Dietfurter Chinesenfasching

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Der Dietfurter Chinesenfasching ist ein überregional bekanntes Faschingstreiben in Dietfurt an der Altmühl in Bayern.

Chinesenfasching

Ablauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Immer am Unsinnigen Donnerstag verwandelt sich die Stadt in die Provinz „Bayrisch-China“. Ein Kaiser wird gekrönt, seit 2016 Kaiser FU-GAO-DI, der dann bis zum Faschingsdienstag die Herrschaft über die Stadt übernimmt. Die Bürgermeisterin des Ortes wird dann zur kaiserlichen Großmandarine "degradiert".

Bereits in der Früh um 2 Uhr zieht der Weckruf (eine Gruppe von als Clowns verkleideten Musikanten) laut lärmend durch die Stadt, um die Bayrischen Chinesen aufzuwecken und verkünden so den Start des Dietfurter „Nationalfeiertages“. Um „13:61 Uhr“ beginnt dann ein großer Faschingsumzug, der aus circa 50 Gruppen (Wagen, Fußgruppen, Musikkapellen) gebildet wird. Dabei geben sich fast alle Gruppen in irgendeiner Form als Mitglieder des chinesischen Hofstaates aus, so sind zum Beispiel die Kaiserliche Sterndeuterei, das Kaiserlich-Chinesische Dampfbad oder auch die Bayerisch-Chinesische Fußballnationalmannschaft vertreten. Höhepunkt des Umzuges ist in jedem Jahr der große Drachenwagen, der die Sänfte des Kaisers trägt. Währenddessen huldigen Bevölkerung und Zuschauer dem Kaiser mit dem Ruf Kille-Wau.

Der Umzug endet auf dem Rathausplatz, der zu Fasching Platz des himmlischen Friedens heißt. Dort beginnt dann die sogenannte Podiumsgaudi mit der Proklamation des Kaisers. Zum Teil musikalisch umrahmt, findet hier ein buntes Bühnenprogramm statt, anschließend singen Kaiser, Hofstaat und Bevölkerung gemeinsam die Dietfurter Faschingshymne. Danach wird das Faschingstreiben in den örtlichen Gaststätten und Diskotheken fortgesetzt.

Auch Solothurn in der Schweiz erhält bei der Fasnacht einen anderen Namen: Hier ist von Honolulu die Rede.

Themen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Chinesenfasching steht jedes Jahr unter einem bestimmten Thema, an dem sich der Umzug und auch die Podiumsgaudi orientieren. 2006 war der Kaiser unter dem Motto Tsching Tschang Tschei - Unser Kaiser sucht a Wei’ (auf standarddeutsch: Unser Kaiser sucht eine Frau) auf Brautschau, das Jahr 2007 stand ganz im Zeichen des Sportes: Bayerisch-China sportverrückt - selbst der Kaiser ist entzückt. Das Motto 2008 lautet Bayerisch China, so schön wie nie – für unsern Kaiser Ko-Houang-Di.

Ursprung und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1954 wird der Chinesenfasching in Dietfurt gefeiert und führt auf die für die Dietfurter teilweise im Volksmund gebräuchliche Bezeichnung "Chinesen" zurück. Deren Ursprung ist unbekannt: Eine Legende besagt, dass die Dietfurter sich im späten Mittelalter hinter ihren Stadtmauern verschanzt hätten, als der bischöfliche Steuereintreiber aus Eichstätt kam. Dieser berichtete umgehend beim Bischof von Eichstätt, dass die Dietfurter sich hinter ihrer großen Mauer versteckten und es daher wie die Chinesen täten. In einem Kalenderblatt des Jahres 1860 werden die Dietfurter ebenfalls als Chinesen bezeichnet, in einem wissenschaftlichen Artikel im Eichstätter Pastoralblatt wird das Gebiet um Dietfurt 1869 als Chinesenviertel angegeben.

Kaiser FU-GAO-DI ist mittlerweile der zehnte Kaiser in Dietfurt, vor ihm „regierten“ die Kaiser Wang-Ton, Sim-Ca-Gie, Ma-Ya-Muck, Ka-We-Son, Gu-Ze-Rull, Ma-Ya-Ki, Ma-Ler-Gie, Boo-Dah-Washy und Ko-Houang-Di. Kaiser Ka-We-Son regierte dabei sogar zusammen mit einer Kaiserin, Ria-Ria-Lin-Cia. Die Namen der Kaiser ergeben sich zumeist aus einer Anspielung auf ihr echtes Leben, vor allem auf den Namen oder den Beruf. Kaiser Ma-Ya-Muck hieß zum Beispiel mit Nachnamen Maier, Kaiser Ma-Ler-Gie war von Beruf Maler.

Der wohl bekannteste Kaiser Dietfurts war Kaiser Boo-Dah-Washy, der im echten Leben Hans Geyer hieß und ein ortsansässiger Friseur war. Aus der bayerischen Bezeichnung Boda für Friseur und der damit verbundenen Tätigkeit des (Haare-)Waschens ergab sich sein Name. Er war 25 Jahre lang, von 1975 bis zu seinem Tod 1999, der Anführer des Dietfurter Faschings. Nach seinem Tod gab es erstmals am Chinesenfasching 2000 nicht automatisch einen neuen Kaiser, stattdessen erfolgte der Umzug noch ohne Kaiser. Erst während der anschließenden Podiumsgaudi schlüpfte sein Nachfolger Ko-Houang-Di aus einem goldenen Ei.

Überregionale Bekanntheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Dietfurter Chinesenfasching ist einzigartig in Deutschland und eines der bekanntesten Faschingsereignisse in Bayern. Bis zu 20.000 Besucher kommen jährlich nach Dietfurt, um das Spektakel zu verfolgen. Mehrmals statteten auch Vertreter der chinesischen Regierung Dietfurt einen Besuch ab; im Jahr 2007 war zum Beispiel der chinesische Generalkonsul aus München zu Gast.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]