Horní Blatná

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Horní Blatna
Wappen von Horní Blatná
Horní Blatná (Tschechien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Karlovarský kraj
Bezirk: Karlovy Vary
Fläche: 562,6542[1] ha
Geographische Lage: 50° 23′ N, 12° 46′ OKoordinaten: 50° 23′ 27″ N, 12° 46′ 11″ O
Höhe: 902 m n.m.
Einwohner: 445 (1. Jan. 2016)[2]
Postleitzahl: 362 37
Kfz-Kennzeichen: K
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 1
Verwaltung
Bürgermeister: Robert Petro (Stand: 2011)
Adresse: Náměstí Sv. Vavřince 1
362 37 Horní Blatná
Gemeindenummer: 555169
Website: www.horni-blatna.cz
Lage von Horní Blatná im Bezirk Karlovy Vary
Karte
Blick auf Horní Blatná von Westen
und Osten

Horní Blatná (deutsch Bergstadt Platten) ist eine Stadt in Tschechien unweit der deutschen Grenze bei Johanngeorgenstadt im böhmischen Erzgebirge.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Horní Blatná liegt in einer platten Senke der Kammhochfläche des böhmischen Erzgebirges am Südwestabhang des Plattenberges (Blatenský vrch).

Nachbarorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Potůčky (Breitenbach)
Nachbargemeinden
Nové Hamry (Neuhammer bei Karlsbad) Pernink (Bärringen)

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platten wurde von Schneeberger Bergleuten gegründet die im Jahre 1532 auf dem Plattenberg ein Zinnbergwerk erschlossen und der Zeche den Namen St. Wolfgang gaben. Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen befahl am 10. Juli 1534 auf Anregung des Ritters und Hauptmanns Hans von Weißenbach aus Schneeberg von Torgau aus die planmäßige Anlage einer neuen Bergstadt auf dem Erzgebirgskamm.

Die Stadt wurde schachbrettartig nach dem Vorbild der 1521 gegründeten Bergstadt Marienberg für 199 Hofstätten angelegt. Der Grundriss entstammt einer Idee des sächsischen Bergmeisters Joachim Spanseil aus Schwarzenberg. Das Gelände wurde entwässert, dann schematisch Kirche, Schule und Rathaus errichtet. Die erste Hinrichtung mit dem Schwert fand im Winter 1545 auf dem Marktplatz in Platten statt.

Die überwiegend protestantisch gebliebene Bevölkerung wurde 1654 gezwungen, die Stadt zu verlassen. Ein Großteil ging über die sächsische Grenze und gründete Johanngeorgenstadt. Die Stadt wurde vom Landesinneren Böhmens wiederbesiedelt, erreichte aber nie mehr die frühere Größe und Bedeutung. Die Anfertigung von Klöppelspitzen, Handschuhen und Blech- und Eisenwaren (z. B. Löffeln) brachte immerhin einen neuen bescheidenen Aufschwung.

1766 soll Kaiser Joseph II. unter dem Synonym eines Grafen von Burgau im Heßlerischen Hause in Platten abgestiegen sein und dort die Bittgesuche der Bewohner entgegen genommen haben. Wegen überteuerter Kornpreise brach In den Jahren 1771 bis 1772 im Erzgebirge eine große Hungersnot aus, dem viele Menschen zum Opfer vielen. So waren 1772 allein im Pfarrsprengel Platten 397 Tote zu beklagen.

1850 wurde die Gemeinde Sitz des Gerichtsbezirks Platten und gehörte ab 1910 zum Bezirk Neudek. Die schneesichere Lage des Ortes begünstigte nach 1900 die Entwicklung des Wintersportes. Im Sommer weilten zahlreiche Sommerfrischler im Ort und erholten sich in der waldreichen Umgebung. Bei der Volkszählung am 17. Mai 1939 wurden in der Bergstadt Platten 2210 Einwohner gezählt.

Nach dem Münchner Abkommen wurde der Ort dem Deutschen Reich zugeschlagen und gehörte bis 1945 zum Landkreis Neudek.

Nach der Vertreibung der Mehrheit der deutschsprachigen Bevölkerung des Ortes im Jahr 1946 kam es zum Verfall vieler nun leerstehender Häuser, da eine Neubesiedelung mit Tschechen nur in geringem Umfang gelang. Nach 1990 siedelten sich Vietnamesen an, die im nahen Potůčky Grenzmärkte betreiben. Seit dem 23. Januar 2007 besitzt Horní Blatná wieder Stadtrechte.

Ortsname[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der deutsche Name des Ortes lautete ursprünglich nur Platten bzw. Platten bei Karlsbad. Da es aber immer wieder zu Verwechslungen mit anderen Orten kam, z. B. mit Platten bei Komotau, wurde bei der Neufestlegung der Ortsnamen 1918 die amtliche Bezeichnung Bergstadt Platten festgelegt.

Bergbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem 15. Jahrhundert schürften und seiften Schneeberger Bergleute am Plattenberg nach Zinn. Auch die Harzgrafen von Mansfeld beteiligten sich spätestens seit 1519 am Seifenbergbau in diesem Gebiet und sind als Bergbautreibende am Lauterseifen am Hirschberg nachweisbar. Bereits 1535 zählte man hier über 300 Bergwerke und Stölln. Das Plattener Bergrevier umfasste mehrere ebenfalls im 16. Jahrhundert entstandene Bergorte, darunter Gottesgab, Abertham, Zwittermühl und Bärringen. Erst nach dem Schmalkaldischen Krieg wurde die Bergstadt 1546 zusammen mit Gottesgab an das Königreich Böhmen abgetreten.

