Diskussion:Tacheles

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Verballhornung oder Entlehnung?[Quelltext bearbeiten]

Ich hatte letztens den Artikel abgeändert und das Wort statt als Verballhornung als Entlehnung definiert. Diese Änderung wurde wieder rückgängig gemacht, da es dazu angeblich einen Beleg benötigt. Der Beleg ergibt sich zwar schon aus dem Unterschied zwischen Verballhornung und Entlehnung - aber wenn er unbedingt benötigt wird, da man scheinbar nicht in der Lage ist, den Fehler selbst zu entdecken, dann könnte ja vielleicht das Wikiwörterbeuch weiterhelfen: http://de.wiktionary.org/wiki/Tacheles_reden

Ich werde den Artikel erneut ändern und bitte um Absegnung. -- 77.181.151.90 20:37, 9. Okt. 2010 (CEST)[Beantworten]

Nach fast zehn Jahren nochmals der Versuch einer Richtigstellung: Im November 2009 hatte ich geschrieben: Die korrekte Form des Wortes zeigt sich schon im Zeitschriftentitel, ist dokumentiert z. B. in der "Fackel" von Karl Kraus (elf Belegstellen) und wird von jedem Jiddischsprechenden bestätigt.
Es lassen sich weitere Belege von Autoren hinzufügen, die wie Karl Kraus das Jiddische beherrschten, etwa Friedrich Torberg, Polgar oder Friedell. Auch im bekannten Buch von Salcia Landmann Jidisch - das Abenteuer einer Sprache ist Tachles belegt, Tacheles gibt es dort nicht. Das Wort existierte im Jiddischen seit Jahrhunderten, als Lehnwort (Entlehnung) im Deutschen ebenfalls. Im Englischen gibt es ebenfalls Tachles. Das Grimmsche Wörterbuch hat Tachles leider nicht aufgenommen, und "Tacheles" sowieso nicht, weil diese Form erst in den 1930er Jahren auftaucht, und zwar mit pejorativem Akzent in nationalsozialistischen Publikationen. Wer einen früheren Beleg für "Tacheles" findet, wird beglückwünscht. Wiktionary behauptet (wie ich glaube zu Recht) ebenfalls, "Tacheles" sei erst seit dem 20. Jahrhundert im Deutschen bezeugt:
Das Wort ist eine seit dem 20. Jahrhundert bezeugte Entlehnung aus dem westjiddischen תּכלית‎ (YIVO: takhles [taxˈlɛs]) ‚Ziel; Zweck‘. Es könnte sich auch um eine unmittelbare Übernahme der westjiddischen Redewendung תּכלית רעדן‎ (YIVO: takhles redn) ‚Zweckmäßiges reden, zur Sache kommen‘ handeln. Das jiddische Wort תּכלית‎ entstammt wiederum dem hebräischen תַכְלִית‎ (CHA: taḵlīṯ [taxˈliːt]) ‚Ende, Äußerstes‘, später auch „Zweck“.[1][2]
Allerdings erklärt Wiktionary nicht, woher das e kommt, das aus Tachles "Tacheles" gemacht hat. Es erklärt auch nicht, warum ein Sprachkönner wie Karl Kraus in der Fackel elfmal das Wort Tachles verwendet, aber das wort "Tacheles" nie. Im Englischen wird nur die Form Tachles verwendet, Merriam-Webster führt weder tachles noch tacheles an. Wiktionary behauptet (falsch), daß die englisches Form "Tacheles" sei.
Bedauerlicherweise führt auch der Duden "Tacheles" als mögliche Form an. Über die Motive, warum in der deutschen Presse zuerst in der Zeit des Dritten Reichs die veränderte Form "Tacheles" verwendet wurde, und überwiegend in Texten mit antisemitischem Akzent, läßt sich nur spekulieren. Das wollen wir uns hier ersparen.
Aus dem Gesagten ergibt sich, daß Tachles eine Entlehnung ist, "Tacheles" hingegen eine Verballhornung (Entstellung), wie denn ja auch das Wort verballhornen eine Verballhornung des Namens von Balhorn dem Jüngeren ist.--Cantakukuruz (Diskussion) 12:25, 17. Mai 2019 (CEST)[Beantworten]