diese Phase der Begriff Berliner Romantik auf. Bedeutende Einzelpersönlichkeiten auf kulturellem-gesellschaftlichem Gebiet in Preußen wurden u. a. Karl Friedrich Schinkel, Albert Dietrich Schadow, Wilhelm und Alexander von Humboldt, Johann Gottlieb Fichte, Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Friedrich Carl von Savigny, Heinrich von Kleist, Christian Friedrich Tieck, E.T.A. Hoffmann (Berliner Romantik). Die vielfach gebrauchte Bezeichnung von Spree-Athen für Berlin beschreibt den damaligen in Preußen herrschenden kulturellen Geist.[94]

Staat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kaiser Wilhelm II. bei einer Militärparade am 9. Februar 1894 im Lustgarten in Potsdam.
Farblithografie von Carl Röchling (1855–1920);
Redeauszug des Deutschen Kaisers Wilhelm II. in Potsdam am 23. November 1893 bei einer Rekrutenvereidigung:

„Rekruten! Ihr habt jetzt vor dem geweihten Diener Gottes und angesichts dieses Altars Mir die Treue geschworen. Ihr seid noch zu jung, um die wahre Bedeutung des eben Gesprochenen zu verstehen, aber befleißigt euch zunächst, dass ihr die gegebenen Vorschriften und Lehren immer befolgt. Ihr habt Mir die Treue geschworen, das – Kinder Meiner Garde – heisst, ihr seid jetzt Meine Soldaten, ihr habt euch Mir mit Leib und Seele ergeben. Es gibt für euch nur einen Feind, und das ist Mein Feind. Bei den jetzigen sozialistischen Umtrieben kann es vorkommen, dass ich euch befehle, eure eigenen Verwandten, Brüder, ja Eltern niederzuschießen – was ja Gott verhüten möge –, aber auch dann müsst ihr Meine Befehle ohne Murren befolgen.[95]

Kaiser Wilhelm II.
Erläuterung: Die Armee war nach der Verfassung die Privatgarde des Königs.
Verwaltungsgliederung am 1. Januar 1900

Charakteristiken und Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Entwicklung des preußischen Staats war eingebettet in die europäische Gesellschaftsentwicklung. Das bedeutet, das jede Entwicklung die sich in Preußen vollzog stets zeitgleich oder zumindest verzögert die Strömungen von außen aufnahm und auf die spezifisch preußischen Bedürfnisse anpasste. Eine autonome Eigenentwicklung aus sich heraus fand folglich nicht statt, sondern der Staat und die Gesellschaft wandelte sich nach isomorphischen Gesichtspunkten nach den Vorgaben der gesellschaftlichen Vorreiter aus den Niederlanden, Frankreich und England.

Der Beginn der modernen europäischen Staatenentwicklung in der Frühen Neuzeit führte zunächst über die Säkularisierung öffentlicher Macht unter Hinausdrängung der Katholischen Kirche aus allen weltlichen Machtbereichen im Zeitalter der Renaissance. Nachdem dieser Prozess abgeschlossen war, gingen die so gestärkten weltlichen Territorialfürsten daran, sich einen eigenen Unterbau zu schaffen, der die vorhandenen ständisch geprägten Verwaltungsstrukturen überformte.[96] Dieser Prozess begann im 17. Jahrhundert, maßgeblich programmatisch definiert im Leviathan und war um 1750 in Preußen abgeschlossen. Bis zu diesem Zeitpunkt war der preußische Staat ein Schwacher Staat. Die schwach entwickelte Staatlichkeit galt gleichermaßen für alle damaligen Staaten weltweit. Bereits zu dieser Zeit entwickelte sich in Preußen eine prägnante Ausformung eines Rechtsstaats, die zu dieser Zeit als vorbildlich galt (vgl. Müller-Arnold-Fall). Getragen wurde der Staat vornehmlich von seiner professionalisierten Beamtenschaft. Der preußische Staat trug daher Züge eines typisierten Beamtenstaats mit ausgeprägter Bürokratie, was eine geregelte Aktenführung, Schriftlichkeit, Unbestechlichkeit und weitere Merkmale nach Max Webers Modell einbezog. Da die Amtsträger ihr Handeln unzureichend legitimieren mussten, galt der preußische Staat zeitwährend auch als Obrigkeitsstaat.[97]

Danach führte das Wirken neuer geistiger Strömungen dazu, das weitere bürgerliche Einflussgruppen in das Zentrum der Macht drängten und Mitsprache forderten. Daraus ergab sich nach langwierigen innenpolitischen Kämpfen zwischen den monarchischen Kräften und Reformern im Zeitraum von 1790 bis 1850 der preußische Verfassungsstaat.[98]

Der Staatscharakter wandelte sich in dem Zeitraum nicht nur politisch, sondern auch durch seinen stetigen Aufgaben-, Ausgaben- und Personalaufwuchs institutionell. Zunächst war der Staat aber nicht viel mehr als ein Privatinstrument des Landesfürsten zur Sicherung seiner Machtstellung nach Innen und Außen. In Preußen wurden zeitweise 90 Prozent der Staatsmittel nur für die Armee verwendet. Während bereits mehr als 100.000 Mitglieder als quasi-öffentliche Mitarbeiter im Armeedienst ihren Dienst verrichteten, bestand die Verwaltung um 1750 aus weniger als 1000 Personen. Dieses Missverhältnis bedingte, das der preußische Staat zeitwährend und auch in der Nachbetrachtung als Militärstaat oder auch Militärmonarchie eingestuft wurde.

Später erweiterten sich die Funktionen dieses Ordnungsstaats, je stärker die Gesellschaft sich entwickelte. Neue Standards, Technologien bedingten neue Aufgabenfelder, die vom Staat unter Leitung der Administration erschlossen wurden.

Der Staat im Sinne eines heute üblichen Sozialstaats oder auch Wohlfahrtstaats begann sich erst in den letzten Dekaden um 1900 in Ansätzen zu entwickeln. Bis dahin waren ordoliberale Vorstellungen im Staatsbereich vorherrschend.

Ausgehend von einem angesammelten monarchischen Territorienkonglomerat (Composite Monarchy), entwickelte sich der Zentralstaat erst nach und nach. Die preußischen Staaten des 18. Jahrhunderts hatten sämtlich eigene überkommene innere Verwaltungsstrukturen gebildet, die seit dem Spätmittelalter und der Ausbildung des Ständewesens entstanden waren. Die lokalen und regionalen (ständischen) Akteure dieser Strukturen wie zum Beispiel die Kreisorganisationen, Kreisausschüsse oder Kreistage innerhalb eigener Landschaften bestanden bis zu Beginn der preußischen Reformen fort. Auch die immediatären Städte, die Güter des landsässigen Adels mit allen darauf befindlichen Dörfern, Vorwerken und Menschen und die Ämter der Domänengüter des Königs bildeten zusammen die örtliche und überörtliche Verwaltungsebene unter dem sich ausprägenden Gesamtstaat und seinen eigenen Provinzialinstitutionen. Die häufige Kleinteiligkeit dieser organisch verwachsenen Strukturen und auch deren tradierte und fortwährende Erhaltungsbestrebungen durch ihre Mitglieder im Austausch mit den zentralen Staatsstrukturen lähmten den politischen Prozess. Neuerungen und Veränderungen vollzogen sich langsam und mühselig. Um 1800 führte dies zu allmählichen fundamentalen Veränderungbestrebungen, die von der Staatsspitze aus angeschoben wurden.

Die preußischen Landesteile wurden 1815–1818 im Zuge der Verwaltungsreformen nach den gewonnenen Freiheitskriegen gegen Napoleon und den Territorialgewinnen im Zuge des Wiener Kongresses 1815 in eine moderne Organisation aus Provinzen, Regierungsbezirken und Landkreisen überführt.

Der Staat Preußen gliederte sich ähnlich wie die Staaten heute auch in eine Gesamtstaatliche Ebene, eine Länderebene (Provinzen) und eine kommunale Ebene mit örtlichen und überörtlichen Aufgabenbezügen.

Staatsform und Staatsoberhaupt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Preußische Monarchie war von 1701 bis 1848 eine absolute Monarchie. Staatsoberhaupt war der preußische König, der seinen Anspruch auf das Königsamt als Erbrecht der Dynastie der Hohenzollern von Geburt an innehatte. Das fürstliche Haus bildete den Kern der Staatlichkeit, ehe im Bürgerlichen Zeitalter europaweit der moderne Anstaltstaat die Monarchie aus dem Zentrum des Staats verdrängte. Die auffälligste Abweichung der Monarchie zu einem modernen Staat war die Rolle die der preußische Hofstaat im Regierungsgefüge innehatte. Das dort angesiedelte Kabinett des Königs, von dem aus dieser mittels Ministervorträgen und schriftlichen Berichten regierte, hatte aufgrund seiner Machtfülle eine Sonderstellung inne, die zwischen öffentlichem und privaten Raum stand und damit noch aus staatsrechtlicher Perspektive als vormodern gilt.

Der eigentliche Verdrängungsprozess der Monarchie aus den staatlichen Institutionen begann in Preußen mit den erfolglosen Abwehrversuchen gegen die Auswüchse der Französischen Revolution, die mit der Pillnitzer Deklaration begann und in der Schlacht bei Jena und Auerstedt einen für die Monarchie ersten negativen Höhepunkt erlebte. Der Restaurierung absoluter Königsmacht nach 1815 folgten Vormärz und die 1848er Revolution, die der Königsmacht nun auch konstitutionell verankert die Schranken wies.

Von 1848 bis 1918 war der Staat eine Konstitutionelle Monarchie.

Symbole und Leitsätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Eisernes Kreuz aus dem Jahr 1813 – Revers, das Avers ist glatt
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Für Wilhelm II. angefertigte preußische Königskrone
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Preußisches Koppelschloss aus dem Jahr 1847


Das Preußenlied, Borussia und Heil dir im Siegerkranz waren Volks- beziehungsweise Nationalhmynen Preußens. Die Flagge Preußens zeigte einen schwarzen Adler auf weißem Grund, der auch auf dem preußischen Wappen zu sehen war. In einer Reihe von Abzeichen wurde das Eiserne Kreuz zu einem identitären Symbol in Bezug zum preußischen Königreich.

Die Monarchie wurde durch die Preußischen Kronjuwelen symbolisiert.

Der preußische Wahlspruch Suum cuique war die Hausordensdevise des 1701 von Friedrich I. gestifteten Schwarzen Adlerordens. Der Spruch machte das Bestreben der preußischen Könige deutlich, Recht und Gerechtigkeit zu üben.[99] Auf den Koppelschlössern der Soldaten stand der gebräuchliche Schlachtruf Gott mit uns.

Da es sich bei dem Königreich Preußen um einen Monarchenstaat und nicht um einen Volksstaat handelte, spielten die politischen Ideen von Volk, Freiheit oder materiellem Wohlstand für das Selbstverständnis des Staates keine Rolle.[100]

Gesetze und Verordnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Preußische Gesetzsammlung 1907

Schriftliches Regierungshandeln mündete zur Umsetzung von Programmen oder Handlungen final in die Erstellung eines Dokuments, das die Regeln oder Handlungsanweisungen fest bestimmte. Deren Publikation und Verbreitung bildete den Grundstock für die erfolgreiche Umsetzung der getroffenen Maßnahmen.

Die preußischen Gesetze und Verordnungen wurden in der Preußischen Gesetzessammlung veröffentlicht und damit vergegenwärtigt. Diese wurden ab 1810 fortlaufend nummeriert. Während die so genannten Kabinettsordren als Verwaltungsanordnung mit Gesetzstatut aufzufassen sind, hatten Verordnungen einen allgemeinbestimmenden Charakter.

Die Schriftdokumente hatten einen Anordnungscharakter, die in einzelnen Artikeln und Abschnitten untergliedert wurden und darin Einzelbestimmungen mit teilweisen Erläuterungs- und Beschreibungscharakter aufwiesen. Die Länge eines Gesetzes differierte je nach Subjekt von wenigen Seiten bis zu mehreren Dutzend. Die Schriftform des Dokuments eröffnete bei den nach außen gerichteten Staatsgesetzen in der Regel mit einer persönlichen Bezugnahme des Königs (Wir Name des Königs, von Gottes Gnaden, König von Preußen thun kund und fügen hiermit zu wissen Inhalt). Der Schluss eines Gesetzesdokuments bildete die Nennung des Königsnamens samt Orts- und Datumsangabe.

Die Dokumentenbezeichnungen im 19. Jahrhundert unterlagen einem Wandel der Nomenklatur und waren abhängig vom Bestimmungskreis (nach Innen oder an das Volk) und gliederten sich hauptsächlich nach:

Nicht als Gesetz wurden im 19. Jahrhundert Privilegien oder Allerhöchste Erlasse bezeichnet, die Regelungen mit Einzelfallcharakter trafen. Im 18. Jahrhundert waren die Gesetzesdokumente als Reskript, Reglement, Circulare, Edikt, Patent, Declaration benannt.