Die Bergbauerträge wurden noch bis 1556 an die sächsischen Kurfürsten abgeführt, danach teilten sich Sachsen und Böhmen den Zehnten. Der Bergbau erreichte Mitte des 16. Jahrhunderts seinen Höhepunkt; im Jahr 1565 wurden knapp 1.700 Zentner gefördert. Danach ging die Förderung wegen unzulänglich entwickelter Abbautechnologien zurück. Im Dreißigjährigen Krieg kam die Förderung weitgehend zum Stillstand.

Der geadelte Bergwerkseigentümer Johann Franz von Heßler bescherte der Stadt die letzte Glanzzeit des Bergbaues. Nach seinem Tode wurden die meisten Zechen aufgelassen, wodurch das Bergwesen einen raschen Niedergang erfuhr. Im Jahre 1806 ist Kajetan Putz als letzter 31. Bergmeister erwähnt und 1847 wurde der letzte Berggeschworene pensioniert. Im Jahre 1848 ist das Bergamt schließlich aufgehoben worden.

Die Bergbaulandschaft Horní Blatná war 2014 eine ausgewählte Stätte für die Kandidatur zum UNESCO-Welterbe Montanregion Erzgebirge.

Entwicklung der Einwohnerzahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohnerzahl1
1869 2213
1880 2340
1890 2524
1900 2771
1910 2749
1921 2163
Jahr Einwohnerzahl1
1930 2348
1950 1098
1961 813
1970 582
1980 448
1991 367
Jahr Einwohnerzahl1 2
2001 468
20043 421
20053 409
20063 399
20073 395
20083 394
Jahr Einwohnerzahl2
20093 389
20103 391
20113 381
20123 379
20133 381
20143 383
1 Datenquelle bis 2001: Historický lexikon obcí České republiky[3]
2 Datenquelle ab 2004: Počty obyvatel v obcích[4]
3 1. Januar

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1899 besteht eine Eisenbahnverbindung über die Grenze nach Johanngeorgenstadt und ins Landesinnere über den Erzgebirgskamm nach Karlovy Vary (Karlsbad).

Es verkehren regelmäßig Linienbusse über Pernink (Bärringen) und Ostrov (Schlackenwerth) nach Karlovy Vary.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Horní Blatná zählt zu den am besten erhaltenen Bergstadtanlagen des 16. Jahrhunderts im böhmischen Erzgebirge. Die Stadt steht seit 1992 als kostbar erhaltenes Beispiel einer planmäßig gegründeten Bergstadt in weiten Teilen unter Denkmalschutz.

Zu den Sehenswürdigkeiten zählen:

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Personen mit Bezug zur Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolf Schaller († nach 1536), Bergbauunternehmer, Mitbegründer der Stadt
  • Georg Körner († vor 1582), Geschworener in St. Joachimsthal, Bergmeister
  • Paul Wenzel Seeling (um 1617-1693), Waldbereiter, Stadtrichter, Bergmeister und Münzamtsverwalter
  • Johann Putz (um 1631–1697), Kommunalpolitiker, Grenzzolleinnehmer, Stadtkämmerer und Stadtvogt
  • Hans Adam Siegel (1638–1679), Waldheger und Förster, Zinnzehnteinnehmer, Bergschreiber
  • Theodor Sichelbarth († 1710), Grenzzollbereiter, Stadtschreiber, Schulmeister und Kantor
  • Johann Franz von Heßler (1693–1770), Grenzzolleinnehmer und Bergwerkseigentümer, kaiserlicher Rat

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jörg Brückner, Kurt Burkhardt, Reinhart Heppner, Roland Stutzky: Das Schwarzwassertal vom Fichtelberg zur Zwickauer Mulde in historischen Ansichten. Geiger, Horb am Neckar 1993, ISBN 3-89264-770-4, S. 31 ff.
  • Heimatbuch Landkreis Neudek. 2. Auflage. Heimatgruppe Glück Auf Landkreis Neudek, Augsburg-Göggingen 1978.
  • Erich Matthes: Die Anfänge der Bergstadt Platten. In: Bohemia. Zeitschrift für Geschichte und Kultur der böhmischen Länder. Bd. 1, 1960, ISSN 0523-8587, S. 122–152, (Digitalisat).
  • Horst Pohl: Bergstadt Platten. Wirtschaftlich-kulturelle Beziehungen und Binnenwanderung im böhmisch-sächsischen Erzgebirge 1532-1938. In: Bohemia. Zeitschrift für Geschichte und Kultur der böhmischen Länder. Bd. 6, 1965, S. 173–229, (Digitalisat).
  • Robert Jahn: Auf der Platt. Beitrag zum 400jährigen Jubiläum unserer Mutterstadt von 1532–1654. Schindler, Johanngeorgenstadt 1932.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Horní Blatná – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.uir.cz/obec/555169/Horni-Blatna
  2. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2016 (PDF; 371 KiB)
  3. Historický lexikon obcí České republiky - 1869-2015. Český statistický úřad, 18. Dezember 2015, abgerufen am 16. Januar 2016 (tschechisch).
  4. Počty obyvatel v obcích (2001–2013). Ministerstvo vnitra České republiky, 2015, abgerufen am 8. Januar 2016 (tschechisch).