Colossos

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Colossos
Standort Heide Park Resort
(Soltau, Niedersachsen, Deutschland)
Typ Holz – sitzend
Modell Wooden Coaster
Antriebsart Kettenlift
Hersteller Intamin, Ingenieur-Holzbau Cordes
Designer Ingenieurbüro Stengel GmbH
Kosten 21 Mio. €
Eröffnung 21. April 2001/Wiedereröffnung 19. April 2019
Länge 1344 m
Höhe 50 m
Abfahrt 49,5 m
Ausmaße 350 × 200 m²
max. Gefälle 61°
max. Geschwindigkeit 110 km/h
max. Beschleunigung zwischen −1,5 und 4,5g
Fahrtzeit 2:23 min
Kapazität 1500 Personen pro Stunde
Züge 2 Züge, 5 Wagen/Zug, 3 Sitzreihen/Wagen, 2 Sitzplätze/Sitzreihe
Elemente Abfahrten, Auffahrten, Airtime-Hügel, Kurven
Inversionen 0
Themenbereich Land der Vergessenen
Thematisierung Monster aus der Tiefe

Colossos – Kampf der Giganten (ehemals nur Colossos), vgl. altgriechisch κολοσσός kolossós, deutsch ‚(riesiges) Standbild‘, im Heide Park Resort bei Soltau (Niedersachsen), war bis ins Jahr 2006 mit 110 km/h die schnellste Holzachterbahn der Welt.[1] Die vom Ingenieurbüro Stengel entworfene und von Intamin gebaute Achterbahn wurde nach Baukosten von 21 Millionen € am 13. April 2001 eröffnet. Sie ist 1344 Meter lang und hat 2 Züge. Colossos wurde 2016 auf Grund von einer kompletten Sanierung der Schiene für 3 Jahre außer Betrieb genommen, am 19. April 2019 wurde Colossos mit neuen Schienen und einer neuen Thematisierung wiedereröffnet.

Fahrablauf und Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die von Werner Stengel entworfene Bahn wurde eigens ein neues Schienenprofil entwickelt. Sie wurde vom Schweizer Achterbahnenbauer Intamin und der deutschen Holzbaufirma Cordes realisiert. Nach dem Lifthill, kommt eine 120°-Kurve und dann fährt die Bahn mit maximal 110 km/h bei einer Neigung von 61° den First Drop herunter, auf den zwei Airtime-Hügel folgen. Danach kommt die Kehrtwende und ein langgezogener Hügel, auf dem „Floating Airtime“ zu spüren ist. Der Rest der Fahrt besteht aus einer nach unten verlaufenden Spirale und drei Bunny Hops. Auf dem dritten Bunny Hop steht seit der Saison 2019 ein Monster, welches auf den ersten Blick die Schiene aus der Verankerung gerissen hat. In Wirklichkeit fährt man dann aber durch das Monster hindurch und fliegt nicht aus der Schiene. Vor und während der Durchfahrt durch das Monster speit es nach oben hin Feuer und brüllt. Danach folgt eine 180°-Kurve. Am Ende der Fahrt wird der Zug mit Wirbelstrombremsen abgebremst und von Reibrädern wieder in die Station gebracht.

Maximal treten bei der gesamten Fahrt Beschleunigungen bis zu 4,5g auf. Außerdem wirken stellenweise bis zu -1,5g, die Fahrgäste werden also mit der eineinhalbfachen Erdbeschleunigung aus ihren Sitzen „gezogen“.

Die Fahrzeit der 1344 Meter langen Achterbahn beträgt 2 Minuten 23 Sekunden pro Durchlauf. Es fahren zwei Züge auf der Bahn, von denen jeder 30 Personen fasst, was zu einer maximalen theoretischen Kapazität von knapp 1500 Personen pro Stunde führt. Die Fahrgäste werden doppelt gesichert, indem sie zuerst einen Sicherheitsgurt und danach den Sicherheitsbügel anlegen müssen. Die Sitzreihen eines Wagens sind im sogenannten „Stadium-Seating“ angeordnet, die Mitfahrer sitzen also wie in einem Stadion von Reihe zu Reihe 10 cm höher, um eine bessere Sicht zu erhalten.[2]

Bei der Planung war aufgrund der neuen Züge und Schienen nicht genau berechenbar, wie sich diese auf die Geschwindigkeit der Bahn auswirken würden, und es wurde erst später klar, dass die Achterbahn schneller als geplant war. Deshalb wurden seit der Eröffnung im First Drop sowie in den Abfahrten der ersten beiden Hills jeweils eine Wirbelstrombremse eingebaut, die den Zug etwas herunterbremsen, um die Beschleunigungen auf und zwischen den Hills erträglich zu halten. Diese Wirbelstrombremsen sind heute schaltbar ausgelegt und können von der Steuerung der Bahn nach Bedarf automatisch ein- und ausgeschaltet werden. Der Bedarf einer flexiblen Abbremsung hängt damit zusammen, dass Achterbahnen in Abhängigkeit von den Wetterverhältnissen deutliche Unterschiede in der Maximalgeschwindigkeit haben können.

Im Jahr 2012 wurde der obere Teil der Freiheitsstatue des Parks bei Colossos montiert. Die Achterbahn gehört nun zum „Land der Vergessenen“.

Im Jahr 2015 wurde der Einstiegsbereich um einen Kran erweitert, um Rollstuhlfahrer in den Zug und wieder heraus heben zu können.

