Der Tintling

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Der Tintling – Die Pilzzeitung
Der Tintling number 48 issue 3-2006 Cover with Coprinopsis picacea.jpg
Beschreibung deutsche pilzkundliche Fachzeitschrift
Fachgebiet Pilzkunde (Mykologie)
Verlag Der Tintling (Deutschland)
Hauptsitz Schmelz
Erstausgabe 29. März 1996
Erscheinungsweise zweimonatlich
Verkaufte Auflage
(Herausgeberin)
2600 Exemplare
Chefredakteurin Karin Montag
Weblink www.tintling.com
ISSN (Print) 1430-595X
ZDB 1335534-x

Der Tintling ist eine deutsche pilzkundliche Fachzeitschrift. Sie erscheint im Format DIN A5 mit 102 Seiten pro Ausgabe.

Schwerpunkte sind Berichte und Diskussionen über mykologische Themen, insbesondere Großpilze, Taxonomie, Pilzbeschreibungen, Mikroskopie, Nomenklatur, sowie Gespräche mit Personen aus dem Umfeld der Pilzkunde, Kulinarisches, Kritisches, Literaturrezensionen, Kommunikation, Termine, Folklore/Prosa. Die Zeitschrift wird ausschließlich im Abonnement vertrieben und enthält keine fremden Werbeanzeigen.

Auflage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zeitschrift erschien erstmals am 29. März 1996 in einer Auflage von 1000 Exemplaren. Seit 2010 erscheint sie im zweimonatlichen Turnus und umfasst demnach 6 Hefte pro Jahrgang. Die Auflage beträgt 2600 Exemplare.

Der Tintling erhielt seinen Namen von der Blätterpilzgruppe der Tintlinge. Aus den Pilzen wurde früher Tinte hergestellt, weshalb der Name der Zeitschrift auch ans Schreiben auf Papier erinnern soll.

Wochenkalender[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Außer dem Tintling bietet der Verlag Wochenkalender mit Pilzporträts zu jährlich wechselnden Themen an. Im Kalender 2016 wurden Pilze im Laubwald vorgestellt. Jedes Kalenderblatt umfasst ein postkartengroßes Pilzfoto nebst Artinformationen. Die Porträts aus vergriffenen Kalendern werden nach und nach auf der Tintling-Homepage zum Download angeboten.

Für 2017 kam ein weiterer Kalender mit großformatigen Fotos bekannterer Pilzarten hinzu. Ein Teil des Erlöses wird für die pilzkundliche Jugendförderung aufgewendet.[1]

Europäischer Pilztag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Logo des ersten Europäischen Pilztags

Der „Europäische Pilztag“ ist ein Aktionstag, der jährlich am vierten Samstag im September begangen werden soll. Er wurde 2016 von Karin Montag, der Chefredakteurin der Zeitschrift, ins Leben gerufen und fand erstmals am 24. September 2016 statt.

Der Europäische Pilztag wird in Deutschland durch die Deutsche Gesellschaft für Mykologie[2] und den Landesverband Saar des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland[3] unterstützt, in den Niederlanden durch die Niederländische Gesellschaft für Mykologie (Nederlandse Mycologische Vereniging [NMV])[4].

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenige Menschen wissen, dass die Pilze unter den Lebewesen, deren Zellen einen Zellkern enthalten (Eukaryoten), neben beispielsweise den Tieren und Pflanzen ein eigenständiges Reich bilden. Selbst in der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie[5] spielen Pilze keine Rolle: Der Begriff „Pilz“ bleibt in dem Regelwerk unerwähnt[6]. Inzwischen existieren mit den Verantwortungsarten zumindest 19 Großpilzarten, die in Deutschland naturschutzrechtlich den FFH-Anhang-IV-Arten gleichgestellt sind.[7]:S.7

Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Europäischen Pilztag wollen die Initiatorin und Unterstützer die Popularität der Pilze fördern. Er soll Interessierten dazu dienen, ihre Kenntnisse zu vertiefen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Jugendförderung. Hierzu sollen alle pilzkundlichen Veranstaltungen, die an dem Aktionstag stattfinden, zentral bekannt gemacht werden. Zu den Zielen zählt auch der Schutz von Habitaten seltener und bedrohter Pilzarten. Darüber hinaus sollen traditionelle Trivialnamen der Pilze in den Sprachen der Welt ergründet und bewahrt werden.[8]

Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für den 1. Europäischen Pilztag waren über 240 pilzkundliche Veranstaltungen in acht Ländern gemeldet. Über diesen zentralen Tag hinaus werden bzw. wurden für die Pilzsaison 2016 Exkursionen mit Jugendgruppen verschiedener Trägerschaften und Pilzexperten vereinbart.[9]

Aktionen am Europäischen Pilztag 2016 waren unter anderem eine Pilzexkursion des Rehnaer Pilzvereins „Heinrich Sternberg“ e.V. mit Funden seltener Pilzarten,[10] eine Pilzausstellung und Pilzwanderung im Kinder- und Jugenderholungszentrum (KiEZ) am Filzteich in Schneeberg mit dem Verein der Pilzberater Südwestsachsens.[11] Das Vogel- und Naturschutzzentrum (VIZ) Sindelfingen war weiterhin mit einem Pilz-Vortrag und einer Pilzexkursion des Pilzsachverständigen Andreas Hohmann dabei,[12] außerdem gab es eine Pilzausstellung, sowie Installationen mit Holzpilzen und Vorträge am Pilzlehrpfad des Wisentgeheges in Springe. Die Aktion in Springe wurde von der Pilzgruppe des Fördervereins ausgerichtet.[13]

In Österreich veranstaltete das Biologiezentrum Linz am 24. September 2016 einen Kinder- und Jugend-Pilztag mit verschiedenen Stationen.[14] Unter den 130 Besuchern waren 55 Kinder. Die Aktion soll aufgrund der positiven Resonanz im nächsten Jahr wiederholt werden, kündigte der Leiter der mykologischen Arbeitsgemeinschaft, Dr. Otto Stoik, an. Das Biologiezentrum Linz gehört zu den Oberösterreichischen Landesmuseen.[15]

Speisepilz des Jahres[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeiner Riesenschirmling oder Parasol (Macrolepiota procera), der Speisepilz des Jahres 2017

Der „Speisepilz des Jahres“ wurde erstmals durch Karin Montag im Jahr 2016 während der Kampagne für den Europäischen Pilztag proklamiert, um den Fokus der Öffentlichkeit auf das Sammeln, Bestimmen und den Verzehr von Speisepilzen zu lenken. Unter den Auswahlkriterien haben eine gute Wiedererkennbarkeit des Pilzes, ein hoher kulinarischer Wert und eine relative Häufigkeit die höchste Priorität.[16]

2016 ist dies der Maronen-Röhrling (Imleria badia), der besonders häufig in Fichtenforsten vorkommt und kaum mit gefährlichen Giftpilzen zu verwechseln ist.[17] Für 2017 wurde der Gemeine Riesenschirmling oder Parasol (Macrolepiota procera) zum Speisepilz des Jahres gekürt. Sein Hut erreicht eine Größe von bis zu 35 cm im Durchmesser und kann bis zu 30 cm hoch werden.[18]