Die Zahl der Gesetze nahm bis 1870 bedingt durch eine allgemeine Zunahme der staatlichen Aufgaben zu. Mehr und mehr Teilaspekte von Gesellschaft und Lebensverhältnissen mussten normiert und geregelt werden.[101] Danach wandelte sich die Formenstruktur der Anordnungen in eine striktere Aufteilung von Dokumenten mit Gesetzescharakter und Normenblätter unterhalb der Gesetzesebene, so dass die Zahl der Gesetze abnahm, nicht aber die Regelungsdichte als solche.

  • vom 1. Januar 1800 – 31. Dezember 1809 wurden 567 Gesetze erlassen
  • vom 1. Januar 1810 – 31. Dezember 1819 wurden 613 Gesetze erlassen
  • vom 1. Januar 1820 – 31. Dezember 1829 wurden 661 Gesetze erlassen
  • vom 1. Januar 1830 – 31. Dezember 1839 wurden 842 Gesetze erlassen
  • vom 1. Januar 1840 – 31. Dezember 1849 wurden 1124 Gesetze erlassen
  • vom 1. Januar 1850 – 31. Dezember 1859 wurden 1960 Gesetze erlassen
  • vom 1. Januar 1860 – 31. Dezember 1869 wurden 2404 Gesetze erlassen
  • vom 1. Januar 1870 – 31. Dezember 1879 wurden 1103 Gesetze erlassen
  • vom 1. Januar 1880 – 31. Dezember 1889 wurden 696 Gesetze erlassen
  • vom 1. Januar 1890 – 31. Dezember 1899 wurden 795 Gesetze erlassen

Kampf um die Verfassung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die politischen Auseinandersetzungen um die Einführung einer Verfassung knüpften an einen politischen Evolutionsprozess an, der in der Mitte des 18. Jahrhunderts an Fahrt aufnahm. Das zu der Zeit etablierte frideridzianische Herrschaftssystem des aufgeklärten Absolutismus trug den Anspruch in sich, als Monarch nur «ein erster Diener des Staates zu sein», womit dieser sich gegenüber der Institution Staat zunächst trennte und dann in einem zweiten Schritt sich selbst im Verhältnis zueinander herabsetzte, womit der Monarch nicht mehr allumfassende Verfügungshoheit gegenüber den Staat stellen konnte. Um 1740 war dies noch ein bedeutender gesellschaftlicher Fortschritt, galt bis dahin der monarchische Ausspruch, L’état, c’est moi in Kontinentaleuropa als weiterhin zulässig. Der Ausspruch Ludwigs XIV. bedeutete die Selbsterhöhung des Königs über den Staat, in sich vereint. Im Ergebnis dieses in Europa zwischen 1650 bis 1750 real existierenden politischen Systemanspruchs war der Staat eine rechtlich unselbständige Organisation ohne Rechtspersönlichkeit, die als Privatschatulle als quasi-überdimensioniertes Privatgrundstück des Königs fungierte. Diese erste in Preußen in den 1740er Jahren vollzogene Systemtransformation sollte in einem allgemeinen Gesetzeswerk festgehalten und verbindlich gemacht werden.

Entsprechend der Kräfteverteilung im preußischen politisch-administrativen System überwogen lange Zeit die reaktionären Kräfte gegenüber den progressiven Fraktionen. Zwar wurde seit den 1780er Jahren das Gesetzeswerk erarbeitet und es gewann einen Grundgesetzcharakter. Nach Verabschiedung des fertigen Allgemeinen Landrechts war dieses aber schon wieder veraltet. Es kodifizierte lediglich die bereits bestehenden Verhältnisse, war also folglich nur eine Abbildung des Status Quo der herrschenden Machtverhältnisse ohne einen neuen Systemansatz zu verwirklichen. Aufgrund seiner veralteten Systemkonstruktion blieben von dem Gesetzeswerk letztlich für eine echte Verfassung unzureichend, nur Nebenaspekte bedeutend. Dazu gehörte, das es als oberstes Gesetzeswerk des Absoluten Monarchenstaates diesem eine umfassende Rechtsordnung verlieh, die für alle Provinzen gleichermaßen galt. An eine Beteiligung der Staatsbürger am politischen Prozess war dagegen nicht gedacht worden. In der Historiografie wurde das noch lange fortbestehende Gesetzeswerk als wichtige Grundvoraussetzung für die nachfolgenden Reformansätze gewertet.[102]

Mit dem Erstarken der bürgerlichen Kräfte in den letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts und den zeitgleichen globalen Entwicklungen (Erklärung der Virginia Declaration of Rights 1776 und die französische Revolution von 1789), dem Wirken der aufklärerischen Schriften Rousseaus und Montesquieus, die die Bildung einer Volkssouveränität auf Basis einer verankerten Gewaltenteilung forderten, gewannen nach 1800 die politischen Auseinandersetzungen im preußischen Staat zwischen den verschiedenen Strömungen an Kontur und Intensität.[103]

Die monarchische Gewalt geriet dabei erheblich unter Druck und versuchte unter dem Einsatz von taktischen Verzögerungen, Lavieren, Hinhalten und losen Versprechungen dem Druck der vornehmlich bürgerlichen und idealistisch denkenden Staatsreformern auszuweichen. Dies gelang dem Königtum letztlich mit Erfolg. Mehrfach, einmal nach 1815 und auch 1848 gelang es den Monarchen, ihre politische Stellung im politischen System zu restaurieren und sich im Zentrum des Staates als oberste politische Instanz zu halten.

Das änderte auch (noch) nicht die letztlich am 6. Februar 1850 eingeführte Verfassung Preußens. Zumindest mit dem in Artikel 3 bis 42 verfassten Grundrechtskatalog fanden Begriffe und Ziele der liberalen Bewegung und der 1848er Revolution Eingang in den Text. Mit der deklarierten Gleichheit aller Staatsbürger vor dem Gesetz (§4) waren die Rechtsinstitutionen der geburtsständischen Gesellschaftsordnung aufgehoben. Damit war das Grundprinzip der modernen bürgerlichen Gesellschaft deklariert worden. Persönliche Freiheit des religiösen Bekenntnisses, der Wissenschaft und der Presse, Unverletzlichkeit von Wohnung und Eigentum, Vereins- und Versammlungsfreiheit waren ebenso festgelegt. Allgemeine Schulpflicht und Allgemeine Wehrpflicht bildeten weitere Säulen des Staates.[104]

Der Monarch blieb aber Herrscher aus eigenem Recht, während Volk und Volksvertreter ihre Rechte aus der Verfassungsurkunde ableiteten. Infolgedessen war der Monarch unverletzlich und trug für die Regierung keine Verantwortung. Dem König allein lag die vollziehende Gewalt zu. Er führte den Oberbefehl über das Heer, erklärte Krieg und Frieden und schloss völkerrechtliche Verträge.[105]

Mit der Einführung der Verfassung glich sich das politische System Preußens den internationalen Entwicklungen und Standards an, beziehungsweise folgte diesen nach. Diese Entwicklung bedeutete die Beendigung eines überlebten und aus verfassungsrechtlicher Perspektive gesehenen „quasi-despotischenHerrschaftsregime und die Nachfolge durch den Verfassungsstaat. Legitimation und Herrschaftsfolge standen damit auf einer breiteren Basis als zuvor.

Der erreichte Entwicklungsstand bildete allerdings nur die erste Hälfte des Weges zu einer echten demokratisch legitimierten Volksouveränität, wie sie erstmals mit der Weimarer Republik Wirklichkeit werden sollte.

Staatshaushalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Staatsausgaben und Staatseinnahmen[106], einschließlich Rücklagen und Schulden in Reichstaler
Überschrift 1688 1713 1740 1786 1796 1800 1820 1830 1848
Einnahmen 1.553.795 3.400.000[107] 7.400.000 27.000.000 30.000.000 35.000.000
Ausgaben 6.850.000[108]
Staatsschatz - - 8.700.000 60.000.000 - 4.000.000[109] 18.000.000[110] 19.000.000[111]
Staatsschulden - - - - 30.000.000[112]

Die Staatseinnahmen setzten sich zu Anfang des Königreichs vor allem aus den (privaten königlichen) Dominaleinkommen zusammen. Dazu gehörten die Einnahmen aus den Domänenämtern bzw. -gütern, die Regalieneinnahmen aus Münze, Post, Zölle, Salzmonopol, sowie die Chargensteuer (eine Art Einkommenssteuer für Staatsbedienstete). Um 1700 betrugen diese Einnahmen rund 1,9 bis 2,0 Millionen RT. Davon gehörten 700.000 Rt zum Privatvermögen des Königs (Schatullkasse, vgl. Schatullrechnungen Friedrichs des Großen). Vom Rest wurde der Hofstaat und Löhne und Gehälter beglichen. Die Diskrepanzen in der Verwendung der Staatsmittel zeigten sich besonders im Pestjahr 1711, als für die gebeutelte Provinz in Ostpreußen mit vielen Tausenden Opfern lediglich 100.000 RT verwendet wurden.[113]

Seit der Zeit des Großen Kurfürsten wurde eine indirekte Verbrauchssteuer auf Konsumwaren, die Akzise an den Stadtein- und Ausgängen erhoben. Diese wurde von den Steuer- und Kriegskommissaren erhoben.[114]

Durch stetige Reformmaßnahmen stiegen die Einnahmen aus den Domänengütern zwischen 1713 bis 1740 von 1,8 Millionen RT auf 3,3 Millionen RT an. Auch die Einnahmen aus den Grundsteuern erhöhten sich in dem Zeitraum. Dazu gehörte der zwischen 1716 bis 1720 eingeführte Generalhufenschoß auf Bodenbesitz, der erstmals auch den Grundbesitzenden Adel miteinbezog.[115] Die Einführung einer Ablöseabgabe für den überkommenen Lehnskanon führte zu erbitterten Auseinandersetzungen mit dem einheimischen Adel, wurde aber vom König durchgesetzt. Bauern hatten Kontributionen (Grundsteuer) an den Staat zu leisten, der 40 Prozent des Reinertrags ausmachte. Danach waren von den verbliebenen 60 Prozent noch die Ansprüche der Gutsbesitzers zu bedienen.[116]

Die Staatseinnahmen setzten sich 1740 aus folgenden Einnahmequellen zusammen: Domänengüter 2,6 Millionen RT, Kontributionen 2,4 Millionen RT, Akzise 1,4 Millionen RT, Postregal 0,5 Millionen RT, Salzregal 0,2 Millionen RT. Davon wurden sechs Millionen RT für den Unterhalt des Heeres verwendet. 0,65 Millionen RT wurden dem Staatsschatz zugeführt. Der Aufbau eines Staatsschatzes in Form von Münz- und Silberwaren die in Truhen im Berliner Stadtschloss lagerten, führte zu wirtschaftlich schädlichen Deflationstendenzen, da diese volkswirtschaftlich bedeutenden Mittel dem Geldumlauf entzogen wurden und nicht in neue Aktivitäten gebunden wurden. Der Wirtschaftskreislauf wurde durch das staatliche Horten geschädigt. Der Hof erhielt 740.000 RT für seine Ausgaben. Von den höfischen Ausgaben entfielen die meisten Ausgaben auf Lohnkosten, Handwerker- und Manufakturaufträge.[117] Im Zeitraum von 1713 bis 1740 entstanden folgende Investitionsaufwendungen:

  • 5 Millionen RT für den Erwerb von Domänengütern
  • 2,5 Millionen RT für den Festungsbau
  • 2 Millionen RT für den zivilen Bau
  • 6 Millionen RT für das Rétablissement in Ostpreußen
  • 2 Millionen RT für die Erwerbung Schwedisch-Pommerns bis zur Peene
  • 12 Millionen RT für die Soldatenwerbung im Ausland

1785, ein Jahr vor dem Tod Friedrichs II. betrugen die Einnahmen für den Staatshaushalt 27 Millionen RT. Der preußische Hofstaat kostete in dem Jahr 1,2 Millionen RT, die preußische Armee hatte ein Budget von 12,5 Millionen RT, das diplomatische Korps verfügte über 80.000 RT, Pensionen machten einen Etat von 130.000 RT aus, die sonstigen Ausgaben betrugen fünf Millionen RT. 1797 wurde vom Gesamthaushalt von 20,5 Millionen RT 14,6 Millionen RT für die preußische Armee, 4,3 Millionen RT für Hof- und Zivilverwaltung und 1,5 Millionen RT für Schuldentilgung und den Zinsdienst aufgewendet.[118]

1740 im Jahr der Amtsübernahme Friedrichs II. hatte der Staatsschatz einen Umfang von sieben Millionen RT erreicht. 1786 betrugen die Staatsrücklagen 60 bis 70 Millionen RT. Der preußische Staat war durch seine finanzielle Autarkie machtpolitisch unabhängig geworden. In wenigen Jahren danach wurden diese Rücklagen unter der Ägide von Friedrich Wilhelm II. komplett aufgebraucht und Staatsschulden aufgenommen, und Preußen wieder auf dem Weg zur Schuldenwirtschaft und Subsidienabhängigkeit. Unter dem nachfolgenden König Friedrich Wilhelm III. wurden die Schulden wieder abgetragen.

