Der Zar läßt sich photographieren

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Werkdaten
Originaltitel: Der Zar läßt sich photographieren
Originalsprache: deutsch
Musik: Kurt Weill
Libretto: Georg Kaiser
Uraufführung: 18. Februar 1928
Ort der Uraufführung: Leipzig
Spieldauer: ca. eine Stunde
Ort und Zeit der Handlung: Paris im 19. Jahrhundert
Personen
  • Der Zar (Bariton)
  • Madame Angèle, Inhaberin eines Photoateliers (Sopran)
  • Romain, ihr Gehilfe (Tenor)
  • Der Lehrjunge (Alt)
  • Die falsche Madame Angèle (Sopran)
  • Der falsche Gehilfe (Tenor)
  • Der falsche Lehrjunge (Alt)
  • Der Anführer der Bande (Tenor)
  • Der Begleiter des Zaren (Bass)
  • Einige Polizisten

Der Zar läßt sich photographieren ist eine Komische Oper (opera buffa) in einem Akt von Kurt Weill (op. 21). Das Libretto verfasste Georg Kaiser. Die Uraufführung fand am 18. Februar 1928 am Leipziger Neuen Theater statt. Eine weitere Aufführung gab es am 25. März im thüringischen Altenburg.

Entstehung und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weill verstand den Einakter „Der Zar läßt sich photographieren“, sein letztes durchkomponiertes Bühnenwerk, als Beitrag zum Typus der „Zeitoper“. Er hielt diesen für nötig, um „die Bühne endgültig zu technifizieren, das Theater in der Form, im Geschehen und im Gefühl aufzulockern“.[1]

Wann oder von wem der Begriff „Zeitoper“[2] geprägt wurde, ist nicht bekannt. Weill selbst beklagte, er sei mehr Schlagwort als Beschreibung. Das kurzlebige Operngenus gehört jedoch eindeutig in die Zeit der Weimarer Republik. Es spielt in der Gegenwart, weist Gegenwartscharaktere vor und hat meist komische, wenn nicht satirische Handlungen zum Inhalt. Angestrebt wird dazu leichte musikalische Zugänglichkeit, die durch den Einsatz moderner musikalischer Formen erzielt werden soll, wie sie in der zeitgenössischen Tanzmusik und im Jazz vorkommen.[3]

Kurt Weill stellt sein Stück als „Opera buffa“ vor und signalisiert damit von Anfang an seine komödiantische Absicht. „So wird aus einem Politkrimi mit Attentatsvorbereitungen schließlich die Parodie auf die schrägen politischen Verhältnisse in irgendeinem Reich irgendeines Zaren.“[4]

Nach 1933 durfte die Oper in Deutschland nicht mehr gespielt werden.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Madame Angèle betreibt in Paris ein bekanntes Fotoatelier. Ein Gehilfe und ein Lehrling stehen ihr zur Seite. Eines Tages erhält sie einen Anruf, durch den ihr mitgeteilt wird, in wenigen Minuten werde der Zar von Russland bei ihr eintreffen, um sich von ihr fotografieren zu lassen. Während sie mit ihren Mitarbeitern Vorbereitungen trifft, klingelt es an der Tür, und fünf Männer mit einer Frau und einem minderjährigen Jungen, der sich zu wehren scheint, stürzen herein. Bewaffnet erzwingen die Männer, dass Madame ihnen das Atelier überlässt. Sie fesseln und knebeln das Personal und schaffen es in den Nebenraum. In die Kamera installieren sie eine Schießanlage und verbinden sie mit dem Auslöser. Offenkundig plant die Bande ein Attentat auf den Zaren.

Es ist soweit: Der Zar betritt das Atelier. Die Männer haben sich inzwischen versteckt, sodass die Frau mit dem Zaren alleine zu sein scheint. Doch dieser hat es mit dem Fotografiertwerden überhaupt nicht eilig. Stattdessen genießt er am Fenster den Ausblick auf Paris und will sich mit der Fotografin unterhalten. Schließlich verfällt er auch noch auf die Idee, selbst als Fotograf aufzutreten, bevor von ihm ein Bild geschossen wird. Als Objekt seiner Begierde hat er die Madame auserkoren, die ihm zusehends immer besser gefällt. Von ihr will er ein Bild mit in seine Heimat nehmen. Er wird immer zudringlicher und will sie küssen. Beinah glaubt er sich am Ziel seiner Wünsche, als sie eine Platte mit dem „Tango Angèle“ auf das Grammophon legt.

