David Finkelhor

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David Finkelhor ist ein US-amerikanischer Sozialwissenschaftler, der in erster Linie durch seine Forschung auf dem Feld von sexuellem Missbrauch von Kindern bekannt geworden ist. Er ist Soziologie-Professor an der University of New Hampshire und Co-Direktor des Familienforschungs-Labors an der gleichen Universität.

Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach seinem Abschluss an der Phillips Exeter Academy 1964 studierte Finkelhor in Harvard und Paris. Seinen Ph.D. in Soziologie legte er 1978 an der Universität New Hampshire ab.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Finkelhor hat sich seit 1977 intensiv mit Problemen auseinandergesetzt, die mit Missbrauch an Kindern, aber auch mit anderen Formen der Gewalt und Misshandlung zu tun haben. Finkelhor führte beispielsweise als Argument gegen sexuelle Handlungen an Kindern die Unterscheidung zwischen „simple consent“ und informed consent ein. Damit bezeichnet er die entwicklungspsychologische Unfähigkeit von Kindern aufgeklärt in sexuelle Handlungen einzuwilligen und damit gleichberechtigte Sexualpartner zu sein. Neben moralischen Argumenten und dem Nachweis von Schädigungen bringt er damit einen zwingenden Grund für das Verbot von sexuellen Handlungen zwischen Erwachsenen und Kindern vor.[1] International bekannt geworden ist vor allem sein Sourcebook On Child Sexual Abuse von 1986, in dem er eine erste große Übersichtsforschung über die bis dahin vorliegenden Untersuchungen vorlegte. Darin stellte er dar, dass entgegen landläufiger Meinungen die meisten Studien belegen, dass sexueller Missbrauch in erster Linie im sozialen Nahfeld und in großem Ausmaß vorkommt: bei großen Schwankungen gehen die Studien davon aus, dass im Schnitt jede vierte Frau und jeder siebte Mann in der Kindheit viktimisiert wurden. Zudem stellt Finkelhor Ergebnisse vor, die belegen, welche drastischen – vor allem psychischen – Schädigungen auf Missbrauch zurückzuführen sind.[2]

Als Forscher bezieht Finkelhor auch politisch Stellung und liefert immer wieder Argumente für die Politik beziehungsweise Gesetzgebung, um Gewalt gegen Kinder und Jugendliche abzubauen.[3]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Finkelhor wurde unter anderem vom National Institute of Mental Health, dem National Center on Child Abuse and Neglect sowie dem Justizministerium der Vereinigten Staaten ausgezeichnet. 1994 erhielt er den Distinguished Child Abuse Professional Award der American Professional Society on the Abuse of Children. 2004 wurde er mit dem Significant Achievement Award der Association for the Treatment of Sexual Abusers ausgezeichnet, 2005 erhielt er mit seinen Kollegen den Child Maltreatment Article of the Year award. 2007 wurde es zum Mitglied der American Society of Criminology ernannt.

Nach Kenneth Plummer, ist er „vermutlich der prominenteste Soziologe, der auf dem Gebiet des sexuellen Mißbrauchs arbeitet.“[4]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • David Finkelhor: Sexually Victimized Children. New York, 1979a.
  • David Finkelhor: What’s wrong with sex between adults and children? Ethics and the problem of sexual abuse. In: American Journal of Orthopsychiatry, 49. S. 692–697, 1979b.
  • David Finkelhor et al. [Hrsg.]: A Sourcebook On Child Sexual Abuse. Newbury Park: Sage, 1986, ISBN 0-8039-2748-7
  • David Finkelhor: Zur internationalen Epidemiologie von sexuellem Missbrauch an Kindern. In: G. Amann, R. Wipplinger (Hrsg.): Sexueller Missbrauch – Überblick zu Forschung, Beratung und Theorie, dgvt-Verlag, Tübingen, 1997.
  • Lisa M. Jones, David Finkelhor, Stephanie Halter: Child Maltreatment Trends in the 1990s: Why Does Neglect Differ From Sexual and Physical Abuse? In: Child Maltreatment, Vol. 11, No. 2, S. 107–120, 2006.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. David Finkelhor: What's wrong with sex between adults and children? Ethics and the problem of sexual abuse. American Journal of Orthopsychiatry, 49. 692-697, 1979.
  2. David Finkelhor et al. [Hrsg.]: A Sourcebook On Child Sexual Abuse, Newbury Park: Sage, 1986.
  3. Lisa M. Jones, David Finkelhor, Stephanie Halter: Child Maltreatment Trends in the 1990s: Why Does Neglect Differ From Sexual and Physical Abuse? In: Child Maltreatment, Vol. 11, No. 2, 107-120, 2006.
  4. Review of Child Sexual Abuse: New Theory and Research, in Contemporary Sociology, Vol. 14, No. 6. (Nov., 1985), pp. 712-713.