Dōtei

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Als Dōtei (jap. 童貞) wird generell im japanischsprachigen Raum eine männliche Person bezeichnet, die noch keine Erfahrung im Geschlechtsverkehr hat. Da es unterschiedliche Meinungen in Bezug auf die Richtlinie keine Erfahrung im Geschlechtsverkehr gibt wie z. B. Wenn es Penetration und Samenerguss gibt, ist zum ersten Mal das Dōtei verlorengegangen oder auch solche, die die Selbstbefriedigung als Verlust des Dōtei betrachten, ist keine präzise Definition vorhanden[1].

Begriff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenn man die gegenwärtigen Vorstellungen über Dōtei gegenüberstellt, kann Dōtei eines von beiden bezeichnen[2]:

  1. eine männliche Person ohne sexuelle Erfahrung
  2. den Zustand einer männlichen Person ohne sexuelle Erfahrung

Die im Westen zur Übersetzung von Dōtei üblichen Begriffe wie Virgo oder castus kommen vielmehr den japanischen Wörtern Teiketsu (貞潔, „Keuschheit“) oder Renketsu (廉潔, „Läuterkeit“) nahe. Dōtei hat überdies die Bedeutung einer katholischen Nonne, so zum Beispiel hieß Yokohama Futaba Gakuens Vorläufer Futsugō Dōtei Gakkō (仏語童貞学校, „Französischsprachige Dōtei-Schule“). Der Die Nacht des Germaniums betitelte Roman des Schriftstellers Mangetsu Hanamura[3] sowie andere Werke liefern Beispiele für diese Bedeutung. Darüber hinaus wurde das jetzt als Shojo Kaitai (処女懐胎, „Die Empfängnis der Jungfrau“) im japanischsprachigen Raum bekannte Werk L’immaculée conception Paul Éluards und André Bretons in der Herausgabe von 1936 Dōteijo Jutai (童貞女受胎, „Die Empfängnis des Dōtei-Mädchens“) betitelt[4].

Dōtei ni naru (童貞になる) bedeutet Nonne werden. Das Kanji () bedeutet Kind, Junge, (tei) bedeutet Keuschheit.

In den 1920er Jahren wird die religiöse Verwendung etwas beschränkter, die Bezeichnung des Zustandes ohne sexuelle Erfahrung mit dem anderen Geschlecht wird häufiger. Im 1925 herausgegebenen Wörterbuch Kōjirin (広辞林) wird Dōtei als Die Bewahrung der kindlichen Reinheit eines Knaben oder Mädchens, das Noch-Nicht-Verkehren mit dem anderen Geschlecht definiert, ohne Rücksicht auf Geschlecht. Es wird sogar nicht auf Menschenwesen begrenzt, sondern auch auf deren Besitz angewendet. Selbst in Asada Hajimes Dōteiron (童貞論, „Abhandlung über Dōtei“) werden die Menschen, die sich im Dōtei-Zustand befinden, als Dōtei Hojisha (童貞保持者, „Dōtei befolgende Leute“) bezeichnet[5]. Im Buch des japanischen Sexologen Sawada Junjirō Shojo to Dōtei (処女と童貞, „Jungfrau und Dōtei“) bezieht sich Dōtei oft auf Menschen.

Immer häufiger bezieht sich Dōtei seit den 1950er Jahren auf die Person, aber die Rede ist vorwiegend von männlichen Personen. In Kōjirins Ausgaben von 1955 und 1958 wurde die Anmerkung hauptsächlich in bezug auf männliche Personen nachgetragen. Mit dieser Definition werden seit den 1970er Jahren eindeutig männliche Personen bezeichnet[6]. Wenngleich auch in Kōjien und im Iwanami Kokugo Jiten diese Anmerkung zu finden ist, wird der Begriff als sowohl auf Männer als auch auf Frauen anwendbar definiert.

In der japanischen Soldatensprache wird die Verübung der ersten Tötung als Dōtei-Bruch bezeichnet.

Wertvorstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut der von 1925 bis 1928 durchgeführten Studie von Yasuda Tokutarō und Yamamoto Senji herrschte unter den damaligen Arbeitern eine starke Tendenz zur Bewahrung von Dōtei vor der Heirat vor und Dōtei befolgende Männer wurden entsprechend respektiert und verehrt[7]. Die Bedeutung von Dōtei nahm jedoch im Laufe der folgenden Jahrzehnte stark ab.

1948 verklagte ein frisch vermählter Mann im Dōtei Soshō (童貞訴訟, „Der Dōtei-Prozess“) seine Gattin auf Schadenersatz für seine verlorengegangene Dōtei und argumentierte, dass seine Gattin nicht die Pflichte des gemeinsamen Lebens erfüllt habe[8]. Das Gericht urteilte jedoch, dass der Wert der verlorenen weiblichen Keuschheit gesetzlich dem des verlorenen Dōtei gleich sei.

Seit den 1960er Jahren wandelt sich das Bild der Dōtei in der japanischen Gesellschaft[9] und die ehemalige Tugend Dōtei wird immer mehr geächtet[10].

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tomomi Shibuya: 日本の童貞 („Dōtei in Japan“). Bungei Shunjū, 2003, S. 9–15
  2. Tomomi Shibuya: 日本の童貞, S. 102
  3. 小河織衣, 女子教育事始三; Orie Ogō, Beginn der Mädchenerziehung 3, S. 26, S. 39
  4. Tomomi Shibuya: 日本の童貞, S. 104
  5. Hajime Asada: 童貞論, S. 71
  6. Tomomi Shibuya: 日本の童貞, S. 110
  7. Tokutarō Yasuda: 性科学の基礎知識 („Sexologische Grundkenntnisse“), 1950, S. 132
  8. 下級裁判所民事裁判判例集 („Sammlung von Präzedenzfällen in Zivilprozessen der unteren Instanz“), S. 119
  9. Tomomi Shibuya: 日本の童貞, S. 111
  10. Tomomi Shibuya: 日本の童貞, S. 173

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Tokutarō Yasuda (安田徳太郎): 性科学の基礎知識 („Sexologische Grundkenntnisse“). Hyōronsha, 1950.
  • Takeshi Oshino (押野武志): 童貞としての宮沢賢治 („Miyazawa Kenji als Dōtei“). Chikuma Shobō, 2003, ISBN 978-4-480-06109-6.
  • Tomomi Shibuya (渋谷知美): 日本の童貞 („Dōtei in Japan“). Bungei Shunjū, 2003, ISBN 978-4-16-660316-9.
  • Shin Watanabe (渡部伸): 中年童貞 („Dōtei in mittleren Jahren“). Fusōsha, 2007, ISBN 978-4-594-05385-7.