Staatliche Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innere Sicherheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Charakteristisch für die Sicherheitsordnung auf dem Land bis weit in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts war die Übereignung staatlicher Gewalt an private Gruppen. Der besitzende Landadel hatte noch um 1800 vor der Bauernbefreiung auf seinen Gütern die Hoheitsbefugnisse über rund 75 bis 80 Prozent der darauf lebenden ländlichen Bevölkerung. Neben der Gerichtsbarkeit gehörte auch die Wahrnehmung von Polizeiaufgaben dazu. Angesichts der hohen Präsenz des Militärs in den Städten gab es kaum Platz für weitere Sicherheitsorganisationen.[119]

Reine Exekutivbeamte mit sicherheitspolitischen Aufgaben hat es zu Anfang des 18. Jahrhundert noch nicht gegeben. Die Handhabung der Polizei lag immer noch in den Händen der von den Magistraten beauftragten Ratmannen, denen als Hilfsorgane Stadtdiener zur Verfügung standen. Eine besondere Polizeiabteilung in den Stadtverwaltungen bestand ebenfalls noch nicht.

Die ersten Polizisten mit Sicherheitsaufgaben wurden 1735 eingestellt, insgesamt acht Polizisten.[120] Berlin wurde 1742 in 18 polizeiliche Bezirke eingeteilt, denen ein nebenberuflicher Kommissar vorstand. Um die Jahrhundertmitte bestanden die nichtmilitärischen Sicherheitsinstitutionen in Berlin aus diesen 18 Kommissaren, acht Polizisten und 40 Nachtwächtern. Diese Struktur blieb so bis 1800 bestehen. Die eher nachrangige Bedeutung der nichtmilitärischen Sicherheitsinstitutionen war auch in den anderen Städten gegeben, auf die das Berliner Polizeisystem übertragen wurde. Das Militär hatte überall die beherrschende Stellung inne.[121]

Stadt- und Raumplanung und -ordnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis ins 18. Jahrhundert hinein domininierte in Europa die Vorstellung von der Unveränderlichkeit der Naturgewalten. Die Einstellung beruhte auf religiös geprägten Werturteilen, wonach nur die Allmacht Gottes die Natur und Umwelt prägen kann (oder darf). Neben dieser Schicksalsergebenheit waren der gering differenzierte und unentwickelte Zustand der Gesellschaft und der geringe technische Entwicklungsstand Hauptursachen für die nur wenigen gesamtstaatlichen Gestaltungsprogramme zur Formung der Natur und Landschaft. Dies änderte sich im 18. Jahrhundert, mit der Zunahme der Bedeutung der Naturforschung und des gesamten Wissenschaftssektors im Allgemeinen. Selbstbewusste Gelehrte und Fachleute begannen mit zunehmender Intensität und Reichweite die Natur den menschlichen Anforderungen entsprechend umzuformen.

Es setzten europaweit größere Stadtbauprojekte ein, die sich nach systematischen Kriterien zunächst des Barocks richteten. Wesentlicher Treiber dieser zentralstaatlichen Ausbauprogramme waren auch verteidigungspolitische Aspekte. So dominierten zunächst militärische Funktionalbauten und Einrichtungen neben den Wohnbauprogrammen die staatlichen Aktivitäten.

Preußen lief im 18. Jahrhundert einigen dieser raumplanerischen Entwicklungen hinterher. Dazu gehörte zum Beispiel die erst spät durchgeführte Landesvermessung und die Erstellung geeigneter Kartenwerke der Monarchie. Auch der Verkehrswegeausbau und die dazugehörige Infrastruktur wie Wegeleitsysteme wurden in Preußen später als in anderen deutschen Staaten eingeführt. Oftmals bildeten Verteidigungspolitische Erwägungen des Monarchen die entscheidende Vetostimme, die ambitionierte Vorhaben stoppten und verzögerten. Es wurde befürchtet, das ein gut ausgebautes Wege- und Leitsystem oder auch öffentlich im Umgang befindliche exaktes Kartenwerke einem potenziellen Gegner die Möglichkeit eines militärischen Sieges eröffnen würde.

Davon unberührt blieben die Erneuerungen der Städte, die im 18. Jahrhundert noch nicht den heute üblichen Anspruch von Wachstum und Expansion hatten, sondern altes durch neues in ähnlicher Größenordnung ersetzen oder umformen sollte. Anlässe dafür bildeten zum Beispiel zerstörte Städte durch Stadtbrände (zwei von 100 Städten brannten jedes Jahr in Preußen ab), Kriegszerstörungen oder Naturgewalten. Der Stadt- und Raumplanerische Ansatz fiel daher unter der Prämisse Rétablissement.

Gebündelt wurden solche Aktivitäten im Oberbau-Departement des Generaldirektoriums.

Der Staat investierte seit dem 18. Jahrhundert in zunehmenden Maße bedeutende Finanzsummen für die Errichtung von zivilen und militärischen Baustrukturen. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts wurden Kasernen errichtet, so zwischen 1763 bis 1767 zwei Artillerie- und fünf Infanteriekasernen mit Ställen und Magazinen, denen fortan weitere folgten. In Berlin wurden zwischen 1769 bis 1777 149 Bürgerhäuser auf Staatskosten errichtet. Zwischen 1780 bis 1785 wurden aus königlichen Mitteln insgesamt 1,2 Millionen RT für die Errichtung von Kasernen, Kirchen, die königliche Bibliothek, 91 große Wohnhäuser, das Palais des Prinzen Heinrich und zahlreichen Manufakturen ausgegeben. In und um Potsdam investierte der König zwischen 1740 bis 1786 insgesamt 3,5 Millionen RT für die Errichtung von 720 Wohn- und Kolonistenhäusern. Zusätzlich kamen Ausgaben von 216.000 RT für Fabriken, 450.000 RT für Militärgebäude und 1,1 Millionen RT für das Große Militärwaisenhaus, Kirchen und Stadttore dazu. Insgesamt 10,5 Millionen RT investierte Friedrich II. für den Ausbau Potsdams. Für die sonstige Kurmark wurden in dem Zeitraum von 1740 bis 1786 9,2 Millionen RT für die Errichtung von Wohn- und Fabrikbauten und die Hebung der Landeskultur eingesetzt.[122]

Währungspolitik und Münzregal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Reichs Thaler Friedrich II 1777

Der Preußische Reichstaler war die Währung Preußens bis 1857.

Formell galt für das Heilige Römische Reich die in den Münzedikten von 1551, 1559 und 1566 geschaffene Reichsmünzordnung auch im 17. Jahrhundert bestehen. Die Normen wurden allerdings nicht beachtet, so dass der brandenburgische Kurfürst zusammen mit dem sächsischen Kurfürsten eine eigene Münzkonvention erließ. Seit 1667 galt für Brandenburg-Preußen die Münzkonvention von Zinna. Der preußisch-österreichische Dualismus führte zu währungspolitischen Umwälzungen, die das Gebiet des Heiligen Römischen Reiches in zwei Währungsgebiete aufteilte. 1750 führte Friedrich II. nach dem Plan seines Münzdirektors Johann Philipp Graumann eine Münzreform durch. Durch die Graumann'sche Münzreform wurde der 14-Talerfuß in Preußen eingeführt. Außerdem gab Preußen die etwas leichtere Reichstaler und Goldmünzen, die Friedrich d’or aus. Durch die Reform wurde Preußen währungspolitisch unabhängig vom Ausland. 1821 Im Rahmen einer Münzreform wurde der preußische Taler in 30 Silbergroschen zu je 12 Pfennigen eingeteilt.[123]

Bis dahin wurde der Taler in 24 Groschen, die jeweils 12 Pfennige wert waren, unterteilt. Daneben existierten in den östlichen Landesprovinzen weitere Unterteilungen. Preußens Währung wurde im Jahre 1821 vereinheitlicht, wodurch diese Unterteilungen wegfielen. Im Jahr 1857 wurde der preußische Taler durch den Vereinstaler ersetzt.

Königliche Post[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Preußisches Posthausschild

Die Königliche Preußische Post bildete bis zur Etablierung eines dichten Eisenbahnstreckennetzes das erste öffentlich betriebene Verkehrsnetz, das alle Provinzen und Landesteile Preußens verband und damit eine zentrale Integrationsfunktion für das Zusammenwachsen des preußischen Staates innehatte.

1786 gab es 760 Postanstalten in Preußen, vier Oberpostämter in Berlin, Breslau, Königsberg und Stolzenberg, 246 Postämter sowie 510 Postwärterämter, die als nicht eigenständige Postanstalten dem nächstgelegenen Postamt zugeteilt waren. Oberste Dienststelle war das 1741 zur selbständigen Behörde erhobene Generalpostamt. Der Generalpostmeister bekleidete den Rang eines Staatsministers und stand zugleich dem Fabrik-, Handels- und Salzdepartement des Generaldirektoriums vor. Später folgte dann die Eingliederung in das neu geschaffene Innenministerium.

Im Jahre 1850 beschäftigte die preußische Post insgesamt 14.356 Bedienstete in 1.723 Postanstalten.[124] Die Postverwaltung unterhielt 6.534 Postwagen und 12.551 Pferde. Über 2,1 Millionen Reisende wurden befördert.

Föderale Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die „Staaten des Königs von Preußen“, für deren Gesamtheit sich um die Mitte des 18. Jahrhunderts der Name „Preußen“ einbürgerte, bestanden Anfang des 18. Jahrhunderts aus den Landesteilen Königreich Preußen, Markgrafschaft Brandenburg, Herzogtum Pommern, Geldern, Kleve, Moers, Tecklenburg, Lingen, Minden, Mark, Ravensberg, Lippstadt, Herzogtum Magdeburg, Halberstadt, dem souveränen Fürstentum Neuenburg und der souveränen Grafschaft Valangin. 1713 wurden die Landesteile in folgende Provinzen gegliedert: Mittel-, Ucker- und Altmark, Neumark-Pommern-Kassuben, Preußen, Geldern-Kleve, Minden-Mark-Ravensberg, Magdeburg-Halberstadt, Neuenburg (Land) und Valangin (Land). 1740 wurden die Provinzialbehörden in Kriegs- und Domänenkammern überführt oder neu gegliedert. Auch deren Gestalt änderte sich im Laufe der folgenden Jahrzehnte mehrmals, als weitere Gebiete, darunter Schlesien als souveräner Besitz, zu Preußen kamen.

Nach dem Wiener Kongress 1815 wurde der Staat Preußen mit der Verordnung wegen verbesserter Einrichtung der Provinzialbehörden vom 30. April 1815 in zehn Provinzen eingeteilt, die mit Ausnahme von Ostpreußen, Westpreußen und Posen als Verwaltungseinheiten Preußens zum Territorium des Deutschen Bundes zählten. Nach der bereits 1822 erfolgten Fusion der beiden rheinischen Provinzen waren dies neun Provinzen (in Klammern die Hauptstadt):

  1. Provinz Brandenburg (Potsdam)
  2. Provinz Ostpreußen (Königsberg)
  3. Provinz Westpreußen (Danzig)
  4. Provinz Pommern (Stettin)
  5. Provinz Schlesien (Breslau)
  6. Provinz Posen (Posen)
  7. Rheinprovinz (Koblenz), 1822 entstanden aus
    1. Provinz Jülich-Kleve-Berg (Köln)
    2. Provinz Großherzogtum Niederrhein (Koblenz)
  8. Provinz Westfalen (Münster)
  9. Provinz Sachsen (Magdeburg)

1829–1878 waren Ost- und Westpreußen zur Provinz Preußen (Hauptstadt Königsberg) vereinigt.

Nach dem Deutschen Krieg von 1866 annektierte Preußen das Königreich Hannover, das Kurfürstentum Hessen, das Herzogtum Nassau, die Herzogtümer Schleswig und Holstein sowie die Freie Stadt Frankfurt. Aus diesen Gebieten wurden drei Provinzen gebildet:

  1. Provinz Hannover (Hannover)
  2. Provinz Hessen-Nassau (Kassel)
  3. Provinz Schleswig-Holstein (Kiel, 1879–1917 Schleswig)

Preußen umfasste damit zwölf Provinzen. Diese Einteilung blieb bis zum Inkrafttreten des Versailler Vertrags im Jahre 1920 bestehen.