Speisepilz des Jahres 2018 ist der Flockenstielige Hexenröhrling (Neoboletus erythropus). Dabei handelt es sich um einen rotporigen Dickröhrling mit festem, gelbem Fleisch, das stark blaut, sich beim Kochen aber wieder entfärbt. Der Pilz wächst bevorzugt auf sauren Böden und bildet Mykorrhizasymbiose mit Buchen und Fichten, aber auch mit anderen Bäumen.[19]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karin Montag: Der Kalender 2017 ist erschienen. In: Tintling.com. Abgerufen am 3. Oktober 2016.
  2. Deutsche Gesellschaft für Mykologie: Europäischer Pilztag. Abgerufen am 14. Februar 2017.
  3. BUND Landesgruppe Saar: Der 24. September 2016 ist der erste Europäische Pilztag. In: Umweltmagazin Saar 02/2016. Abgerufen am 30. September 2016.
  4. Niederländische Gesellschaft für Mykologie: Eerste Europese Dag van de Paddenstoel in September. In: NatureToday. 3. August 2016, abgerufen am 30. September 2016.
  5. Richtlinie 92/42/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen in der konsolidierten Fassung vom 1. Januar 2007 (PDF), abgerufen am 22. März 2016
  6. Karin Montag: Hintergrund-Informationen zum 1. Europäischen Pilztag. In: Pilztag.de. Abgerufen am 22. März 2016.
  7. Matthias Lüderitz, Andreas Gminder: Verantwortungsarten bei Großpilzen in Deutschland. In: Deutsche Gesellschaft für Mykologie (Hrsg.): Beiheft zur Zeitschrift für Mykologie. Band 13, 2014, ISSN 0170-110X.
  8. Karin Montag: Ziele des 1. Europäischen Pilztags. In: Pilztag.de. Abgerufen am 22. März 2016.
  9. Karin Montag: So war der 1. Europäische Pilztag. In: Pilztag.de. 3. Oktober 2016, abgerufen am 3. Oktober 2016.
  10. Pilzverein „Heinrich Sternberg“ e.V.: Sehr seltene Funde am Pilztag. In: Gadebusch-Rehnaer Zeitung vom 27. September 2016. Abgerufen am 4. Oktober 2016.
  11. Verein der Pilzberater Südwestsachsen: 1. Europäischer Pilztag im KiEZ. In: Blick / Freie Presse vom 4. Oktober 2016. Abgerufen am 4. Oktober 2016.
  12. Stadt Sindelfingen: Europäischer Pilztag – VIZ macht mit. In: Stadtverwaltung Sindelfingen 16. September 2016. Abgerufen am 4. Oktober 2016.
  13. Wisentgehege Springe: Premiere für die Pilze. In: Hannoversche Allgemeine vom 25. September 2016. Abgerufen am 4. Oktober 2016.
  14. 1. Europäischer Pilztag. In: Amt der Oberösterreichischen Landesregierung, Direktion Kultur (Hrsg.): Oberösterreichischer Kulturbericht. Ausgabe 09.2016. Linz, S. 29 (Online; PDF – Kulturmagazin der Landes Oberösterreich).
  15. Biologiezentrum Linz. Land Oberösterreich, abgerufen am 5. Oktober 2016.
  16. Karin Montag: Erster Europäischer Pilztag – 24. September 2016. In: Der Tintling. Heft 4/2016, Nr. 101, ISSN 1430-595X, S. 49.
  17. Karin Montag: Speisepilz des Jahres 2016 ist der Maronenröhrling. In: Pilztag.de. Abgerufen am 3. Oktober 2016.
  18. Karin Montag: Speisepilz des Jahres 2017 ist der Parasol. In: Pilztag.de. Abgerufen am 3. Oktober 2016.
  19. Karin Montag: Speisepilz des Jahres 2018 ist der Flockenstielige Hexenröhrling. In: Pilztag.de. Abgerufen am 14. September 2017.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Pfifferling, Rotkappe & Co. Mitteldeutscher Rundfunk, abgerufen am 4. Oktober 2016 (Hörfunksendung über den 1. Europäischen Pilztag am 24. September 2016).
  • Aus der Region Springe: Premiere für die Pilze. In: Hannoversche Allgemeine Zeitung. Verlagsgesellschaft Madsack GmbH & Co. KG, Hannover, 25. September 2016, abgerufen am 30. September 2016 (Zeitungsbericht über den 1. Europäischen Pilztag am 24. September 2016).