Carlos Ward

Carlos Nathaniel Ward (* 1. Mai 1940 in Ancón, Panama; † 16. Januar 2026[1]) war ein US-amerikanischer Jazzmusiker (Altsaxophon, Flöte, Komposition) panamaischer Herkunft.
Leben und Wirken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ward, der in Seattle aufwuchs, begann als Dreizehnjähriger auf der Klarinette und engagierte sich schon bald in der Schulband. Bei John Jessen nahm er Klarinetten- und Saxophonunterricht; nach seiner Einberufung zum Militär besuchte er die Navy School of Music, um dann in Militärbands in Deutschland zu spielen. In dieser Zeit traf er in Jamsessions auf Albert Mangelsdorff und Karl Berger. In Frankfurt am Main hatte er die Möglichkeit, Eric Dolphy in einem seiner letzten Konzerte zu hören. Nach dem Wehrdienst lernte er 1965 in Seattle John Coltrane kennen und konnte an jedem Abend des Gastspiels einsteigen; Mitschnitte erschienen 2021 auf A Love Supreme: Live in Seattle. Im gleichen Jahr noch zog er nach New York City, um sich der Gruppe von Coltrane anzuschließen. Dort spielte er auch mit Sunny Murray, Don Cherry, Berger, David Izenzon, Rashied Ali und Paul Motian. Er schloss sich dem Jazz Composer’s Orchestra an, wo er Carla Bley kennenlernte, in deren Gruppe er daraufhin ebenfalls spielte.
1972 schloss Ward sich der Funkband B. T. Express an, mit der er einige Hits einspielte. 1973 begann seine Zusammenarbeit mit Abdullah Ibrahim, in dessen Gruppe er bis 1986 als wichtiger Solist blieb, zu hören auf Alben wie African Space Program (1974), Dollar Brand at Montreux (1980), Duke’s Memories (1981), Live at Sweet Basil, Vol. 1 (1092), Ekaya (1983), Zimbabwe (1983), Water from an Ancient Well (1985) und South Africa (1986). Später wurde Ward Mitglied von verschiedenen Gruppen Don Cherrys, etwa NU (gemeinsam mit Mark Helias, Ed Blackwell und Naná Vasconcelos). 1986 ersetzte er Jimmy Lyons in der Gruppe von Cecil Taylor, bevor er 1987 sein eigenes Quartett mit Charles Sullivan, Alex Blake und Ronnie Burrage gründete, nahm aber auch mit Woody Shaw auf dem North Sea Jazz Festival auf (Lito). In den 1990er-Jahren spielte er sowohl mit Cherry als auch mit Don Pullens African-Brazilian Connection.
Als Saxophonist zeichnete sich Ward durch einen rauen, bluesigen Ton und eine große Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Kontexte aus.
Würdigung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In einem Interview aus dem Jahr 2021 äußerte sich Ibrahim großzügig, als er nach Wards Fähigkeiten gefragt wurde: „Carlos [Ward] kommt aus der Welt der Tanzbands. Er ist Teil dieser Brooklyn-Szene, deren Wurzeln in der Dominikanischen Republik und in Panama liegen. In Brooklyn gibt es eine sehr lebendige Tanzszene, in der man auch Songs spielt. Und so ging Carlos alles wie einen Song an, aber in den 1970er- und 1980er-Jahren haben wir unsere technischen Fähigkeiten ausgebaut. Der Free Jazz hat uns dazu gebracht, unsere Herangehensweise an die Grenzen unseres Spiels zu überdenken, und Carlos stand auch an der Spitze dieser Bewegung‘.“[1]
Diskographische Hinweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Dollar Brand / Don Cherry / Carlos Ward: The Third World-Underground (Trio Records, 1974)
- Abdullah Ibrahim with Carlos Ward: Live at Sweet Basil Vol. 1 (Ekapa, 1983)
- Carlos Ward Quartet featuring Woody Shaw: Lito (Leo Records, 1989), mit Walter Schmocker, Alex Deutsch
- Faces (1994), mit Kirk Lightsey, Alex Blake, Pheeroan AkLaff
- Live at the Bug & Other Sweets (1995), mit William Parker, Pheeroan Aklaff
- Set For 2 Don’s Vol. 1 (1999), mit Andy Milne, Essiet Essiet, Mark Prince
- Don Cherry, Carlos Ward, Dollar Brand: Universal Silence (2019)
Lexigraphische Einträge
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Ian Carr, Digby Fairweather, Brian Priestley: Rough Guide Jazz. Der ultimative Führer zur Jazzmusik. 1700 Künstler und Bands von den Anfängen bis heute. Metzler, Stuttgart/Weimar 1999, ISBN 3-476-01584-X.
- Leonard Feather, Ira Gitler: The Biographical Encyclopedia of Jazz. Oxford University Press, New York NY u. a. 2007, ISBN 978-0-19-532000-8.
- Martin Kunzler: Jazz-Lexikon. Band 2: M–Z (= rororo-Sachbuch. Bd. 16513). 2. Auflage. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2004, ISBN 3-499-16513-9.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 Sean Jacobs: Nachruf. In: Eleven Named People. 5. Juni 2026, abgerufen am 1. Juli 2026 (englisch).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Ward, Carlos |
| ALTERNATIVNAMEN | Ward, Carlos Nathaniel (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanischer Jazzmusiker (Altsaxophon, Flöte, Komposition) |
| GEBURTSDATUM | 1. Mai 1940 |
| GEBURTSORT | Ancón (Panama), Panama |
| STERBEDATUM | 16. Januar 2026 |