Oberste Staatsbehörden und Provinzverwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die preußischen Könige regierten „im Kabinett“, das zu Zeiten Friedrichs II. aus zwei bis drei Geheimen Kabinettsräten und mehreren Kabinettssekretären bestand. Dieser Regierungsstil bedeutete, das der König fast nur schriftlich mit seinen Ministern kommunizierte und Anweisungen oder Antworten auf eingehende Berichte mit den berühmten Kabinettsordren beantwortete. In der bis 1848 in Preußen bestehenden Absoluten Monarchie kamen diesen königlichen Anweisungen der Status eines Gesetzes gleich.

Die Minister des Kabinettministeriums, des Justizministeriums, des Staatsministeriums und ranghohe Diplomaten gehörten zugleich dem Geheimen Rat an. Allerdings verlor dieser Rat mit zunehmenden Zeitverlauf seine ursprünglich zentrale Bedeutung.

Die eigentliche Zentralverwaltung Preußens im späteren 18. Jahrhundert bildeten das Justizministerium, das Kabinettsministerium und das Generaldirektorium. Das Kabinettsministerium, das vom Kabinett des Königs zu trennen ist, bildete eine Art Vorläufer des Auswärtigen Amts und setzte sich aus ein bis zwei Ministern und fünf bis sechs Geheime Legationsräte zusammen. Die Kabinettsminister fungierten als außenpolitische Berater des Königs. Die Entscheidungen selbt traf nur der König allein.

Seit 1723 war das neu errichtete Generaldirektorium die zentrale Behörde für die Finanz-, innere und Militärverwaltung Preußens. Das Ressort bildete eine Matrix-Aufbauorganisation zwischen Provinzabteilungen und Fachabteilungen. Die Provinzabteilungen verfügten in den Provinzen über jeweils so genannte Kriegs- und Domänenkammern als eigenen Unterbau. Diese Provinzbehörden bildeten die Exekutivverwaltung für die Finanz-, Polizei-, und Militärverwaltung. 1772 gab es davon 12 Behörden in Preußen. An der Spitze dieser Provinzbehörden stand meist ein adeliger Kammerpräsident, dem ein bis zwei Direktoren assistierten. Dazu kamen ein oder mehrere Oberforstmeister, ein Baudirektor und je nach Größe und Bedeutung der Provinz zwischen fünf bis 20 Räte. Den Kriegs- und Domänenkammern der Provinzen unterstanden noch so genannte Steuerräte, die für die lokale Überwachung in Polizei-, Handel-, Gewerbe- und Akzisefragen betreut waren.

Ebenso unterstanden den Kriegs- und Domänenkammern die adeligen Landräte, die den Kreisen der Provinzen vorstanden. Als solche hatten die Landräte eine ambivalente Rolle inne. Sie waren königliche Gefolgsleute und auch als gewählte Repräsentanten der Kreistage Vertreter der Landstände.

Jeder Abteilung des Generaldirektoriums stand ein Minister vor. Bis 1806 erweiterte sich der Zuständigkeitsbereich des Superministeriums sowohl territorial als auch sachlich durch Gründung neuer Abteilungen innerhalb des Ressorts. 1806 gab es sieben Ressortchefs, die Zahl der Räte betrug 52, die Zahl der Sekretäre betrug 73. Neben dem Generaldirektorium stand das Schlesische Finanzdepartement mit Sitz in Breslau. Diese Behörde besaß eine eigene Zuständigkeit auf die beiden Kriegs- und Domänenkammern mit Sitz in Breslau und Glogau. Damit nahmen die Fürstentümer Schlesiens im Gefüge des Regierungssystems Preußens im 18. Jahrhundert eine Sonderstellung ein.[125]

Weitere oberste Landesbehörden bildeten die Oberrechenkammer. Ihr gehörten 25 Räte und 13 Sekretäre an und bildete eine Art Rechnungsprüfungskammer.

In sachlicher und finanziell enger Verbindung mit dem Generaldirektorium standen die Königliche Hauptbank, die Seehandlungssozietät und die General-Salz-Administration, die von jeweils einem eigenen Finanzminister geleitet wurden.

An der Spitze der Justizverwaltung stand das Justizministerium. Dieses war zugleich zuständig für Religionsangelegenheiten und wurde von vier Ministern geführt. Dazu kamen sieben Räte. Dem Justizministerium unterstanden als Landesjustizkollegien die „Regierungen“, Hof- und Obergerichte. Dies Unterbaubehörden sprachen in ihren jeweiligen Provinzen Recht verwalteten aber auch Hoheits-, Grenz-, Lehens-, Kirchen- und Schulangelegenheiten.[126]

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
KURFÜRST VON BRANDENBURG
KÖNIG VON/IN PREUSSEN
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Hofkanzlei
‘’Gerichtsbarkeit und Verwaltung’’
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
1516
Kammergericht
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
1537
Ratsstube
 
 
 
 
Rentkammer
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
1543
Kurmärkisches Konsistorium
 
 
 
1540
Kammergericht
(Neuorganisation)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
1604
Geheimer Rat
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
KultusJustizAuswärtigesFinanzen
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
1685
Collegium Medicum
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
1689
Geheime Hofkammer
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
1713
Generalfinanzdirektorium (Domänen, Regalien)
 
1713
Generalkriegskommissariat (Steuern)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
1714
Generalrechenkammer
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
1725
Obercollegium Medicum
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
1728
Kabinettsministerium
 
1723
Generaldirektorium
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
1737
Justizministerium
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
1750
Oberkonsistorium
 
 
 
 
1747-1751
Justizreform Instanzenzug
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
1802
Oberrechnungskammer
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
1799
Obercollegium Medicum et Sanitatis
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Gerichte 1., 2. und 3. Instanz
 
 
 
1808
Justizministerium
 
1808
Staatsministerium
 
1808
Ministerium der Auswärtigen Angelegenheiten
 
1808
Kriegsministerium
 
1808
Ministerium des Innern
 
1808
Finanzministerium
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
1817
Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
1817
Schatzministerium
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Provinzialkonsistorien
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
1824
Oberrechnungskammer
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Rechtsstaat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die seit Friedrich Wilhelm I. gesamtstaatlich ausgerichtete Organisation der Verwaltungsbehörden führte dazu, das auch im Bereich der Justizverfassung ein zentralstaatlicher Gerichtsaufbau etabliert wurde. Dieser sollte die bis dahin unverbundenen, für die verschiedenen Landesteile zuständigen Spitzengerichte vereinigen. Als zentralstaatliches höchstes Gericht wurde 1748 das sogenannte Große Friedrichs Kollegium errichtet, in welchem das Kammergericht und die in Berlin befindlichen Oberappellationsgerichte zusammengeschlossen wurden. Eine organische Justizorganisation mit einer einheitlichen für alle preußischen Staaten zuständigen Spitze wurde erst 1782 verwirklicht, als das mit dem Kammergericht verbundene Obertribunal selbständig wurde und fortan als Geheimes Obertribunal höchste Instanz für die gesamte Monarchie wurde. Als Mittelinstanzen in den Provinzen fungierten fortan das brandenburgische Kammergericht, das ostpreußische Tribunal, die schlesischen Oberamtsregierungen und in den anderen Landesteilen die so genannten „Regierungen“.[127]

Auswärtiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Staatsbeziehungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzug der Kurfürsten 1612 in Frankfurt am Main. Entsprechend der Bildbeschriftung(„..., Brandenburg schlecht“), galt Brandenburg (und damit auch Preußen) in der Reichsöffentlichkeit/ Reichsmeinung bis Ende des 17. Jahrhunderts als „schlechtestes“ der Kurfürstentümer im Reichsgefüge und die Hohenzollern als „arme Emporkömmlinge“

Durch die erfolgreich betriebene Machtpolitik, baute Preußen seine Stellung im internationalen Gefüge des europäischen Mächtegleichgewichts aus. Preußen galt als aufstrebende Militärmacht und wurde von den (anderen) Großmächten Europas in der Regel aufgrund seines Militärpotenzials umworben. Die Rolle als gewertschätzter Truppenlieferant kam Preußen bis 1740 als Auxiliarmacht nach. Das preußische Zentrum Brandenburg lag in der Mitte Europas und hatte keine natürlichen Grenzen aufzuweisen. Es gab folglich keine Sicherheitszone, wie sie zum Beispiel die Britischen Inseln boten und zeitgleich war die eigene geografische Lage für das Sicherheitskalkül anderer großer Mächte strategisch bedeutsam. Die im Dreißigjährigen Krieg gemachten eigenen Erfahrungen, bei der die eigene politische Machtlosigkeit durch andere Mächte in der Eigenwahrnehmung „rücksichtslos“ ausgenutzt wurde, blieben den preußischen Herrschern stets präsent. Sie führte zu einer Anpassung des eigenen politischen Stils in der Auswärtigen Politik, bei der eine zunehmende Bedenkenlosigkeit bei der Wahl der Mittel dazu beitrug, dass die Öffentlichkeit und die auswärtigen Regierungskreise den Hohenzollern eine standespolitische Unzuverlässigkeit zuschrieben.[128]

No. 8 & No. 9 Carlton House Terrace, The Mall (ehemals Preußische Gesandtschaft und Deutsche Botschaft bis 1955), siehe auch: Liste der preußischen Gesandten im Vereinigten Königreich

Preußens Außenpolitik war daher wechselhaft und unstetig und richtete sich stets nach den notwendigen Erfordernissen zur Sicherung der außenpolitischen Stellung und Existenz des Staates. Daraus ergab sich bisweilen eine Schaukelpolitik. Bündnisse wurden mit kurzfristiger Laufzeit und auf die Erreichung von Einzelzielen hin geschlossen. Die preußische Staatshaltung zu internationalen Verträgen galt daher als „lax“.[129] Daraus ergaben sich für die preußischen Nachbarn eine gewisse Unberechenbarkeit und Unsicherheit gegenüber den zeitweise dominant und aggressiv auftretenden preußischen Staat.

Direkte und enge Beziehungen zu den nichtdeutschen Staaten unterhielt Preußen zum Kaiserreich Russland, mit das es diverse Allianzverträge im 18. und 19. Jahrhundert geschlossen hatte. Zum Schwedischen Reich, das als niedergehender Hegomon im Kampf um das Dominium maris Baltici lange Zeit aggressive Tendenzen gegenüber seinen südlichen Ostseeanrainern hatte, hegte Brandenburg-Preußen ein konfrontatives, häufig kriegerisches Beziehungsverhältnis, solange der nordische Anrainer Reichsstand des Heiligen Römischen Reichs war. Das Vorgängerstaatswesen Brandenburg-Preußen mit eingeschlossen, führte Preußen von 1630 bis 1763 insgesamt fünf Kriege gegen das nordische Reich. Das Königreich Dänemark war für das noch junge Königreich und damals in etwa gleichstarker Relation stehende Preußen ein natürlicher nordischer Bündnispartner und wichtige Bezugs- und Orientierungsmacht im europäischen Beziehungsgefüge gewesen. Ähnlich positiv gestaltete sich das Verhältnis zu den fortschrittlichen Niederlanden, deren Bedeutung für den Frühpreußischen Staat und seiner Eliten vor allem in kultureller Adaption, Bezugnahme und Referenzialität bestanden. Zur Weltmacht Großbritannien überwogen die positiven Beziehungen im beiderseitigen Austausch. Zur kontinentalen Führungsmacht Frankreich stand Preußen mehrfach und anhaltend in Konflikt. Von 1674 bis 1807 folgten insgesamt sechs kriegerische Auseinandersetzungen mit Frankreich. Die im 18. Jahrhundert stagnierende ehemalige Großmacht Polen wurde ein Opfer der preußisch-russisch-österreichischen Teilungspolitik.

Die Beziehungen zum Heiligen Römischen Reich im 18. Jahrhundert endeten im Ergebnis insgesamt negativ für das Heilige Römische Reich. Die preußische Reichspolitik führte zu einer erheblichen Schwächung des Reichszusammenhalts. Einmal führte der Einmarsch preußischer Truppen in Schlesien Ende 1740 zu einem eklatanten Verstoß gegen die Rechtsordnung des Reiches. Andererseits waren die preußischen Könige darauf bedacht, ihre konstitutionelle Autonomie als Königreich auszubauen, wogegen die Regierungsform des Reiches mit ihren überlappenden Jurisdiktionen und mehrfachen einander durchdringenden Ebenen der Souveränität diesem Ziel entgegenstand. Damit positionierte sich Preußen vor allem gegen die primäre Reichsmacht Österreich, das für die Erhaltung des Reichsprinzips eintrat. Daraus entwickelte sich eine anhaltende Dualität der beiden deutschen Großmächte, die bis 1866 anhielt.[130]

Zu den sonstigen deutschen Staaten gab es vielfältige und dichte Austauschbeziehungen. Preußen übernahm im Verlauf des 18. Jahrhunderts die Führungsrolle als erster protestantischer Reichsstand von Sachsen. Insbesondere nach 1763 hatte Preußen großen Einfluss auf die deutsche „Innen“politik. Darunter zählte zum Beispiel die Bildung eines Fürstenbunds unter preußischer Führung.

