Dutty Boukman

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Dutty Boukman (* im 18. Jahrhundert; † 1791 auf Saint-Domingue, heute Haiti) war der Anführer des ersten entscheidenden Sklavenaufstandes 1791 in Saint-Domingue. Obwohl Boukman schon in den ersten Wochen der Rebellion getötet wurde, bekamen die Sklavenhalter der damals noch französischen Besitzung von diesem Zeitpunkt an bis zur Unabhängigkeit Haitis die Freiheitskämpfer nicht mehr unter Kontrolle. Boukman wurde ein haitianischer Volksheld und seine Rolle während der den Aufstand einleitenden religiösen Voodoo-Zeremonie im Bois Caïman (Krokodilwald) ist legendär, obwohl sie nicht mit letzter historischer Sicherheit belegt ist.

Leben und Legende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geburtsjahr und -ort Boukmans sind unbekannt. Er soll bereits als Sklave auf der damals englischen Insel Jamaika geboren worden sein. Von dort wurde Boukman nach Saint-Domingue verkauft. Auf Jamaika soll der hochgewachsene, muskulöse Sklave mit dem furchteinflößenden, zerfurchten Gesicht Bookman Dutty gerufen worden sein. Das deutet darauf hin, das er lesen gelernt hatte.

Auf Saint-Domingue arbeitete Boukman als Kutscher, was ihm ein Optimum an Informationen über die Außenwelt gab, das einem Sklaven damals an diesem Ort möglich war. Gleichzeitig war er durch sein Wissen, durch seine beeindruckende Erscheinung und seinen Widerstandsgeist sehr einflussreich unter den Sklaven. Als er seinem Herren weglief und Führer eine Gruppe von weggelaufenen Sklaven (Maroons) wurde, war Boukman deswegen in der Lage, Informationen zu verteilen, Gruppen zu koordinieren und eine Rebellion zu planen.

Am 22. August 1791 führte er mit der Voodoo-Priesterin Sesil Fatima und anderen Anführern wie Georges Biassou und Jean François Papillon die berühmte Zeremonie im „Wald der Krokodile“ durch, bei der er ein ebenso legendäres Gebet gesprochen haben soll:

Gott, der die Erde geschaffen hat, Gott, der die Sonne schuf, um uns Licht zu geben, Gott, der den Ozean zurückhält, der den Donner grollen läßt. Unser Gott, der Ohren hat zu hören. Du, der du verborgen bist in den Wolken, der uns von dort beobachtet. Du sieht alles, was die Weißen uns an Leid zugefügt haben. Der Gott des weißen Mannes veranlaßt ihn, Verbrechen zu begehen. Aber der Gott in uns will, das wir Gutes tun. Unser Gott, der so gut ist, so gerecht, er befiehlt uns, unsere ungerechte Behandlung zu rächen. Er ist es, der unsere Waffen führen wird und uns den Sieg bringen wird. Es ist er, der uns helfen wird. Wir alle sollten es wegwerfen, das Bild des weißen Mannes Gott, der so gnadenlos ist. Lauscht der Stimme der Freiheit, die in all unseren Herzen singt.
Wegen dieses Gebetes wird Boukman oft auch als Voodoo-Priester bezeichnet. Dafür gibt es, abgesehen von der Zeremonie, aber keine Indizien. Einen sicheren Beweis, dass er ein praktizierender Priester war, gibt es jedenfalls nicht.

Einen Tag nach dem Treffen im Bois Caïman brach die Rebellion los. Boukman wurde schon in den ersten Wochen angeblich gefangen und hingerichtet, nach anderen Berichten aber fiel der als wilder Kämpfer bekannte Anführer in einem Scharmützel. Träfe die letztere Version zu, wird als sein Todestag der 15. Oktober 1791 genannt (Geggus). Jedenfalls wurde er getötet oder verschwand völlig von der Bildfläche. Ein abgeschlagener Kopf wurde mit dem Namen Boukman öffentlich präsentiert, doch der haitianische Nationalheld und andere Anführer, die nun in allen Teilen der Kolonie aufstanden (Toussaint L'Ouverture), waren trotz eines jahrelang andauernden Gemetzels mit beispielloser Brutalität auf allen Seiten nicht mehr aufzuhalten.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • C. L. R. James: The Black Jacobins. Toussaint L’Ouverture and the San Domingo Revolution. London 1938; Allison & Busby, London 1982, ISBN 0-85031-335-X
  • David Patrick Geggus: Haitian Revolutionary Studies. Blacks in the Diaspora. Indiana University Press, Bloomington 2002, ISBN 0-253-34104-3