Der Revoluzzer

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Der Revoluzzer ist ein politisches Chanson von Erich Mühsam aus dem Jahr 1907. Mühsam weist mit seinen Chansons auf Vorgänge seiner Zeit hin. Der Untertitel „Der deutschen Sozialdemokratie gewidmet“ zeigt seine Kritik an der damaligen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

War einmal ein Revoluzzer,
Im Zivilstand Lampenputzer;
Ging im Revoluzzerschritt
Mit den Revoluzzern mit

Und er schrie: „Ich revolüzze!“
Und die Revoluzzermütze
Schob er auf das linke Ohr,
Kam sich höchst gefährlich vor

Doch die Revoluzzer schritten
Mitten in der Straßen Mitten,
Wo er sonsten unverdrutzt
Alle Gaslaternen putzt

Sie vom Boden zu entfernen,
rupfte man die Gaslaternen
Aus dem Straßenpflaster aus,
Zwecks des Barrikadenbaus

Aber unser Revoluzzer
Schrie: „Ich bin der Lampenputzer
Dieses guten Leuchtelichts.
Bitte, bitte, tut ihm nichts!
Wenn wir ihn’ das Licht ausdrehen,
Kann kein Bürger nichts mehr sehen,
Laßt die Lampen stehn, ich bitt!
Denn sonst spiel’ ich nicht mehr mit!“
Doch die Revoluzzer lachten,
Und die Gaslaternen krachten,
Und der Lampenputzer schlich
Fort und weinte bitterlich

Dann ist er zuhaus geblieben
Und hat dort ein Buch geschrieben:
Nämlich, wie man revoluzzt
Und dabei doch Lampen putzt

[1]

Vertonungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1929 vertonte der ungarische Komponist Béla Reinitz (1878–1943) das Gedicht und der Sänger und Schauspieler Ernst Busch nahm es in sein Repertoire. Durch ihn wurde das Lied weltberühmt. Bereits zuvor befand es sich im Programm der politischen Münchener Kabarettisten Die Elf Scharfrichter, jedoch in der Vertonung von Marc Henry.[2]

1968 wurde es erneut vertont von Werner Haentjes für das WDR-Fernsehspiel „Rotmord“ von Tankred Dorst und Peter Zadek; gesungen hat es Wolfgang Neuss als Darsteller des Mühsam,[3] dessen Interpretation auch auf CD veröffentlicht wurde.

Im Jahr 1980 erschien eine Vertonung des Stückes durch die Folkband Zupfgeigenhansel auf ihrem Live-Album Eintritt frei. Die deutsche Metal-Band Totenmond vertonte das Gedicht im Jahr 2001 auf ihrem Album Auf dem Mond ein Feuer.[4] Seit 2004 präsentiert Konstantin Wecker auf seiner Tournee das Gedicht.[5] 2012 veröffentlichte die deutsche Punkband Slime das Album Sich fügen heißt lügen, auf dem Texte von Erich Mühsam vertont wurden – unter anderem auch Der Revoluzzer.

Auch wird das Lied regelmäßig von David 58 P. acappella auf Konzerten seiner Crew Main Concept vorgetragen.[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Edgar Neis: Interpretationen von 66 Balladen, Moritaten und Chansons. Analysen und Kommentare. Bange-Verlag, Hollfeld 1978, ISBN 3-8044-0590-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikisource: Der Revoluzzer – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der Revoluzzer (Wikisource)
  2. Der Revoluzzer. erinnerungsort.de; abgerufen am 13. November 2008.
  3. Tankred Dorst, Peter Zadek, Hartmut Gehrke: Rotmord oder I was a German. Ein Fernsehspiel von Tankred Dorst und Peter Zadek. Nach dem Theaterstück „Toller“ von Tankred Dorst. Unter Mitarbeit von Wilfried Minks (= sonderreihe dtv. Nr. 72). Deutscher Taschenbuchverlag, München 1969, DNB 456482245.
  4. Totenmond – Auf Dem Mond Ein Feuer.d iscogs.com; abgerufen am 13. November 2008.
  5. Konstantin Wecker – Am Flussufer – Live. amazon.de
  6. youtube.com abgerufen am 27. November 2015