Die Grablegung Christi (Caravaggio)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Michelangelo Caravaggio 052.jpg
Grablegung Christi
Michelangelo Merisi da Caravaggio, 1602-1604
Öl auf Leinwand, 300 cm × 203 cm
Vatikanische Museen

Grablegung Christi von Michelangelo Merisi da Caravaggio ist ein Gemälde von 1603/04.

Thema und Personen[Bearbeiten]

Das Bild zeigt die Grablegung Christi. Auf der rechten Seite streckt Maria Kleophae in Verzweiflung ihre Arme zum Himmel. Neben ihr steht mit gesenktem Kopf Maria Magdalena. Die Jungfrau Maria ist als alte Frau im Nonnengewand dargestellt. Sie scheint mit ihrem Arm die ganze Szenerie umarmen zu wollen. Im Vordergrund hält der gebeugte Nikodemus, vom Hl. Johannes (links) unterstützt, den Leichnam Christi.

Ausführung[Bearbeiten]

Die Komposition des Gemäldes ist bemerkenswert. Das Auge des Betrachters gleitet von den erhobenen Händen in der rechten oberen Ecke diagonal über die gebeugten Köpfe der Trauernden und horizontal platzierten Körper Jesu zum Leichentuch unten links. Das Tuch hängt über dem Grab und scheint in den Raum des Zuschauers hineinzugreifen. Der dunkle und leere Hintergrund lenkt die ganze Aufmerksamkeit auf die Figuren.

Die Darstellung der Jungfrau Maria als Nonne ist ungewöhnlich.

Der Finger von Johannes, der Christus unter die Arme greift, rutscht genau in dessen Wunde hinein. Solchen makabren Details begegnet man häufig bei Caravaggio.

Symbolik[Bearbeiten]

Die Pflanze im Vordergrund symbolisiert die Hoffnung auf ein neues Leben.

Der hängende rechte Arm (bei Christus) ist ein Element, das in Reliefs der römisch-griechischen Antike in den Darstellungen der gefallenen Helden anzutreffen ist.

Historischer Hintergrund[Bearbeiten]

Entsprechend den Beschlüssen des Konzils von Trient sollte die christliche Kunst allgemein verständlich sein und den Betrachter emotional bewegen. Diese Anforderung scheint den Stil von Caravaggio insbesondere in diesem Gemälde erheblich beeinflusst zu haben.

Das Gemälde wurde im Auftrag von Girolamo Vittrice als Altarbild für dessen Familienkapelle in der Kirche Santa Maria in Vallicella in Rom gemalt. 1797 wurde es nach den Bestimmungen des Vertrags von Tolentino nach Paris gebracht. Seit der Rückgabe 1817 hängt es in der Vatikanischen Pinakothek. In der Kirche hängt heute eine Kopie, die der Maler Michele Koek anfertigte.[1]

Literatur[Bearbeiten]

  • Patrick de Rynck: How to Read a Painting. Decoding, Understanding and Enjoying the Old Masters. Thames & Hudson, London 2005, ISBN 0-500-51200-0.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Beschreibung auf der Seite der Vatikanischen Museen