Dreckschänke

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Die zunehmend verfallende Dreckschänke, August 2009…
… und im Juni 2006 noch mit dem vom Erzgebirgsverein gesicherten Schild
Dreckschänke (Zustand 1912, noch ohne Anbau)

Die Dreckschänke war ein weit über die Grenzen des Erzgebirges hinaus bekanntes Gasthaus in Breitenbach (Potůčky), das im böhmischen Erzgebirge (heute in Tschechien), unmittelbar am Anton-Günther-Weg und 500 Meter südlich von Johanngeorgenstadt liegt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte des Gasthauses lässt sich bis in das Jahr 1829 zurückverfolgen. Da gehörte das Haus einem Wenzel Dörfel. 1834 hatte dieser an den Wirt Josef Korb verpachtet. 1835 kaufte es Johann Adalbert Hahn. Das an der Poststraße von Johanngeorgenstadt nach Karlsbad gelegene Gasthaus in Breitenbach Nr. 7 (vormals Nummer 49) trug zunächst lediglich den Namen des Besitzers aus der Familie Hahn und hieß Hahn’s- Gasthaus. Es wird spekuliert, dass sich aufgrund des Straßendrecks unmittelbar vor der Haustür des Gasthauses im Volksmund schon bald der Spitzname Dreckschänke einbürgerte, der ab 1875 offiziell übernommen wurde.

Den im Volksmund verbreiteten Namen „Dreckschänke“ wurde die Betreiber-Familie Hahn nie los. Werbewirksam übernahmen Hahn-Witwe Theresia 1885 erstmals den Namen, indem sie ein kleines ovales Porzellanschild „Vulgo Dreckschenke“ über der Tür anbringen ließ. Nach ihrem Tod übernahm Tochter Sophie die Gaststätte, heiratete 1901 den Johanngeorgenstädter Richard Weickert. Der soll Anton Günther zum Lied über die Gaststätte „angestiftet“ haben, das ab 1904 derart populär wurde, dass Kneipe, Lied und Postkarte weit über die Grenzen des Erzgebirges bekannt wurden. Richard Weickert starb Dezember 1921, danach leitet Sophie Weickert das Gasthaus bis 1945 wieder selbst.[1]

1935 feierte die Gaststätte ihr hundertjähriges Bestehen mit einem großen Fest, an dem auch Anton Günther teilnahm. Mit seinem 1904 verfassten Lied Da Draakschänk, das u. a. auf einer Liedpostkarte veröffentlicht wurde, trug dieser wesentlich dazu bei, den Bekanntheitsgrad des Gasthauses zu erhöhen. Im Refrain des Liedes heißt es:

Dos is da Draakschänk
's is weit on brat bekannt, weit rem in Sachsn wie en Böhmerland on gieht mr dort verbei,
do räßt’s en jedn nei, war in dr Draakschänk ruht, dar klabt aa gut.

Nach der Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus Breitenbach 1946 stand die Dreckschänke leer, wurde ausgeplündert und wurde erst von tschechischen Grenztruppen, später zeitweilig auch als Kinderferienlager und längere Zeit als Kindertagesstätte genutzt. Zu dieser Zeit prangte ein roter Stern über dem Eingang, wo zuvor das Dreckschänken-Schild hing. Nach der Eröffnung des Fußgängergrenzüberganges zwischen Johanngeorgenstadt und Breitenbach 1991 wurde die Dreckschänke als Sporthotel wiedereröffnet. Die verschiedenen Betreiber warben damit, dass die Dreckschänke das älteste Hotel im Erzgebirgsraum sei. Nach anfänglich relativ großem Besucherzuspruch blieben die Gäste mehr und mehr aus, sodass das Hotel 2001 wieder geschlossen wurde. Das inzwischen stark restaurierungsbedürftige Gebäude diente danach als Übernachtungsstätte für vietnamesische Händler des Breitenbacher Schwarzmarktes und steht inzwischen leer. Am gegenüberliegenden Berghang, auf dem sich bis nach dem Zweiten Weltkrieg einige Häuser der Streusiedlung Pechöfen befanden, wurde 2006 ein Abfahrtshang für Skifahrer angelegt.

Erste Version der Liedpostkarte von Anton Günther 1904
Zweite Version der Liedpostkarte von Anton Günther mit einem Fremdbild nach dem Umbau der Gaststätte, um 1935

2009 entfernten Mitglieder des Erzgebirgszweigvereins Johanngeorgenstadt das über der Tür befindliche Holzrelief mit der Aufschrift Sport-Hotel Dreckschänke, um es zu sichern und für einen künftigen Verwendungszweck einzulagern.

Besitzer/Wirte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • ab 1829: Inhaber Wenzel Dörfler
  • 1834: Josef Korb
  • 1835–1884: Johann Adalbert Hahn († Juni 1884, Tischler und Gemischtwaren-Kaufmann)
  • 1884–1887: dessen Sohn Franz Xaver Hahn († Juli 1887), Tischlermeister und Gastwirt
  • 1887–1900: dessen Witwe Theresia Hahn geb. Leiner († 20. Januar 1900)
  • 1900–1901: deren Tochter Sophie Hahn, die 1901 Richard Weickert aus Johanngeorgenstadt heiratete
  • 1901–1921: Richard Weickert († 9. Dezember 1921)
  • 1921–1945: Sophie Weickert († Juli 1960)[2][3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sophie Weickert und Kinder (Hrsg.): Die Hundertjährige Dreckschänke – Jubiläumsheft, 1935; ohne Verlags- bzw. Druckereiangabe, Breitenbach, den 28. April 1935, 20 Seiten, 14,4 × 22,5 cm
  • Rudolf Behr (Autor): Neudeker Heimatbrief; Die Geschichte der Dreckschänke, Nr. 176, 1. Mai 1970
  • Rudolf Behr (Autor): Neudeker Heimatbrief; Hundertjahrfeier der Dreckschänke, Nr. 48, 1954
  • Alexis Kolb (Hrsg.): „Das Geldmannl in der Dreckschänk“ – Erzgebirgsposse in einem Aufzug, 1925, Handlung 1870; Thümmlers Theater-Bücherei, Chemnitz, Bd. 13/14, 40 Seiten, 11,5 × 15 cm

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rudolf Behr: Die Geschichte der Dreckschänke, Nr. 176, 1. Mai 1970 und Hundertjahrfeier der Dreckschänke, Nr. 48, 1954, Neudeker Heimatbrief
  2. Rudolf Behr: Die Geschichte der Dreckschänke, Nr. 176, 1. Mai 1970 und Hundertjahrfeier der Dreckschänke, Nr. 48, 1954, Neudeker Heimatbrief
  3. Sophie Weickert: Die Hundertjährige Dreckschänke, 1935

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Dreckschänke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 50° 25′ 8″ N, 12° 43′ 58″ O