Siegfried Mielke

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Siegfried Mielke (* 28. April 1941 in Kremerbruch, Pommern) ist ein deutscher Politikwissenschaftler.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siegfried Mielke studierte von 1962 bis 1966 Politikwissenschaft, Politische Soziologie und Neuere Geschichte an der Freien Universität Berlin (FU Berlin). Er schloss sein Studium 1966 mit dem Diplom in Politikwissenschaft und im Nebenfach Neuere Geschichte ab.

In den Jahren von 1967 bis 1971 war er wissenschaftlicher Assistent von Ernst Fraenkel am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin und wurde hier 1972 zum Dr. phil. promoviert.

Mielke lehrte am Otto-Suhr-Institut der FU Berlin von 1972 bis 1978 als Assistenzprofessor. 1972 bis 1974 war er Vorstandsmitglied bzw. Vorsitzender des Konzils der FU Berlin. Er habilitierte sich 1976 in Politikwissenschaft in Berlin. Seit 1979 ist er Professor für Politikwissenschaft mit den Schwerpunkten Politische Systeme, Interessengruppen sowie Historische Grundlagen an der FU Berlin. Ab 1979 war Mielke mehrere (zweijährige) Wahlperioden geschäftsführender Direktor des Institutes für Innenpolitik und Komparatistik des Fachbereiches Politik- und Sozialwissenschaften der FU Berlin. Jahrelang hatte er das Amt des Vorsitzenden des Prüfungs- und Promotionsausschusses des Otto-Suhr-Institutes inne. Darüber hinaus war er von 1996 bis 2006 zusammen mit Bodo Zeuner Leiter der an dieses Institut angebundenen Arbeitsstelle Nationale und Internationale Gewerkschaftspolitik, in deren Leitungsgremien er bis heute aktiv ist.[1] In den Jahren 1999, 2004 und 2005 war er geschäftsführender Direktor des Otto-Suhr-Institutes. Trotz seines Ruhestandes betätigt er sich weiterhin in Lehre und Forschung am Otto-Suhr-Institut.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mielkes Schwerpunkte in der Lehre und Forschung waren in den letzten 20 Jahren das politische System der Bundesrepublik Deutschland, Parlamentarismus auf Bundes- und Landesebene, Föderalismus sowie der vergleichenden Interessengruppenforschung. Daneben lag der Kern seiner Untersuchungen im Bereich der nationalen und internationalen Gewerkschaftsforschung. Zugleich beschäftigt sich Mielke mit der Entwicklung von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen, Pluralismus und Korporatismus, dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus, dem System der Konzentrationslager und den sowjetischen Speziallagern in der Sowjetischen Besatzungszone.

Ein erheblicher Teil der Publikationen Mielkes beschäftigt sich mit der Gewerkschaftsentwicklung in Deutschland – speziell mit der historischen Entwicklung und dem Neuaufbau der Gewerkschaften nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Bei ihrer Forschungsarbeit untersuchen Mielke und die Forschungsgruppe des Otto-Suhr-Instituts im Rahmen der Thematik „nationale und internationale Gewerkschaftspolitik“ als einzige in der Bundesrepublik Deutschland auch den Bereich der politischen Regulierung der Arbeitsbeziehungen. Dabei handelt es sich um ein Forschungsfeld, das Machtbeziehungen und Aushandlungsprozesse zwischen Staat, Kapital und Arbeit (Normen, Regeln, Verfahren und Institutionen) – sowohl im politischen als auch im wirtschaftlichen System auf verschiedenen Handlungsebenen – umfasst. Mielke steht mit seinen Themenschwerpunkten „Gewerkschaftsentwicklung“ und „Arbeitsbeziehungen“ in einer langjährigen Forschungstradition des Otto-Suhr-Instituts, die unter anderem auf den Institutsgründer Otto Suhr zurückgeht. Diesen Namenspatron und seine Tätigkeit in der Gewerkschaftsbewegung hat Mielke gemeinsam mit Britta Herweg auch in einer Publikation vorgestellt.[2]

