Dawydow-Plan

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Der Dawydow-Plan

Der Dawydow-Plan war ein Projekt zur Umgestaltung der Natur in Russland, der auch unter dem Namen „Der Große Stalinsche Plan zur Umgestaltung der Natur“ bekannt wurde. Dabei sollten die sibirischen Flüsse Ob und Jenissei umgelenkt werden, um die weit entfernten Trockengebiete um den Aralsee und das Kaspische Meer durch Bewässerung landwirtschaftlich nutzbar zu machen.

Künstlerische Darstellung des Dawydow-Plans

Das Projekt wurde 1950 vom Ministerrat der UdSSR verkündet und 1986 unter Michail Gorbatschow, dem neuen Generalsekretär der Kommunistischen Partei, aufgegeben. Weder Kosten noch die möglichen Folgen waren abschätzbar. Die Planung des Gesamtprojekts war bis dahin weit fortgeschritten. Im August 1985 sollen auf einer Strecke von 500 Metern die ersten Sprengarbeiten für den ersten Bauabschnitt des Sibaral-Kanals ausgeführt worden sein, im Dezember sei mit Dammarbeiten an den Seen Latscha und Wosche begonnen worden.

Genaues Planvorhaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die beiden sibirischen Flüsse Ob und Jenissei sollten zu einem Stausee aufgestaut werden, der etwa der Größe Westdeutschlands vor der Wiedervereinigung entsprochen hätte. Anschließend sollten sie durch einen Kanal verbunden und darin Wasser zum Irtysch übergeleitet werden. Die niedrigste Stelle, die Niederung an den Flüssen Ubagan und Turgai in der kasachischen Schwelle, sollte durch einen 70 m tiefen Einschnitt überwunden werden. Von dieser Niederung aus wäre das Wasser durch einen Kanal zum Aralsee, von dem aus mehrere Nebenkanäle wegführen, und somit in die Aralo-Kaspische Niederung geflossen.[1]

Sibaral-Kanal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Oktober 1984 wurde bekannt, dass das Ende der Projektierung unmittelbar bevorstehe, die Entscheidung zur Verwirklichung des Plans sei gefallen. Demnach hätten in den nächsten zwei Jahren die letzten Details ausgearbeitet werden sollen und bis zum Ende des Jahrhunderts möglicherweise das erste Schiff auf dem Sibaral-Kanal fahren können. Er war mit einer Tiefe von zehn Metern geplant und wäre mit 200 Meter Breite und 2550 Kilometern Länge der größte schiffbare Wasserweg der Welt gewesen. Der Spiegel berichtete, es sei bereits an einem geheimen Ort mit den ersten Arbeiten begonnen worden. Die Kosten seien allein für den Kanal mit 50 Milliarden Rubel angegeben worden, die New York Times habe das Dreifache genannt.[2]

Auswirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die riesige Größe des geplanten Stausees wäre viel dringend benötigtes Wasser verdunstet, das somit verloren ginge. Außerdem würde die Vegetation zerstört, sowohl Wälder, die sehr wichtig für die Holzwirtschaft wären, als auch andere Vegetation. Ein weiteres Problem ist, dass sich unter dem geplanten Stausee riesige Ölvorkommen befinden. Durch diesen See und den dadurch verursachten Grundwasseranstieg gäbe es eine Landversumpfung, die wiederum viel Vegetation zerstören würde. Westsibirien ist ohnehin schon sehr von Versumpfung geplagt. Ein nächstes Problem wäre die verminderte Süßwasserzufuhr ins Nordpolarmeer. Dadurch würde sich der Salzwassergehalt erhöhen, was heißt, dass sich Eis langsamer bildet. Die geringe Menge an Eismasse würde zu einer Klimaerwärmung führen, Klimagürtel könnten sich bis zu 400 km nach Norden verschieben. Dies ist ein Widerspruch zum eigentlich Vorhaben, nämlich die Vergrößerung der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Der Fischreichtum würde sich verringern, welcher ebenfalls einen wichtigen Faktor der russischen Wirtschaft darstellt. Außerdem würde die Gefahr von Überschwemmungen steigen.

Andererseits könnte man den Aralsee, der durch Wasserentnahme seiner Zuflüsse sehr viel kleiner geworden ist, sowie das Kaspische Meer retten. Positiv ist des Weiteren noch anzumerken, dass Wasserkraftwerke zur Stromerzeugung gebaut werden könnten. Durch die relativ sichere Wasserversorgung könnte die landwirtschaftliche Produktivität und der Ertrag gesteigert werden. Ob eine Rettung des Aralsees tatsächlich vorgesehen gewesen war oder lediglich zugunsten weiterer Bewässerungsprojekte in der Landwirtschaft geopfert worden wäre, ist umstritten. Agadschan Babajew (russisch Агаджан Гельдиевич Бабаев), Akademiepräsident von Turkmenistan und vormals Direktor des Wüsteninstituts, wurde 1984, also noch vor der Aufgabe des Dawydow-Plans, vom Spiegel mit den Worten zitiert: „Die Zukunft des Aralsees ist festgelegt“ – und der Spiegel fügte an: Eine durch Menschenhand verursachte ökologische Katastrophe.[2] Das Kaspische Meer ist dagegen seit Ende der 1970er Jahre nicht mehr vor dem Trockenfallen bedroht, der Seespiegel stieg wieder an. Letzteres soll unter Einfluss von Adel G. Aganbegjan, damals Direktor des Instituts für Wirtschaft und Organisation der Industrieproduktion und Berater Gorbatschows, eine mitentscheidende Rolle bei der Aufgabe des Projekts gespielt haben.

Schwierigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Defekte Kanäle verursachen immense Kosten, aber das wohl schwerwiegendste Problem ist, dass die Flüsse am Oberlauf bis zu sechs Monate pro Jahr zugefroren sind. Insgesamt ist der Dawydow-Plan aufgrund des hohen Kostenaufwands und des Eingriffs in Natur und Klima sehr fragwürdig.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Demtschenko: Ueber die Bewässerung der Aralo-Kaspischen Niederung zur Verbesserung des Klimas der angrenzenden Länder. Kiew 1871. (russisch)
  • Jürgen Salay: The Soviet union river diversion project: from plan to cancellation 1976–1986. Uppsala Universitet, 1988, OCLC 77880921.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. SPIEGEL ONLINE, Hamburg, Germany: PROJEKT DAWIDOW: Ums Leben kommen - DER SPIEGEL 19/1950. Abgerufen am 7. März 2017.
  2. a b Wenn Sibiriens Flüsse rückwärts fließen. Spiegel-Onlinearchiv, aus der Printausgabe 47/1984, 19. November 1984