Einheitsverband der Metallarbeiter Berlins

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Der Einheitsverband der Metallarbeiter Berlins (EVMB) war eine kommunistische Gewerkschaft in der Endphase der Weimarer Republik, die auch nach 1933 im Widerstand gegen den Nationalsozialismus aktiv war.

Entstehung[Bearbeiten]

Der Einheitsverband der Metallarbeiter Berlins wurde am 4. November 1930 von KPD-nahen Metallarbeitern als erster „roter Verband“ der Revolutionären Gewerkschafts-Opposition in Berlin-Wedding gegründet. Ein Grund für die Gründung ist einerseits in der veränderten KPD-Gewerkschaftspolitik zu suchen, die zunehmend auf Distanz zu den sozialdemokratisch dominierten Gewerkschaften des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB) ging. Andererseits geht sie auf den Berliner Metallarbeiterstreik im Oktober desselben Jahres zurück, bei dem es eine große Unzufriedenheit mit der Streikführung durch den Deutschen Metallarbeiterverband (DMV) gab. Die Verbandsgründung basierte damit nicht allein auf taktischen Entscheidungen der KPD und der Komintern in Moskau, sondern stützte sich ebenso auf den traditionellen lokalen Arbeiterradikalismus in Berlin. Die Aufgabe der RGO und ihrer Industriegewerkschaften wie dem EVMB bestand in Übereinstimmung mit der damaligen KPD-Programmatik in Versuchen, Streiks zur Abwehr von Lohnkürzungen oder für bessere Arbeitsbedingungen, aber vor allem für revolutionäre politische Forderungen – gegen den Willen der sozialdemokratischen Führung der ADGB-Gewerkschaften – zu organisieren.

Entwicklung und Ausrichtung[Bearbeiten]

Der EVMB stand in linksradikaler Konkurrenz zum DMV und versuchte, dessen Mitglieder für Streiks zu gewinnen. Der EVMB forderte die Anhänger des DMV zum Übertritt in den „roten Verband“ auf. Daraus entstand eine erbitterte Feindschaft zwischen den Organisationen, die aber auch aus jahrelangen ungelösten Konflikten zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten innerhalb des Berliner DMV resultierte. Doch dem EVMB gelang es zwischen Ende 1930 und Anfang 1933 nur in geringem Umfang, DMV-Mitglieder abzuwerben. Die vom EVMB initiierten Arbeitskämpfe waren selten erfolgreich, wenngleich der Verband im Vergleich zu anderen Organisierungsbereichen der RGO zu einer der erfolgreicheren Gewerkschaften zählte. Auch wenn der EVMB von wesentlich mehr Mitgliedern sprach, arbeiteten die meisten der maximal 13.000 Mitglieder in kleineren Betrieben oder in Abteilungen von Großbetrieben wie den Siemens- oder AEG-Werken. Dort, wo der Verband stark war, sollen vorrangig qualifizierte Facharbeiter oder Frauen beschäftigt gewesen sein. Der Frauenanteil soll in dieser Metallgewerkschaft außergewöhnlich hoch gewesen sein (zeitweise über 40 Prozent). Auch unter den Berliner Drehern und Formern hatte der Verband eine erhebliche Anhängerschaft. Bei den Betriebsrätewahlen 1931 errang der Verband in einigen Betrieben, in denen qualifizierte Facharbeiter oder viele Frauen beschäftigt waren, Achtungserfolge. In manchen kleineren Betrieben drängte der EVMB den DMV in eine Außenseiterposition, weshalb sich das angespannte Verhältnis zwischen den verfeindeten Organisationen zusätzlich verschärfte. Nicht wenige Mitglieder des EVMB verloren wegen ihrer linksradikalen Positionierung und ihrer Beteiligung an Streiks ihren Arbeitsplatz. Auch wegen der schwierigen Arbeitsmarktsituation während der Weltwirtschaftskrise stieg die Erwerbslosenquote unter den Mitgliedern von 30 auf über 60 Prozent. Der EVMB sah auch Arbeitslose als Zielgruppe seiner revolutionären Gewerkschaftspolitik an und versuchte, diese mit Hilfe von speziellen Sektionen in die Aktivitäten der Organisation und die von ihr geführten Arbeitskämpfe einzubeziehen.