Eines seiner großen Forschungsprojekte widmet sich dem Thema „Widerstand und Verfolgung von Gewerkschaftern und Gewerkschafterinnen im Nationalsozialismus“. Dazu hat er neben Aufsätzen und Quelleneditionen gemeinsam mit Günter Morsch und Stefan Heinz mehrere biographische Handbücher herausgegeben, in denen Einzelschicksale von Gewerkschaftsmitgliedern, die aufgrund ihrer politischen bzw. gewerkschaftlichen Aktivität in den Konzentrationslagern Oranienburg und Sachsenhausen inhaftiert wurden, dargestellt und in den historischen Rahmen eingeordnet werden.[3] Mit dem Widerstand und der Verfolgung aus den Reihen der Metallarbeiterschaft sowie von Gewerkschafterinnen beschäftigen sich mehrere Sammelbände, die mit Stefan Heinz herausgegeben wurden. Seit 2012 sind Siegfried Mielke und Stefan Heinz Herausgeber der Buchreihe „Gewerkschafter im Nationalsozialismus. Verfolgung – Widerstand – Emigration“ im Berliner Metropol Verlag.

Eine Internetausstellung, die unter Leitung von Siegfried Mielke in Zusammenarbeit mit Studierenden, Wissenschaftlern und der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten 2008/09 erarbeitet wurde, würdigt die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg. Ein weiteres von Mielke herausgegebenes Buch beschäftigt sich mit dem Widerstand von Dozenten und Studierenden der Deutschen Hochschule für Politik gegen den Nationalsozialismus. Daneben sind die Entwicklung und die verfassungsrechtlichen Voraussetzungen der bundesdeutschen Landesparlamente in Mielkes Schriften Thema. Genauer hat er die Organisation, die politische und soziale Zusammensetzung und die Funktionswechsel der Landesparlamente untersucht. Überdies hat Mielke mit Peter Rütters rund 40 Beiträge für die Brockhaus-Enzyklopädie (19. und 20. Aufl.) verfasst. Darunter sind Beiträge über die wichtigsten internationalen Gewerkschaftsorganisationen, beispielsweise Internationaler Bund Freier Gewerkschaften (IBFG), Weltverband der Arbeit (WVA), Weltgewerkschaftsbund (WGB), Internationale Berufssekretariate (IBS) und Europäischer Gewerkschaftsbund (EGB).

Mit den Teilnehmern seiner Seminare zur Geschichte der Konzentrationslager und Speziallager hat Siegfried Mielke regelmäßig Exkursionen – unter anderem in die Gedenkstätten in Buchenwald, Sachsenhausen und Ravensbrück – unternommen. Als Teilbeitrag für eine Ausstellung in der Gedenkstätte Sachsenhausen (Oranienburg) bearbeiteten Studenten unter der Leitung von Siegfried Mielke und Günter Morsch (Leiter der Gedenkstätte) Biographien von Häftlingen aus dem Konzentrationslager und aus dem Speziallager Sachsenhausen. Bereits abgeschlossen sind weitere Ausstellungsprojekte, die aus Projektkursen hervorgegangen sind, die sich mit der Verfolgung, dem Widerstand und der Emigration aus den Reihen der Arbeiterbewegung im Nationalsozialismus beschäftigen.

Für seine "herausragende Lehre" wurde Siegfried Mielke 2006 mit dem "LorBär" am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft gewürdigt.[4]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monografien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Länderparlamentarismus (= Schriftenreihe der Bundeszentrale für Politische Bildung. Band 83). Bonn 1971.
  • Der Hansa-Bund für Handel, Gewerbe und Industrie. Der gescheiterte Versuch einer antifeudalen Sammlungspolitik (= Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft. Band 17). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1976, ISBN 3-525-35968-3.
  • Internationales Gewerkschafts-Handbuch. Leske und Budrich, Opladen 1983, ISBN 3-8100-0362-X.

Herausgeberschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Quellen zur Geschichte der deutschen Gewerkschaftsbewegung im 20. Jahrhundert, Band 5–8, Köln 1987–1999: Bund-Verlag und Band 15 Bonn 2011: J. H. W. Dietz Nachf. Verlag.
  • Gewerkschafter in den Konzentrationslagern Oranienburg und Sachsenhausen. Biographisches Handbuch, Bd. 1–4, Berlin 2002–2013: Edition Hentrich und Metropol Verlag, ISBN 3-89468-268-X (Bd. 1), ISBN 3-89468-275-2 (Bd. 2), ISBN 3-89468-280-9 (Bd. 3), ISBN 978-3-86331-148-3 (Bd. 4) [Bde. 2 und 3 hrsg. in Verbindung mit Günter Morsch, Bd. 4 hrsg. mit Stefan Heinz unter Mitarbeit von Julia Pietsch]
  • (mit Werner Reutter): Länderparlamentarismus in Deutschland. Geschichte – Struktur – Funktionen, Wiesbaden 2004 (2. durchgesehene und aktualisierte Auflage 2011): VS Verlag, ISBN 978-3-531-18361-9
  • Gewerkschafterinnen im NS-Staat: Verfolgung, Widerstand, Emigration, Essen 2008: Klartext, ISBN 978-3-89861-914-1
  • (unter Mitarbeit von Marion Goers, Stefan Heinz, Matthias Oden, Sebastian Bödecker): Einzigartig – Dozenten, Studierende und Repräsentanten der Deutschen Hochschule für Politik (1920–1933) im Widerstand gegen den Nationalsozialismus, Berlin 2008: Lukas Verlag, ISBN 978-3-86732-032-0
  • (mit Günter Morsch): „Seid wachsam, dass über Deutschland nie wieder die Nacht hereinbricht.“ Gewerkschafter in Konzentrationslagern 1933–1945. Begleitband zur Ausstellung der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, der Arbeitsstelle Nationale und Internationale Gewerkschaftspolitik der FU Berlin und der Hans-Böckler-Stiftung, Berlin 2011: Metropol Verlag, ISBN 978-3-86331-031-8
  • (mit Stefan Heinz unter Mitarbeit von Marion Goers): Funktionäre des Deutschen Metallarbeiterverbandes im NS-Staat. Widerstand und Verfolgung (= Gewerkschafter im Nationalsozialismus. Verfolgung – Widerstand – Emigration, Bd. 1), Berlin 2012: Metropol Verlag, ISBN 978-3-86331-059-2
  • (mit Stefan Heinz): Funktionäre des Einheitsverbandes der Metallarbeiter Berlins im NS-Staat. Widerstand und Verfolgung (= Gewerkschafter im Nationalsozialismus. Verfolgung – Widerstand – Emigration, Bd. 2), Berlin 2012: Metropol Verlag, ISBN 978-3-86331-062-2
  • (mit Stefan Heinz unter Mitarbeit von Julia Pietsch): Emigrierte Metallgewerkschafter im Kampf gegen das NS-Regime (= Gewerkschafter im Nationalsozialismus. Verfolgung – Widerstand – Emigration, Bd. 3), Berlin 2014: Metropol Verlag, ISBN 978-3-86331-210-7
  • (mit Stefan Heinz): Eisenbahngewerkschafter im NS-Staat: Verfolgung – Widerstand – Emigration (1933–1945) (= Gewerkschafter im Nationalsozialismus. Verfolgung – Widerstand – Emigration, Bd. 7), Berlin 2017: Metropol Verlag, ISBN 978-3-86331-353-1

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. zu den biografischen Angaben Hans Coppi/Stefan Heinz (Hrsg.): Der vergessene Widerstand der Arbeiter. Gewerkschafter, Kommunisten, Sozialdemokraten, Trotzkisten, Anarchisten und Zwangsarbeiter (= Geschichte des Kommunismus und Linkssozialismus, Bd. XVI), Berlin: dietz 2012, S. 354 und Der Präsident der Freien Universität Berlin (Hrsg.): Forschung an der Freien Universität Berlin: Fachbereich Politische Wissenschaft (Otto-Suhr-Institut), Berlin 1996: Veröffentlichung der FU Berlin, S. 93 f.
  2. Vgl. Britta Herweg/Siegfried Mielke: Otto Suhr als Gewerkschafter. Von der Arbeiterbildung zur Politikwissenschaft, Berlin 1999: Veröffentlichung der Arbeitsstelle Nationale und Internationale Gewerkschaftspolitik der FU Berlin
  3. Vgl. dazu genauer Vorstellung von Siegfried Mielke als Vorstandsmitglied des Fördervereins der Gedenkstätte und des Museums Sachsenhausen e. V., S. 10 f.
  4. Vgl. Laudatio von Christian Walther - LorBär 2006 für herausragende Lehre am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft