Elektrisch ortsgestellte Weiche

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Elektrisch ortsgestellte Weiche in Dortmund Bbf.

Eine elektrisch ortsgestellte Weiche oder EOW ist eine elektrisch angetriebene Eisenbahnweiche, die nicht von einem Stellwerk, sondern vom Weichenort aus bedient wird. EOW sind das moderne Äquivalent zur Handweiche und werden hauptsächlich in Gleisanlagen eingesetzt, in denen nur Rangierfahrten stattfinden, da die für Zugfahrten notwendige Fahrstraßenfestlegung nicht gegeben ist.

Die Bedienung erfolgt typischerweise an vorgezogenen Bedienstellen über sogenannte Schlagtaster, auch Grobhandtaster genannt. Dies sind große Taster ähnlich Not-Aus-Schaltern oder den Buzzern bei Quizshows. Diese sind vor der Weiche an der Strecke so auf Ständern montiert (oft mehrere Taster in verschiedenen Höhen), dass sie durch das Seitenfenster oder vom Rangiertritt eines langsam vorbeifahrenden Triebfahrzeuges aus betätigt werden können. Alternativ können EOW oft durch eine Weichenstelltafel (WT) oder Fahrwegstelltafel (FT) im Gleisbereich vom Rangierbegleiter oder Triebfahrzeugführer gestellt werden. Dies bietet den Vorteil, dass mehrere Weichen zu einem Fahrweg gestellt werden können und die Geschwindigkeit nicht vor jeder Weiche verringert werden muss. Bei stumpf befahrenen Weichen gibt es außerdem die Möglichkeit, den Umstellvorgang durch Befahren von Schienenkontakten auszulösen. In diesem Fall ist überhaupt kein Bedieneingriff nötig.

Stelltafel eines EOW-Bereichs.

EOW mit Schlagtastern haben gegenüber Handweichen diverse Vorteile im Eisenbahnbetrieb. Statt die Rangierfahrt anzuhalten, von der Lokomotive abzusteigen, die (eventuell schlecht geschmierte oder festgefrorene) Handweiche mit Muskelkraft umzulegen, wieder aufzusteigen und neu anzufahren, kann der Lokführer durchfahren. Dies bedeutet nicht nur erhöhte Sicherheit und eine Verbesserung der Arbeitsgesundheit, da der Lokführer nicht ins Gleis treten muss und das kräftezehrende Klettern und Weichenstellen entfallen, sondern es beschleunigt das Durchfahren von Weichenstraßen mit mehreren Ortsweichen ganz erheblich.

Die Deutsche Bahn verfügte im Januar 2006 über 40 EOW-Bereiche mit 808 Stelleinheiten.[1] Prominent sichtbar sind EOW z. B. in den Gleisanlagen um Frankfurt (Main) Hbf, wo sie im Zuge des Stellwerksumbaus reihenweise installiert worden sind. Ganze Batterien von filigranen, schwarz-gelb gestreiften Ständern mit mehreren Schlagtastern sind von vielen Gleisen aus bei der Einfahrt in den Bahnhof zu sehen. Auffällig sind die nur bei EOW verwendeten Weichensignale in Form von neben- und übereinander angeordneten Signallaternen in einem gemeinsamen Kasten.

Moderne EOW besitzen eine Gleisfreimeldung für den Weichenbereich und verhindern die Umstellung der Weiche, wenn sie besetzt ist. Bei solchen EOW ist dann eine Umstellung mit Funk zulässig. Ein optischer Weichenlagemelder und Gleisfreimelder (Ampel für die Gleisfreimeldung und Weichenlagekörper am Weichenantrieb) geben dem Triebfahrzeugführer die Information ob eine Umstellung erforderlich und zulässig ist.

EOWs werden von vielen Bahnbetreibern selbst hergestellt und zugelassen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jörg Bormet: Anforderungen des Betreibers an den Life-cycle in der Fahrwegsicherungstechnik. In: Signal + Draht. Band 99, Nr. 1+2, 2007, ISSN 0037-4997, S. 6–16.