Am 28. Juli 2016 wurde die Achterbahn wegen unerwarteter Reparaturarbeiten und Austausch von Schienenteilen bis auf weiteres außer Betrieb genommen.[3]

Im Januar 2017 teilte der Heide Park auf seiner Website mit, dass Colossos trotz aller Anstrengungen leider nicht wie erhofft zum Saisonstart 2017 den Betrieb wieder aufnehmen kann. Auch einen Eröffnungstermin konnte der Park zu diesem Zeitpunkt nicht nennen.[4] Im März 2017 teilte der Heidepark mit, die Bahn werde während der Saison 2017 nicht mehr öffnen. Der Grund dafür sei, dass die Schiene nicht mehr in den ursprünglichen Parametern sei. Da die Schiene eine Spezialanfertigung sei, könne sie nicht in Einzelteilen ausgetauscht werden, sondern müsse komplett erneuert werden.

Da der Heide-Park zur Merlin Entertainments Group gehört, konnte er nicht selbst über das Schicksal von Colossos entscheiden, sondern musste auf die Entscheidung des Konzerns warten. Diese wurde zu Saisonstart 2018 bekanntgegeben. Merlin entschied sich aufgrund der hohen Beliebtheit der Attraktion Colossos zu erhalten und sanieren zu lassen, was durch die Komplexität und der hohen Kosten einem Neubau gleich kommt. Aufgrund von Umfragen entschied Merlin, Colossos nicht zu einer Hybridachterbahn umzubauen, sondern sie als reine Holzachterbahn weiter zu führen. Zu Saisonbeginn 2018 rückten Baufahrzeuge an, welche mit den ersten Bodenarbeiten begannen. Gegen Saisonende 2018 verkündete der Heide-Park, dass Colossos zukünftig den Namenszusatz "Kampf der Giganten" tragen werde und die angekündigte Überraschung somit eine neue Thematisierung der Achterbahn sein wird.

Am 19. April 2019 wurde Colossos – Kampf der Giganten wiedereröffnet.

Rekorde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut Guinness-Buch der Rekorde war die Bahn bis zum Frühjahr 2003 die steilste Holzachterbahn der Welt und wurde 2003 durch Balder im schwedischen Liseberg abgelöst. Obwohl in den folgenden Jahren weitere Bahnen Colossos in dieser Wertung überholten, schmückt der Heide-Park den Eingang des Stationshäuschens bis heute mit dem Guinness-World-Records-Zertifikat, welches Colossos als die steilste Holzachterbahn der Welt benennt.

Um den Titel der höchsten Holzachterbahn der Welt „stritt“ sie sich lange Zeit mit Son of Beast (Kings Island, USA), die zwar höher war, aber bis 2006 durch ihren Looping aus Stahl nicht immer als „reine“ Holzachterbahn anerkannt wurde. Nach einem Zwischenfall im Jahr 2006 wurde dann der Looping von Son of Beast demontiert, um die Bahn mit leichteren Zügen ausstatten zu können.[5] Damit fehlte der umstrittene Stahlabschnitt der Bahn, wodurch Colossos jeden Titel im weltweiten Vergleich verlor. Den Titel der schnellsten Holzachterbahn der Welt, hatte Colossos bereits zuvor im selben Jahr, durch die Eröffnung von El Toro (Six Flags Great Adventure) verloren. Allerdings steckt in puncto Geschwindigkeit, wie bereits erwähnt, theoretisch mehr in der Achterbahn als dem Besucher zugemutet wird. Die aktuellen Rekordhalter in der Höhe sind die 56 Meter hohe „T Express“ (Everland / Südkorea) und die 55,2 Meter hohe „El Toro“ (Six Flags Great Adventure / USA).

2003 wurde ein neuer Bahnrekord auf Colossos aufgestellt: Klaus Peter Beier aus Alpen/NRW und sein Freund Roland Speck aus Voerde/NRW haben es geschafft, den alten Rekord der Holzachterbahn „Colossos“ mit 46 Fahrten hintereinander zu überbieten und sogar die magische Zahl „100“ zu erreichen. Nach etwas mehr als sechseinhalb Stunden hatten sie es geschafft.[6]

Weiteres[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Internet- und einigen anderen Quellen wird die Höhe der Bahn meist mit 60 Metern angegeben und vom Park auch entsprechend beworben. In anderen und älteren Publikationen ist jedoch auch die realistischere Höhe von 52 Metern zu finden.[7] Für diese Höhe spricht auch die Tatsache, dass Bahnen, die höher als 52 Meter sind, auch eine höhere Geschwindigkeit als Colossos erreichen.

Das Layout des Colossos wurde von Six Flags Great Adventure als Vorbild für die dort entstandene Achterbahn El Toro genommen. Ebenfalls wurde die an Colossos erprobte Technik zum Bau der Achterbahnen Balder und T Express genutzt.

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Panorama vom Abstellgleis aus gesehen

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Colossos – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Liste der 10 schnellsten Holzachterbahnen der Welt (abzurufen bei Rollercoaster Database). Artikel von Airtimers.com, abgerufen am 24. November 2012
  2. Colossos. In: CoastersAndMore. Abgerufen am 10. Mai 2008.
  3. Colossos - Wegen Reparaturarbeiten bis Ende 2016 außer Betrieb. parkerlebnis.de
  4. Holzachterbahn Colossos. Abgerufen am 20. Januar 2017.
  5. Son of Beast – Historie. In: rcdb.com. Abgerufen am 21. März 2008 (englisch).
  6. Artikel über den Rekord von Klaus Peter Beier und seinem Freund Roland Speck, abzurufen beim Heide Park Fanportal (Memento des Originals vom 24. September 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.heide-park-world.de
  7. Ralph Latotzki u. a.: Achterplan² Europas Holzachterbahnen, Sonderausgabe der Vereinszeitschrift park+ride des Freundeskreis Kirmes und Freizeitparks e.V.

Koordinaten: 53° 1′ 24″ N, 9° 53′ 0″ O