Dionysiuskirche (Wulsdorf)

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Westturm und Glockenturm der St. Dionysiuskirche

Die Dionysiuskirche am Jedutenberg in Bremerhaven-Wulsdorf gehört zur evangelisch-lutherischen Dionysiusgemeinde Wulsdorf.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nordseite von Schiff und Chor
Blick in den Chor

Bis heute sind im alten Dorfkern Wulsdorfs kleine Reste der bäuerlichen Siedlung des Vielandes erhalten, die zur Grafschaft Stotel gehörte, die 1373 Teil des Erzstiftes Bremen wurde. 1648 kam das Gebiet unter schwedische Hoheit als Teil des Herzogtums Bremen und 1719 zum Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg, das ab 1866 die preußische Provinz Hannover war. 1920 wurde Wulsdorf Teil von Geestemünde und ist heute ein Stadtteil von Bremerhaven.

Die Existenz einer Kirche wird erstmals 1313 urkundlich erwähnt; 1463 wurde namentlich die dem Dionysius von Paris gewidmete Dionysiuskirche in Wulsdorf in einer Urkunde des Vielandes genannt. Archäologisch sind zwei Holzkirchen als Vorgängerbauten nachgewiesen, von denen die ältere in das Ende des 9. oder Anfang des 10. Jahrhunderts datiert wurde.

Südseite des Schiffs

Die romanische Kirche wurde wohl im 12. Jahrhundert aus Feldstein errichtet und war lange Zeit eine Wehrkirche. Sie hat einen Westturm und einen freistehenden Glockenturm. Der Kirchhof war mit einer hohen und starken Mauer eingefasst, damit die Einwohner mit sich samt Vieh und anderer beweglicher Habe bei kriegerischen Überfällen schützen konnten. Auch bei Sturmfluten konnten sie hier Schutz suchen.

Der rechteckige Chor hatte wohl von Anfang an ein Gewölbe, von dem ein Eckpfeilerkapitell erhalten ist. Das heute vermauerte Südportal ist ein Stufenportal aus Sandstein. Am heute ebenfalls vermauerten Nordportal wurde schon in der ersten Bauphase auch Backstein im Klosterformat verwandt, was auf eine Bauzeit im letzten Viertel des Jahrhunderts schließen lässt. Möglicherweise schon im 13. Jahrhundert wurde das Kirchenschiff mit Backstein erhöht und eingewölbt, das Chorgewölbe erneuert, sowie mindestens ein Fenster spitzbogig, also in gotischem Stil, vergrößert. Weitere, offensichtlich etwas jüngere Fenstervergrößerungen, wurden ebenfalls in Backsteinen im mittelalterlichen Klosterformat durchgeführt, sind aber stilistisch nicht so typisch.

Wohl im 15. Jahrhundert wurde südwestlich neben der Kirche ein freistehender Parallelmauerturm für die Glocken errichtet, ebenfalls aus Backstein im Klosterformat.

Südseite des Chors

Später, nun mit neuzeitlich kleinem Backstein, wurden die Außenmauern des Schiffs um einen weuteren halben Meter erhöht sowie Glockenturm und Westturm ausgebessert. Eisenanker an der Westwand des Westturms zeigen in stilisierter Abwandlung die Jahreszahl 1780.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Chor von einer Bombe egtroffen und schwer beschädigt. Erfolgte 1949 die Wiederherstellung nach Plänen von Gustav Sieben, mit getreuer Rekonstruktion des Nordfensters, aber ohne Ostfenster.

Archäologische Grabungen in den Jahren 2002/03 lieferten neue Erkenntnisse zu den Vorgängerbauten und der ehemaligen Kirchenausstattung, z. B. den Glasfenstern. Dabei wurde auch der Wulsdorfer Silberschatz entdeckt.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dionysiuskirche steht seit 1978 unter Denkmalschutz.[1] Der Alt-Wulsdorfer Friedhof von 1865, verwaltet vom Ev.-luth. Friedhofsamt Geestemünde, liegt an der nahen Kreuzackerstraße und Straße Hackfahrel.

Die Kindertagesstätte „Mikado“ am Jedutenberg gehört zur Dionysiusgemeinde.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler – Bremen/Niedersachsen; Deutscher Kunstverlag, München und Berlin 1977, ISBN 3422003487.
  • Johann Holst: Die Wulsdorfer Kirche. Niederdeutsches Heimatblatt Nr. 15 von 1926.
  • Rudolf Stein: Dorfkirchen und Bauernhäuser im Bremer Lande. Bremen 1967.
  • Fritz Hörmann/Egon Stuve: Wulsdorf, älter als 850 Jahre. Bremerhaven 1989. S. 63–67.
  • Gerhard Grunwald: Chronik von Wulsdorf. Bremerhaven 1990. S. 41–177.
  • Dieter Bischop u. a. (Hrsg.): Burg und Kirche in Wulsdorf, Bremerhaven 2014
  • Hans Christian Küchelmann: Besser einen Spatz in der Hand als einen roten Hahn auf dem Dach. Eine handvoll Knochen aus der Dionysiuskirche in Bremerhaven-Wulsdorf, Fundstelle 26, Bremen 2014. (online, PDF) auf knochenarbeit.de, Website zu Archäozoologie und Taphonomie

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Dionysiuskirche (Bremerhaven-Wulsdorf) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Denkmaldatenbank des LfD Bremen

Koordinaten: 53° 30′ 3,9″ N, 8° 36′ 8,9″ O