Endsieg

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Plakatwand mit nationalsozialistischen Durchhalteparolen in Rumänien (Nordsiebenbürgen, August 1944), Aufnahme einer Propagandakompanie
Trauerkarte aus dem Zweiten Weltkrieg mit Betonung des Glaubens an den Endsieg

Der Begriff Endsieg (als Verkürzung für „endgültigen Sieg“) wurde bereits im Ersten Weltkrieg verwendet, um den zuletzt immer unwahrscheinlicheren, aber gegen alle Rückschläge und Zweifel errungenen, abschließenden und unanfechtbaren Sieg der Mittelmächte gegen die Ententemächte zu bezeichnen. Karl Kraus gab 1918 einer die hoffnungslose Situation darstellenden Glosse den ironischen Titel Vor dem Endsieg.[1] Auch im linken politischen Spektrum wurde durch Rosa Luxemburg der Begriff in diesem Sinn verwendet, um die Position der politischen Gegner zu markieren.[2] Als Propagandabegriff geläufiger als „Endsieg“ war im Ersten Weltkrieg allerdings der Ausdruck „Siegfrieden“, der als Schlagwort gegen die Befürworter eines Verständigungsfriedens ins Feld geführt wurde.

In antisemitischer Bedeutung verwendete Adolf Hitler den Begriff „Endsieg“ auch schon in Mein Kampf:

„Ich war vom schwächlichen Weltbürger zum fanatischen Antisemiten geworden. Nur einmal noch – es war das letzte mal – kamen mir in tiefster Beklommenheit ängstlich drückende Gedanken. Als ich so durch lange Perioden menschlicher Geschichte das Wirken des jüdischen Volkes forschend betrachtete, stieg mir plötzlich die bange Frage auf, ob nicht doch vielleicht das unerforschliche Schicksal aus Gründen, die uns armseligen Menschen unbekannt, den Endsieg dieses kleinen Volkes in ewig unabänderlichem Beschlusse wünsche?“[3]

Seine heutige Prägung erhielt der Ausdruck in der Zeit des Nationalsozialismus, als der Begriff „Endsieg“ während des Zweiten Weltkrieges zu einer Beschwörungsformel der Nationalsozialisten wurde. Man verstand darunter den endgültigen Sieg über die Alliierten, der von den Propagandisten des Regimes bis unmittelbar vor der Kapitulation bekenntnisartig eingeschärft wurde. Auch in Todesanzeigen und Trauerkarten von Wehrmachts- oder Waffen-SS-Angehörigen wurde der „Glaube“ an den Endsieg betont. Ideologisch wurde der „Endsieg“ wegen der angeblichen rassischen Überlegenheit der Deutschen als unausweichlich betrachtet, denen hierzu allerdings die unbedingte Gefolgschaft gegenüber dem „Führer“ abverlangt wurde. Militärisch sollte er insbesondere durch extreme Opferbereitschaft, die als „Wunderwaffen“ gepriesenen technologischen Innovationen der Kriegführung, den Kriegseintritt Japans in Südostasien oder Schiffsversenkungen durch U-Boote herbeigeführt werden. Besonders im Fokus der nationalsozialistischen Akteure stand seit Juni 1941 die Idee einer politischen Spaltung der Alliierten in Ost und West, die vielfach auch in den letzten Kriegsjahren noch als „letzte Chance“ für den Endsieg begriffen wurde. Diese blieb jedoch trotz unablässiger Beschwörungspropaganda aus. Äußerungen des Zweifels am Endsieg konnten besonders in den Jahren 1942 bis 1945 als Defätismus ausgelegt und als „Wehrkraftzersetzung“ mit dem Tode bestraft werden. Die Verurteilten waren häufig Opfer von Denunziationen aus dem Kollegen- oder Bekanntenkreis.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kraus, Karl Glossen. In: Die Fackel, 20/15. Oktober 1918, S. 149.
  2. Luxemburg, Rosa 'Die Ordnung herrscht in Berlin' In: Die Rote Fahne, Nr. 14 vom 14. Januar 1919
  3. Adolf Hitler: Mein Kampf. München 1933; S. 69.