Collier (Schiffstyp)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Collier USS Merrimac (1894)

Collier ist ein englischer Überbegriff für Schiffe, die zum Transport von Steinkohle in der Küstenfahrt bestimmt waren. In der Marinegeschichte wurden zum Teil auch kohlebefeuerte Schiffe so bezeichnet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon seit dem 13. Jahrhundert wurde Steinkohle aus nordenglischen Kohlegruben nach London transportiert, wo sie zur Unterscheidung zur Holzkohle Seekohle (Sea-coal) genannt wurde. Schon für das Jahr 1226 lässt sich eine Sea Coal Lane dort nachweisen. Für diesen Verkehr entwickelte sich ein einfacher Küstenseglertyp, der sich analog zur allgemeinen Entwicklung des Schiffbaus mitveränderte. Während um 1370 etwa 100 Schiffe Mengen von je etwa 50 Tonnen an der englischen Küste und in mehrere europäische Häfen transportierten, konnten auf den etwa 300 Schiffen, die im 15. Jahrhundert in diesem Verkehr beschäftigt waren, schon circa je 250 Tonnen Kohle befördert werden. Ein weiterer entscheidender Entwicklungsschritt war die Collier Brigg, die über lange Zeit in diesem Handel den dominierenden Schiffstyp darstellte.

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgte die Umstellung auf Dampfschiffe, welche Wasserballast nehmen konnten und den Verkehr sehr beschleunigten. Die weitere Entwicklung des Colliers mündete schließlich in Schiffstypen wie zum Beispiel Trunkdecker, Turmdecker und spätere Massengutfrachter.

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Collier, der zu großer Bekanntheit gelangte, war der 1784 gebaute Kohletransporter Bethia der Royal Navy, der unter dem Namen Bounty unter dem Kommando des Leutnants William Bligh 1787 den britischen Hafen Portsmouth zu einer Reise in die Südsee verließ, um Stecklinge des Brotfruchtbaums von Tahiti zu den Antillen zu bringen. Durch die von Fletcher Christian geführte Meuterei erlangte das Schiff eine weltweite Berühmtheit. Unter anderem ist über den Vorfall 1879 unter dem Namen Les Révoltés de la Bounty eine Kurzgeschichte des französischen Autors Jules Verne erschienen.

Auch als Forschungsschiffe wurden Colliers verwendet. Beispielsweise benutzte James Cook für seine Südseeexpeditionen die als Colliers gebauten Schiffe Endeavour, Resolution und Adventure.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael J. Freeman, Derek H. Aldcroft: Transport in Victorian Britain. Manchester University Press, Manchester 1991, ISBN 0-719-02333-5 (englisch).
  • Alfred Dudszus u.a.: Das große Buch der Schiffstypen, Schiffe, Boote, Flösse unter Riemen und Segel, Dampfschiffe, Motorschiffe, Meerestechnik. Weltbild, Augsburg / Pietsch, Stuttgart (Lizenz vom Transpress Verlag, Berlin 1983) 1995, ISBN 3-89350-831-7 (Weltbild) / ISBN 3-613-50313-1 (Pietsch).[1]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Referenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alfred Dudszus (1928-2008), Professor für Entwerfen und Konstruktion von Schiffen an der Technischen Fakultät der Universität Rostock (1973-1992): Zur Theorie und Praxis der Schiffstypenentwicklung, Rostock 1984, DNB 850028299 (Habilitationsschrift (Dissertation B) Universität Rostock 1984, 129 Seiten); Zur Entwicklung kybernetischer Entwurfs- und Projektierungsmethoden im System der sozialistischen Wissenschafts- und Wirtschaftsorganisation, Rostock 1970, OCLC 916915061 (Dissertation Universität Rostock 1970, 487 Seiten).