Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Die Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben e. V. (DGHS) setzt sich nach eigenem Verständnis für Selbstbestimmung am Lebensende ein. Mit ca. 23.000 Mitgliedern[1] versteht sie sich als Patientenschutz-Organisation sowie als Bürgerrechtsbewegung.

Gründung und Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gesellschaft wurde am 7. November 1980 aus dem Umfeld des Bundes für Geistesfreiheit (bfg) heraus gegründet. Ihr Bekanntheitsgrad stieg im Verlauf der 80er Jahre, unter anderem durch öffentlich diskutierte Suizide wie den des DGHS-Mitglieds Hermy Eckert 1984, so dass die DGHS Ende 1992 einen Höchststand von 59.700 Mitgliedern verzeichnete. Dieser fiel dann im weiteren Verlauf zurück. Der gegenwärtige Präsident der Gesellschaft ist der Philosoph Dieter Birnbacher.[2]

Vereinszweck sind die Verbesserung der Bedingungen für Sterbende, die Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die Problematik des „humanen Sterbens“ und die Veränderung der Rechtslage in diesem Sinne. Die Gesellschaft versteht sich als eine Bürgerrechtsbewegung sowie Patientenschutzorganisation zur Verwirklichung des Selbstbestimmungsrechts bis zur letzten Lebensminute und fordert eine „umfassende gesetzliche Regelung der Sterbebegleitung und -hilfe“. Das heißt auch, dass es der persönlichen Entscheidung des Kranken überlassen sein soll, sich für eine palliative Behandlung oder aber für eine (ärztlich, also professionell) assistierte Selbsttötung zu entscheiden. Beide Wege sollen dem Kranken offenstehen. Der (ärztliche) Helfer soll – nach diesen Vorstellungen – bei einer „frei verantworteten Entscheidung“ vor straf- und berufsrechtlicher Verfolgung sicher sein. Die DGHS verweist auf eine Allensbach-Umfrage unter Ärzten von 2010, nach der 33 % der niedergelassenen und 27 % der Krankenhausärzte eine Regelung zur Legalisierung des ärztlich begleiteten Suizids befürworten. Die DGHS ist parteipolitisch unabhängig und sieht sich dem Gedanken der Aufklärung und des Humanismus verpflichtet. Sie ist Mitglied im Deutschen Juristentag und in der Dachorganisation Right-to-die-Europe.

Vereinssitz ist Berlin.

Arbeit des Vereins[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Angaben ohne ausreichenden Beleg könnten demnächst entfernt werden. Bitte hilf Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst.

Im Mittelpunkt der Tätigkeit steht nach Vereinsangaben die Vorsorge mit Hilfe von Patientenverfügungen, die Beratung bei deren Abfassung und deren Durchsetzung.

Aus Sicht des Vereins ist es wichtig, den eigenen Willen in einer Patientenverfügung rechtzeitig zu formulieren und einen zuverlässigen Bevollmächtigten zu benennen, der den eigenen Willen vertritt, wenn man selbst dazu nicht mehr in der Lage ist. Im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) ist die Patientenverfügung seit dem 1. September 2009 u. a. im § 1901 a festgeschrieben. Die DGHS hat als Angebot für ihre Mitglieder 2016 eine Bevollmächtigten-Börse ins Leben gerufen, über die Freiwillige, die eine Bevollmächtigung in Wohnortnähe übernehmen würden, mit Suchenden zusammengebracht werden. Auf der anderen Seite setzt sich der Verein für die Verhinderung von Missbrauch bei allen Formen von Sterbehilfe ein.

Der Verein fordert weitergehende legale Möglichkeiten einer Sterbehilfe in Form des ärztlich assistierten Suizids. Den neuen § 217 StGB, nach dem nicht nur die gewerbsmäßige, also kommerzielle, sondern darüber hinaus auch die geschäftsmäßige, d. h. jede organisierte Suizidhilfe verboten ist, lehnt die DGHS ab. Damit würde nach Einschätzung des Vereins auch Ärzten Strafe angedroht, die einem todkranken Patienten behilflich wären, dessen Leben selbstbestimmt zu beenden. Der Sterbewillige wäre mehr als bisher darauf angewiesen, den strapaziösen Weg in die Schweiz anzutreten zur Erlösung von seinem Leiden fern seiner vertrauten Umgebung.

Leitmotiv der Gesellschaft ist es, dass jeder nach seinen eigenen Vorstellungen und Wünschen sterben können soll und dabei notfalls auch Hilfe beanspruchen darf. Dem sterbenden Patienten soll geholfen werden, zu Hause zu sterben und im Kreise seiner Angehörigen, wenn er dies will. Ausschlaggebend soll jeweils die persönlich empfundene Würde des Betroffenen sein.

