Trivialname

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Sogenannte Trivialnamen (zu französisch trivial, dieses aus lateinisch trivialis, also einfache, verständliche oder auch altbekannte und gewöhnliche [Namen])[1] sind Bezeichnungen für Dinge, die keiner offiziellen – also über den deutschen Sprachraum hinausreichenden – Systematik entsprechen, wie sie meist in den zugeordneten wissenschaftlichen Fachgebieten festgelegt wurden. Beispiele für derartige Fachgebiete sind die Biologie, Chemie, Medizin und Pharmazie, aber auch Bereiche oder Schwerpunkte vorgenannter wissenschaftlicher Fachgebiete wie deren technische Zweige. Trivialnamen sind in den betreffenden Fachbereichen mitunter die bekannteren Namen, da sie aus Begriffen der Alltagssprache gebildet werden und so (in den einzelnen Fachbereichen, u.a. über die Grenzen der Mutter- und Landessprachen hinaus) einfacher zu verwenden sind. Die üblicherweise – in der internationalen Wissenschaft – meist ins Lateinische übersetzten Namen sind jedoch für Muttersprachler üblicherweise nur schwer verständlich und beinhalten zudem andere Schrierigkeiten, wie etwa die schleichende Verdrängung der jeweiligen Mutter- und Landessprachen.

Biologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der biologischen Nomenklatur wird unter einem Trivialnamen (oder auch Vernakularname) oder lateinisch Nomen triviale die regional- oder landessprachliche Bezeichnung für ein Lebewesen oder ein Taxon anstelle seines wissenschaftlichen Namens verstanden. Im Deutschen steht beispielsweise der Name „Löwe“ für den zweiteiligen Artnamen (Binomen) Panthera leo und im Englischen wird das Tier als lion bezeichnet. Zudem verwischen Trivialnamen aufgrund ihrer Tendenz zu rein äußerlichen Beschreibungen oft die systematischen Zusammenhänge, können aber umgekehrt auch Verwandtschaftsbeziehungen andeuten, wo (nach neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen) jedoch keine bestehen. Zudem sind viele Trivialnamen aufgrund ihres alters nicht mehr eindeutig, so steht etwa „Butterblume“ für eine ganze Reihe gelbblütiger Arten und Artengruppen verschiedener Verwandtschaftskreise.

Beispiele:

Kunstnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben den oben erwähnten „echten“ Trivialnamen sind in der Biologie, ähnlich wie in der Chemie, systematisierte deutschsprachige Bezeichnungen weit verbreitet. Dabei handelt es sich in der Regel um von Bearbeitern bewusst neu geschaffene künstliche Namen (von dem österreichischen Botaniker Manfred A.Fischer „Büchernamen“ genannt[2][3]), die teilweise von echten Trivialnamen abgeleitet sind, sehr oft aber reine Phantasienamen darstellen. In vielen Fällen gehen sie auf Übersetzungen des wissenschaftlichen Artnamens zurück. Entsprechende Namensschöpfungen sind bereits bei Autoren des 19. Jahrhunderts weit verbreitet. Besonders populär wurden sie z. B. als Sammlernamen für Tagfalterarten. Der Zweck dieser Namen liegt in der Regel darin, die Organismengruppe durch anschaulichere Namensgebung bei Laien populär zu machen. Bei der Namensgebung wird in der Regel ein systematisches Vorgehen angestrebt, indem möglichst jede Art einen Namen erhält, Artnamen durch Namenszusätze aus Gattungsnamen abgeleitet werden usw. Weit verbreitet sind solche deutschsprachigen Kunstnamen z. B. bei den Blütenpflanzen, den Vögeln oder den Libellen. In vielen Fällen existieren nomenklatorische Standardlisten, um die Namensgebung einheitlich zu halten. Entsprechende Listen existieren etwa für Vogelnamen,[4] für Libellen[5] oder für Mollusken.[6] In vielen Fällen werden die Namen in Schriften, die sich bewusst auch an Laien richten, wie z. B. Roten Listen oder biologischen Sachbüchern geprägt. Diese Art der Namensgebung ist in vielen Fällen gut eingeführt, so dass einige der Namen beinahe den Status „echter“ Trivialnamen erreicht haben.

Diese Art der Namensgebung wird in verschiedenen Bereichen durchaus kritisch gesehen. Viele der so geprägten Kunstnamen werden teilweise als ungelenk, unanschaulich oder sogar als lächerlich kritisiert. Dies betrifft Namensschöpfungen wie „Nesselwicht“ oder „Gürteltroll“ (für Wanzenarten)[7] oder „Böhmischer Großaugen-Düsterhalbflügler“ oder „Körnchenförmiger Kugel-Stutzkäfer“ (für Käferarten).[8] Vereinzelt werden durch systematisierte Kunstnamen sogar „echte“ Trivialnamen ersetzt oder verdrängt. Ein Beispiel wäre „Acker-Kratzdistel“ anstelle von „Ackerdistel“ (damit alle Arten der Gattung Cirsium einheitliche deutsche Namen erhalten).