Nach etlichen Streitereien zwischen dem Zaren und der „Chefin“ des Ateliers bemerkt die Bande, dass das Haus von Sicherheitskräften umstellt ist. Jetzt gibt es nur noch ein Ziel: die Flucht.

Im Nebenzimmer gelingt es der richtigen Madame, sich von ihren Fesseln zu befreien. Die Polizei rüttelt bereits an der verschlossenen Tür. Aus Angst davor, ihren guten Ruf zu verlieren, soll sie nichts über den unliebsamen Vorfall erfahren. Madame eilt an die Kamera und drückt auf den Auslöser. Es folgt ein ohrenbetäubender Schuss. Polizisten dringen ein und verlangen eine Erklärung. Madame gelingt es, sie mit fadenscheinigen Argumenten zu überzeugen, dass alles ganz harmlos sei.

Bühnenmusik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Verführungsszene ließ Weill eigens eine Aufnahme des „Tango Angèle“ anfertigen, die er selbst dirigierte.[5] Bei der Aufführung wurde an der Stelle das Orchester abgeklopft und die Platte von einem Grammophon abgespielt.[6] Der Tango wurde über die Aufführung hinaus bald zu einem beliebten Schlager.[7]

Tondokumente[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Tango Angèle. Saxophon-Orchester Dobbri. Beka B.6313-II (Matr. 34 538-2) aufgenommen am 11. Jänner 1928, noch vor der Uraufführung des Stückes[8]
  • Tango Angele. Marek Weber und sein Orchester. „Gramola“ Record AM 1276 (Matr. BL 4015-I) (8-40 278), aufgenommen am 3. April 1928

Notenausgabe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kurt Weill: Der Zar lässt sich photographieren, op. 21. Libretto/Textbuch. Universal Edition Verlags Nr. UE8965. ISBN 978-3-7024-2193-9[9]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Programmheft der Oper in Isny (PDF), abgerufen am 19. Juli 2016.
  2. „Operas dealing with modern urban life and replacing the swords and spears of Wagnerian mythology with automobiles, steam trains, and telephones“ nennt sie Peter Franklin: Between the Wars: Traditions, Modernisms, and the ‘Little People from the Suburbs’. In: Nicholas Cook, Anthony Pople (Hrsg.): The Cambridge History of Twentieth-Century Music. Cambridge University Press, Cambridge 2004, S. 194.
  3. „Die Vorlagen für den Spielwitz aber liefert vor allem die Musik von Weill. Mit dem populären Tango für Angèle, der vom Grammphon kommt, oder dem Auftritts-Foxtrott für den Zaren oder den Versatzstücken aus Walzer, Bolero oder Marsch im Orchesterpart.“ Joachim Lange: Gescheiterte Attentate – Zeitopern-Duell in Dessau. Neue Musikzeitung vom 29. Februar 2016, abgerufen am 19. Juli 2016.
  4. Horst Dichanz: Zwischen Mordlust und Hingabe: 24. Kurt-Weill-Fest in Dessau auf opernnetz.de, abgerufen am 19. Juli 2016.
  5. In der englischen Wikipedia heißt es, größtenteils belegt mit einem Programmheft für Aufführungen der University of York am 17. und 18. März 2007: „The ‚Tango Angèle‘ was specially recorded for the first performance, and is one of the earliest examples of pre-recorded music being used on stage in a dramatic work. It was Weill’s first best-selling recording.“ en:Der Zar lässt sich photographieren, abgerufen am 19. Juli 2016.
  6. „Nachromantisches Espressivo und kecke Rhythmen der Tanzmusik stellen den Gegensatz von Illusion und Wirklichkeit dar. Die episierenden Chöre unterstreichen diese Tendenz ebenso wie die von der falschen Photographin als Vorbereitung eines Schäferstündchens aufgelegte Platte mit dem ‚Tango Angèle‘: das erste Grammophon-Solo der Operngeschichte.“ Programmheft der Oper in Isny (PDF), abgerufen am 19. Juli 2016.
  7. „Weill wrote another work with Kaiser at this earlystage The Tsar Has His Photograph Taken, which gave rise to a hit record : Tango Angèle“. Kurt Weill – Composer bei h2g2.com, abgerufen am 19. Juli 2016.
  8. Abbildung des Labels bei schellacksender.grammophon-platten.de
  9. Kurt Weill: Der Zar lässt sich fotografieren op. 21 bei der Universal Edition, abgerufen am 19. Juli 2016.