Chaos-Studie

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Die CHAOS-Studie (eigentlich CHAOS report) der Standish Group (in der ersten Version von 1994, später immer wieder aktualisiert) beschäftigt sich mit den Erfolgs- und Misserfolgsfaktoren in IT-Projekten. Sie gehört zu den bekanntesten und wichtigsten Langzeitstudien im Bereich Projektmanagement, seit 1994 wurden über 40.000 Einzelprojekte wissenschaftlich untersucht.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chaos Studie
Jahr Typen Prozent
1994 Typ 1
  
16 %
Typ 2
  
53 %
Typ 3
  
31 %
1996 Typ 1
  
27 %
Typ 2
  
33 %
Typ 3
  
40 %
1998 Typ 1
  
26 %
Typ 2
  
46 %
Typ 3
  
28 %
2000 Typ 1
  
28 %
Typ 2
  
49 %
Typ 3
  
23 %
2002 Typ 1
  
34 %
Typ 2
  
51 %
Typ 3
  
15 %
2004 Typ 1
  
29 %
Typ 2
  
53 %
Typ 3
  
18 %
2006 Typ 1
  
35 %
Typ 2
  
46 %
Typ 3
  
19 %
2009 Typ 1
  
32 %
Typ 2
  
44 %
Typ 3
  
24 %
2010 Typ 1
  
31 %
Typ 2
  
47 %
Typ 3
  
22 %
2011 Typ 1
  
34 %
Typ 2
  
51 %
Typ 3
  
15 %
2012 Typ 1
  
39 %
Typ 2
  
43 %
Typ 3
  
18 %
Ergebnisse der Chaos-Studie seit 1994.

In der Studie wurden Projekte in möglichst vielen Unternehmen mit einem Management-Informationssystem untersucht. Die untersuchten Projekte wurden in drei Gruppen aufgeteilt:

  • Typ 1 - Projekt erfolgreich abgeschlossen: Das Projekt wurde rechtzeitig, ohne Kostenüberschreitung und mit dem ursprünglich geforderten Funktionsumfang abgeschlossen.
  • Typ 2 - Projekt teilweise erfolgreich: Das Projekt wurde abgeschlossen, es kam jedoch zu Kosten- und/oder Zeitüberschreitungen oder es wurde nicht der vollständige geplante Funktionsumfang erreicht.
  • Typ 3 - Projekt nicht erfolgreich: Das Projekt wurde abgebrochen.

Für diese drei Typen ergab sich beispielsweise 1994 eine Verteilung von

  • Typ 1: 16,2 %
  • Typ 2: 52,7 %
  • Typ 3: 31,1 %

Die Studie untersucht Ursachen für Erfolg und Misserfolg und stellt eine Korrelation von Erfolgswahrscheinlichkeit und Projektgröße fest.

Die festgestellten Haupterfolgsfaktoren sind:

  1. Einbindung der Endbenutzer
  2. Unterstützung durch das obere Management
  3. Klare Anforderungen

Die Hauptpunkte, die zum Scheitern der Projekte führen sind:

  1. fehlende Zuarbeit durch Benutzer
  2. unvollständige/unklare Anforderungen
  3. häufige Anforderungsänderungen

Bewertung und Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Studie bestätigt das Paradigma der modernen Projektmanagementsysteme, dass alle Stakeholder in das Projekt eingebunden werden sollten. Die Untersuchungsmethodik hat jedoch starke wissenschaftliche Kritik hervorgerufen, da die Ergebnisse mit belastbaren Methoden nicht replizierbar sind.[1][2][3] Studien zeigen aber, dass der wichtigste negative Einfluss nicht von durchschnittlichen Projekten sondern von Ausreißern ausgeht.[4]

Es gibt auf der einen Seite Kritik an der Studie, welche die hohe Zahlen für die Projektabbruchsrate und die durchschnittliche Kostenüberschreitung anzweifelt.[5] Auf der anderen Seite werden viele nach ursprünglicher Definition gescheiterte Projekte nachträglich "schön gelogen", so dass viele Projektmanager aus ihrer Erfahrung heraus die Zahlen durchaus für korrekt halten.

Mediale Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die mediale Rezeption im Projektumfeld wird durch die Vielzahl von Zitierungen dieser Untersuchung belegt.[6][7][8]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sauer, C., Gemino, A. & Reich, B.H., 2007. The impact of size and volatility on IT project performance. Communications of the ACM, 50(11), S.79–84.
  2. Glass, R.L., 2006. The Standish Report: Does It Really Describe a Software Crisis? Communications of the ACM, 49(8), S.15–16.
  3. Eveleens, J. & Verhoef, C., 2010. The rise and fall of the Chaos report figures. IEEE Software, 27(1), S. 30–36.
  4. Bent Flyvbjerg, Alexander Budzier: Why Your IT Project Might Be Riskier Than You Think. In: Harvard Business Review. 89, Nr. 9, September 2011, S. 23-25..
  5. Das Märchen von den gescheiterten IT-Projekten (PDF; 232 kB).
  6. IHK Nordrhein-Westfalen 9. Managementforum
  7. Risikomanagement in IT - Projekten von Markus Gaulke Seite 46.
  8. SISE-Zürich/ETH Erfolgsfaktor Zertifizierung.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]