Eisarsch-Regatta

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Eisarsch-Regatta 2013; im Hintergrund das Vereinsgebäude des Lübecker Yacht-Clubs

Die Eisarsch-Regatta ist eine norddeutsche Segelveranstaltung, die seit 1969 von der Eisarschgilde des 1898 gegründeten Lübecker Yacht-Clubs auf dem seit dem Mittelalter gestauten Fluss Wakenitz in der Hansestadt Lübeck (Schleswig-Holstein) ausgetragen wird. Als Teilnehmer wurden bis 2018 ausschließlich Männer mit einem Mindestalter von 25 Jahren zugelassen. Im Jahr 2019 wurde das Teilnahmealter auf 21 Jahre gesenkt und auch Frauen durften mitmachen.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Winter-Regatta findet jeweils am ersten Sonnabend im Dezember statt. Gesegelt wird in Einhandjollen für Kinder und Jugendliche, den Optimisten. Als größte Herausforderung nennen die erwachsenen Teilnehmer das Einsteigen in die Jollen. Nicht selten gehen sie dabei im winterlich-kalten Flusswasser baden – daher die Bezeichnung für die Regatta.

Starten durften bis 2019 nur Männer über 25 Jahre. Die Teilnehmer werden vor dem Start einschließlich Garderobe gewogen, können jedoch auch in für den Winter ungeeigneter Bekleidung wie einer Badehose vor den Wiegewart treten. Das Startgeld kostet 20 Cent je Kilogramm. Zu gewinnen sind rosarote Kunststoff-Abgüsse eines Kinderpopos auf Mahagoniplatte. Der Eisarsch geht an den schnellsten Teilnehmer, der Eisarsch-Pokal an den besten auswärtigen Segler sowie der Team-Arsch an die beste Mannschaft.[2]

Gesegelt wird auf einem Dreieckskurs zwischen Falkendamm, dem Gelände des Lübecker Yacht-Clubs an der Roeckstraße und der Moltkebrücke. An der Regatta nehmen Segler aus dem gesamten norddeutschen Raum teil. Zur 37. Regatta im Dezember 2005 waren 176 Segler gemeldet, 136 wurden gewertet.[3]

Der in den Regatta-Statuten bis einschließlich 2018 vorgesehene Ausschluss von Frauen von einer Teilnahme führte auch zur Kritik. Die Klage einer Seglerin, die sich in den 1980er-Jahren vor Gericht die Teilnahme zu erstreiten versuchte, wurde abgewiesen. Als Begründung, warum Frauen auch in Zukunft ausgeschlossen bleiben sollen, sagte der Organisationsleiter Günter Arndt vom Lübecker Yacht-Club 2003 dem Nachrichtenmagazin Spiegel: „Wenn wir auch Frauen zulassen würden, hätten wir vermutlich schnell mehr Teilnehmer, als wir organisatorisch bewältigen können.“[4] Für die Teilnahme an der Eisarsch-Regatta am 7. Dezember 2019 meldeten sich mehrere Frauen an.[5]

Die Regatta konnte bislang sechs Mal nicht ausgetragen werden, weil die Wakenitz zugefroren war, zuletzt 2010.[6] Darüber hinaus fiel die Regatta 1977 wegen Flaute aus. Während der 39. Eisarsch-Regatta am 1. Dezember 2007 bei Windstärke 6 und einer Wassertemperatur von neun Grad kenterten 25 von 110 Teilnehmern. Sieger war zum zweiten Mal nach 2001 Bernhard Krüger vom Seglerverein Trave, der 1983 als 15-Jähriger Deutscher Meister im Optimisten geworden und 2007 Vizeweltmeister in der Klasse Platu 25 war.[7]

An der Regatta 2008 nahm zum ersten Mal eine Frau teil, jedoch zunächst ohne Wissen der Veranstalter. Die Regatta fiel auf den 6. Dezember, den Nikolaustag, und alle Segler hatten sich als Nikolaus kostümiert. Heike Gercken, Jugendtrainerin des Neustädter Segelvereins und zweifache Weltmeisterin im Windsurfen (1999 und 2001[8]), hatte sich mit ihrem korrekten – allerdings sehr undeutlich geschriebenen – Vornamen angemeldet, dieser wurde vom Regattabüro als „Heiko“ interpretiert, so wurde ihre Meldung angenommen und sie konnte starten. Im Ziel legte sie den Nikolausmantel ab und stand mit weißem Engelsgewand und Flügeln in der Jolle.[9] „Alle haben’s mit Humor genommen“, sagte sie anschließend. Die Statuten wollte der Veranstalter dennoch nicht ändern und Frauen auch weiterhin ausschließen. „Das war eine einmalige Aktion und nur wegen der Kostümierung möglich“, sagte Frank Schärffe von der Eisarsch-Gilde.[10] Bekanntester Teilnehmer der Regatta am 1. Dezember 2012 war Simon Grotelüschen, der mit einem Optimisten aus Mahagoni segelte, mit dem er einst das Segeln gelernt hatte. Er landete im Feld von 70 Seglern auf einem der hinteren Ränge, weil der Opti Wasser zog.[11] Unter 53 Teilnehmern kam 2014 am Nikolaustag bei der 46. Eisarsch-Regatta Meeno Schrader auf den 16. Platz.[12] 2016 herrschte Flaute, als die Regatta ausgetragen werden sollte, deswegen fand stattdessen ein Gummistiefelweitwurf-Wettbewerb statt.[13] 2017 siegte Matthias Düwel aus Hamburg. Helge Sach hatte noch in der zweiten Kreuz das Feld angeführt; er kenterte jedoch, lenzte den Opti und erreichte Platz neun.[14] 2020 fiel die Regatta, zu der sich 40 Segler angemeldet hatten, wegen der Corona-Pandemie aus.[15]