Diplomatisches Korps[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1700 entstanden überall in Europa ständige Gesandtschaften, die die temporären Missionsgesandtschaften, die bis dahin in der europäischen Diplomatie üblich waren, verdrängten. Im Westfälischen Frieden 1648 hatten alle Reichsfürsten auch formell das Bündnisrecht und damit auch das Recht auf eine eigenständige Außenpolitik erhalten.

In der Folge baute auch Preußen ein europaweites Gesandtschaftswesen an den europäischen Herrscherhöfen auf. Als die 1728 als „Departement der Auswärtigen Affären“ eingerichtete Behörde 1867 zunächst als Auswärtiges Amt an den Norddeutschen Bund und dann ab 1871 zum Deutschen Kaiserreich übertragen wurde, bestand das diplomatische Korps der ehemals preußischen Behörde aus insgesamt 60 Etatstellen. Die Behörde unterhielt insgesamt vier Botschaften in London, Paris, Petersburg und Wien, 16 Gesandtschaften, acht Gesandtschaften innerhalb des Reichs, acht Ministerresidenturen, sieben Generalkonsulate mit diplomatischen Status, 33 Berufskonsulate und vier Berufsvizekonsulate.[131]

Historische Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Territoriale Veränderungen Preußens zwischen 1415 und 1803
Die Mark Brandenburg 1415
Erwerbungen von 1415 bis 1618
Erwerbungen von 1618 bis 1648
Erwerbungen von 1648 bis 1740
Erwerbungen von 1740 bis 1786
Erwerbungen von 1786 bis 1803

Überblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das norddeutsche Tiefland ist ein Teilbereich des mitteleuropäischen Tieflandes (grüne Flächensignatur), das sich von Belgien im Westen bis nach Polen im Osten erstreckt

Die einzelnen Landesteile Preußens waren landschaftlich, gesellschaftlich und strukturell sehr unterschiedlich. Zwischen der östlichsten preußischen Stadt Memel und der westlichsten preußischen Stadt Geldern lagen 1080 Kilometer Luftlinie. Memel war gleichzeitig auch die nördlichste Stadt des altpreußischen Staats und Pless in Südschlesien die südlichste Stadt Preußens um 1800. Die Luftlinie beider Städte betrug 655 Kilometer in Nord-Südrichtung.

Die Zahl der Anrainer differierte stark aufgrund des sich stark wandelnden Territorialbestands des Staates. Die bedeutendsten nicht deutschen Nachbarstaaten waren aber zunächst im Osten Polen-Litauen bis zu seiner Auflösung als auch seit 1720 das russische Kaiserreich. Bis 1815 hatte Preußen eine direkte Landgrenze mit Schweden. Mit Dänemark war Preußen seit 1866 benachbart. Zum Kaisertum Österreich und dem staatlichen Vorgänger Habsburgermonarchie gab es über Schlesien eine direkte Landverbindung. Im Westen hatte Preußen eine direkte Grenze zu den Niederlanden und seit 1815 zu Frankreich.

Während die räumlich kleinteiligen westlichen Provinzen des altpreußischen Staats eher gewerblich und städtisch geprägt waren, wiesen die östlichsten Provinzen starke Agrarstrukturen mit geringen Freiheitsgraden der bäuerlichen Bevölkerung auf. In der strukturschwachen Region waren städtische Zentren dem Wortsinn nach selten, während Ackerbürgerstädtchen mit geringer Einwohnerzahl die dortigeBesiedlungsstruktur dominierte. Die zentralen Provinzen wiesen als Übergangszone Züge beider entgegengesetzter Ausprägungen gleichzeitig auf.

Wirtschaftliche Kernregionen des Staates waren der Berliner Raum, Schlesien als gewerbezentrierte Region und seit 1850 stark anwachsend das Rhein- und Ruhrgebiet. Bedeutende Rohstofflager gab es im Ruhrgebiet und im Schlesischen Montanrevier.

Geografisch ist der überwiegende Teil des Staatsgebiets der Norddeutschen Tiefebene zuzuordnen. Die Ostsee bildete für den preußischen Staat eine bedeutende und lange maritime Nordgrenze. Die Teilnahme am Ostseehandel aber auch am kontinentalen Ost-West Handel (u. a. über die Via Regia, Leipziger Messe, Messe Frankfurt an der Oder) war für den preußischen Staat von grundlegendem wirtschaftlichen Interesse.

Das Territorium zerfiel einerseits in mehrere voneinander isolierte Gebietsblöcke und war zeitlich von einer starken Veränderungsdynamik geprägt. Viele spätere Territorien Preußens wechselten ihre Staatsangehörigkeit in Zuge von Kriegsniederlagen fremder Mächte oder der Übertragung von Erbschaftsanrpüchen, Kauf oder im diplomatischen Tausch gegen andere Territorien in den Besitz Preußens.

Vier wesentliche geografische Blöcke mit ähnlichen soziokulturellen Zusammenhängen formten die altpreußische Monarchie bis 1806. Dies war zunächst das Kerngebiet Preußens mit den mittleren Provinzen um die Mark Brandenburg, dann die östlichen Provinzen mit ihren idellen Zentrum in Königsberg, der Nordwesten mit verschiedenen kleineren Landesteilen kam seit Anfang des 17. Jahrhunderts in den Besitz der Hohenzollerndynastie. Die südlichen Provinzen bildeten eine kurzwährende Ausnahmeerscheinung des preußischen Staatsgebiets. Diese Territorien wurden bereits 1805 im Tausch gegen Kurhannover wieder abgetreten, das ebenso binnen Jahresfrist wegen der Kriegsniederlage gegen Frankreich abgetreten wurde.


Provinzen des altpreußischen Staats bis 1806 mit Angabe von statistischen Kennzahlen[132]
Provinzgruppe Nummer Provinz Anfall Abgang Km² EW EW/Km² Städte Städte >5.000 EW Städte 4999-2.000 EW Städte <2.000 EW
Ost 1. 176.596 4.104.000 23,24 525 18 73 434

Herzogtum Preußen im 17. Jahrhundert.svg

1.1 (Alt-)Ostpreußen 1618 1945 39.424 990.000 25,11 67 6 25 36
1.2 Neuostpreußen 1795 1807 51.240 877.000 17,12 129 0 8 121
1.3 Westpreußen 1772/76 1920/45 32.256 817.000 25,33 94 6 18 70
1.4 Südpreußen 1793 z. T. 1807 53.676 1.420.000 26,46 235 6 22 207
Zentral 2. 109.310 4.203.400 38,45 380 33 104 243

Hzm Schlesien 1791.jpg

2.1 Herzogtum Schlesien 1741 1945 40.656 2.047.000 50,35 147 11 43 93

Mark Brandenburg 1618.jpg

2.2 Mark Brandenburg 1415 z. T. 1945 35.728 1.177.000 32,94 123 13 34 76

Herzogtum Pommern im 18. Jahrhundert.jpg

2.3 Herzogtum Pommern 1648, 1721 z. T. 1945 24.761 518.000 20,92 56 3 14 39

Herzogtum Magdeburg over LSA 2007.png

2.4 Herzogtum Magdeburg mit Grafschaft Mansfeld 1648, 1680 (z. T. 1807–1813) 6.093 320.000 52,52 36 3 5 28
2.5 Grafschaft Hohnstein, Fürstentum Halberstadt, Quedlinburg 1648 1807–1813 2.072 141.400 68,24 18 3 8 7
2.6 Fürstentum Erfurt und Eichsfeld 1802 1806 2.716 158.000 58,17 9 3 3 3
Nord-West 3. 17.645 873.000 49,48 104 8 21 75
3.1 Grafschaft Kleve und Grafschaft Mark 1612 1801/07–1815 4.004 202.000 50,45 36 3 10 23
3.2 Fürstentum Minden und Grafschaft Ravensberg 1648 1807–1815 1.951 166.000 85,08 14 1 2 11
3.3 Grafschaft Lingen und Grafschaft Tecklenburg 1702 1807–1815 728 46.000 63,19 8 0 0 8
3.4 Fürstentum Münster 1802 1807–1815 2.744 127.000 46,28 9 1 1 7
3.5 Fürstentum Paderborn 1802 1807–1815 2.800 98.500 35,18 23 0 2 21
3.6 Fürstentum Hildesheim 1802 1807–1866 2.240 114.000 50,89 9 2 3 4
3.7 Fürstentum Ostfriesland 1744 1807–1866 3.178 119.500 37,60 5 1 3 1
Süd 4. 7.658 540.600 70,59 48 8 8 32
4.1 Fürstentum Ansbach 1791 1806 3.514 270.000 76,84 25 5 3 17
4.2 Fürstentum Bayreuth 1791 1807 3.220 223.000 69,25 18 3 3 12
4.3 Fürstentum Neufchatel 1707 1806 924 47.600 51,52 5 0 2 3
Preußische Monarchie 311.209 9.721.000 31,24 1057 67 206 784


Staatsgebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Entwicklung der Staatsfläche Preußens zwischen 1701 und 1939 zeigt eine stark steigende Tendenz:[133] Von 1608, kurz vor den ersten außerbrandenburgischen Territorialerwerbungen der Hohenzollern bis zum Zusammenbruch des altpreußischen Staats knapp 200 Jahre später, expandierte das feudale Staatswesen um nahezu das zehnfache seiner Ursprungsgröße. Ausgehend von der Bevölkerungsentwicklung betrug der Wachstumsfaktor in diesem Zeitraum 1:23,6.

Die Hohenzollernherrscher betrieben seit dem 16. Jahrhundert eine konsequente (dynastische) Expansionspolitik. Zunächst war die Dynastie zeitgemäß auf die Einheiratung und Übernahme von Erbschaftsansprüchen interessiert. Die Erbschaftspolitik gelang mit dem Anfall des Herzogtums Preußen, dem späteren Herzogtum Magdeburg und einigen süddeutschen Fürstentümern. Im Westen hielten die Hohenzollern Ansprüche auf einige kleinere Gebiete aufrecht. Im Zuge des Clevischen Erbfolgestreit gelang es diesen, sich auf einer europaweiten Konfliktebene durchzusetzen. Auch auf Pommern hielten die Hohenzollern längere Zeit Erbschaftsansprüche aufrecht, bis diesen 1648 Hinterpommern zugestanden wurde.

Jahr Bevölkerung Fläche[134]
1608 0,41 Mio. 35.728 km²
1640 k. A. 80.826 km²
1686 <1,5 Mio.[135] 109.830 km²
1713 1,6 Mio. 111.574 km²
1740 2,4 Mio. 117.928 km²
1786 5,4 Mio. 190.223 km²
1797 8,7 Mio. 307.785 km²
1804 9,7 Mio. 316.232 km²
1807 4,94 Mio. 158.000 km²
1816 10,3 Mio. 280.000 km²
1840 15 Mio. 280.000 km²
1861 18,5 Mio. 280.000 km²
1871 24,6 Mio. 348.780 km²
1880 27 Mio. 348.780 km²
1910 40,16 Mio. 348.780 km²

1715 kam Schwedisch-Pommern bis zur Peene zum preußischen Staat dazu. Durch Erbschaft gelangte Ostfriesland zu den preußischen Staaten. 1742 wurden die Fürstentümer Schlesiens als Provinz für Preußen erobert und gehalten. 1776 kam die Provinz Westpreußen zum preußischen Staat dazu. Von 1790 bis 1806 kamen durch die territoriale Neugliederung des zusammenfallenden Heiligen Römischen Reiches und des zeitgleichen ausgreifenden Französischen Empires große Gebiete im Nordwesten Deutschlands und in Franken zum Königreich Preußen dazu. Auch die vollendete Aufteilung Polens brachten noch einmal große territoriale Zugewinne für Preußen. Der Staatscharakter Preußens war dadurch in wenigen Jahren völlig verändert worden. Die Neupreußischen Territorien im Westen Deutschlands und im altpolnischen Siedlungsraum hatten keinerlei preußisch-(deutsche) Traditionen, wiesen ganz eigene oder andere Raumbindungsgefüge auf und gingen durch die Bestimmungen des Friedens von Tilsit 1807 wieder verloren. Preußen erhielt jedoch im Zuge des Wiener Kongresses im Jahre 1815 seine ungefähre frühere Größe zurück. Die bisher vereinzelten preußischen Provinzen am Rhein wurden nun in einen Gesamtrheinisch-westfälischen Territorialkomplex zusammengefasst. Das war eine britische Idee und keine preußische, deren Akteure lieber das gesamte Sachsen erhalten hätten. Stattdessen sollte nach Britischem Willen Preußen als Ersatz für das ausgeschiedene Habsburg die Rolle des „Wächters am Rhein“ gegenüber Frankreich übernehmen.[136] Diese neue Gebietseinheit veränderte den preußischen Staat nach 1815 erheblich. Die bis dahin dominanten mittleren Provinzen Preußens verloren bis 1918 einen Teil ihrer Bedeutung zugunsten der rheinischen Provinzen. Das außenpolitische Streben der preußischen Regierung nach 1815 zielte insgeheim darauf ab, die beiden großen geografisch durch eine 40 Kilometer breite Lücke getrennten Gebiete im Westen und in „Altpreußen“ zu vereinen. Die dazwischen liegenden Fürstentümer wie das Königreich Hannover wurden dadurch, wie zuvor schon bei der Reduktion des Königreichs Sachsen erfolgt, zu einer territorialen Verfügungsgröße Preußens in desen außenpolitischen Ambitionen. Da nur ein Teil der ehemals polnischen Erwerbungen aus der dritten Teilung Polens erneut Preußen zugeschlagen wurde, erhielt der Gesamtstaat Preußen wieder eine eher Gesamtdeutsche Position.[137]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Anstieg der Bevölkerungszahl im 17. und 18. Jahrhundert beruhte auf Gebietsgewinnen und einer intensiv betriebenen Peuplierungspolitik. Mit der gezielten Werbung und Ansiedlung von ausländischen Kolonisten, häufig Exulanten und Glaubensflüchtlinge aus habsburgischen Ländern in den eher bevölkerungsarmen östlichen Provinzen Ostpreußen, Westpreußen, Neumark oder Hinterpommern einher ging der Landesausbau, der auch die Kultivierung und Urbarmachung von Sumpfgebieten einbezog. In den menschenleeren Gebieten entlang der regulierten Ströme wie die Warthe oder die Oder entstanden so im 18. Jahrhundert viele hundert Kolonistendörfer. Typenbildende Ortsgründungen bildeten die Webersiedlungen Nowawes oder Zinna.