Der EVMB im Widerstand gegen den Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Die lokale Verankerung half dem EVMB dabei, nach dem Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft des Jahres 1933 seine Organisation aufrechtzuerhalten. Der Verband ging zu Beginn des NS-Regimes nach dem Reichstagsbrand in die Illegalität und baute eine mehrere Hundert Mitglieder umfassende Widerstandsgruppe auf. Diese betrieb zeitweise eine von der KPD-Führung unabhängige Gewerkschaftspolitik. Dabei grenzte sich die Gruppe von ehemaligen DMV-Mitgliedern sowie Anhängern anderer freier Gewerkschaften ab. Die Gestapo sprach sogar davon, dass sich Ende 1933 um die 1000 Mitglieder in illegalen Strukturen des Verbandes betätigten. Die Sicherheitsbehörden erkannten in den Aktivitäten des EVMB eine erhebliche Gefahr für den weiteren Aufbau des NS-Staates. Laut neueren Forschungsergebnissen muss der illegale Verband als eine der bedeutendsten gewerkschaftlichen Widerstandsgruppen in der Frühphase der NS-Zeit angesehen werden. In der Illegalität konzentrierte sich der EVMB auf die Propagandaarbeit für den „revolutionären Sturz“ des NS-Regimes und die Verteilung von mit Hilfe von Wachsmatrizen gefertigten Zeitschriften, auf die Kassierung von Mitgliedsbeiträgen sowie die Sammlung von Informationen über die Verhältnisse in den Betrieben und Stempelstellen. Vom EVMB, der in allen Berliner Stadtteilen und im Umland aktiv war, wurden - wie auch schon vor 1933 - Versuche unternommen, Streiks zu initiieren. Diese sollten dazu dienen, um den NS-Staat zu destabilisieren oder Lohnkürzungen abzuwehren. In manchen Fällen gelang es, eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen zu verhindern. Die Beteiligung an solchen Aktionen beinhaltete ein großes Risiko. Zahlreiche Mitglieder und Sympathisanten des EVMB wurden 1933/34 von der Gestapo festgenommen und zu jahrelanger Haft verurteilt.

Auflösung[Bearbeiten]

Ab Mitte 1934 geriet der EVMB wegen seiner sektiererischen Gewerkschaftspolitik und der konsequenten Abgrenzung von Sozialdemokraten in deutlichen Konflikt mit der Führung der KPD. Die Partei verfolgte inzwischen eine andere Gewerkschaftspolitik als der EVMB. Die KPD gab schrittweise die RGO-Politik auf. Der EVMB hielt jedoch an der alten Linie fest. Schon zuvor hatte es erhebliche Meinungsverschiedenheiten um gewerkschaftliche und politische Fragen mit der ursprünglich nahestehenden Partei gegeben. Ende 1934 verweigerte der EVMB sogar die Zusammenarbeit mit Teilen der KPD, deren Führung die Mitglieder des Verbandes als „Parteischädlinge“ bezeichnete. Ab 1935 war der EVMB kaum noch in der Lage, weiterhin seinen Kurs gegen die KPD-Führung wie bisher zu verfolgen. Die kleiner werdenden Gruppen des Verbandes lösten sich 1935/36 auf oder wurden von den NS-Verfolgern zerschlagen. Der illegale EVMB bildete einen wichtigen Ausgangspunkt für den Widerstand anderer kommunistischer Gruppen, die zu einem späteren Zeitpunkt entstanden.

Funktionäre (Auswahl)[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Stefan Heinz: Moskaus Söldner? „Der Einheitsverband der Metallarbeiter Berlins“: Entwicklung und Scheitern einer kommunistischen Gewerkschaft. VSA-Verlag, Hamburg 2010, ISBN 978-3-89965-406-6.
  • Stefan Heinz/Siegfried Mielke (Hrsg.): Funktionäre des Einheitsverbandes der Metallarbeiter Berlins im NS-Staat. Widerstand und Verfolgung (= Gewerkschafter im Nationalsozialismus. Verfolgung – Widerstand – Emigration, Bd. 2). Metropol Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-86331-062-2.