Digital Coded Squelch

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Digital Coded Squelch (DCS) (englisch für „digital kodierte Rauschsperre“) ist ein Selektivrufverfahren, das die Bildung von Benutzergruppen auf einer gemeinsamen Trägerfrequenz im Sprechfunk, ermöglicht. Das Funktionsprinzip ist identisch mit dem von CTCSS, die technische Umsetzung unterscheidet sich jedoch grundlegend.

DCS-Signale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kennungen der einzelnen DCS-Codes sind:[1]

023 025 026 031 032 036 043 047 051 053
054 065 071 072 073 074 114 115 116 122
125 131 132 134 143 145 152 155 156 162
165 172 174 205 212 223 225 226 243 244
245 246 251 252 255 261 263 265 266 271
274 306 311 315 325 331 332 343 346 351
356 364 365 371 411 412 413 423 431 432
445 446 452 454 455 462 464 465 466 503
506 516 523 526 532 546 565 606 612 624
627 631 632 645 654 662 664 703 712 723
731 732 734 743 754

Vereinfachte Funktionsbeschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beispiel Sprechfunk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die übertragene Sprache wird für die Dauer jeder Aussendung im Sender mit einer von 52 möglichen Kennungen in Form eines digitalen Datenstroms unterlegt. Anders als bei der herkömmlichen Rauschsperre, die den Lautsprecher des Empfängers bei Empfang eines jeden Signales einschaltet, wird dieser bei der Verwendung von DCS nur dann aktiviert, wenn auch der Datenstrom mit einer zuvor festgelegten der 52 möglichen Kennungen erkannt wird. Somit erhält der Empfänger nur jene Nachrichten, die von einem Sender mit der von ihm erwarteten Kennung versehen wurden. Der gleichzeitig mit der Sprache übertragene Datenstrom wird für den Benutzer im Empfänger unhörbar gemacht. Da das entsprechende Signal außerhalb des zur Sprachübertragung verwendeten Audiofrequenzbereiches liegt, kann es einfach wie effektiv herausgefiltert werden.

Auf diese Weise könnten prinzipiell auch einzelne Geräte angesprochen werden, indem man eben bei der Aussendung die jeweils von ihnen erwartete Kennung verwendet. Tatsächlich ist es jedoch so, dass für diesen Zweck wesentlich einfachere und flexiblere Systeme mit größeren Adressräumen, also einer größeren Menge von individuell ansprechbaren Funkgeräten, wie beispielsweise 5-Ton-Ruf, DTMF sowie die in Europa weniger gebräuchlichen Techniken MODAT, MDC-1200 und Quik Call zur Verfügung stehen.

Praktischer Nutzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Praxis gibt es für DCS zweierlei Einsatzgebiete:

Vermeidung von Störgeräuschen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Lautsprecher wird nur noch bei Empfang einer erwünschten Aussendung und nicht mehr durch Störsignale wie Überreichweiten oder Einstrahlung durch elektrische Geräte eingeschaltet. Ist der Lautsprecher des Empfängers erst einmal durch eine laufende, erwünschte bzw. mit der erwarteten DCS-Kennung unterlegte Übertragung eingeschaltet, wird diese als solche jedoch selbstverständlich nicht gegen weitere Unterbrechungen oder Störungen geschützt.

Bildung von Benutzergruppen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Teilen sich beispielsweise eine Straßenbaufirma und ein Taxiunternehmen in einer Großstadt notgedrungen dieselbe Sprechfunkfrequenz, weil auf Grund der stadtweiten Nutzerzahl einfach nicht für jeden Betrieb eine eigene Frequenz zur Verfügung steht, werden sie kaum an den Nachrichten des Anderen interessiert sein. Verwenden nun beide Firmen eine unterschiedliche DCS-Kennung, bleiben die Funkgeräte der Taxifahrer stumm, wenn auf der Baustelle Material nachbestellt wird.

DCS taugt allerdings ausschließlich dazu, unerwünschte Übertragungen auszublenden. Sendet beispielsweise der Taxiunternehmer auf der gemeinsamen Frequenz, so ist diese belegt und es würde bei einer gleichzeitigen Aussendung durch einen anderen Teilnehmer zu Störungen kommen – unabhängig davon, ob es sich um einen anderen Taxifahrer mit der gleichen oder den Bauunternehmer mit einer unterschiedlichen DCS-Kennung handelt. Da jedoch die Funkgeräte des jeweils anderen Teilnehmers stumm bleiben, kann dieser einzig an einer optischen Anzeige erkennen, ob die gemeinsame Frequenz frei ist, er also seine Mitbenutzer nicht stören würde. Deshalb gibt es bei professionellen Funkgeräten die Möglichkeit, Aussendungen bei bereits belegter Frequenz mit technischen Mitteln zu unterbinden.

Kein Schutz gegen unbefugtes Mithören[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Abhörsicherheit ist bei der Verwendung von Digital Coded Squelch in keiner Weise gegeben, da nur bei am Empfänger aktiviertem DCS überhaupt Signale unterdrückt werden. Deaktiviert der Mithörer an seinem Funkgerät diese Funktion, werden alle Aussendungen auf der eingestellten Frequenz empfangen – unabhängig davon, ob sie mit einer DCS-Kennung versehen sind, oder nicht. Der gleiche Effekt wird erzielt, wenn das Empfangsgerät die DCS-Funktion schlichtweg nicht unterstützt. In der Anwendung ergibt sich der Umstand, dass die Sendetaste (PTT) etwas länger gedrückt werden muss (ca. 0,5 Sekunden), bis die Gruppengeräte das Signal für den Empfänger öffnen. Anders als im uncodierten Verfahren, wo sofort nach Tastendruck gesprochen werden kann.

Alternative Bezeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Verfahren wurde 1994 im britischen Telekommunikationsstandard MPT 1381[2] unter dem Namen Digital Coded Squelch beschrieben.

Es ist jedoch bei diversen Herstellern von Sprechfunkgeräten unter abweichenden Bezeichnungen bekannt:

  • Digital Private Line (DPL) ist eine Marke von Motorola.
  • Digital Tone Code Squelch (DTCS) ist die bei ICOM verwendete Bezeichnung.
  • Digital Channel Guard (DCG) heißt die Technik bei General Electric.
  • Digital Quiet Talk (DQT) bei Kenwood

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Markus Zubler: Tabellen der CTCSS, DCS, Common ID. In: freeradionetwork.ch. Abgerufen am 17. Juni 2011.
  2. MPT 1381 CODE OF PRACTICE Digitally Coded Squelch Signalling (DCSS) system for use in the Land Mobile Services. In: offizielle Seite des Ofcom. 1996, abgerufen am 17. Juni 2011 (PDF; 44 kB, englisch).