Die danach weiter ansteigende Bevölkerungszahl beruhte vornehmlich auf Gebietserwerbungen infolge der Einigungskriege und auf dem hohen natürlichen Bevölkerungswachstum im 19. und frühen 20. Jahrhundert.

Um 1800 galten knapp 43 Prozent der Bevölkerung als Slawen. Darunter zählten vorwiegend Polen, Sorben, Litauer, Kaschuben, Kuren und Letten. Eine weitere Minorität waren die im 17. Jahrhundert eingewanderten französischstämmigen Hugenotten, deren Nachkommen eingeschlossen eine Gesamtheit von 65.000 Personen umfasste. Insgesamt 250.000 Juden wurden von den damaligen Erhebungen als „Ethnie“ eingestuft, erfasst.

50,6 Prozent der Bewohner galten als lutherisch gläubig, 44,1 Prozent als katholisch. Der Rest waren Reformierte, Mennoniten, Griechisch-orthodoxe und Hussiten.[138]

Die Bevölkerung setzte sich 1804 in folgende soziale Schichten zusammen:

  • 328.000 Personen wurden dem adeligen Stand zugerechnet, wovon in den überwiegend polnisch geprägten Provinzen Neuostpreußen und Südpreußen 34.000 (Szlachta) von insgesamt 54.000 Adelsfamilien in Preußen ausmachten.
  • 2,7 Millionen Personen wurden dem Bürgerstand zugerechnet.
  • 6,828 Millionen Personen wurden als Landbewohner und Bauern klassifiziert, die zum Teil unfrei waren.

Eine andere Gruppe bildete der 40.000 Personen starke Klerus.[139]

Städte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die größten altpreußischen Städte (ohne Warschau)
Rangfolge 1804 Rangfolge 1910 Stadt Einwohner 1804[140] Einwohner 1850[141] Einwohner 1875 Einwohner 1910[142]
1 1 Berlin 178.308 419.000 966.859 2.071.257
2 3 Breslau 60.950 114.000 239.050 512.105
3 10 Königsberg 60.690 76.000 122.636 245.994
4 16 Danzig 46.213 - 97.931 170.337
5 9 Magdeburg 37.451 72.000 87.925 279.629
6 - Potsdam 26.980 - 45.003 62.243
7 11 Stettin 22.335 49.000 80.972 236.113
8 15 Halle (Saale) 21.350 - 60.503 180.843
9 - Elbing 18.805 - 33.520 55.000
10 17 Posen 15.253 45.000 60.998 156.691
11 - Frankfurt an der Oder 17.501 29.969 47.180 68.277
12 - Halberstadt 13.816 20.395 - 46.481
13 - Brandenburg an der Havel 12.499 21.000 27.776 68.277
14 - Quedlinburg 10.023 13.886 18.437 27.233
15 - Emden 10.416 zu Hannover 13.400 24.500
6 Charlottenburg - - 25.847 305.978
Die größten neupreußischen Städte mit Zugehörigkeit zum preußischen Staatsgebiet ab 1815/1866 (m.A. von Duisburg)
Rangfolge
unter den
neupreußischen
Städten
Rangfolge in
Gesamtpreußen 1910
Stadt Einwohner 1850 Einwohner 1875 Einwohner 1910[143]
1 2 Köln 97.000 135.371 516.527
2 4 Frankfurt am Main - 103.136 414.576
3 5 Düsseldorf 27.000 80.695 358.728
4 7 Hannover - 106.677 302.375
5 8 Essen - 54.790 294.653
6 12 Duisburg - 37.380 229.438
7 13 Dortmund - 57.742 214.226
8 14 Kiel - 37.246 211.627

Die Städtedichte nahm vom Westen nach Osten hin ab. Die Stadt Berlin hatte von 1700 bis 1918 ein außergewöhnlich starkes Wachstum aufzuweisen und gehörte am Ende der Monarchie zu den größten globalen Stadtregionen. Die in der näheren Umgebung von Berlin liegenden ebenso größeren Städte Brandenburg an der Havel (Gericht und frühe Hauptstadt), Potsdam (Residenz) und Frankfurt an der Oder (Messe, Universität) bildeten die traditionelle Keimzelle des später expandierten preußischen Staats. Die Städte der preußischen Rheinprovinzen erlangten erst im 19. Jahrhundert eine gesteigerte Bedeutung für den Staat. Die Städte im heutigen Sachsen-Anhalt, Magdeburg, Halle, Quedlinburg und Halberstadt gehörten zum Gebiet der Mittelbe, die aufgrund ihrer zentralen Lage strategisch bedeutsam waren und lange zwischen Sachsen und Brandenburg umstritten waren. Die östlichen Metropolen Königsberg, Danzig und Königsberg bildeten dominante Monozentren in ihren jeweiligen Provinzen. Die dort in den Provinzen auf den Rängen folgenden Städte hatten bis auf Elbing eher kleinteilige Strukturen.

Die Liste der Einwohnergrößten preußischen Städte von 1804 weicht in der Zusammensetzung erheblich von der für das Jahr 1910 ab. Das 19. Jahrhundert war insgesamt ein Jahrhundert der Verstädterung und der Landflucht in Europa, so dass nach dem eher stagnierenden Städtewachstum im Verlauf der gesamten Frühen Neuzeit die Städte an Einwohnern zulegten. Da zeitgleich eine große Migrationsbewegung aus den östlichen Provinzen Preußens in die wirtschaftlich boomenden preußischen Rheinprovinzen einsetzte, wuchsen die Städte zwischen 1850 bis 1910 im Rhein- und Ruhrgebiet schneller als die Städte im zentralen und östlichen Staatsgebiet an.

Flüsse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die bedeutendsten (Verkehrsstraße, Handelsströme) Flüsse über den gesamten Zeitverlauf Preußens betrachtet waren der Rangfolge nach: 1. Havel, 2. Spree, 3. Elbe, 4. Oder, 5. Rhein.

Die Spree, Havel, Oder und Elbe wurden durch den vom brandenburgisch-preußischen Staat initiierten Bau von künstlichen Wasserstraßen seit dem 17. Jahrhundert verbunden und bildeten ein gemeinsames Flusswegenetz, über das ein erheblicher Anteil des preußischen Getreidexports aber auch anderer Güter (z. B. Kalksteine von Rüdersdorf nach Berlin) zu den Abnehmerhäfen an Ost- und Nordsee transportiert wurden.

Gebirge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Relief des preußischen Staates war zu großen Teilen Eben oder wies einen flachwelligen Charakter auf.

Nur in den südlichen Gebieten des Staatsgebietes waren markante Erhebungen vorhanden. Insbesondere die seit 1741 zu Preußen gehörende Provinz Schlesien galt als die gebirgigste Provinz des Staates. Dort lagen die Sudeten, mit dem Abschnitt des Riesengebirges.

Daneben war der Harz das nächstbedeutende Gebirge, auf das Preußen seit Ende des 18. Jahrhunderts zumindest zum Teil Zugriff erhielt und diesen dann nach den Gebietserwerbungen von 1866 komplett in sein Staatsterritorium einschloss.

Da das preußische Territorium seit 1815 große Teile des deutschen Rheinlandes einbezog, gehörten seitdem auch die dortigen kleinflächigeren Mittelgebirge zu Preußen. Diese waren beispielsweise das Hunsrück, der Westerwald oder die Eifel. Auch Westfalens Mittelgebirge wie das Rothaargebirge oder das Weserbergland gehörten von da an zum Königreich Preußen.

Die höchsten preußischen Berge waren die Schneekoppe mit 1.603 Meter Höhe, gefolgt vom Reifträger mit 1.362 Meter Höhe, der Brocken mit 1.141 Meter Höhe und der Ochsenberg mit 1.033 Meter Höhe.

Vegetation, Böden und Landschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Größere Anteile des Staatsgebiets waren im 18. und 19. Jahrhundert von Sümpfen, Heiden und Dünen geprägt gewesen. Menschliche Eingriffe haben diese Naturlandschaften im 20. Jahrhundert größtenteils den Zivilisationsbedürfnissen angepasst und die ursprünglichen Erscheinungsformen erheblich zurückgedrängt, zugunsten der Schaffung von Siedlungsflächen und Landwirtschaftsflächen.

Die Güte der Böden wichen erheblich nach Regionen ab. Es gab sehr nährstoffreiche und ertragreiche Böden wie die Magdeburger Börde oder die Böden Südpreußens oder der westlichen Odergebiete Schlesiens. Weite Teile der mittleren Provinzen oder auch in Ostpreußen hatten dagegen nährstoffarme Sandböden.

Neu errichtete Deiche, Flussbegradigungen und Kanalbauten zur Bodenentwässerung haben in dem Bestehenszeitraum des Königreichs Tausende Quadratkilometer Sumpfland dauerhaft trockengelegt. Die Kulturbarmachung und Kolonialisierungsarbeiten zur Erschließung des Landes waren bedeutende Tätigkeiten und Programme auf gesamtstaatlicher Ebene. 21,5 Prozent der Landesfläche waren 1804 bewaldet. Das größte Waldgebiet bildete die Johannisburger Heide und die Romintische Heide in Ostpreußen. Die Provinzen in Westfalen galten als eher waldarm im Vergleich zu den meist unberührten Wäldern der östlichen Gebiete.

Seen, Buchten und Inseln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die zu den verschiedenen Zeitpunkten zu Preußen gehörenden Küstenabschnitte wiesen insgesamt eine starke Gliederung auf. Markante Buchten bildeten das Stettiner Haff, das Frische Haff und das Kurische Haff mit seiner Kurischen Nehrung. Die bedeutendsten altpreußischen Inseln waren Usedom und Swinemünde, seit 1815 auch Rügen, nach 1866 kamen auch die Inselketten Niedersachsens und Schleswig-Holsteins dazu.

Die größte Seenkette Preußens bildete die Masurische Seenplatte in Ostpreußen, darunter der Spirdingsee.

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während die westlichen Provinzen Preußens, Westfalen und das Rheinland eher ein maritimeres geprägtes Übergangsklima aufwiesen, hatten die östlichen Gebiete eher kontinentalere Klimaausprägungen. Dies bedeutete für den Osten tendenziell kältere Winter bei wärmeren Sommern und für die Westgebiete ganzjährig weniger starke Maximaltemperaturschwankungen in beide Richtungen bei etwas längerer Vegetationsperiode als in den östlichsten Gebieten.

Im Bestehenszeitrum des Königreichs machte sich die durch die Industrialisierung bedingte und menschengemachte Erderwärmung noch nicht bemerkbar. Zur Anfangszeit des Königreichs wurde erst die Klimax der letzten kleinen Eiszeit durchschritten. Die Winter brachten in der Regel überall strenge und anhaltende Frostperioden mit sich.

Historiografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichtsschreibung zur Preußischen Monarchie ist äußerst umfangreich und thematisch facettenreich. Ihre inhaltliche Ausrichtung unterliegt Zeitströmungseinflüssen und sich wandelnden Werturteilen.

Folgende Untersuchungsschwerpunkte werden wiederkehrend seit vielen Jahrzehnten behandelt: säkulare Prozesse, strukturelle Lage zwischen Ost und West, Akteure interner Staatsbildung, regionale Akteure, Militärsystem, Folgen staatlicher Wirtschaftspolitik, Wirkungsmacht von Elitengruppen, Umgang mit Minderheiten, Bedeutung von Kultur, Wissenschaft, Bildung und Kirchen, Demokratisierung und Nationsbildung.

