Ebbinghaus-Täuschung

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Die Ebbinghaus-Täuschung ist eine visuelle Wahrnehmungstäuschung, bei der ein zentraler Kreis unterschiedlich groß wahrgenommen wird in Abhängigkeit von der Größe eines Rings aus weiteren Kreisen.

Der rote Innenkreis ist in beiden Fällen gleich groß.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Beschreibung der Täuschung stammt von dem Psychologen Hermann Ebbinghaus (1850–1909), der sie in den 1890er Jahren bekannt machte. Populär wurde sie durch ein Lehrbuch von Edward B. Titchener, deshalb auch „Titchener circles“.

Stimulus und Beobachtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Kreis wird von einem Ring aus mehreren, untereinander gleich großen Kreisflächen umgeben, meist 5, 6 oder 8. Der zentrale Kreis erscheint umso kleiner, je größer die umgebenden Kreise werden. Besonders anschaulich ist eine dynamische Änderung der peripheren Kreise.[1] Kinder unter sieben Jahren täuschen sich nicht im selben Ausmaß wie Erwachsene.[2] Nach van Ulzen et al. können Bilder in den Kreisen eine Änderung in der Größenwahrnehmung bewirken im Vergleich zu Kreisen ohne Bilder. Dazu kommt noch ein Einfluss positiver oder negativer Bildinhalte.[3]

Deutungen und Zusammenhänge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Größensteuerung durch Aufmerksamkeit [van Ulzen (2008)]. Bilder mit negativem Inhalt bewirken mehr Aufmerksamkeit und erscheinen deshalb größer als Kreise, die positive Bilder enthalten oder leer sind.
  • Entwicklungsphänomen [Doherty (2010)]. Die Fähigkeit, den Größenkontrast wie im Ebbinghaus-Phänomen wahrzunehmen, entwickelt sich erst langsam am Ende der Kindheit.
  • Größe der Sehrinde. Probanden ließen sich am ehesten in der Größenwahrnehmung täuschen, wenn die Oberfläche der Sehrinde klein war [4].
  • Hypothese des Wahrnehmungswinkels[5]. Es wird nur der Ausschnitt aus dem Retinabild zur Wahrnehmung verarbeitet, der den Stimulus (das Gesamtbild) umfasst und sich deshalb auch nach dessen Größe richtet. Er wird im visuellen System auf einen Speicher oder Inneren Monitor von konstantem Ausmaß projiziert. Ein kleiner Stimulus wird auf diesem Monitor in einer bestimmten Größe wahrgenommen. Ein größerer Stimulus – derselbe Innenkreis, aber mit viel größeren ihn umgebenden Kreisen – erfordert einen größeren Wahrnehmungswinkel. Wird dessen Inhalt auf denselben Monitor abgebildet, dann muss der Innenkreis kleiner erscheinen als im ersten Fall.

Vergleichbare Täuschungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Delboeuf-Täuschung scheint in Ursache und Wirkung ein verwandtes Phänomen zu sein.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bach, M (2013). Dynamic Ebbinghaus Illusion. http://www.michaelbach.de/ot/cog-EbbingDyn/index.html.
  2. Doherty, MJ; Campbell, NM; Tsuji, H, and Phillips,WA (2010). The Ebbinghaus illusion deceives adults but not young children. Development Science, 13, 714-721. doi:10.1111/j.1467-7687.2009.00931.x.
  3. N. R. van Ulzen, G. R. Semin, R. R. Oudejans, P. J. Beek: Affective stimulus properties influence size perception and the Ebbinghaus illusion. In: Psychological research. Band 72, Nummer 3, Mai 2008, S. 304–310, doi:10.1007/s00426-007-0114-6, PMID 17410379, PMC 2668624 (freier Volltext).
  4. Archivlink (Memento des Originals vom 17. November 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.nationalgeographic.de.
  5. McCready, D (1985). On size, distance, and visual angle perception. Perception and Psychophysics, 27, 323-334.