Eisenbahnunfall von Berlin Schönhauser Allee

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Bei dem Eisenbahnunfall von Berlin Schönhauser Allee stürzten am 27. Juni 1922 zahlreiche außen auf den Trittbrettern eines Zuges mit Abteilwagen der Berliner Ringbahn mitfahrende Reisende vom Zug herunter. Mindestens 45 Personen kamen dabei ums Leben.

Unfallhergang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Nachmittag des 27. Juni 1922, dem Tag der Beisetzung von Walter Rathenau, legte das Personal aller Verkehrsbetriebe in Berlin die Arbeit nieder, und es verkehrten keine U-Bahnen, Straßenbahnen und Omnibusse. Deshalb waren die Züge auf der Berliner Ringbahn völlig überfüllt. Viele Reisende fuhren stehend auf den Trittbrettern der Abteilwagen ohne Seitengang mit.[1]

Ein Trittbrettfahrer hielt sich an einer Tür fest. Aus seinem Rucksack ragte eine lange Stange. Auf freier Strecke zwischen den Bahnhöfen Gesundbrunnen und Schönhauser Allee sprang die Tür, an der sich der Reisende festhielt, auf. Dadurch geriet die Stange ins Lichtraumprofil des Gegengleises und riss zahlreiche Trittbrettfahrer von dem entgegenkommenden Zug. Als Unfallort wird die Brücke der Schönholzer Straße genannt,[1] zeitgenössische Quellen berichten dagegen von der Millionenbrücke als Unfallort.[2]

Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

18 Menschen starben sofort, die Zahl der Todesopfer erhöhte sich in den nächsten Stunden auf 34; ungefähr 50 Menschen wurden schwer verletzt.[2] In den folgenden Tagen stieg die Zahl der Toten auf mindestens 45.[3]

Der Reisende, der die Stange in seinem Rucksack mit sich führte, kam mit dem Schrecken davon.[1]

Der Unfall wird in dem Kriminalroman von Peter Brock: Das schöne Fräulein Li: Kappes siebenter Fall, Berlin 2009, verarbeitet.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bernhard Püschel: Historische Eisenbahn-Katastrophen. Eine Unfallchronik von 1840 bis 1926. Freiburg 1977. ISBN 3-88255-838-5, S. 124f.
  • Hans Joachim Ritzau: Eisenbahn-Katastrophen in Deutschland. Splitter deutscher Geschichte. Bd.1: Landsberg-Pürgen 1979, S. 100.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Ritzau: Eisenbahn-Katastrophen.
  2. a b Schweres Eisenbahnunglück auf dem Nordring. In Vossische Zeitung, 28. Juni 1922, S. 4.
  3. Weitere fünf Todesopfer. In: Vossische Zeitung, 30. Juni 1922, S. 5.
  4. Elmar Schütze: Fräulein Li und das Jahr 1922. In: Berliner Zeitung v. 11. Juni 2009.

Koordinaten: 52° 32′ 59″ N, 13° 24′ 33″ O