Neuere Themenschwerpunkte seit 1990 bilden Konstruktion und Dekonstruktionen von Geschichtsmythen und Erinnerungskultur, sozialhistorische Militärgeschichte, mikrohistorische Rekonstruktionen von Lebenswelten und Geschlechtergeschichte. Internationale Verflechtung und transnationale Austausche in Außenpolitik, Innenpolitik, Kulturpolitik und Bildungspolitik.[144]

Die am häufigsten zitierten Autoren zur preußischen Geschichte sind: Wolfgang Neugebauer, Otto Büsch, Christopher Clark. Alle waren oder sind Mitglieder der Preußischen Historischen Kommission, die als Korporation die zentrale Schnittstelle für Aktivitäten im Bereich Forschungen zur preußischen Geschichte bildet. Das Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz ist Träger der gesammelten Primärquellen zur preußischen Geschichte. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz verwaltet den kulturellen und dinglichen Nachlass der preußischen Monarchie.

Erinnerungskultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

10-Euro-Gedenkmünze der Bundesrepublik Deutschland, Friedrich II., Motivseite

Medial ist das Königreich weiter präsent und Bestandteil kultureller Rezeptionen auf Breitenebene. Zu nennen wäre das Preußenjahr 2001, die 300. Geburtstagsfeierlichkeiten von Friedrich II. Regelmäßig wiederkehrende anlassbezogene Ausgaben von Geo-Sonderheften oder Spiegel-Editionen und Sternpublikationen sind auf eine große Leserschaft ausgerichtet.

