Deutsches Elfenbeinmuseum

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Schloss Erbach, der neue Standort des Deutschen Elfenbeinmuseums seit 2016

Das Deutsche Elfenbeinmuseum in Erbach im Odenwald ist nach seinem Selbstverständnis das einzige Spezialmuseum für Elfenbein weltweit.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts führte Graf Franz I. zu Erbach-Erbach den exotischen Werkstoff Elfenbein bei den Bein- und Horndrehern seiner Residenzstadt ein. In der Folgezeit entwickelte sich Erbach zur deutschen „Elfenbeinstadt“ und zählte zu den bedeutendsten europäischen Zentren der Elfenbeinschnitzerei. Auch heute noch sind Elfenbeinwerkstätten in Erbach aktiv, die nach dem Welthandelsverbot für Elefantenstoßzähne (1973) und für Walrosselfenbein (1979) seit 1989 auf fossiles Elfenbein und alternative Werkstoffe umgestellt haben.

Der Impuls zur Museumsgründung am 29. Oktober 1966 ging auf die 400 Exponate umfassende Elfenbeinausstellung zum Hessentag 1962 in Michelstadt zurück. In der Folgezeit gelang es dem Gründungsdirektor Dr. Hans-Werner Hegemann, einen Grundbestand zusammenstellen, der im neu erbauten Bürgerhaus zunächst als Erbacher Elfenbeinmuseum und, nach ständiger Erweiterung seit 1976 als Deutsches Elfenbeinmuseum Erbach gezeigt wurde. Zwei Erweiterungsbauten 1977 und 1984 trugen dem weiteren Ausbau der Sammlungen Rechnung. In der ersten Hälfte des Jahres 2006 wurde das Museum nochmals erweitert und modernisiert.[2]

Im August 2013 wurde das Museum in die Rote Liste Kultur des Deutschen Kulturrates aufgenommen und in die Kategorie 1 als von der Schließung bedroht eingestuft. Die Kreisstadt Erbach als bislang alleiniger Kostenträger sah sich nach den Vorgaben des Kommunalen Schutzschirms des Landes Hessen nicht länger in der Lage, die Kosten des Museumsbetriebs zu finanzieren.[3]

Zum 31. Dezember 2015 wurde das Museum am alten Standort geschlossen. Es zog im Laufe des Jahres 2016 in Räume des Schlosses Erbach um und wurde dort unter Trägerschaft des Landes Hessen am 9. November 2016 mit neuer Ausstellungskonzeption wiedereröffnet.[4][5] In sieben Räumen im Erdgeschoss des Schlosses wird ein chronologischer Rundgang durch die Exponate zur Elfenbeinschnitzkunst in Erbach und zu ihren Hauptakteuren angeboten. In einem Nebengebäude zeigen Elfenbeinschnitzer Techniken, Werkzeuge und Materialien.[6][7]

Exponate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Exponat in der Dauerausstellung

Die ständige Ausstellung des bisher in einem modernen Gebäude untergebrachten und in Umfang und Art als einzigartig geltenden Museums umfasst mehr als 2.000 Exponate unterschiedlichster Provenienz und Entstehungszeit. Die europäische Elfenbeinkunst vom Mittelalter bis zur Gegenwart wird ebenso präsentiert wie die Schnitzkünste Afrikas, Asiens und Grönlands.

Einen Schwerpunkt der Sammlung bilden naturgemäß die Arbeiten der Odenwälder Elfenbeinschnitzer des 19. und 20. Jahrhunderts, zum Beispiel die Schnitzereien von Jan Holschuh. Auch über die Techniken, Werkzeuge und Materialien der Elfenbeinverarbeitung informiert das Museum, regelmäßige Schnitzvorführungen in der Museumswerkstatt veranschaulichen die Arbeit mit Elfenbein.

Über die ständige Ausstellung hinaus finden Wechselausstellungen statt, die häufig keinen unmittelbaren Bezug zum Elfenbein aufweisen. Die Elfenbeinschnitzer mit ihrer Werkstatt sind bereits am neuen Standort aktiv und führen die Besucher in ihre Arbeit ein. Sie demonstrieren auch das Schnitzen mit anderen dem Elfenbein verwandten Materialien tierischer und pflanzlicher Herkunft, wie etwa der Tagua-Nuss.

Der Verein der Freunde und Förderer des Deutschen Elfenbeinmuseums Erbach unterstützt die Arbeit des Museums im Rahmen seiner Möglichkeiten.

Weitere Elfenbeinmuseen der Region sind das private Elfenbeinmuseum Michelstadt und das kirchliche Elfenbeinmuseum Walldürn.

Literatur (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Werner Hegemann: Das Deutsche Elfenbeinmuseum Erbach im Odenwald. Ursprung und Entwicklung. In: Aus hessischen Museen 2, Kassel 1982, S. 29–48.
  • Hans Werner Hegemann: Wegweiser durch das Deutsche Elfenbeinmuseum Erbach, versehen mit Fingerzeigen zum Verständnis der Exponate. 3., revidierte Auflage, Deutsches Elfenbeinmuseum, Erbach 1984
  • Arianna Giachi: Deutsches Elfenbeinmuseum – Kuriositäten einer aussterbenden Kunst. In: Hendrik Markgraf (Hrsg.): Museumslandschaft Rhein-Main. Societäts-Verlag, Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-7973-0490-0, S. 52–54.
  • Monika Eschner: Museen in Hessen. Ein Handbuch der öffentlich zugänglichen Museen und Sammlungen im Lande Hessen. 4. Auflage. Hessischer Museumsverband, Kassel 1994, ISBN 3-9800-508-8-2, S. 369f.
  • Brigite Dinger: Jan Holschuh (1909-2000) und sein Wirken für das Deutsche Elfenbeinmuseum in Erbach. In: Gelurt. Odenwälder Jahrbuch für Kultur und Geschichte 2001, S. 202–204.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Deutsches Elfenbeinmuseum Erbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Geschichte des Deutschen Elfenbeinmuseums Erbach (Memento vom 10. Juni 2010 im Internet Archive)
  2. Das neue Konzept der Dauerausstellung 2006 (Memento vom 10. Juni 2010 im Internet Archive)
  3. Politik & Kultur Ausgabe 5/13, S. 15 Kulturelles Leben Die Rote Liste (PDF; 5,7 MB), abgerufen am 24. August 2013
  4. Vorübergehende Schließung des Deutschen Elfenbeinmuseums Erbach abgefragt am 2. November 2011
  5. Frankfurter Allgemeine vom 10. September 2015: Hessen rettet Elfenbein in das Erbacher Schloss
  6. Frankfurter Allgemeine vom 9. November 2016: In Erbach stehen die Exponate jetzt im Grafenschloss
  7. Beschreibung des Ausstellungsrundgangs

Koordinaten: 49° 39′ 47″ N, 9° 0′ 3″ O