Doppelmembran

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Dieser Artikel behandelt Doppelmembranen in der Biologie. Der Begriff wird auch in der Membrantechnik verwendet, sowie bei Doppelmembranmikrofonen und Doppelmembranrelais.
Schematische Darstellung der Atmungskette mit innerer und äußerer Mitochondrienmembran, die zusammen eine Doppelmembran bilden.

Eine Doppelmembran oder doppelte Membran ist in der Zellbiologie und Histologie eine Hülle um einen Zellbestandteil (Organell), die aus zwei Biomembranen besteht. Elektronenmikroskopisch ist ein Zwischenraum, der Intermembranraum, sichtbar. Eine Biomembran besteht aus einer Lipiddoppelschicht, eine Doppelmembran setzt sich also aus zwei Lipiddoppelschichten zusammen.[1][2][3]

Von dieser Definition abweichend wird in der Literatur gelegentlich auch eine einzelne Lipiddoppelschicht als Doppelmembran[4], Lipiddoppelmembran[5] oder Doppelschichtmembran[6] bezeichnet.

Doppelmembranen (aus zwei Lipiddoppelschichten) umgeben Zellkerne (siehe Kernhülle), Mitochondrien und Plastiden, zu denen auch die Chloroplasten grüner Pflanzen gehören.[1][2][3] Sie finden sich außerdem bei Autophagosomen[7] und bei Mitosomen[8]. Das Innere dieser Organellen gehört nach der Kompartimentierungsregel zu einer plasmatischen Phase, der Raum zwischen den beiden Lipiddoppelschichten zu einer nichtplasmatischen Phase.[9]

Nach der Endosymbiontentheorie sind die Doppelmembranen von Mitochondrien und Plastiden dadurch entstanden, dass eukaryotische Zellen Bakterien beziehungsweise Cyanobakterien durch Phagozytose aufnahmen. Die innere Membran dieser Organellen entspricht demnach der bakteriellen Membran, während die äußere durch Einstülpen der Zellmembran der eukaryotischen Zelle entstand.

Schematische Darstellung der Kernhülle. Der Raum zwischen innerer und äußerer Kernhülle geht in das endoplasmatische Retikulum (ER) über, Kernporen bilden Verbindungen zwischen dem Kerninhalt und dem Cytoplasma.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Katharina Munk (Hrsg.): Taschenlehrbuch Biologie. Biochemie · Zellbiologie. Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-13-144831-6, S. 6, 341, 389.
  2. a b Neil A. Campbell, Jane B. Reece: Biologie. 8. Auflage. Pearson, München 2009, ISBN 978-3-8273-7287-1, S. 137, 140.
  3. a b Hans-Christian Pape, Armin Kurtz, Stefan Silbernagel: Physiologie. 7. Auflage. Thieme, Stuttgart 2014, ISBN 978-3-13-796007-2, S. 45.
  4. DNB 951040766 Taschenatlas der Biochemie / Jan Koolman ; Klaus-Heinrich Röhm. Farbtaf. von Jürgen Wirth Thieme 1998
  5. Katharina Munk (Hrsg.): Taschenlehrbuch Biologie. Biochemie · Zellbiologie. Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-13-144831-6, S. 406.
  6. Hans-Christian Pape, Armin Kurtz, Stefan Silbernagel: Physiologie. 7. Auflage. Thieme, Stuttgart 2014, ISBN 978-3-13-796007-2, S. 43.
  7. Mizushima N, Ohsumi Y, Yoshimori T: Autophagosome formation in mammalian cells. In: Cell Struct. Funct.. 27, Nr. 6, December 2002, S. 421–9. doi:10.1247/csf.27.421. PMID 12576635.
  8. Andrew J. Roger, Jeffrey D. Silberman: Cell evolution. Mitochondria in hiding. In: Nature. Band 418, Nr. 6900, 22. August 2002, ISSN 0028-0836, S. 827–829, doi:10.1038/418827a, PMID 12192393.
  9. Hans Kleinig, Uwe Maier: Zellbiologie : Ein Lehrbuch. Begründet von Hans Kleinig und Peter Sitte. 4. Auflage. Gustav Fischer Verlag, Stuttgart 1999, ISBN 3-437-26010-3.