Weitere Eisarsch-Regatten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff Eisarsch-Regatta wurde inzwischen von anderen Seglervereinen für winterliche Segelveranstaltungen übernommen. Die Seglervereinigung Havel e.V. am Berliner Stößensee richtet bereits seit 1983 unter dem Begriff Eisarschel-Wettfahrt eine Eisarsch-Regatta aus. Sie findet alljährlich kurz vor dem Abslippen statt. Zugelassen sind dort nur die Wasserlieger des Vereins, das heißt die Boote, die im Winter im Wasser verbleiben. Gesegelt wird auf der Unterhavel und nach Yardstick.[16] In Kiel veranstalten der Segelverein Schwentinemünde und die Schwentine-Fahrten-Segler seit 1991 Regatten in Optimisten unter diesem Namen in der Schwentinemündung. Die Segelkameradschaft Buchholz in der Nordheide richtete am 3. Dezember 2005 ihre zweite Eisarsch-Regatta auf dem Buchholzer Stadtteich aus. Nach dem Lübecker Vorbild finden in Österreich auf dem Attersee bei Nußdorf seit 2001 Eisarsch-Regatten statt. Die ab 2008 auf dem Möhnesee ausgetragene Eisarsch-Regatta des Yachtclub Möhnesee bezieht sich in der Ausschreibung sogar ausdrücklich auf das Lübecker Vorbild.[17]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Eisarsch-Regatta – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jan Stemmle: Eisarschregatta 2019. In: www.lyc.de. Lübecker Yacht-Club, 7. Dezember 2019, abgerufen am 22. Februar 2020.
  2. 37. Eisarsch-Regatta auf der Wakenitz am 3. Dezember. In: www.luebecknews.de. LuebeckNews.de, 28. November 2005, archiviert vom Original am 27. September 2007; abgerufen am 22. Februar 2020.
  3. Sven-Erik Horsch gewinnt Eisarsch-Regatta. In: www.luebecknews.de. LuebeckNews.de, 6. Dezember 2005, archiviert vom Original am 27. September 2007; abgerufen am 22. Februar 2020.
  4. Lübecker "Eisarschregatta". Wo ein Mann noch ein Mann sein kann. In: www.spiegel.de. Spiegel, 4. Dezember 2003, abgerufen am 22. Februar 2020.
  5. Arcus Stöcklin: Aus für Männer-Clubs? Vereine kritisieren Scholz-Vorstoß. In: Lübecker Nachrichten. 12. Dezember 2019, S. 6.
  6. Eis auf der Wakenitz verhindert "Eisarschregatta". In: shz.de. 2. Dezember 2010 (shz.de [abgerufen am 22. Februar 2020]).
  7. Sabine Latzel: Norddeutsch-frisch: Regatta mit Abbaden. In: Lübecker Nachrichten. 2. Dezember 2007, S. 30.
  8. 2001 Annual Report. (PDF) In: www.sailing.org. International Sailing Federation, S. 29, archiviert vom Original am 26. Juni 2012; abgerufen am 22. Februar 2020 (englisch).
  9. Heike Gercken: Ein Engel bei der Eisarsch-Regatta. In: www.p-l-s.de. Archiviert vom Original am 25. Oktober 201; abgerufen am 22. Februar 2020.
  10. Sebastian Rosenkötter: Eisarsch-Regatta: Ein Engel mogelte sich unter die Nikoläuse. In: Lübecker Nachrichten. 9. Dezember 2008, S. 9.
  11. Torsten Teichmann: Eisarsch-Regatta: Winzige Jollen ertragen schwere Männer. In: Lübecker Nachrichten. 2. Dezember 2012, S. 13.
  12. Männer in kleinen Booten. In: Lübecker Nachrichten. 7. Dezember 2014, S. 14.
  13. Flaute und fliegende Gummistiefel. In: Lübecker Nachrichten. 4. Dezember 2016, S. 14.
  14. Sebastian Rosenkötter: Ein Hamburger holte die Eisarsch-Trophäe. In: Lübecker Nachrichten. 5. Dezember 2017, S. 15.
  15. Eisarsch. lyc.de, abgerufen am 6. Dezember 2020.
  16. Eisarschel-Wettfahrt. In: svhavel.de. Seglervereinigung Havel, abgerufen am 22. Februar 2020.
  17. Eisarsch-Regatta am Möhnesee (NRW) am 05.12.2015. In: www.eisarsch.de. Abgerufen am 22. Februar 2020.