Unterstützt werden die Schmerztherapie und die Palliativmedizin, die im Falle einer unheilbaren Krankheit für Linderung von Symptomen sorgen soll, um ein möglichst weitgehend beschwerdefreies Weiterleben bis zum Tod zu ermöglichen. Zudem betreibt der Verein eine „Hospiz-Informationsstelle“ für ambulante und stationäre Hospiz-Einrichtungen, die Unterstützung bei der Suche nach einer mitmenschlichen Sterbebegleitung oder der Möglichkeit des Sterbens zu Hause gewähren soll.

Die DGHS ist Mitglied von hpd e. V., dem Trägerverein des Humanistischen Pressedienstes (hpd).[3]

Kontroversen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Bremer Messe Tod und Leben im Jahr 2015 wurde der Gesellschaft nicht gestattet, einen Stand aufzustellen. Die Messe ist eine Eigenveranstaltung der Bremer Messegesellschaft, den Beirat der Veranstaltung prägen Hospizverbände und kirchliche Vertreter. Als Begründung sagte Messesprecherin Christine Glander: Sterbehilfe sei „nicht das Thema der ,Leben und Tod‘“, „Wir hoffen, dass unsere Besucher die Messe mit möglichst vielen Informationen, Hilfsangeboten und vor allem dem tröstlichen Gedanken verlassen, dass eine Selbsttötung nicht notwendig ist.“[4]

Arthur-Koestler-Preis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die DGHS verleiht seit dem Jahr 2000 den mit jeweils 2000 Euro dotierten nach Arthur Koestler benannten Preis an Journalisten und Personen, die sich des Themas Sterben unter Berücksichtigung des Selbstbestimmungsrechts angenommen haben. Die letzten Preisträger waren Hans Küng (2013) und Ralph Giordano (2014).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Uwe-Christian Arnold: Letzte Hilfe. Ein Plädoyer für das selbstbestimmte Sterben. Rowohlt Verlag, Reinbek 2016, ISBN 978-3-498-09617-5.
  • Ernst Ankermann: Sterben zulassen. Selbstbestimmung und ärztliche Hilfe am Ende des Lebens. Reinhardt, München u. Basel 2004, ISBN 3-497-01693-4.
  • Christiaan Barnard: Glückliches Leben – Würdiger Tod. Der weltberühmte Herzchirurg plädiert für Sterbehilfe und das Recht auf Freitod. Hestia, Bayreuth 1981, ISBN 3-7770-0225-9.
  • Dieter Birnbacher: Tod. de Gruyter Verlag, Berlin/Boston 2017, ISBN 978-3-11-053344-6.
  • Rolf Coeppicus: Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Sterbehilfe. Rechtssicherheit bei Ausstellung und Umsetzung. Klartext-Verlag, Essen 2001.
  • Michael Frieß: Wie sterben? Zur Selbstbestimmung am Lebensende. Eine Debatte. Gütersloher Verlagshaus 2012, ISBN 978-3-579-06849-7, S. 97 ff.
  • Claus Fussek, Gottlob Schober: Es reicht! Auch alte Menschen haben Rechte. Verlag Knaur, München 2013.
  • Constanze Giese, Christian Koch, Dietmar Siewert: Pflege und Sterbehilfe. Zur Problematik eines (un-)erwünschten Diskurses. Mabuse, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-938304-17-0.
  • Walter Jens, Hans Küng: Menschenwürdig sterben. Ein Plädoyer für Selbstverantwortung. Verlag Piper, München Zürich, überarb. Auflage 2010, ISBN 3-492-05276-2.
  • Manfred von Lewinski: Freiheit zum Tode? – Annäherungen und Anstöße. Logos-Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-8325-2995-6.
  • Michael de Ridder: Wie wollen wir sterben? Ein Plädoyer für eine neue Streitkultur in Zeiten der Hochleistungsmedizin. DVA, München 2010, ISBN 978-3-421-04419-8.
  • Thomas Sitte: Vorsorge und Begleitung für das Lebensende. Spriner Verlag, Berlin 2015, ISBN 978-3-662-44346-0, S. 185 ff.
  • Matthias Thöns: Patient ohne Verfügung. Das Geschäft mit dem Lebensende. Piper Verlag, München/Berlin, ISBN 978-3-492-05776-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.dghs.de/service.html
  2. Prof. Dieter Birnbacher ist neuer Präsident. Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben, 14. November 2016, abgerufen am 18. November 2016.
  3. Der Humanistische Pressedienst. In: hpd.de. Abgerufen am 15. Mai 2014.
  4. Alexandra Knief: Kampf um „Leben und Tod“ Weser-Kurier, 30. April 2015, abgerufen am 4. Mai 2015.