Deir el-Medina

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Ansicht Deir el-Medinas von Südwesten

Deir el-Medina (arabisch دير المدينة, DMG Dair al-Madīna ‚Kloster der Stadt‘) nennt man die Ruinen einer Arbeitersiedlung des antiken Theben in Ägypten. Der historische Name der Siedlung lautete „Set Maat“ (der „Ort der Wahrheit“ bzw. der „Ort der Weltordnung“). Die hier lebenden Arbeiter nannte man „Diener im Ort der Wahrheit“.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Arbeitersiedlung im Süden von Theben-West wurde unter der Regentschaft des Königs Amenophis I. und seiner Mutter Ahmose-Nefertari begründet. Hier lebten die Arbeiter und Künstler, welche die Gräber im Tal der Könige in der Antike schufen, mit ihren Familien.

Die Arbeitersiedlung war etwa von 1520 bis 1069 v. Chr. bewohnt, mit einer Unterbrechung unter Echnaton 1350 bis 1334 v. Chr. Sie liefert Archäologen sowie Ägyptologen Informationen über das Alltagsleben einfacher Leute. Hier lebten und wirkten unter anderem der Verbrecher Paneb, der Schreiber Ramose, sein Nachfolger und Adoptivsohn Kenherchepechef und dessen Ehefrau Naunachte.

Baudetails[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hathor-Tempel von Deir el-Medina

Nördlich der Arbeitersiedlung befindet sich ein kleiner Tempel der Göttin Hathor aus der Ptolemäerzeit, der lange von koptischen Mönchen genutzt wurde. Daher auch der moderne arabische Name Deir el-Medina (deutsch „Kloster der Stadt“).

Viele Grundmauern kleinerer Tempel der Göttin Hathor befinden sich unterhalb oder neben dem Großen Hathortempel, unter anderem von Sethos I. und von Amenophis I. Östlich der Tempel der Hathor befand sich einst ein deutlich kleineres Heiligtum des Amun, Entstehungszeit etwa zur Zeit Ramses II.

Etwa 200 m nordöstlich des Tempels befindet sich ein Schacht, aus welchem über 5.000 Ostraka geborgen wurden, darunter private Briefe, Abrechnungen, Skizzen und Gerichtsprotokolle. Dieser Fund hat sehr zur Erforschung der damaligen Verhältnisse der Bewohner und zum Gesamtverständnis des Lebens der Bevölkerung im Alten Ägypten beigetragen.

Direkt westlich und östlich neben der Siedlung befinden sich die Friedhöfe der Arbeiter. Die Gräber stammen aus der 18., 19. und 20. Dynastie. Die Wände sind mit Malereien geschmückt, die in der Qualität ihrer Ausführung an die Königsgräber jener Zeit heranreichen und dadurch den damaligen Standard der Adelsgräber Westthebens übertreffen.

Erforschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es sind 68 Hausgrundmauern freigelegt worden. Zu besonderer Berühmtheit gelangte das Grab des Sennedjem, welches am 2. Februar 1886 von Gaston Maspero entdeckt wurde. Heute trägt es den Namen TT1. Systematische Ausgrabungen fanden vor allem in den 1920er Jahren unter der Leitung von Bernard Bruyère statt. In den Nekropolen fand er zahlreich unberaubte Gräber, darunter das Grab des Sennefer (Grabnummer 1159 A).[1]

Fundstücke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Benedict G. Davies: Who's who at Deir El-Medina. A prosopographic study of the royal workmen's community. (= Egyptologische uitgaven. Band 13). Nederlands Instituut voor het Nabije Oosten, Leiden 1999, ISBN 90-6258-213-3.
  • Wolfgang Helck & Adelheid Schlott (Bearb.): Die datierten und datierbaren Ostraka, Papyri und Graffiti von Deir el-Medineh (= Ägyptologische Abhandlungen. Band 63). Harrassowitz, Wiesbaden 2002, ISBN 3-447-03586-2.
  • Leonard H. Lesko: Pharaoh's workers. The villagers of Deir el Medina. Cornell University Press, London 1994, ISBN 0-8014-2915-3.
  • Kimberly Ann Newman: Social archaeology, social relations and archaeological materials. Social power as depicted in the wall art in the tombs of the Pharaoh's tomb-builders, Deir el-Medina, Egypt, XVIII - XX dynasties. National Library of Canada, Ottawa 1998 (pdf-Online-Ressource).
  • John Romer: Sie schufen die Königsgräber. Die Geschichte einer altägyptischen Arbeitersiedlung. Hueber, Ismaning 1986, ISBN 3-19-005500-9.
  • Frank J. Yurco: Deir el-Medina. In: Kathryn A. Bard (Hrsg.): Encyclopedia of the Archaeology of Ancient Egypt. Routledge, London 1999, ISBN 0-415-18589-0, S. 247–50.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Deir el-Medina – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikivoyage: Deir el-Madīna – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Cédric Gobeil: The IFAO Excavations at Deir el-Medina. Auf: oxfordhandbooks.com von August 2015, doi:10.1093/oxfordhb/9780199935413.013.3.

Koordinaten: 25° 43′ 44″ N, 32° 36′ 5″ O