Seit der bekannten Preußenausstellung von 1981, Preußen – Versuch einer Bilanz hat sich der Umgang mit dem Thema Preußen insgesamt entspannt.[145]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dazu Clark (2006) in Iron Kingdom: “In due course, even the ancient and venerable name of Brandenburg would be overshadowed by ‘Kingdom of Prussia’, the name increasingly used in the eighteenth century for the totality of the northern Hohenzollern lands” (S. 65) und “The words ‘kingdom of Prussia’ were incorporated into the official denomination of every Hohenzollern province” (S. 77).
  2. Barbara Stollberg-Rilinger: Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation: Vom Ende des Mittelalters bis 1806, C.H.Beck Verlag, 5. Auflage, 2013, in: Kapitel V - Von der Konsolidierung zur Krise der Reichsinstitutionen (1555–1618), S. 66–69
  3. Christopher Clark: Preußen. Aufstieg und Niedergang 1600 – 1947, Pantheon Verlag; Auflage: 1, 2008, S. 100
  4. Christopher Clark: Preußen. Aufstieg und Niedergang 1600 – 1947, Pantheon Verlag; Auflage: 1, 2008, S. 97
  5. Christopher Clark: Preußen. Aufstieg und Niedergang 1600 – 1947, Pantheon Verlag; Auflage: 1, 2008, S. 105
  6. Peter-Michael Hahn: Fürstliche Territorialhoheit und lokale Adelsgewalt: Die herrschaftliche Durchdringung des ländlichen Raums zwischen Elbe und Aller (1300–1700), Veröffentlichungen der Historischen Kommission zu Berlin, Band 72, Walter de Gruyter (Verlag), Berlin - New York 1989, S. 1–10
  7. Preußen 1701 - Eine europäische Geschichte, Band II - Essays, Hrsg. Deutsches Historisches Museum und SPSG, Ausstellungskatalog zur gleichnamigen Ausstellung im Schloss Charlottenburg vom 6. Mai 2001 bis 5. August 2001, Henschel Verlag, S. 34
  8. Ines Elsner: Friedrich III./I. von Brandenburg-Preußen (1688–1713) und die Berliner Residenzlandschaft: Studien zu einem frühneuzeitlichen Hof auf Reisen- Ein Residenzhandbuch, Berliner Wissenschaftsverlag, Berlin 2012, Zusammenfassung als Buchbesprechung in: Zeitschrift für Historische Forschung 42 (2015) 2, S. 358f
  9. Christopher Clark: Preußen. Aufstieg und Niedergang 1600 – 1947, Pantheon Verlag; Auflage: 1, 2008, S. 99
  10. Georg Heinrich von Berenhorst: Aus dem Nachlass, ed. E. v. Bülow I, Dessau 1845, S. 187.
  11. Sven Externbrink: Friedrich der Große, Maria Theresia und das Alte Reich: Deutschlandbild und das alte Reich, Akademie Verlag, Berlin 2006, S. 211
  12. Michael Kotulla: Deutsche Verfassungsgeschichte: Vom Alten Reich bis Weimar (1495 bis 1934), Springer Verlag, Berlin Heidelberg 2008, S. 276
  13. Michael Kotulla: Deutsche Verfassungsgeschichte: Vom Alten Reich bis Weimar (1495 bis 1934), Springer Verlag, Berlin Heidelberg 2008, S. 274
  14. Hugo Rachel: Der Merkantilismus in Brandenburg-Preußen. In: Otto Büsch, Wolfgang Neugebauer (Hrsg.): Moderne Preußische Geschichte, Bd. 2, S. 951 ff.
  15. Hans Rosenberg: The Formation and Transformation of the Bureaucratic Nobility during the 18th Century. In: Otto Büsch, Wolfgang Neugebauer (Hrsg.): Moderne Preußische Geschichte, Bd. 2, S. 649 ff.
  16. Michael Kotulla: Deutsche Verfassungsgeschichte: Vom Alten Reich bis Weimar (1495 bis 1934), Springer Verlag, Berlin Heidelberg 2008, S. 276
  17. Auswirkungen beschreibt Klaus Schwieger: Militär und Bürgertum. Zur gesellschaftlichen Prägkraft des preußischen Militärsystems im 18. Jahrhundert. In: Dirk Blasius (Hrsg.): Preußen in der deutschen Geschichte, Königstein/Ts. 1980, S. 179 ff.
  18. Zu den Gesamtaspekten der Herrschaftszeit Friedrich II. siehe Wilhelm Treue (Hrsg.): Preußens großer König. Freiburg und Würzburg 1986.
  19. Einen Überblick zur friderizianischen Aufklärung gibt Henri Brunschwig: Aufklärung in Preußen. In: Otto Büsch, Wolfgang Neugebauer (Hrsg.): Moderne Preußische Geschichte, Bd. 3, S. 1307 ff.
  20. Hoffmann/Jander: Modernes Preußen im 18. Jahrhundert?, Herrman Schroedel Verlag KG, Hannover 1981, S. 100.
  21. Hermann Conrad: Das Allgemeine Landrecht von 1794 als Grundgesetz des friderizianischen Staates. In: Otto Büsch, Wolfgang Neugebauer (Hrsg.): Moderne Preußische Geschichte, Bd. 2, S. 598 ff.
  22. Georg Hassel: Statistischer Umriss der sämtlichen europäischen Staaten in Hinsicht ihrer Größe, Bevölkerung, Kulturverhältnisse, Handlung, Finanz- und Militärverfassung und ihrer aussereuropäischen Besitzungen, 2 Teile, Vieweg Verlag, Braunschweig 1805, S. 3f
  23. Georg Kotowski: Wilhelm von Humboldt und die deutsche Universität. In: Otto Büsch, Wolfgang Neugebauer (Hrsg.): Moderne Preußische Geschichte, Bd. 3, S. 1346ff.
  24. Gordon A. Craig: Stein, Scharnhorst und die Preußischen Reformen. In: Ders.: Die preußisch-deutsche Armee 1640–1945. Staat im Staate, Düsseldorf 1960, S. 56–72; Jürgen Kloosterhuis/Sönke Neitzel Hgg., Krise, Reformen – und Militär. Preußen vor und nach der Katastrophe von 1806, Duncker & Humblot, Berlin 2009.
  25. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 416–419
  26. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 429f
  27. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 467
  28. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 449
  29. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 451
  30. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 458
  31. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 459
  32. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 460
  33. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 462
  34. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 463
  35. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 465
  36. Zur historischen Perspektive noch in der Kaiserzeit siehe Otto Hintze: Das monarchische Prinzip und die konstitutionelle Verfassung (Erstpublikation 1911), in: Otto Büsch, Wolfgang Neugebauer (Hrsg.): Moderne Preußische Geschichte, Bd. 2, S. 731ff.
  37. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 470
  38. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 466
  39. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 469
  40. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 470
  41. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 471. 474
  42. Richard H. Tilly: Die politische Ökonomie der Finanzpolitik und die Industrialisierung Preußens, 1815–1866. In: Dirk Blasius (Hrsg.): Preußen in der deutschen Geschichte, Königstein/Ts. 1980, S. 203ff.
  43. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 468
  44. William Otto Henderson: Prussia and the Founding of the German Zollverein. In: Otto Büsch, Wolfgang Neugebauer (Hrsg.): Moderne Preußische Geschichte, Bd. 2, S. 1088 ff.
  45. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 472f
  46. Jürgen Müller: Der Deutsche Bund 1815–1866. Oldenbourg, München 2006, ISBN 978-3-486-55028-3, S. 46–47.
  47. Siegfried A. Kaehler: Das preußisch-deutsche Problem seit der Reichsgründung. In: Dirk Blasius (Hrsg.): Preußen in der deutschen Geschichte, Königstein/Ts. 1980, S. 57 ff.
  48. Georg Franz-Willing: Der große Konflikt: Kulturkampf in Preußen. In: Otto Büsch, Wolfgang Neugebauer (Hrsg.): Moderne Preußische Geschichte, Bd. 3, S. 1395 ff.
  49. Hartwin Spenkuch: Preußen – eine besondere Geschichte: Staat, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur 1648-1947, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2019, S. 444
  50. Georg Hassel: Statistischer Umriss der sämtlichen europäischen Staaten in Hinsicht ihrer Größe, Bevölkerung, Kulturverhältnisse, Handlung, Finanz- und Militärverfassung und ihrer aussereuropäischen Besitzungen, 2 Teile, Vieweg Verlag, Braunschweig 1805, S. 10
  51. Georg Hassel: Statistischer Umriss der sämtlichen europäischen Staaten in Hinsicht ihrer Größe, Bevölkerung, Kulturverhältnisse, Handlung, Finanz- und Militärverfassung und ihrer aussereuropäischen Besitzungen, 2 Teile, Vieweg Verlag, Braunschweig 1805, S. 12
  52. Georg Hassel: Statistischer Umriss der sämtlichen europäischen Staaten in Hinsicht ihrer Größe, Bevölkerung, Kulturverhältnisse, Handlung, Finanz- und Militärverfassung und ihrer aussereuropäischen Besitzungen, 2 Teile, Vieweg Verlag, Braunschweig 1805, S. 13
  53. FAO: Getreideproduktion nach Ländern Produktionsstatistik der FAO, aufgerufen am 29. April 2013
  54. Georg Hassel: Statistischer Umriss der sämtlichen europäischen Staaten in Hinsicht ihrer Größe, Bevölkerung, Kulturverhältnisse, Handlung, Finanz- und Militärverfassung und ihrer aussereuropäischen Besitzungen, 2 Teile, Vieweg Verlag, Braunschweig 1805, S. 16
  55. Wilhelm Treue: Wirtschafts- und Technikgeschichte Preußens, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1984, S. 13
  56. Wilhelm Treue: Wirtschafts- und Technikgeschichte Preußens, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1984, S. 40
  57. Wilhelm Treue: Wirtschafts- und Technikgeschichte Preußens, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1984, S. 64
  58. Wilhelm Treue: Wirtschafts- und Technikgeschichte Preußens, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1984, S. 77f
  59. Zur Kinderarbeit in der Frühindustrialisierung siehe auch Jürgen Kuczynski: Geschichte des Alltags des deutschen Volkes. Band 3, Pahl-Rugenstein, Köln 1981, S. 233–272.
  60. Peter Baumgart: Schlesien in der Politik Friedrichs des Großen. In: Wilhelm Treue (Hrsg.): Preußens großer König, S. 161 ff.
  61. Zum Folgenden vgl. Karl Heinrich Kaufhold: Wirtschaft, Gesellschaft und ökonomisches Denken. In: Wilhelm Treue (Hrsg.): Preußens großer König, S. 101 ff.
  62. Gustav von Schmoller (1898): Das preussische Handels- und Zollgesetz vom 26. Mai 1818 im Zusammenhang mit der Geschichte der Zeit, ihrer Kämpfe und Ideen
  63. Heinrich Kaufhold/ Bernd Sösemann: Wirtschaft, Wissenschaft und Bildung in Preußen – Zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte in Preußen vom 18. bis zum 20. Jahrhundert. In: VSWG Beihefte. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 1998, ISBN 3-515-07424-4, S. 97–107.
  64. Acta Borussica – Protokolle des preußischen Staatsministeriums (PDF-Datei)
  65. Hartwin Spenkuch: Preußen – eine besondere Geschichte: Staat, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur 1648-1947, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2019, S. 445
  66. Caroline Emmelius: Offen und Verborgen: Vorstellungen und Praktiken des Öffentlichen und Privaten in Mittelalter und Früher Neuzeit, Wallstein Verlag, Göttingen 2004, S. 12
  67. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 295
  68. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 296f
  69. Wilhelm Treue: Wirtschafts- und Technikgeschichte Preußens, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1984, S. 40
  70. Hartwin Spenkuch: Preußen – eine besondere Geschichte: Staat, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur 1648-1947, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2019, S. 109
  71. Hartwin Spenkuch: Preußen – eine besondere Geschichte: Staat, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur 1648-1947, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2019, S. 110
  72. Otto Büsch: Das 19. Jahrhundert und Große Themen der Geschichte Preußens, Handbuch der Preußischen Geschichte Band 2, Walter de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1992, S. 192
  73. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 439
  74. Otto Büsch: Das 19. Jahrhundert und Große Themen der Geschichte Preußens, Handbuch der Preußischen Geschichte Band 2, Walter de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1992, S. 180
  75. Otto Büsch: Das 19. Jahrhundert und Große Themen der Geschichte Preußens, Handbuch der Preußischen Geschichte Band 2, Walter de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1992, S. 181
  76. Otto Büsch: Das 19. Jahrhundert und Große Themen der Geschichte Preußens, Handbuch der Preußischen Geschichte Band 2, Walter de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1992, S. 182
  77. Otto Büsch: Das 19. Jahrhundert und Große Themen der Geschichte Preußens, Handbuch der Preußischen Geschichte Band 2, Walter de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1992, S. 179
  78. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 447
  79. Masashi Urabe: Funktion und Geschichte des deutschen Schulzeugnisses, Verlag Julius Klinkhardt, Bad Heilbrunn 2009, S. 43
  80. Georg Hassel: Statistischer Umriss der sämtlichen europäischen Staaten in Hinsicht ihrer Größe, Bevölkerung, Kulturverhältnisse, Handlung, Finanz- und Militärverfassung und ihrer aussereuropäischen Besitzungen, 2 Teile, Vieweg Verlag, Braunschweig 1805, S. 29–52
  81. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 385f
  82. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 387
  83. Hartwin Spenkuch: Preußen – eine besondere Geschichte: Staat, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur 1648-1947, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2019, S. 251
  84. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 468f
  85. (Hrsg.) Frank Göse, Winfried Müller, Kurt Winkler, Anne-Katrin Ziesak: Preußen und Sachsen – Szenen einer Nachbarschaft, Sandstein Verlag, 2014, S. 148f
  86. Hartwin Spenkuch: Preußen – eine besondere Geschichte: Staat, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur 1648-1947, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2019, S. 251f
  87. Hartwin Spenkuch: Preußen – eine besondere Geschichte: Staat, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur 1648-1947, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2019, S. 253
  88. (Hrsg.) Frank Göse, Winfried Müller, Kurt Winkler, Anne-Katrin Ziesak: Preußen und Sachsen – Szenen einer Nachbarschaft, Sandstein Verlag, 2014, S. 340
  89. Christopher Clark: Preußen. Aufstieg und Niedergang 1600 – 1947, Pantheon Verlag; Auflage: 1, 2008, S. 286f
  90. Autor: Michael Senf: Schloss Sanssouci, (Hrsg.) SPSG, Deutscher Kunstverlag, Berlin-München 2009, S. 10
  91. Wilhelm Treue: Wirtschafts- und Technikgeschichte Preußens, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1984, S. 38
  92. Helmut Weihsmann: Bauen unterm Hakenkreuz: Architektur des Untergangs, Promedia, 1998, S. 36
  93. Barbara Stiewe: Der „Dritte Humanismus“: Aspekte deutscher Griechenrezeption vom George-Kreis bis zum Nationalsozialismus, De Gruyter Verlag, Berlin-New-York 2011, S. 239
  94. Ortstermine – Stationen Brandenburg-Preußens auf dem Weg in die moderne Welt. In: Museumsverband des Landes Brandenburg (Hrsg.): Ausstellungskatalogs des Projektes „Kulturland Brandenburg 2001“. Verlag Henschel, 2001, S.XXIII
  95. Hans Bentzien: Unterm Roten und Schwarzen Adler – Geschichte Brandenburg-Preußens für jedermann, Verlag Volk&Welt, Berlin 1992, S. 286
  96. Hartwin Spenkuch: Preußen – eine besondere Geschichte: Staat, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur 1648-1947, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2019, S. 186
  97. Allgemeine Einführung in das Thema: Hartwin Spenkuch: Preußen – eine besondere Geschichte: Staat, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur 1648-1947, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2019, S. 444–449
  98. Hartwin Spenkuch: Preußen – eine besondere Geschichte: Staat, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur 1648-1947, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2019, S. 185
  99. Jürgen Frölich, Esther-Beate Körber, Michael Rohrschneider: Preußen und Preußentum vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart, Berlin-Verlag Spitz, 2002, S. 101
  100. Hartwin Spenkuch: Preußen – eine besondere Geschichte: Staat, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur 1648-1947, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2019, S. 446
  101. https://www.digizeitschriften.de/dms/toc/?PID=PPN78153061X
  102. Otto Büsch: Handbuch der preussischen Geschichte, Band 2, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1992, S. 603 bis 619
  103. Christopher Clark: Preußen. Aufstieg und Niedergang 1600 – 1947, Pantheon Verlag; Auflage: 1, 2008, S. 330
  104. Otto Büsch: Handbuch der preussischen Geschichte, Band 2, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1992, S. 303
  105. Otto Büsch: Handbuch der preussischen Geschichte, Band 2, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1992, S. 304
  106. Hassel, Georg: Statistischer Umriss der sämtlichen europäischen Staaten in Hinsicht ihrer Größe, Bevölkerung, Kulturverhältnisse, Handlung, Finanz- und Militärverfassung und ihrer aussereuropäischen Besitzungen, 2 Teile, Braunschweig: Vieweg 1805, S. 26
  107. Wilhelm Treue: Wirtschafts- und Technikgeschichte Preußens, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1984, S. 25
  108. Wilhelm Treue: Wirtschafts- und Technikgeschichte Preußens, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1984, S. 49
  109. Herbert Obenaus: Anfänge des Parlamentarismus in Preussen bis 1848, Droste Verlag, 1984, S. 257
  110. David Justus Ludwig Hansemann: Preussen und Frankreich: staatswirthschaftlich und politisch, unter vorzüglicher Berücksichtigung der Rheinprovinz, Brüggemanns Verlagsexpedition, Leipzig 1833, S. 241
  111. Herbert Obenaus: Anfänge des Parlamentarismus in Preussen bis 1848, Droste Verlag, 1984, S. 257
  112. Wilhelm Treue: Wirtschafts- und Technikgeschichte Preußens, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1984, S. 162
  113. Wilhelm Treue: Wirtschafts- und Technikgeschichte Preußens, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1984, S. 6
  114. Wilhelm Treue: Wirtschafts- und Technikgeschichte Preußens, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1984, S. 12
  115. Wilhelm Treue: Wirtschafts- und Technikgeschichte Preußens, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1984, S. 29
  116. Wilhelm Treue: Wirtschafts- und Technikgeschichte Preußens, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1984, S. 30
  117. Wilhelm Treue: Wirtschafts- und Technikgeschichte Preußens, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1984, S. 49
  118. Wilhelm Treue: Wirtschafts- und Technikgeschichte Preußens, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1984, S. 160
  119. Wolfgang Knöbl: Polizei und Herrschaft im Modernisierungsprozess: Staatsbildung und innere Sicherheit in Preußen, England und Amerika 1700-1914, Campus Verlag, Frankfurt am Main-New York 1998, S. 78
  120. Wolfgang Knöbl: Polizei und Herrschaft im Modernisierungsprozess: Staatsbildung und innere Sicherheit in Preußen, England und Amerika 1700-1914, Campus Verlag, Frankfurt am Main-New York 1998, S. 79
  121. Wolfgang Knöbl: Polizei und Herrschaft im Modernisierungsprozess: Staatsbildung und innere Sicherheit in Preußen, England und Amerika 1700-1914, Campus Verlag, Frankfurt am Main-New York 1998, S. 80
  122. Wilhelm Treue: Wirtschafts- und Technikgeschichte Preußens, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1984, S. 154f
  123. Willi Albers, Anton Zottmann: Handworterbuch Der Wirtschaftswissenschaft (Hdww), Band 3, Gustav Fischer Verlag, Stuttgart 1981, S. 368f
  124. Eckart Schremmer (Hrsg.): Wirtschaftliche und soziale Integration in historischer Sicht: Arbeitstagung, Franz Steiner Verlag, Stuttgart 1996, S. 131
  125. Rolf Straubel: Biographisches Handbuch der preußischen Verwaltungs- und Justizbeamten 1740-1806/15, Teil 1 - Biographien A-L, K.G. Saur Verlag, München 2009, Seite XVIII
  126. Rolf Straubel: Biographisches Handbuch der preußischen Verwaltungs- und Justizbeamten 1740-1806/15, Teil 1 - Biographien A-L, K.G. Saur Verlag, München 2009, Seite XIX
  127. Otto Büsch: Handbuch der preussischen Geschichte, Band 2, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1992, S. 629f
  128. (Hrsg.) Frank Göse, Winfried Müller, Kurt Winkler, Anne-Katrin Ziesak: Preußen und Sachsen – Szenen einer Nachbarschaft, Sandstein Verlag, 2014, S. 50
  129. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 287
  130. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 288
  131. Klaus Schwabe: Das diplomatische Korps: 1871–1945, Deutsche Führungsschichten in der Frühen Neuzeit, Band 16, Harald Bold Verlag, Boppard am Rhein 1985, S. 41f
  132. Georg Hassel: Statistischer Umriss der sämtlichen europäischen Staaten in Hinsicht ihrer Größe, Bevölkerung, Kulturverhältnisse, Handlung, Finanz- und Militärverfassung und ihrer aussereuropäischen Besitzungen, 2 Teile, Vieweg Verlag, Braunschweig 1805, S.29-52
  133. Siehe auch Kurt Hinze: Die Bevölkerung Preußens im 17. und 18. Jahrhundert (…). In: Otto Büsch, Wolfgang Neugebauer (Hrsg.): Moderne Preußische Geschichte, Bd. I, S. 282–315, und Wolfgang Köllmann: Demographische „Konsequenzen“ der Industrialisierung in Preußen, ebda, S. 447–465.
  134. Georg Hassel: Statistischer Umriss der sämtlichen europäischen Staaten in Hinsicht ihrer Größe, Bevölkerung, Kulturverhältnisse, Handlung, Finanz- und Militärverfassung und ihrer aussereuropäischen Besitzungen, 2 Teile, Vieweg Verlag, Braunschweig 1805, S. 29–52
  135. Stanisław Salmonowicz: Preussen: Geschichte von Staat und Gesellschaft, Stiftung Martin-Opitz-Bibliothek, 1995, S. 50
  136. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 449
  137. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 451
  138. Georg Hassel: Statistischer Umriss der sämtlichen europäischen Staaten in Hinsicht ihrer Größe, Bevölkerung, Kulturverhältnisse, Handlung, Finanz- und Militärverfassung und ihrer aussereuropäischen Besitzungen, 2 Teile, Vieweg Verlag, Braunschweig 1805, S. 9
  139. Georg Hassel: Statistischer Umriss der sämtlichen europäischen Staaten in Hinsicht ihrer Größe, Bevölkerung, Kulturverhältnisse, Handlung, Finanz- und Militärverfassung und ihrer aussereuropäischen Besitzungen, 2 Teile, Vieweg Verlag, Braunschweig 1805, S. 9
  140. Hassel, Georg: Statistischer Umriss der sämtlichen europäischen Staaten in Hinsicht ihrer Größe, Bevölkerung, Kulturverhältnisse, Handlung, Finanz- und Militärverfassung und ihrer aussereuropäischen Besitzungen, 2 Teile, Braunschweig: Vieweg 1805, S. 28–52
  141. Michel Hubert: Deutschland im Wandel: Geschichte der deutschen Bevölkerung seit 1815, Franz Steiner Verlag, Stuttgart 1998, S. 63
  142. Hubert Kiesewetter: Industrielle Revolution in Deutschland: Regionen als Wachstumsmotoren, S. 135
  143. Hubert Kiesewetter: Industrielle Revolution in Deutschland: Regionen als Wachstumsmotoren, S. 135
  144. Hartwin Spenkuch: Preußen – eine besondere Geschichte: Staat, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur 1648-1947, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2019, S. 7
  145. Hartwin Spenkuch: Preußen – eine besondere Geschichte: Staat, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur 1648-1947, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2019, S. 7f