Entfesselter Blitz

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Ein passiver (batterieloser) Servoblitzauslöser mit Saugnapf an einem Stabblitzgerät

Mit entfesseltem Blitz bezeichnet man in der Fotografie den Einsatz eines Blitzgerätes, das räumlich von der Kamera getrennt ist.

Die Steuerung des Blitzgerätes geschieht dabei entweder über ein Verbindungskabel oder drahtlos. Die kabellose Übermittlung erfolgt über Infrarot, Funk oder eine Auslösung durch das Blitzlicht eines anderen Blitzes. Bei Belichtungszeiten ab mehreren Sekunden kann das Blitzgerät auch von Hand ausgelöst werden.

Grundlegendes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bezeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Übliche Bezeichnungen für das Gerät oder den Blitz, mit dem die anderen Blitze gesteuert werden, sind: Master, Sender oder Hauptblitz.

Gängige Bezeichnungen für die entfesselten, ferngesteuerten Blitze sind: Servoblitz, Sklavenblitz, Tochterblitz, Slave oder Slave-Flash

Funktionsprinzip[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Moderne Systemkameras können mehrere Blitzgeräte gemeinsam betreiben und in die automatische Belichtungsmessung integrieren.

Durch die bei digitalen Kameras und deren eingebauten Blitzgeräten üblichen Vorblitze (u. a. zur Messung des Motivabstands und der Belichtung) sind herkömmliche Servoblitzgeräte und -auslöser hier nicht zu gebrauchen. Vielmehr sind solche mit speziellen Schaltungen erforderlich, die Vorblitze ignorieren und erst beim eigentlichen Hauptblitz zünden. Auch muss der zusätzliche Vorblitz gegen rote Augen zwingend abgeschaltet bleiben.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gab es in der Anfangszeit nur die Möglichkeit, weitere Blitze optisch über eine Fotozelle auszulösen, wurde bald die Auslösung über Funksignale möglich, was den Vorteil hatte, dass die Auslösung über lange Strecken und auch durch Wände oder Hindernisse hindurch funktionierte. In der Grundfunktion arbeiteten und arbeiten diese Auslösesysteme lediglich als Überträger eines Auslösesignals für den Blitz. Die Leistung musste manuell am Blitz eingestellt werden.

Es gibt Funkauslösesysteme, die die Übertragung von Daten zwischen der Kamera und Blitz und damit die Nutzung von TTL-Automatiken zur Blitzsteuerung möglich machen. Moderne Steuerungsysteme können beim Ansteuern mehrerer Blitze die Geräte in einzelne Gruppen unterteilen. Jede Gruppe kann von der Beleuchtungsintensität und dem Auslösezeitpunkt her inviduell eingestellt werden, so dass sehr differenzierte Beleuchtungsszenarien möglich sind.

Anwendungsbeispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Nahbereich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seitlich diffus beleuchtet
Kamerainterner Blitz
Entfesselter Blitz im Nahbereich mit improvisiertem Lichtzelt
  • Seitliche Beleuchtung. Diese wirkt gestalterisch oft besser als das frontale Blitzlicht, da eine räumlichere Wirkung entsteht.
  • das Blitzgerät wird zur Betonung eines Teils des Motives näher am Motiv platziert.
  • das Blitzgerät wird erhöht hinter der Kamera platziert. Es ergibt sich ein größerer ausgeleuchteter Bereich und je nach Umgebung auch etwas weicheres Licht, was zum Beispiel Blitzen mit starken Weitwinkelobjektiven ermöglicht.
  • Einsatz von Reflektoren. Der Blitz wird nicht aufs Motiv gerichtet, sondern auf einen Reflektor. Dadurch erhält man je nach Reflektor besonders weiches Licht.
  • beim indirekten Blitzen der Einsatz von Wänden oder Decken als Reflektoren. Bei farbigen Flächen (beispielsweise holzvertäfelte Decken) entstehen Farbstiche im Bild. Es erzeugt ein sehr weiches, natürlich wirkendes Licht mit angenehmer Schattenwirkung. Das Blitzen erfordert wegen der Streuverluste starke Blitzgeräte.
  • das Blitzgerät wird, da zu schwach oder zu stark, weiter ans Motiv herangerückt oder vom Motiv entfernt aufgestellt.

Größere Motive[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nächtliche Aufnahme mit entfesseltem Blitz
  • Ausleuchtung von sehr großen Motiven, beispielsweise Gebäude, Maschinen und Räume, durch räumlich und je nach Motiv auch zeitlich entfesselte Blitze.
  • in früheren Zeiten als spezielles Gebiet auch die Saal- oder Bankettphotographie, bei der zahlreiche Blitze gleichzeitig zur gleichmäßigen Ausleuchtung des Saals beziehungsweise der Menschenmenge genutzt wurden.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur (deutschsprachig)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Roggemann, Hendrik (2011): Entfesselt blitzen. Kreative Fotografie mit Systemblitzen. 2. Aufl. Heidelberg, München, Landsberg, Frechen, Hamburg: mitp-Verlag. ISBN 382669144X
  • McNally, Joe (2009): Joe McNallys hot shoe diaries. Groß inszenieren mit kleinem Blitz. München: Addison Wesley. ISBN 3827328675