Chris Boos

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Hans-Christian Boos (* 1972 in Konstanz[1]), bekannt als Chris Boos, ist ein IT-Unternehmer, Investor und Mitglied im Digitalrat der Bundesregierung[2].

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Abitur studierte Boos Informatik in Zürich und Darmstadt, besuchte aber auch Vorlesungen aus dem Bereich der englischen Literatur.[3] Im Jahr 1994 brach er sein Studium ab und begann als Mitarbeiter in der Risikomodellierung und Kapitalmarktanalyse im Dresdner-Bank-Konzern.

1995 gründete er mit seinem Onkel, einem pensionierten Bankier, das IT-Unternehmen arago GmbH.

Aufgrund einer Augenkrankheit ist Boos stark sehbehindert. Um trotzdem lesen zu können, trägt er stets eine Lupe bei sich.[3]

Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die arago GmbH spezialisierte sich zunächst auf Management und IT-Beratung,[4] nennt als Unternehmensziel aber die Erforschung und Kommerzialisierung allgemeiner künstlicher Intelligenz (KI). Seit 2014 war der Finanzinvestor KKR mit 50 Millionen Euro am Unternehmen beteiligt, gab die Anteile aber im Jahr 2020 wieder an Boos zurück.[5] Das Unternehmen beschäftigte 2018 angeblich 200 Mitarbeiter[3], andere Angaben von 2020 hingegen sprechen von lediglich 94.[6]

Hauptprodukt ist ein KI-basiertes Assistenzsystem namens HIRO, das Regelaufgaben in Unternehmen mit Skripten übernehmen soll, die das System aus dem Verhalten menschlicher Experten abgeleitet hat. Als Demonstration trainierte die Firma 2016 ihr System mit Erfolg darauf, menschliche Spieler im Simulationsspiel Freeciv zu schlagen.[7]

Im April 2020 bestätigte das Bundesamt für Justiz der Zeitschrift Stern, dass man wegen nicht veröffentlichter Geschäftszahlen „von Amts wegen“ förmliche Ordnungsgeldverfahren gegen Arago eingeleitet habe.[8]

Boos ist Vorstandsmitglied und Investor in verschiedenen Unternehmen und Start-ups.[1] Im Jahr 2019 war er Teilnehmer an der Bilderberg-Konferenz[9] und Vorsitzender der Jury des Deutschen KI-Preises des Wirtschaftsmagazins Bilanz der Axel Springer SE.[10]

2020 arbeitete Boos als Mitinitiator des Projekts an PEPP-PT („Pan-European Privacy-Preserving Proximity Tracing“), das einen Standard für eine mögliche COVID-19-App entwickeln sollte, mit der Bürger überprüfen können sollten, ob sie mit an COVID-19 Infizierten in Kontakt gekommen sind. Er ist ein Verfechter der zentralisierten Lösung,[11] die aber schließlich verworfen wurde.[12]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b "Chris Boos". Bundesregierung, abgerufen am 9. Oktober 2019 (Porträt).
  2. Die Gesichter des Digitalrates. Bundesregierung, abgerufen am 9. Oktober 2019.
  3. a b c Britta Weddeling: Köpfe der Künstlichen Intelligenz: Chris Boos. Handelsblatt, 5. September 2018, abgerufen am 9. Oktober 2019.
  4. Chris Boos. arago GmbH, abgerufen am 9. Oktober 2019.
  5. Hans-Martin Tillack: Immer auf Sendung. In: Stern Nr. 24/2020, 4. Juni 2020.
  6. arago GmbH bei Apollo.io. Abgerufen am 9. August 2020 (englisch).
  7. Arago’s Hans-Christian Boos Talks While Their AI Plays Freeciv at Disrupt London 2016. TechCrunch, 6. Dezember 2016, abgerufen am 9. Oktober 2019.
  8. Zu wenig Transparenz: Verfahren gegen Firma des Corona-App-Gurus Boos eingeleitet. In: stern.de, 27. April 2020.
  9. Teilnehmer Bilderberg 2019. In: npr.news. 29. Mai 2019, abgerufen am 25. April 2020.
  10. Die Jury des Deutschen KI-Preises. In: welt.de. 2. August 2019, abgerufen am 21. März 2020.
  11. Streit beim Corona-App-Projekt. In: golem.de, 16. April 2020.
  12. Chris Boos ist der visionäre Vordenker der Corona-App. In: tagesspiegel.de, 20. Juni 2020.