Chemie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Trivialname (Chemie)

In der Chemie sind Trivialnamen Namen für Stoffe, die nicht der systematischen chemischen Nomenklatur nach IUPAC-Regeln entsprechen und keine Rückschlüsse auf die Zusammensetzung oder Struktur einer chemischen Verbindung oder eines Stoffes erlauben. Trivialnamen wurden in der Regel von den Naturwissenschaftlern vorgeschlagen und geprägt, die die zugehörige chemische Verbindung erstmals entdeckt, isoliert oder synthetisiert haben. So wurden z. B. früher Verbindungen oft nach ihrer Herkunft und nicht nach ihren chemischen Eigenschaften benannt: Vanillin (systematisch: 4-Hydroxy-3-methoxybenzaldehyd) nach seinem Vorkommen in der Vanille oder Ameisensäure (systematisch: Methansäure) nach ihrer Gewinnung aus destillierten Ameisen. Solche Trivialnamen werden im Alltag, aber auch in anderen Wissenschaften wie der Pharmazie, Biologie und Medizin sowie in der Technik verwendet. In der Chemie werden Trivialnamen dann verwendet, wenn die systematische Bezeichnung für den Zweck zu umständlich ist. Dies ist insbesondere bei manchen Biomolekülen wie dem Hämoglobin oder Chlorophyll der Fall. Auch für einfache, schon lange bekannte Verbindungen sind manchmal noch Trivialnamen üblich [z. B. für Aceton (systematisch: 2-Propanon/Dimethylketon) oder Acetylen (systematisch: Ethin)], und ihre Verwendung ist in manchen Fällen von der IUPAC erlaubt.

Im Alltagsgebrauch bis hin zu wissenschaftlichen Publikationen wird weiterhin eine große Anzahl von traditionellen Namen oder neu geschaffenen, anerkannten Kurznamen verwendet. Die IUPAC unterscheidet zwischen Trivialnamen, die keinen Bezug zur systematischen Nomenklatur haben (z. B. Wasser, Harnstoff oder Glaubersalz; systematisch: Hydrogenoxid/Wasserstoffoxid, Kohlensäurediamid oder Natriumsulfat), semisystematischen Namen oder Semitrivialnamen, die zumindest einen Teil eines systematischen Namens verwenden (z. B. Kohlendioxid statt Kohlenstoffdioxid, Trityl für die Triphenylmethyl-Gruppe oder Glycerin für Propan-1,2,3-triol) und den systematischen Namen.[9] Auch für die Erfindung neuer Trivialnamen, z. B. von neu entdeckten Naturstoffen, gibt es IUPAC-konforme Regeln.

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Trivialname – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. trivialDuden, Bibliographisches Institut; 2016
  2. M.A. Fischer. (2001): Wozu deutsche Pflanzennamen? Neilreichia 1: 181–232.
  3. M.A. Fischer (2002): Zur Typologie und Geschichte deutscher botanischer Gattungsnamen mit einem Anhang über deutsche infraspezifische Namen. Stapfia 80: 125–200
  4. Peter H. Barthel, Andreas J. Helbig: Artenliste der Vögel Deutschlands. In: Limicola. Bd. 19, Nr. 2, 2005, S. 89–111, Digitalisat (PDF; 367 KB).
  5. Martin Lemke: Libellen – eine (kleine) Einführung. die Namensgebung.
  6. Jürgen H. Jungbluth: Deutsche Namen für einheimische Schnecken und Muscheln (Gastropoda et Bivalvia). 2002.
  7. Hans-Jürgen Hoffmann: Deutsche Wanzennamen ??? – Vom Sinn und Unsinn von Trivialnamen. In: Heteropteron. Heft 16, 2003, S. 29–32, Digitalisat (PDF; 3,45 MB).
  8. Remigius Geiser: Rote Liste der Käfer (Coleoptera). In: Josef Blab, Eugeniusz Nowak, Werner Trautmann, Herbert Sukopp (Hrsg.): Rote Liste der gefährdeten Tiere und Pflanzen in der Bundesrepublik Deutschland (= Naturschutz aktuell. Nr. 1). 4., erweiterte und neubearbeitete Auflage. Kilda-Verlag, Greven 1984, ISBN 3-88949-114-6.
  9. IUPAC Nomenclature of Organic Chemistry, R-0.2.3 Names.