Elterninitiative

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Elterninitiativen entstanden nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland aufgrund des Mangels an Kindergartenplätzen und Krippenplätzen sowie von Unzufriedenheit mit der Qualität damals vorhandener stationärer Einrichtung zur besseren Behandlung schwerkranker Kinder. Nach der 1974 erfolgten Gründung der Deutschen Krebshilfe durch die Ärztin Mildred Scheel ist das öffentliche Problembewusstsein für die Notwendigkeit spezieller Betreuungsmöglichkeit stark gestiegen. Durch Initiativen von Eltern und Familien entstanden Einrichtung unter dem Begriff „Familienhaus“ in enger Nachbarschaft mit Universitäts-Kliniken und großen Krankenanstalten. Ein neues erstes „Familienhaus“ modernster Ausführung wurde im August 2018 in Thüringen eröffnet. Impulsgeber für den Bau war die „Elterninitiative für krebskranke Kinder Jena e.V.“.[1]

Organisations-Formen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In vielen Fällen entstanden aus diesen Elterninitiativen eingetragene Vereine (e.V.), die als Träger einer Kindertagesstätte tätig sind. Der von den Mitglieds-Eltern in Mitgliederversammlung gewählte ehrenamtliche Vorstand übernimmt die Vertretung des Vereins nach außen und haftet für die Kindertagesstätte. Zudem übernimmt er in der Regel alle administrativen Pflichten auch als Arbeitgeber. Neben der in Deutschland üblichen Organisationsform e.V. gab es auch die GmbH, die jedoch zunächst nicht staatlich gefördert wird,[2] so dass sich die Gemeinnützige GmbH als weitere Variante entwickelte.[3]

Da sich ein großer Teil der Elterninitiativen auf den Betrieb einer Kindertagesstätte konzentriert, werden häufig die Begriffe Elterninitiative, Elternini oder Elterninitiativ-Kita synonym zur Bezeichnung einer durch einen Elternverein betriebenen Kindertagesstätte verwandt.

"Familienhaus" bei der Uni-Kinderklinik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das von der Elterninitiative für krebskranke Kinder Jena initiierte „Familienhaus EKKStein“ hat die Deutsche Krebshilfe mit 250.000 Euro aus Spendengeldern gefördert. Es sei bereits ein Jahr nach dem ersten Spatenstich fertiggestellt worden, würdigte Vereinsgeschäftsfüherin Katrin Mohrholz die Leistung ihrer Organisation in Zusammenarbeit mit der Krebshilfe bei der Eröffnung.[4] Krebshilfe-Vorstand Franz Kohlhuber erinnerte bei der Einweihung des Neubaus: „Seit vier Jahrzehnten setzt sich die Deutsche Krebshilfe für krebskranke Kinder und ihre Familien ein. Sie engagiert sich bundesweit, um die Situation der betroffenen Kinder stetig zu verbessern.“ Das Familienhaus, das Eltern mit den klinisch behandelten jungen Krebspatienten bei langem Klinikaufenthalt temporär bewohnen können, ist nach Expertenmeinung eine die Genesung fördernde Rückzugsmöglichkeit. Das neue Haus liegt in nächster Nähe der Universitäts-Kinderklinik Jena.

Initiativen in den Gemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Kommunen bieten durch Elterninitiativen gegründete Kindertagesstätten den Vorteil, dass sie die so geschaffenen Kindergartenplätze in ihren Bedarfsplan aufnehmen und somit leichter den gesetzlichen Anspruch auf Kindergartenplätze erfüllen können. Gleichzeitig sind Kosten bei der finanziellen Förderung von Plätzen in einer durch eine Elterninitiative betriebenen Kindertagesstätte in der Regel geringer als bei staatlichen Einrichtungen. Nur in Hamburg gab es diesen Unterschied nicht: Dort waren zum Stichtag 1. März 2015 über 98 % der Tageseinrichtungen freie Träger,[5]:S. 91 während in ganz Deutschland zu diesem Zeitpunkt rund ein Drittel aller Kinder bei freien Trägern untergebracht war.[5]:S. 11–12

Vor- und Nachteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Eltern bieten durch Elterninitiativen gegründete Kindertagesstätten den Vorteil, dass sie teilweise Kindergarten- und besonders Krippenplätze erst ermöglichen. Da mit den Mitwirkungspflichten der Eltern in diesen Initiativen in der Regel auch erheblich höhere Mitbestimmungsrechte verbunden sind, erhalten die Eltern einen wesentlich größeren Einfluss auf die Qualität der Betreuung und Förderung ihrer Kinder. Daher wurden viele neuere Ansätze für Kindergärten zuerst in durch Elterninitiativen getragenen Kindertagesstätten verwirklicht. Durch die geringere finanzielle Förderung sind Plätze in durch Elterninitiativen getragenen Kindertagesstätten allerdings meistens teurer als in kommunalen oder kirchlichen Einrichtungen. Zudem wird in den meisten derartigen Kindertagesstätten zusätzliche Mitarbeit der Eltern verlangt. Diese Mitarbeit erstreckt sich beispielsweise auf Betreuung, Einkaufen, Kochen, Putzen, Reparaturen, Gartenarbeit, Lohn- und Gehaltsabrechnung, Buchhaltung, Kontoführung, Beantragung und Abrechnung von Fördermitteln und Überwachung der Erfüllung der gesetzlichen Anforderungen an den Betrieb von Kindertagesstätten, Formulierung und Durchsetzung des pädagogischen Konzepts der Einrichtung.

Da die von Elterninitiativen getragenen Kindertagesstätten aufgrund ihrer mit den Kindern ständig wechselnden Mitgliedschaft der Eltern häufig mit obigen Aufgaben überfordert sind, haben sie Dachorganisationen z. B. als Elternverband gebildet, die die einzelnen Elterninitiativen in der Tagesarbeit unterstützen und vielerorts auch die politische Interessenvertretung übernehmen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bundesarbeitsgemeinschaft Elterninitiativen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. https://www.ekk-jena.de/, abgerufen am 31. August 2018
  2. Susanne Amann: Kinderbetreuung: Gute Geschäfte mit der Kita-GmbH. In: Spiegel Online. 5. Mai 2007, abgerufen am 10. Juni 2018.
  3. Teresa Schliermann: Trägerstrukturen von Kitas, Zeitschrift Eltern, abgerufen am 6. März 2018
  4. https://www.krebshilfe.de/informieren/presse/pressemitteilungen/aktuelle-meldungen/familienhaus-ekkstein-feierlich-eingeweiht/, abgerufen am 1. September 2018
  5. a b Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen und in öffentlich geförderter Kindertagespflege. Kinder- und Jugendhilfestatistiken – Tagesbetreuung für Kinder am 1. März 2017. Statistisches Bundesamt, 27. September 2017, abgerufen am 6. März 2018 (PDF).