Contact Improvisation

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Contact Improvisation „Jam

Contact Improvisation (kurz: CI) ist ein zeitgenössischer Tanzstil, bei dem es um die aktive Entdeckung aller Bewegungsmöglichkeiten geht, die zwei oder mehr menschliche Körper ausführen können.

Wesen und Formen[Bearbeiten]

Genauso wie die Avantgarde der Jazzmusiker des zwanzigsten Jahrhunderts versuchte, die Vielfalt der möglichen von ihren Instrumenten produzierten Klänge zu erkunden, so gehen auch Tanzende der Contact Improvisation vor. Die Ausübenden versuchen, alle Bewegungsmöglichkeiten und Bewegungen des Körpers zu erforschen, z. B. in dem sie sich gegenseitig das Gewicht abgeben, an- und übereinander rollen, klettern und schwingen.

Verschiedene Untersuchungen aus dem Jahr 2006 konstatierten bei ein intensives Flow-Erleben bei Menschen, die Contact Improvisation tanzen.[1]

Quellen und Ausübende[Bearbeiten]

Die Anfänge von Contact Improvisation gehen auf verschiedenartige Quellen wie den Modern Dance, verschiedene Kampfkünste, die Newtonschen Bewegungsgesetze der Physik, Beobachtungen an der menschlichen Anatomie, Kinderspiel und Gymnastik zurück. Zunächst wurde es eigentlich erdacht als eine Art des Erforschens von Bewegungs- und Ausdrucksmöglichkeiten und von professionellen Tänzern und Choreographen angewendet. Mittlerweile ist CI fester Bestandteil der Ausbildung zum zeitgenössischen Tänzer und wird von vielen Choreographen neben anderen improvisatorischen Ansätzen und Tanzstilen als gleichberechtigtes Mittel zur choreographischen Materialfindung angesehen. Neben dem professionellen Tanz hat sich CI auch als soziale Tanzform sehr rasch verbreitet. Die „Eintrittsbarriere“ ist sehr niedrig, vor allem weil allein ein spielerischer, erforschender Geist und ein menschlicher Körper dafür ausreichen.[2]

Es besteht mittlerweile eine stark vernetzte internationale Gemeinschaft von Tänzern deren Fähigkeiten und tänzerische Vorerfahrung stark variieren, die sich im Rahmen von Jams im Tanz physisch begegnen um lustvoll und mit Neugierde CI zu praktizieren und weiterzuentwickeln.

Geschichte[Bearbeiten]

Contact Improvisation wurde erfunden oder entwickelt von einer Gruppe von Tänzern in den frühen 1970er Jahren in New York, unter ihnen Steve Paxton, Nancy Stark Smith und Daniel Lepkoff. Paxton, ein früheres Mitglied von Merce Cunninghams Ensemble und ein Mitglied des Grand Union Improvisations Collective, organisierte die ersten Performances und leitete die Entwicklungen. Im selben Jahr entstanden die ersten Jam Sessions, kurz Jam genannt. Von Anfang an war Contact Improvisation ein soziales Phänomen, Menschen trafen sich in Turnsälen und Parks, um in Jam Sessions neue Tanzformen auszuprobieren und zu entdecken.[3] In den Folgejahren wuchs das Interesse an dieser Tanzform dramatisch: seit 1974 existiert das internationale Magazin Contact Quarterly und Tanzcompagnien begannen Konzepte der Contact Improvisation in ihre Arbeit zu integrieren. Inzwischen spielt Contact Improvisation "eine unverzichtbare Rolle in der Ausbildung zum professionellen Tänzer."[4]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

deutsch

  • Heilke Bruns: „Am Anfang war Berührung“. Kontaktimprovisation - Auswirkungen auf Körperbewusstsein, Bewegungsverhalten und musikalische Improvisation. Forschungsprojekt durchgeführt an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2000, ISBN 3-89811-936-X.
  • Petra Thelebein: Die Entwicklung der Contact Improvisation als einer Form des zeitgenössischen Tanzes: künstlerische, psychologische und soziale Aspekte. Diplomarbeit Universität Hildesheim (FB II), 1994, 96 S..
  • Thomas Kaltenbrunner: Contact Improvisation: bewegen, tanzen und sich begegnen; mit einer Einführung in New Dance. 2. Auflage. Meyer&Meyer, ISBN 3-89899-515-1, Aachen 2001, 192 S.
  • Marion Glöggler: Contact Improvisation im Spannungsfeld zwischen Tanzkunst und Alltagsbewegung: Körperdialoge zur Entwicklung individueller Körperintelligenz. GRIN Verlag, 2009, ISBN 3-640-33097-8

englisch

  • Raphael Cushnir: How Now: 100 ways to celebrate the present time. Chronicle Books, San Francisco 2005.
  • Carol A.Horwitz: Challenging dominant gender ideology through dance: contact improvisation. Dissertation, University of Iowa, 1995.
  • Cynthia J. Novack: Sharing the dance: contact improvisation and American culture. University of Wisconsin Press, Madison WI 1990, ISBN 0-299-12440-1 und ISBN 0-299-12444-4 (= New dircetions in anthropological writing).
  • Cheryl Pallant: Contact Improvisation: an introduction to a vitalizing dance form. MacFraland, Jefferson NC 2006, ISBN 0-7864-2647-0.
  • Ann Cooper Albright, David Gere (Hrsg.): Taken by surprise: a dance improvisation reader. Wesleyan University Press, Middletown CO 2003, ISBN 0-8195-6647-0, ISBN 0-8195-6648-9.
  • Timothey Robert Wilson: The effect of creative movement and contact improvisation experiences on self-awareness. Ann Arbor 1987.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dr. Jörg Lemmer Schmid: Kontakt-Improvisation als Lebenskunst: Mehr Lebensqualität durch Flow-Erleben und Achtsamkeit Seite 85 ff, geladen am 29.06.2015
  2. CI-Website für die Schweiz: Was ist CI - Contact Improvisation? geladen 29.06.2015
  3. The Washington Post: Improv Dancers Have Impact ("In Contact Improv, inspiration for dance doesn't come outside from music, like in traditional dance; it comes from the moving point of contact, the exchange of weight and balance. You may start out leaning against your partner, say, palm to palm, but eventually your weight will shift, and you'll press into your partner's arm or shoulder. The point of contact can change infinite ways, (...) so the dance can go in infinite directions.") vom 04.11.2005, geladen 29.06.2015
  4. Werner Kirschner: Motive im Zeitgenössischen Tanz am Beispiel der Kontaktimprovisation in: Zeitschrift für Musik-, Tanz- und Kunsttherapie, 2004, Seite 130, geladen am 29.06.2015