Die Furcht vor der Freiheit

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Die Furcht vor der Freiheit (original Escape from Freedom) ist ein Buch des Psychoanalytikers, Philosophen und Sozialpsychologen Erich Fromm, welches 1941 veröffentlicht wurde.

Mit diesem Buch beabsichtigte Fromm, neben seinen Charakterstudien des modernen Menschen, die Wechselwirkungen zwischen psychologischen und soziologischen Faktoren zu untersuchen.

Ziel der Untersuchung war es, „die Gründe für die totalitäre Flucht vor der Freiheit“ zu erkennen.[1]

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Vorwort nennt der Autor die Kernaussage des Buches:

„Die These des Buches lautet, daß der moderne Mensch, nachdem er sich von den Fesseln der vor-individualistischen Gesellschaft befreite, die ihm gleichzeitig Sicherheit gab und ihm Grenzen setzte, sich noch nicht die Freiheit – verstanden als positive Verwirklichung seines individuellen Selbst – errungen hat.“

These des Buches im Vorwort[1]

Fromm untersucht zunächst den Freiheitsbegriff an sich, d. h. Freiheit als „psychologisches Problem“. Nachfolgend betrachtet er die geschichtliche Entwicklung des Individualismus und das „Doppelgesicht der Freiheit“.[2]

In seiner Untersuchung widmet er sich daraufhin den Fluchtmechanismen vor der Freiheit:[2]

Die Fluchtmechanismen werden aus tiefenpsychologischer Perspektive beleuchtet, d. h. unter Berücksichtigung unbewusster Kräfte.

Zusammenhang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fromm entwickelt seine Charakterlehre in Psychoanalyse und Ethik noch weiter. Letzteres betrachtet er gewissermaßen als eine Art Fortsetzung.

Jahre zuvor wurde unter Leitung Fromms der autoritäre Charakter im Rahmen der Berliner Arbeiter- und Angestelltenerhebung empirisch untersucht. Diese Studie führte er „am Vorabend des Dritten Reiches“[3] am Frankfurter Institut für Sozialforschung durch.

Das Buch wurde zur Zeit seiner Veröffentlichung in Amerika 1941 schnell bekannt. Besonderes Interesse hatte die Öffentlichkeit an der Analyse des Nazismus und der Persönlichkeitsstruktur Hitlers.[4]

Der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck beruft sich bezüglich seiner Freiheitsauffassung auch auf Die Furcht vor der Freiheit.[5][6]

Im modernen Diskurs wird ebenso noch auf die Schrift verwiesen; so zitiert der Journalist Paul Mason in seinem Text Keine Angst vor der Freiheit Fromms Werk.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erich Fromm: Die Furcht vor der Freiheit 1941a. In: Rainer Funk (Hrsg.): Erich Fromm Gesamtausgabe in 12 Bänden. Band I: Analytische Sozialpsychologie. Stuttgart 1999, ISBN 3-421-05280-8, S. 215–392.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Fromm, S. 218 (Vorwort)
  2. a b Fromm, aus dem Inhaltsverzeichnis.
  3. Anmerkung: So lautet der Untertitel der Jahrzehnte später veröffentlichten Untersuchung von Wolfgang Bonß.
  4. Fromm, S. XXVI (Einleitung des Herausgebers, Zu Leben und Werk Erich Fromms in der Gesamtausgabe, Band I)
  5. Joachim Gauck: Zwischen Furcht und Neigung – die Deutschen und die Freiheit, Berlin, 21. April 2009 (3. Berliner Rede zur Freiheit am Brandenburger Tor der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit), Online-Version (Memento vom 18. Februar 2012 im Internet Archive) (hier ab Minute 52:40).
  6. Seite mit PDF der 3. Berliner Rede zur Freiheit am Brandenburger Tor der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit. Direkter Bezug auf Die Furcht vor der Freiheit: PDF ab Seite 16 (darin beschriftet mit Seite 29). Abgerufen am 21. November 2017.
  7. Paul Mason: Keine Angst vor der Freiheit. In: Heinrich Geiselberger (Hrsg.): Die große Regression. Eine internationale Debatte über die geistige Situation der Zeit. 1. Auflage. edition Suhrkamp, 2017, ISBN 978-3-518-07291-2, S. 149–174 (Erwähnung des Buches Die Furcht vor der Freiheit auf S. 167).